
Haarausfall bei Männern: Ist da noch was zu retten?
Erst werden die Geheimratsecken grösser, dann das Haar lichter. Und irgendwann stellt sich die Frage: Kann man Haarausfall bei Männern überhaupt stoppen? Wir haben bei den Profis nachgefragt, was wirklich hilft und was nur Hoffnung verkauft.
Wenn die Haarlinie langsam den Rückzug antritt
Es gibt Dinge, die Männer vermutlich lieber verlieren würden als ihre Haare. Den Wohnungsschlüssel zum Beispiel. Oder die Diskussion darüber, wer den Müll runterbringt.
Während manche Männer mit 60 noch eine Haarpracht wie ein Rockstar haben, beginnt bei anderen schon mit Anfang 20 der unfreiwillige Rückzug der Haarlinie.
Und wer sich einmal mit dem Thema Haarausfall beschäftigt, landet ziemlich schnell in einem Dschungel aus Koffein-Shampoos, Haarseren und angeblichen Wundermitteln. Die Versprechen sind gross, die Preise teilweise auch. Aber wächst davon tatsächlich wieder etwas?
Ich wollte wissen, ob sich Haarausfall bei Männern wirklich aufhalten lässt oder ob die Gene am Ende doch das letzte Wort haben. Also habe ich bei den Profis des PerfectHair Salons an der Turbinenstrasse in Zürich nachgefragt.
Haarausfall oder einfach nur Pech beim Haarewaschen?
Wer nach dem Duschen ein paar Haare im Abfluss entdeckt, muss nicht gleich eine Abschiedsrede halten. Laut den Salonprofis verlieren wir täglich ungefähr 50 bis 100 Haare. Das ist völlig normal, schliesslich erneuern sich unsere Haare ständig.
Verdächtig wird es, wenn sich nicht nur der Abfluss, sondern auch das Spiegelbild verändert. Die Geheimratsecken werden grösser, der Oberkopf lichter oder die Haare wachsen zunehmend dünner nach. Besonders bei plötzlichem Haarverlust, kreisrunden kahlen Stellen oder einer entzündeten Kopfhaut raten die Fachpersonen zu einer dermatologischen Abklärung.
Danke, Mama! Oder war es doch Papa?
Einer der hartnäckigsten Mythen rund um Haarausfall lautet: Männer erben ihre Glatze vom Grossvater mütterlicherseits. Praktisch, wenn man einen Schuldigen sucht. Wissenschaftlich allerdings nicht ganz korrekt.
Denn die genetische Veranlagung für Haarausfall kann von beiden Elternteilen stammen. Dazu kommt ein Hormon mit einem wenig einprägsamen Namen: Dihydrotestosteron, kurz DHT. Bei genetisch empfindlichen Haarfollikeln sorgt DHT dafür, dass diese mit der Zeit schrumpfen. Die Haare werden immer feiner, wachsen kürzer und bleiben irgendwann möglicherweise ganz aus.
Übrigens bedeutet eine Glatze nicht automatisch, dass ein Mann besonders viel Testosteron hat. Entscheidend ist vor allem, wie empfindlich die Haarfollikel auf DHT reagieren.
Allerdings steckt nicht hinter jedem Haarverlust die Genetik. Auch Stress, Krankheiten oder Nährstoffmängel können dazu führen, dass plötzlich mehr Haare ausfallen.
Kann man Haarausfall bei Männern wirklich stoppen?
Jetzt wird es interessant. Denn während uns die Werbung gerne suggeriert, dass sich jedes Haarproblem mit dem richtigen Produkt lösen lässt, sieht die Realität etwas komplizierter aus.
Ja, erblich bedingter Haarausfall lässt sich häufig verlangsamen. In manchen Fällen können die Haare sogar wieder dichter werden. Entscheidend ist allerdings, wie früh man mit einer geeigneten Behandlung beginnt.
Die PerfectHair Profis nennen vor allem zwei Wirkstoffe, deren Wirksamkeit wissenschaftlich gut untersucht ist.
Minoxidil: Ein Motivationsschub für die Haarwurzeln
Minoxidil wird direkt auf die Kopfhaut aufgetragen und kann das Haarwachstum fördern. Bei manchen Männern werden die Haare dadurch wieder dichter, bei anderen lässt sich zumindest der weitere Verlust bremsen.
Allerdings braucht es Geduld. Erste sichtbare Ergebnisse zeigen sich meist erst nach mehreren Monaten.
Und jetzt kommt der weniger erfreuliche Teil: Wer die Behandlung beendet, verliert die erzielten Fortschritte in der Regel wieder. Minoxidil ist also keine einmalige Rettungsaktion, sondern eine längerfristige Verpflichtung.
Finasterid: Wenn man DHT den Stecker zieht
Finasterid setzt direkt beim Hormon DHT an. Es hemmt dessen Bildung und kann so verhindern, dass empfindliche Haarfollikel weiter schrumpfen.
Das verschreibungspflichtige Medikament kann allerdings Nebenwirkungen verursachen, darunter sexuelle Funktionsstörungen und psychische Beschwerden. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, sollte deshalb immer ärztlich besprochen werden.
