
Lugano gelingt alles, Basel schiesst endlich Tore. Der 3. Spieltag im Rückblick
Ohne Shaqiri trifft Basel endlich aus dem Spiel heraus, Lugano zerlegt auch den zweiten Zürcher Club und Servette vermiest Zeidler den Geburtstag.
Marvin Keller hat gegen Omar Janneh die Nase vorn
FC Lausanne-Sport – BSC Young Boys, 2:2
Wenn Cédric Zesiger ein Tor schiesst, dann meistens per Kopf. Mit 1.94 Metern gleichgross wie Lausanne-Goalie Mastil kommt der Captain nach einem Eckball ohne grosse Mühe zum Kopfball, den er im Tor unterbringt. Zehn Minuten später verpasst Edimilson Fernandes den Ball und trifft stattdessen das Bein von Karim Sow. Die Young Boys spielen folglich zu zehnt und können trotzdem noch auf 2:0 erhöhen. Doch je länger die Partie dauert, desto mehr spürt man die Berner Unterzahl. Florent Mollet erzielt den Anschlusstreffer und Butler-Oyedeji zeigt, was man in Arsenals Jungendakademie lernt: Erst lässt er Isaac Schmidt ins Leere laufen und zirkelt dann den Ball von der Strafraumecke ins Lattenkreuz. Da gibt's nichts zu halten für Marvin Keller, der eigentlich eine gute Partie spielt und Lausannes Janneh gleich mehrmals am Torerfolg hindert. In der Nachspielzeit verhindert er gegen ihn gar die Lausanner Führung – mit seiner Nase.
Allrounder Abrashi
Servette FC – Grasshopper Club Zürich, 2:1
GC-Captain Abrashi ist nicht fürs Toreschiessen bekannt. Das weiss auch die Genfer Verteidigung. So lässt sie ihn unbewacht Richtung Tor ziehen, und siehe da: Der weiss ja haargenau, wo das Tor steht. In Mittelstürmer-Manier schiesst er zum ersten Mal seit seiner Rückkehr zu GC ein Tor und damit den Führungstreffer. Doch nur kurz konnte Peter Zeidler das Geburtstagsgeschenk seines Captains geniessen, weil Servette noch in der ersten Halbzeit ausgleicht und in der Schlussphase mit einem Traumtor – Chipball Cognat, Volley-Hammer Lambourde – in Führung geht. Ob Marvin Hübel, der seit seinem Wechsel von Aarau zu GC nur auf der Bank sitzt, dafür in die Brack Super League gewechselt ist? Immerhin kann er solche Traumtore nun aus der ersten Reihe bestaunen .
Erst rissen sie ihr Stadion ab, dann die Köpfe der Zürcher
FC Lugano – FC Zürich, 5:0
Auf den Rängen waren die Zürcher zumindest akustisch dominant. Auf dem Platz zeichnete sich jedoch ein anderes Bild ab. Eines, das klarer nicht sein könnte. Nachdem die Luganesi am 2. Spieltag bereits GC vom Platz fegten, fiel ihnen in der vergangenen Runde der nächste Zürcher Club zum Opfer. Da brachte auch ein frühzeitiger Doppelwechsel keine Veränderung der Machtverhältnisse ins Geschehen. Krasniqi, der sich nach den Streicheleinheiten seines Trainers auf der Pressekonferenz bereits als gesetzten Spieler wähnte, musste zusammen mit Berisha schon in der ersten Halbzeit vom Platz. Kein Grund für Lugano, den FCZ nicht weiterhin nach allen Regeln der Kunst zu demontieren. «Das ist, glaube ich, nicht das, was wir uns vorgenommen haben», vermutet Captain Kamberi nach dem Spiel. Ich bezweifle zwar auch, dass eine 5:0-Niederlage die Intention war, doch vielleicht sollte Koller das Ziel vor dem Klassiker am 22. September doch eindeutig kommunizieren. Nicht, dass es dann wieder Missverständnisse gibt.
S(h)owdown in Basel
FC Basel – FC Thun, 4:2
Es geht ja doch! Die Basler erleben den Ketchup-Effekt und treffen zum ersten Mal in dieser Saison aus dem Spiel heraus – und das gleich viermal. An allen Treffern gegen den Meister ist Asane Sow beteiligt. Der Italiener stiess im Sommer von GC-Partnerverein Pro Vercelli aus der Serie C zu Rotblau und sorgt am Rheinknie für Hoffnung in der Offensive. Ob das Auswirkungen auf Shaqiris Rolle in der Mannschaft haben wird, der am Sonntag vorerst auf der Bank Platz nehmen musste? Immerhin bedankt sich der Captain beim MVP, als dieser ihm nach seiner Einwechslung den Treffer zum 4:1 lässig per Hackenpass auflegt. Lichtsteiner kann erstmal durchatmen. Seelenfrieden strahlt er in der anschliessenden Pressekonferenz allerdings nicht gerade aus.
