
Ballon d’Or 2026: Kane oder Yamal, wer holt den Goldenen Ball?
Kurz vor der Ballon d’Or-Vergabe wird wieder einmal deutlich, wie schwierig es ist, individuelle Klasse in einem Mannschaftssport zu bewerten. Einen glasklaren Favoriten gibt es dieses Jahr nicht. Vor allem zwei Namen werden derzeit hochgesungen.
Wo und wann wird die Ballon d'Or-Zeremonie übertragen?
Die 70. Ballon d'Or-Vergabe wird zu Ehren des allerersten Gewinners, des Engländers Stanley Matthews, in London, statt wie üblich in Paris, ausgetragen. Die Gala im London Palladium Theatre beginnt am Montag, 26. Oktober 2026, um 21.00 Uhr. Die Zeremonie ist kostenlos auf DAZN im Livestream zu verfolgen. Ein DAZN-Konto ist dafür erforderlich, ein Abo jedoch nicht.
Nach welchen Kriterien wird der Ballon d'Or vergeben?
Die Ballon d'Or-Vergabe ist jedes Jahr ein emotionales, heiss diskutiertes Thema unter den Fans und immer wieder sorgt die Entscheidung in gewissen Fanlagern für Empörung. Wie wird der Auserkorene eigentlich gewählt?
Der Ballon d'Or wird jeweils vom Magazin France Football organisiert. Laut dem offiziellen Reglement basiert die Wahl auf drei Kriterien: individuelle Leistungen, Mannschaftsleistungen/gewonnene Titel sowie Klasse und Fairplay, in dieser Reihenfolge. Eine internationale Jury aus spezialisierten Journalist:innen wählt aus einer Liste von 30 Nominierten ihre zehn Favoriten. Diese erhalten je nach Rang zwischen 15 und 1 Punkt. Wer insgesamt die meisten Punkte sammelt, gewinnt. Bei Gleichstand entscheiden zunächst die meisten Erstplatzierungen, danach die Zweitplatzierungen usw. Bewertet werden die Leistungen der Saison vom 3. August 2025 bis zum 19. Juli 2026.
Harry Kane oder Lamine Yamal: Zwei Arten von Weltklasse
Was spricht für Kane?
Der Engländer liefert konstant ab und taucht kaum je unter. Er ist kein klassischer Strafraumstürmer, sondern lässt sich weit fallen, dirigiert seine Mitspieler, schlägt Pässe, die andere Stürmer nicht einmal sehen, und schiesst Tore am Laufmeter. 61 Treffer in 51 Pflichtspielen für Bayern stehen in seiner Bilanz, dazu der Goldene Schuh als bester Torschütze Europas. Auch beim Kriterium Klasse und Fairplay punktet er.
Gegen Bayerns Nummer 9 spricht einzig die Titelbilanz. Mit Bayern hat er zwar Meisterschaft und DFB-Pokal gewonnen, in der Champions League und an der WM war aber jeweils im Halbfinale Schluss.
Als ich Kane am Mittwoch gegen Arsenal gesehen habe, dachte ich nur: Der muss das Ding gewinnen. Auch wenn dieses Spiel für die Wahl nicht mehr zählte. Für mich hat er es verdient. Dass Englands Captain, anders als Yamal oder Mbappé, keine offensive Eigenwerbung betreibt, würde die Sache umso schöner machen.
Zauberer Lamine Yamal
Was das 19-jährige Jahrhunderttalent mit dem Ball anstellt, ist schwer in Worte zu fassen. Wenn Yamal so weiter spielt, wird er den Ballon d’Or früher oder später mit Sicherheit gewinnen. Von den Anlagen her ist der Spanier wahrscheinlich schon heute der Beste der Welt. Dass er mit 19 bereits zum dritten Mal nominiert ist, spricht Bände. Für einen diesjährigen Gewinn sprechen neben der Magie, die er auf den Platz bringt, vor allem die Titel: Er ist Weltmeister mit Spanien und spanischer Meister mit Barcelona.
Zum Verhängnis dürfte ihm werden, dass er letzte Saison nicht durchgehend konstant blieb. In manchen Spielen ging er unter, auch weil ihn die Gegner meist doppelt oder dreifach gedeckt haben. An der Weltmeisterschaft fand er nach seiner Verletzung nicht zu seiner Bestform zurück und trug weniger zum Titel bei als andere Mitspieler.
Weitere Kandidaten
Kylian Mbappé: Individuell unglaublich. Mbappé ist immer gefährlich, mit Frankreich wie mit Real Madrid. Selbst wenn es bei den Madrilenen nicht läuft, braucht er nur ganz wenige Chancen. So wurde er Torschützenkönig sowohl der spanischen Liga als auch der Champions League. Ohne Mannschaftstitel wird es für ihn aber nicht reichen.
Michael Olise: Ebenfalls herausragend, Kane liegt aber noch vorne. Und wer nicht der Beste bei Bayern ist, ist auch nicht der Beste der Welt.
Khvicha Kvaratskhelia: Sein Anteil am zweiten Champions League-Titel in Folge mit PSG war enorm. Leider hat Georgien die Weltmeisterschaft verpasst, und in einem WM-Jahr ist es eben beinahe unmöglich, ganz vorne zu landen, ohne teilgenommen zu haben. Dennoch für mich einer, über den im Ballon d'Or-Rennen zu wenig gesprochen wird.
Schweizer bei der Ballon d'Or-Verleihung
Auch zwei Schweizer werden in London erwartet: Johan Manzambi, der nach seiner Verletzung an der WM bei Aston Villa eingeschlagen hat, ist für den Award «Men’s Young Talent of the Year» nominiert.
Gregor Kobel gehört zu den zehn Nominierten für die Wahl zum Torhüter des Jahres.
Ballon d'Or féminin
Bei den Frauen ist Aitana Bonmati, die verletzungsbedingt länger ausfiel, nicht nominiert, nachdem sie den Preis dreimal in Folge gewann. Ihre Teamkolleginnen beim FC Barcelona, Alexia Putellas und Ewa Pajor, gehören zu den Mitfavoritinnen auf den Goldenen Ball.
Keine eindeutige Messlatte
Der Wunsch, den besten Spieler der Welt eindeutig zu bestimmen, ist ohnehin heikel. Fussball ist kein Wettbewerb, in dem alle dieselben Aufgaben erfüllen. Es gibt keine gemeinsame Messlatte, die jede Leistung vollständig abbildet. In der Ära von Messi und Ronaldo spielte das kaum eine Rolle. Die beiden waren derart überragend, dass es keine brauchte. Heute sieht es anders aus.
Am Montagabend wird in London der Ballon d’Or 2026 verliehen. Ich bin gespannt, wer die Jury am Ende überzeugt hat. Und ich bin vor allem froh, dass Fabrizio Romano es nicht bereits im Vorfeld verraten hat.
Wem sollte der Goldene Ball deiner Meinung nach überreicht werden? Schreib's in die Kommentare.
Quelle Titelbild: KI-generiert mit OpenAI
Marketing Manager Editorial Content
Mein erstes Wort war "Ball" – und auch heute noch dreht sich in meinem Leben fast alles um Fussball. Wenn ich nicht gerade selbst auf dem Rasen stehe, schreibe ich hier über die neuesten Entwicklungen im Schweizer und internationalen Fussball und teile meine Gedanken rund um die Brack Super League. Doch meine Leidenschaft für das Schreiben geht darüber hinaus. Ob Sport, Gesellschaft oder Kultur – ich schreibe, weil Sprache für mich mehr ist als Mittel zum Zweck: Sie ist Werkzeug, Spielplatz und Zuhause zugleich.
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