
Der Movember-Guide für Männer, die eigentlich keinen Bart tragen
Ein Monat Bart? Klingt einfacher, als es ist. Vom ersten Juckreiz bis zur richtigen Pflege: So überstehst du den Movember, wenn dein Gesicht normalerweise eher bartfreie Zone ist.
Ich bin eine Frau und damit vielleicht nicht die offensichtlichste Person, um dir zu erklären, wie du dir einen Bart wachsen lässt. Fair. Andererseits habe ich beruflich schon über Retinol, Rasierer, Intimpflege und ungefähr jedes andere Beauty-Thema geschrieben. Irgendwann landet man offenbar beim Schnauzer.
Ausserdem kann einen Bart wachsen zu lassen ja nicht so schwierig sein. Genau genommen musst du dafür sogar weniger tun als sonst: Rasierer weglegen, Gesicht in Ruhe lassen, fertig. Dachte ich zumindest.
Bei meiner Recherche stellte sich heraus: Natürlich haben Männer auch daraus eine Wissenschaft gemacht.
Denn ungefähr ab Woche eins beginnt das Jucken, die Haare wachsen offenbar nach ihren eigenen Vorstellungen und der Look bewegt sich irgendwo zwischen «lässiger Dreitagebart» und «Rasierer im Feriengepäck vergessen».
Willkommen beim Movember.
Movember: Es geht um mehr als einen Schnauzer
Bevor wir uns der haarigen Angelegenheit widmen: Hinter dem Movember steckt ein ernstes Anliegen. Die internationale Bewegung macht jedes Jahr im November auf Männergesundheit aufmerksam – insbesondere auf Prostatakrebs, Hodenkrebs, psychische Gesundheit und Suizidprävention.
Der Schnauzer wurde dabei zum sichtbaren Symbol und Gesprächsstarter. Du lässt dir also nicht einfach aus einer spontanen Identitätskrise heraus einen Schnauzer wachsen. Du kannst damit Aufmerksamkeit für Themen schaffen, über die noch immer zu wenig gesprochen wird. Und ja, das sage ich jetzt als Frau: Wenn ihr euch schon gemeinsam Schnauzer wachsen lasst, nutzt die Gelegenheit auch, um miteinander über eure Gesundheit zu sprechen.
@arig3d part 41 | November is movember so let's spread awareness for issue affecting men #fyp #funfact #movember ♬ original sound - Thomas Arig
Woche 1: Oh. Das wächst ja wirklich
Die ersten Tage sind einfach. Du rasierst dich nicht. Gratulation, diesen Teil beherrschst du bereits perfekt. Nach einigen Tagen kommen die Stoppeln – und mit ihnen möglicherweise das erste Jucken. Gerade wenn du normalerweise glatt rasiert bist, kann sich das ungewohnt anfühlen. Die Haut unter dem Bart braucht deshalb weiterhin Pflege.
Wasche dein Gesicht regelmässig mit einer milden Gesichtsreinigung und versorge die Haut mit Feuchtigkeit. Aggressives Schrubben ist keine Lösung. Dein Gesicht hat dir nichts getan.
Und bitte: Nur weil jetzt Haare darüber wachsen, bedeutet das nicht, dass Hautpflege plötzlich optional ist. Bei diesem Punkt fühle ich mich als Autorin dieses Artikels übrigens wieder deutlich qualifizierter.
Woche 2: Willkommen im haarigen Niemandsland
Jetzt beginnt die charakterbildende Phase.
Der Bart ist zu lang für «Ich habe mich gestern nicht rasiert», aber möglicherweise noch zu kurz für «Ja, das ist Absicht». Einzelne Haare stehen ab, andere scheinen beschlossen zu haben, horizontal zu wachsen.
Durchhalten.
Wenn der Bart juckt oder sich die Haut darunter trocken anfühlt, kann ein Bartöl helfen. Es pflegt Barthaare und Haut und kann dafür sorgen, dass sich der wachsende Bart weniger trocken und kratzig anfühlt. Wenige Tropfen reichen meistens völlig aus. Mehr Öl bedeutet nicht automatisch mehr Bartkompetenz.
