
Was kann FC Luganos neue Heimstätte, die AIL Arena?
Die brandneue AIL Arena ist das modernste und schickste Fussballstadion der Schweiz. Doch sorgt Luganos neue Heimstätte neben all dem Luxus auch für Gänsehaut auf den Rängen?
Die nagelneuen Metallstangen der Absperrgeländer vor dem Ticketoffice reflektieren funkelnd die glühende Sonne. «Ciao Marius», ruft mir Marzio Mellini, Head of Media & Corporate Relations beim FC Lugano, zu und erlöst mich von der betäubenden Hitze, in der ich vor dem Stadion auf ihn warte. Marzio führt mich über einige Treppen und Gänge in den Pressekonferenzsaal, der angenehm kühl und, wie das meiste in der Arena, in den Vereinsfarben Schwarz und Weiss gestaltet ist.
Boardroom und Tunnel Club
Wir nehmen den Lift ins oberste Stockwerk. Als wir ihn wieder verlassen, blicke ich durch grosse Glasfenster auf das Spielfeld und die gegenüberliegende Tribüne. Der Grossteil der Klappstühle ist schwarz, dazwischen bilden einige weisse Sitze ein Muster und die Jahreszahl 1908 – das Gründungsjahr des FC Lugano –, dazwischen das Vereinslogo.
Ganz in der Nähe des Übertragungssaals, in dem eine Vielzahl an Bildschirmen, Kameras und Reglern untergebracht ist, befindet sich der «Boardroom». Dort steht ein langer, etwa zur Hälfte gedeckter Tisch.
Wer dieses Paket bucht, geniesst hier nicht nur das Food & Beverage-Angebot, sondern erhält auch Zugang zum «Tunnel Club». Dafür dürfen die Gäste runter in die Katakomben. Hinter einer Glasscheibe sitzt man dort den Spielern beim Rauskommen aus der Kabine fast auf der Pelle und wartet mit ihnen auf das Zeichen des Schiedsrichters. Während die Spieler sich dort unten aufmunternd abklatschen, sich die letzten Anweisungen vom Captain anhören oder mit einem stählernen Blick fokussiert ins Stadioninnere schauen, ist die Anspannung hier förmlich greifbar. Ein cooles Extra, das weit über ein VIP-Dinner hinausgeht.
Nach diesem einmaligen Erlebnis geht es für die Gäste wieder nach oben, auf die Tribüne. Dort sitzen sie zwar etwas weiter weg vom Rasen, dafür geniessen sie eine hervorragende Sicht aufs Spielgeschehen. Und das äusserst bequem: Die Sitze sind gut gepolstert, verfügen über USB-Anschlüsse und sind sogar mit einer Sitzheizung ausgestattet. An diesem heissen Sommertag kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen, als ich das erfahre. Im tiefen Winter werde ich mich aber bestimmt daran erinnern, wenn mir auf irgendeiner Tribüne der Brack Super League die Beine zittern.
Gepolstert, mit USB-Anschluss und sogar einer Sitzheizung ausgestattet.
Die «Lugano's Plan Lounge»
Wir laufen weiter. Es folgen viele runde, edel gedeckte Tische. Hier sitzt, wer das «Lugano's Plan Lounge»-Paket gebucht hat. Wäre da nicht dieses grüne Feld, das von praktisch überall zu sehen ist, würde ich mich eher in einem Boutique-Hotel als in einem Fussballstadion wähnen.
Die Tische in der «Lugano's Plan Lounge» sind gedeckt.
Und dann der Kontrast: Aus dem Fenster auf der anderen Seite blicke ich direkt auf die Baustelle, wo das alte Stadion – das historische Cornaredo – abgerissen wurde. Unterschiedlicher könnten diese beiden Welten kaum sein.
Die Tische ein Stockwerk tiefer sind schon etwas schlichter gehalten. In der «Business Lounge» wird allerdings ebenfalls gut gespiesen. Ein tomatig-süsser Duft liegt in der Luft. Ich frage mich, was wohl auf der Speisekarte steht.
Gut riecht's hier in der «Business Lounge»
Bloss ein schicker Luxustempel für VIP-Gäste?
Alles schön und gut, aber letztlich zweitrangig und ohnehin verborgen für die meisten Fans, die aus anderen Gründen ins Stadion gehen. Ein Stadion lebt nicht von Sitzheizung und Fingerfood, sondern von der Atmosphäre auf der Tribüne und dem, was auf dem grünen Rechteck in der Mitte geschieht.