Der wichtigste Hinweis aus dem Salon: Je früher die Ursache erkannt und eine geeignete Behandlung begonnen wird, desto besser stehen häufig die Chancen, vorhandene Haare zu erhalten.
Oder anders gesagt: Es ist einfacher, Haare zu behalten, als bereits verlorene zurückzuholen.
Koffein-Shampoo gegen Haarausfall: Kann das wirklich etwas?
Koffein-Shampoos, Haarseren, Kopfhautmassagen, Vitaminkapseln: Wer nach Mitteln gegen Haarausfall sucht, könnte problemlos einen ganzen Badezimmerschrank damit füllen.
Die Werbung verspricht kräftigere Haarwurzeln, dichteres Haar und manchmal gefühlt gleich eine komplett neue Frisur. Aber wie viel davon stimmt?
Die Einschätzung der Salonprofis ist nüchtern: Shampoos und Seren können die Kopfhaut pflegen und das Haar kräftiger erscheinen lassen. Dass gewöhnliche Koffein-Shampoos erblich bedingten Haarausfall zuverlässig stoppen, ist wissenschaftlich jedoch nicht ausreichend belegt. Auch bei Pflanzenextrakten fehlen für viele der beworbenen Wirkungen überzeugende Studien.
Nahrungsergänzungsmittel können sinnvoll sein, wenn tatsächlich ein Nährstoffmangel vorliegt. Wer aber bereits ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt ist, bekommt durch zusätzliche Kapseln nicht automatisch mehr Haare.
Ein gutes Shampoo kann also durchaus etwas für deine Haare tun. Deine Gene umprogrammieren gehört leider nicht dazu.
Können ausgefallene Haare wieder nachwachsen?
Die Antwort auf diese Frage ist vermutlich die, auf die viele Männer besonders gespannt sind: Ja, unter bestimmten Voraussetzungen können Haare wieder nachwachsen. Bei vorübergehendem Haarausfall, beispielsweise nach einer Erkrankung oder aufgrund eines Nährstoffmangels, stehen die Chancen häufig gut. Sobald die Ursache behoben ist, kann sich das Haarwachstum wieder normalisieren.
Auch bei erblich bedingtem Haarausfall lässt sich teilweise eine Verbesserung erzielen, solange die Haarfollikel noch aktiv sind.
Sind die Haarfollikel allerdings dauerhaft zerstört, wachsen dort keine neuen Haare mehr. Da hilft leider auch kein Shampoo, das mehr kostet als ein gutes Abendessen.
Und wenn nichts mehr hilft?
Bei fortgeschrittenem Haarverlust kann eine Haartransplantation eine Möglichkeit sein. Dabei werden gesunde Haarfollikel aus einem dichter bewachsenen Bereich des Kopfes an kahle Stellen verpflanzt.
Das kann optisch viel verändern, ist aber keine Garantie für dauerhaft volles Haar. Denn auch nach einer Transplantation können die übrigen, nicht transplantierten Haare weiter ausfallen.
Der wichtigste Tipp der Profis: Nicht einfach abwarten
Was würden die Fachpersonen von PerfectHair Männern empfehlen, die erste Anzeichen von Haarausfall bemerken?
Vor allem eines: Frühzeitig die Ursache abklären lassen.
Hilfreich ist es ausserdem, die Entwicklung mit Fotos festzuhalten. Am besten immer bei ähnlichem Licht und aus demselben Winkel. So lässt sich besser erkennen, ob die Haarlinie tatsächlich zurückgeht oder ob die Badezimmerbeleuchtung gerade besonders gnadenlos ist.
Wer sich für eine Behandlung entscheidet, sollte zudem realistische Erwartungen haben. Haarwachstum braucht Zeit, und nicht jede Methode funktioniert bei jedem gleich gut.
Bei plötzlichem oder ungewöhnlichem Haarausfall gehört die Abklärung in dermatologische Hände. Denn bevor man Geld in die nächste Wunderkur investiert, sollte man überhaupt wissen, warum die Haare ausfallen.
Fazit: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Die Haarwurzel hoffentlich nicht.
Haarausfall bei Männern ist nicht immer ein endgültiges Urteil. Mit den richtigen Behandlungen lässt sich der Haarverlust häufig verlangsamen und manchmal sogar teilweise rückgängig machen.
Entscheidend sind die Ursache, der Zeitpunkt der Behandlung und eine gesunde Portion Skepsis gegenüber allzu grossen Werbeversprechen.
Und falls sich die Haare trotz allem verabschieden? Auch das ist kein Weltuntergang. Jason Statham hat schliesslich längst bewiesen, dass eine Glatze einer ziemlich erfolgreichen Karriere nicht im Weg steht.
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Quelle Titelbild: Unsplash | Getty Images
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Beauty, Trends und kreative Inhalte haben mich schon immer begeistert – früher mit dem Traum, irgendwann mal Prinzessin zu werden, heute mit der Leidenschaft für Texte, die sich jung, spannend und nicht nach Standard anfühlen. Wenn ich nicht gerade schreibe oder auf TikTok im nächsten Trend-Rabbit-Hole verschwinde, findet man mich wahrscheinlich im Gym, irgendwo am See in der Sonne oder gedanklich schon auf der nächsten Reise. Und sobald ich am Meer bin, verliere ich sowieso komplett jedes Zeitgefühl.
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