Auch ein Bartkamm oder eine Bartbürste kann jetzt helfen, die Haare etwas zu bändigen und in Form zu bringen.
Woche 3: Ein Bart braucht leider doch Arbeit
Jetzt folgt die Erkenntnis, die vermutlich auch erklärt, warum es ganze Regale voller Bartpflege gibt: Einen Bart wachsen zu lassen bedeutet zwar, sich weniger zu rasieren. Es bedeutet leider nicht, nichts zu tun.
Denn ein gepflegter Bart und «ich lasse einfach alles wachsen» sind zwei unterschiedliche Konzepte.
Mit einem Barttrimmer kannst du Länge und Form kontrollieren. Besonders saubere Konturen an Hals und Wangen machen optisch einen grossen Unterschied. Wichtig: Nicht plötzlich aus Übermotivation die Hälfte wegtrimmen. Lieber mit einem längeren Aufsatz beginnen und dich langsam an die gewünschte Länge herantasten.
Was einmal weg ist, lässt sich auch mit sehr überzeugendem Zureden nicht wieder ankleben. Das wiederum weiss jede Frau, die sich schon einmal selbst einen Pony geschnitten hat.
Woche 4: Wer ist dieser Mann?
Vier Wochen später passiert etwas Überraschendes: Der Bart sieht tatsächlich nach Bart aus.
Vielleicht hast du inzwischen sogar eine kleine Bartpflege-Routine entwickelt. Reinigen, Haut pflegen, Bartöl einmassieren, kämmen, gelegentlich trimmen. Du besitzt möglicherweise Produkte, deren Existenz dir im Oktober noch völlig egal war.
Und vielleicht gefällt dir dein neuer Look sogar.
Falls nicht: ebenfalls okay. Der Movember verpflichtet dich nicht dazu, am 1. Dezember eine gemeinsame Zukunft mit deinem Schnauzer zu planen.
Und nach dem Movember?
Jetzt kommt die grosse Entscheidung: Bart behalten oder Rasierer-Comeback?
Wenn du deinen Bart behalten möchtest, lohnt es sich, die neue Routine weiterzuführen. Regelmässiges Trimmen, Reinigung und ausreichend Feuchtigkeit helfen dabei, dass Bart und Haut gepflegt bleiben.
Willst du zurück zum glatten Gesicht, solltest du einen längeren Bart zunächst mit dem Trimmer kürzen und dich erst danach rasieren. So hat dein Rasierer deutlich weniger Arbeit.
Und falls du am Ende feststellst, dass Barttragen überhaupt nichts für dich ist, war der Monat trotzdem nicht umsonst. Beim Movember geht es schliesslich nicht darum, den schönsten Schnauzer im Büro zu besitzen. Der Bart ist vor allem eines: ein ziemlich haariger Gesprächsstarter für Männergesundheit.
Und ich? Ich habe als Frau gerade knapp 800 Wörter über Bartpflege geschrieben und weiss jetzt mehr über Bartöl, als ich jemals geplant hatte.
Wir haben diesen Monat also alle etwas gelernt.
Quelle Titelbild: Unsplash | Andrej Lišakov
Marketing Manager Editorial Content
Beauty, Trends und kreative Inhalte haben mich schon immer begeistert – früher mit dem Traum, irgendwann mal Prinzessin zu werden, heute mit der Leidenschaft für Texte, die sich jung, spannend und nicht nach Standard anfühlen. Wenn ich nicht gerade schreibe oder auf TikTok im nächsten Trend-Rabbit-Hole verschwinde, findet man mich wahrscheinlich im Gym, irgendwo am See in der Sonne oder gedanklich schon auf der nächsten Reise. Und sobald ich am Meer bin, verliere ich sowieso komplett jedes Zeitgefühl.
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