Vaduz' Mut bleibt weiter unbelohnt
FC Sion – FC Vaduz, 3:2
Null Punkte nach drei Spielen spiegelt nicht die Leistung wider, die Vaduz bisher gezeigt hat. Der Aufsteiger geht im Wallis zweimal in Führung, doch die Sittener kommen immer wieder zurück und kehren nach einem Vierfachwechsel in der zweiten Hälfte das Spiel in der Nachspielzeit. Beinahe nicht zurück kam Trainer Marc Schneiders Stimme, als er nach dem Spiel sein Fazit zieht. Die guten Leistungen seien bisher nicht belohnt worden, ordnet Schneider zurecht ein. Mit Lugano, St.Gallen und Sion standen bisher drei der vier Bestplatzierten aus letzter Saison auf dem Programm. Nach dem Rückspiel gegen Inter Turku in der dritten Qualifikationsrunde des Europa Cups müssen die Liechtensteiner dann noch gegen YB ran, bevor sie sich gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte messen dürfen.
Eine direkte Gelb-Rote Karte für den MVP aus Parma
FC St.Gallen 1879 – FC Luzern, 2:2
Einen nicht ganz so schlimmen Abend wie Nevio Di Giusto vom FCZ erlebt Bruder Matteo mit Luzern. So schön, wie es in der 89. Minute nach seinem Treffer zur vermeintlichen Entscheidung scheint, endet's dann aber doch nicht. Die zwei Vereine, die sich so lange so sehnlichst ein Derby wünschten und schliesslich beschlossen, es einfach kantonsübergreifend untereinander auszutragen, lieferten sich ein Spiel, das dieser Rivalität, deren Entstehung nicht allen ganz klar ist, gerecht wurde. Während Simon Simoni nach seinem dritten Patzer im dritten Spiel getröstet werden muss, liefert Parma-Leihspieler Mikolajewski ab. Mit der ersten Ballberührung leitet er den Angriff ein, den er mit dem zweiten Kontakt dann gleich selbst zu Ende bringt. Wäre Mitspieler Oehlers etwas effizienter, hätte er zum Debut-Tor gleich noch bis zu drei Assists verbuchen können. Der Pole spielt zu gut, findet auch der Schiedsrichter, der ihn mit gelb-rot vom Platz stellen will, ehe er merkt, dass die Nummer 19 noch gar nicht vorbelastet war.
Was war für dich die heisseste Szene in der dritten Runde der Brack Super League? Schreib's uns in die Kommentare.
Quelle Titelbild: Freshfocus/SFL
Marketing Manager Editorial Content
Mein erstes Wort war "Ball" – und auch heute noch dreht sich in meinem Leben fast alles um Fussball. Wenn ich nicht gerade selbst auf dem Rasen stehe, schreibe ich hier über die neuesten Entwicklungen im Schweizer und internationalen Fussball und teile meine Gedanken rund um die Brack Super League. Doch meine Leidenschaft für das Schreiben geht darüber hinaus. Ob Sport, Gesellschaft oder Kultur – ich schreibe, weil Sprache für mich mehr ist als Mittel zum Zweck: Sie ist Werkzeug, Spielplatz und Zuhause zugleich.
Alle Beiträge des Autors anzeigenAlle Beiträge zum Thema

Brack Super League-Spieler im Fokus: Junior Kadile, Servette FC
Junior Kadile stand in der Rückrunde der vergangenen Saison bereits als Leihspieler von Almere City bei Servette FC unter Vertrag. Diesen Sommer konnten die Grenats ihn fest verpflichten. Nach einer Oberschenkelverletzung steht sein Comeback kurz bevor.
13.08.2026
Mehr lesen
Was kann FC Luganos neue Heimstätte, die AIL Arena?
Die brandneue AIL Arena ist das modernste und schickste Fussballstadion der Schweiz. Doch sorgt Luganos neue Heimstätte neben all dem Luxus auch für Gänsehaut auf den Rängen?
13.08.2026
Mehr lesen
Lugano gelingt alles, Basel schiesst endlich Tore. Der 3. Spieltag im Rückblick
Ohne Shaqiri trifft Basel endlich aus dem Spiel heraus, Lugano zerlegt auch den zweiten Zürcher Club und Servette vermiest Zeidler den Geburtstag.
11.08.2026
Mehr lesen
Hat die Brack Super League ein Goalie-Problem? Der 2. Spieltag im Rückblick
Während eine Hitzewelle die Schweiz plagt, regnet es im Berner Oberland Tore. St.Gallen bezwingt den Angstgegner und in Zürich zeigt ein Feldspieler den Goalies, wie man den Ball festhält.
04.08.2026
Mehr lesen
Saisonauftakt voller Überraschungen: Die Brack Super League ist zurück
Der Meister gewinnt mit der B-Elf, St.Gallen hat einen Ersatz für Alessandro Vogt gefunden und beim Aufsteiger muss ein Feldspieler ins Tor. Die Brack Super League ist zurück und zeigt: Es wird auch in dieser Saison nicht langweilig.
28.07.2026
Mehr lesen
«Traumberuf Fussballer» – ein Trug? Sportpsychologe und Mentalcoach ordnen ein
Nervosität, Angstzustände und Drohungen in den sozialen Medien. Das ist die Realität, der viele Profifussballer:innen ausgesetzt sind. Sportpsychologe Alain Meyer und Mentalcoach Steven Schüller sprechen darüber, was besser läuft als früher, wo noch Luft nach oben ist und wieso das Leben als Fussballprofi nicht den Grundbedürfnissen des Menschen entspricht.
22.07.2026
Mehr lesen



