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Mein kurzer Ausflug in die Welt der Blush Blindness

Früher besass ich genau einen Blush. Ich benutzte ihn selten und wenn, dann so vorsichtig, als müsste ich mit jedem Pinselstrich persönlich bei meiner Foundation um Erlaubnis fragen. Dann kam TikTok.

Plötzlich sah ich überall Menschen, die sich drei, vier, fünf Punkte Liquid Blush auf jede Wange setzten. Und sie sahen fantastisch aus. Frisch. Rosig. Sonnengeküsst. Als würden sie täglich acht Stunden schlafen, zwei Liter Wasser trinken und ihre Steuererklärung immer pünktlich einreichen. Ich wollte auch so aussehen. Also begann mein kurzer, aber intensiver Ausflug in die Welt der Blush Blindness.

Es begann ganz harmlos

Erst kam etwas mehr Blush auf die Wangen. Dann wanderte er Richtung Schläfen. Dann auf die Nase. Irgendwann sass ich morgens vor dem Spiegel und dachte bei einer Menge Rouge, die mich drei Monate zuvor noch erschreckt hätte: Hm. Könnte noch etwas vertragen.

Genau das ist mit «Blush Blindness» gemeint. Man gewöhnt sich so sehr an einen bestimmten Look, dass sich die eigene Wahrnehmung verschiebt. Was früher viel gewesen wäre, wirkt plötzlich völlig normal.

Bis jemand ein Foto von dir macht. Und du feststellst, dass deine Wangen den Raum ungefähr fünf Minuten vor dir betreten haben.

Zu meiner Verteidigung: Blush ist gefährlich

Blush hat nämlich eine ziemlich überzeugende Eigenschaft: Er funktioniert. Ein bisschen Farbe lässt das Gesicht sofort frischer wirken. Also denkt sich mein Gehirn natürlich: Wenn ein bisschen gut aussieht, müsste mehr noch besser aussehen. Logisch. Falsch, aber logisch.

Erschwerend kommt hinzu, dass kräftiger Blush auf TikTok und Instagram oft richtig gut aussieht. Kamera und Beleuchtung können Farbe schlucken. Was auf dem Bildschirm nach «subtilerm Rosé-Traum» aussieht, kann im echten Leben schnell eher Kategorie «gerade einen Halbmarathon absolviert» sein.

Dann kaufte ich natürlich auch die falschen Farben

Denn wenn man schon zu viel Blush trägt, kann man wenigstens zusätzlich noch mit verschiedenen Farben experimentieren. Dabei habe ich gelernt: Nicht jeder Ton, den ich bei jemand anderem wunderschön finde, sieht an mir genauso aus.

Ein guter Anhaltspunkt ist der Hautunterton . Kühle Hauttypen harmonieren häufig mit Rosé, Mauve, Beerentönen oder kühlem Pink. Bei warmen Untertönen passen oft Pfirsich, Apricot, Koralle oder warme Terrakottatöne besonders gut. Neutrale Typen können meist aus beiden Welten schöpfen.

Falls du deinen Unterton nicht kennst, kann Schmuck einen ersten Hinweis geben: Steht dir Silber besonders gut, spricht das eher für kühl, Gold eher für warm. Funktioniert beides, könntest du neutral sein.

Aber bitte versteh das nicht als Blush-Gesetzbuch. Wenn dein Herz knallpink will, bekommt dein Gesicht knallpink.

Blush-Farben nach Hautunterton. Quelle: KI-generiert | Chatgpt.
Blush-Farben nach Hautunterton. Quelle: KI-generiert | Chatgpt.

Auch die Platzierung kann einiges retten

Ich dachte lange: Wange ist Wange. Tatsächlich verändert die Platzierung aber ziemlich viel. Auf den Wangenäpfeln wirkt Blush eher frisch und verspielt. Etwas höher und Richtung Schläfen aufgetragen kann er das Gesicht optisch anheben. Ein Hauch über dem Nasenrücken sorgt für diesen sonnengeküssten Look. Die Betonung liegt hier übrigens auf Hauch. Das musste ich lernen.

Mein wichtigstes Learning? Geh ans Fenster.

Mein Badezimmerlicht und ich führen seit dieser Geschichte eine schwierige Beziehung. Dort sah mein Blush nämlich immer perfekt aus. Dann kam Tageslicht.

Seitdem kontrolliere ich mein Make-up kurz am Fenster, besonders wenn ich einen stark pigmentierten Blush verwende. Und ich starte lieber mit wenig Produkt und baue die Farbe langsam auf. Denn mehr auftragen geht immer. Drei enthusiastische Punkte Liquid Blush wieder aus dem Gesicht zu bekommen, während man eigentlich schon vor fünf Minuten hätte losmüssen, ist dagegen eine charakterbildende Erfahrung.

Bin ich jetzt geheilt?

Sagen wir so: Ich bin mir des Problems bewusst. Und das ist doch bekanntlich der erste Schritt. Blush gehört immer noch zu meinen liebsten Make-up-Produkten. Ich weiss jetzt besser, welche Farben mir stehen, wo ich ihn platzieren möchte und dass zwischen «frisch und rosig» und «Fieber, aber make it fashion» manchmal nur ein zusätzlicher Pinselstrich liegt.

Ob ich diesen Pinselstrich trotzdem manchmal mache? Natürlich. TikTok hat schliesslich nicht völlig umsonst gearbeitet.

Tamara Lenz

Marketing Manager Editorial Content

Beauty, Trends und kreative Inhalte haben mich schon immer begeistert – früher mit dem Traum, irgendwann mal Prinzessin zu werden, heute mit der Leidenschaft für Texte, die sich jung, spannend und nicht nach Standard anfühlen. Wenn ich nicht gerade schreibe oder auf TikTok im nächsten Trend-Rabbit-Hole verschwinde, findet man mich wahrscheinlich im Gym, irgendwo am See in der Sonne oder gedanklich schon auf der nächsten Reise. Und sobald ich am Meer bin, verliere ich sowieso komplett jedes Zeitgefühl.

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