Die gute Nachricht: Hinter der AIL Arena steckt mehr als nur schicke VIP-Bereiche. Das zeigt auch der Saisonstart des FC Lugano – die neue Arena scheint ihm dabei Rückenwind zu geben. Nach traumhaftem Auftakt darf am Lago di Lugano wieder geträumt werden. Von Europa und vom vierten Meistertitel. Zeit also, dorthin zu gehen, wo der Fussball noch stärker im Mittelpunkt steht.
Fanshop
Bevor wir uns die exklusiveren Bereiche anschauen, machen wir einen Abstecher in den Fanshop. Der Shop ist auch an spielfreien Tagen geöffnet. Durch die Fenster fällt der Blick direkt ins Stadion. Wer hier ein Trikot oder einen Schal kauft, bekommt also auch dann etwas Stadiongefühl mit, wenn auf dem Rasen gerade kein Ball rollt.
Vom Fanshop sieht man direkt ins Stadioninnere.
Kabine, Gym und Chillraum
Die Kabine, der Ort, an dem aus Fussballern eine Mannschaft wird, schreit förmlich «Bianconeri». Die Trikots für das Spiel, das in wenigen Stunden beginnt, hängen bereits. Darüber befinden sich Bildschirme, auf denen die jeweiligen Trikotnummern der Spieler angezeigt werden. An Nicht-Spieltagen zeigen die Bildschirme zudem das Tagesprogramm an. Ein Spieler sieht dort beispielsweise, ob nach dem Training noch eine Spezialeinheit im Gym auf ihn wartet.
Genau dorthin gehen wir dann. An einen Ort, an dem wahrscheinlich nicht alle Spieler gleich gerne ihre Zeit verbringen. Hier werden Muskeln gestählt, Schweisstropfen vergossen und die Grundlage für die nächsten 90 Minuten gelegt.
Direkt daneben befindet sich ein Raum, in dem sich der eine oder andere Spieler vermutlich lieber aufhält. Es ist eine Art Chill-Raum – mit Billardtisch, Töggelikasten, grossem TV und Sofa. Hier verbringen die Profis ihre Zeit, wenn zwischen zwei Terminen etwas Luft bleibt.
Hier verbringen die Spieler ihre freien Slots zwischen Terminen.
Raus auf den Rasen
Anschliessend dürfen wir endlich aufs Spielfeld. Auf dem frisch eingesetzten Hybridrasen würde ich am liebsten selbst ein paar Bälle schlagen. Doch daraus wird nichts: Schon bald werden die beiden Mannschaften zum Aufwärmen auf den Platz kommen. Auf den beiden grossen LED-Bildschirmen über den gegenüberliegenden Tribünen werden die Zuschauerinnen und Zuschauer willkommen geheissen. Dahinter erheben sich die Tessiner Voralpen mit dem Monte Brè. Eine beeindruckende Kulisse.
Eine atemberaubende Kulisse.
Und angesichts der Hitze bin ich fast ein bisschen froh, dass ich nicht selbst auf dem Rasen stehen muss. Also geht es zurück in den angenehm kühlen Pressekonferenzsaal.
Hier schlägt das Fussballherz
Eine halbe Stunde vor Spielbeginn setze ich mich auf die Tribüne in der Nähe der Medienplätze. Ich schaue den Spielern beim Aufwärmen und den Fankurven beim Platzieren ihrer Transparente zu. Von den 8793 möglichen Sitzplätzen sind 7269 besetzt – neuer Besucherrekord. Und während sich kurz vor Anpfiff die Spannung im Stadion ausbreitet, die Spieler einlaufen und die Fankurven sich ein erstes Mal ein akustisches Duell liefern, wird mir klar: Bei all dem Luxus ist das Wesentliche nicht verloren gegangen. Internationale Tauglichkeit, Infrastruktur der Extraklasse – und trotzdem: ein Fussballstadion. Die neue Festung des FC Lugano schafft den Spagat. Das Spiel kann beginnen.
Das Stadion ist gut gefüllt.
Alle Bilder in diesem Beitrag: Marius Bachmann
Marketing Manager Editorial Content
Mein erstes Wort war "Ball" – und auch heute noch dreht sich in meinem Leben fast alles um Fussball. Wenn ich nicht gerade selbst auf dem Rasen stehe, schreibe ich hier über die neuesten Entwicklungen im Schweizer und internationalen Fussball und teile meine Gedanken rund um die Brack Super League. Doch meine Leidenschaft für das Schreiben geht darüber hinaus. Ob Sport, Gesellschaft oder Kultur – ich schreibe, weil Sprache für mich mehr ist als Mittel zum Zweck: Sie ist Werkzeug, Spielplatz und Zuhause zugleich.
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