
Warum unser Alltag immer grauer wird und wie Farbe zurückkommt
Welche Farbe hat dein Auto? Ich tippe auf Grau, Schwarz oder Weiss. Und die Chancen stehen gut, dass ich richtig liege – fast 80 Prozent aller Neuwagen werden heute in diesen Farbtönen verkauft. Doch nicht nur auf unseren Strassen dominieren sogenannte Nichtfarben. Warum eigentlich? Und wie finden wir den Weg aus dem «Millennial Grey»?
Wie Farbe aus unserem Alltag verschwindet
Ein kürzlich veröffentlichter Artikel des «Tagesanzeigers» zeigt, dass auffällige Farben aus vielen Bereichen unseres Alltags verschwinden. Stattdessen dominieren immer häufiger Grau-, Schwarz- und Weisstöne.
1985 war Rot noch die beliebteste Autofarbe. Heute entscheiden sich nur noch 3,8 Prozent der Käufer:innen für einen roten Neuwagen. Blau erreicht 9 Prozent, Grün 5,3 Prozent. Ganz klar dominieren Grau, Schwarz und Weiss: Fast 80 Prozent aller neu zugelassenen Fahrzeuge tragen einen dieser Farbtöne.
Doch die Entwicklung beschränkt sich nicht auf Autos. Auch in unseren Kleiderschränken werden neutrale Töne immer beliebter. Sofas, Küchen und Wohnaccessoires präsentieren sich oft in Beige, Grau oder Greige, einer Mischung aus Grau und Beige. Der Trend macht selbst vor Film und Fernsehen keinen Halt. Viele Produktionen setzen heute auf dunklere Bilder und entsättigte Farbpaletten. Farben wirken zurückhaltender, Kontraste weniger kräftig.
Dass dieser Eindruck nicht nur subjektiv ist, deutet auch eine Auswertung von 7000 Fotografien aus der Sammlung der Science Museum Group an. Die Bilder aus den vergangenen zwei Jahrhunderten zeigen, dass Grautöne im Lauf der Zeit immer häufiger wurden, während Braun- und Gelbtöne an Bedeutung verloren.
Ein möglicher Grund liegt in den verwendeten Materialien: Wo früher Holz dominierte, prägt heute Kunststoff viele Alltagsgegenstände. Doch das allein erklärt nicht, warum unsere Welt gefühlt immer grauer wird.
Warum wir immer häufiger zu Grau greifen
Dass Grau, Schwarz und Weiss unseren Alltag dominieren, hat mehrere Gründe. Ein ganz wichtiger: Neutrale Farben gelten als zeitlos. Sie wirken aufgeräumt, lassen sich leicht kombinieren und kommen selten aus der Mode. Das zeigt sich besonders bei Kleidung. Eine schwarze Jacke passt zu fast allem und bleibt oft über Jahre tragbar.
Bei Autos spielen zusätzlich wirtschaftliche Überlegungen mit hinein. Farben wie Grau, Schwarz oder Weiss gelten als sichere Wahl und lassen sich beim Wiederverkauf meist einfacher vermarkten als auffälligere Modelle. Entsprechend setzen Hersteller bevorzugt auf Farbtöne, die eine möglichst breite Kundschaft ansprechen.
Hinzu kommt der Minimalismus-Boom der letzten Jahre. Schlichte Formen und zurückhaltende Farben wurden zum Synonym für gutes Design. Unternehmen wie Apple prägten einen Look, bei dem Weiss, Silber und Grau für Modernität und Fortschritt stehen.
Verstärkt wird der Trend durch soziale Medien. Wer durch Instagram oder Pinterest scrollt, begegnet unzähligen Kinderzimmern in Beige, von Kritiker:innen spöttisch als «Sad Beige» bezeichnet, Wohnzimmern im Stil des «Millennial Grey» und perfekt aufeinander abgestimmten Farbwelten.
Kurz gesagt: Wir wählen oft nicht die Farbe, die am meisten Aufmerksamkeit erzeugt, sondern jene, die möglichst gut ins Gesamtbild passt. Doch heisst das, dass wir für immer in einer Welt aus Grau, Schwarz und Beige leben werden? Nicht unbedingt. Denn wie so oft gilt auch bei Trends: Auf jede Gegenbewegung folgt irgendwann eine Reaktion.
Mut zur Farbe
Nach Jahren voller neutraler Töne wächst bei vielen die Lust auf etwas mehr Mut zur Farbe. Trends wie «Dopamine Dressing», also bewusst farbenfrohe Kleidung, oder maximalistische Wohnstile zeigen, dass bunt Spass macht.
Leuchtende, knallige Farben ziehen Aufmerksamkeit auf sich und drücken Persönlichkeit aus. Sie wirken verspielt, mutig oder kreativ. Was heute manchmal als «zu viel» gilt, wurde in anderen Epochen ganz selbstverständlich eingesetzt, um Räume, Kleidung oder Kunst lebendig wirken zu lassen.
Und wie bringt man nun etwas mehr Farbe zurück in den eigenen Alltag?
So kommt mehr Farbe in den Alltag
Eins vorweg: Wer seinem Alltag mehr Farbe verleihen möchte, muss nicht gleich das Wohnzimmer pink streichen. Oft reichen kleine Akzente. Eine farbige Kissenhülle, ein buntes Poster oder eine auffällige Tischlampe können einen Raum sofort lebendiger wirken lassen. Auch Pflanzen sorgen nicht nur für Grün, sondern setzen in bunten Töpfen zusätzliche Farbtupfer.
Ähnlich ist es bei der Kleidung. Wer sich nicht gleich an knallige Outfits wagt, kann mit kleinen Akzenten beginnen: einer farbigen Handyhülle, einer knalligen Armbanduhr oder einer bunten Tasche. Farbe muss nicht die Hauptrolle spielen, um Wirkung zu zeigen.
Am Ende geht es ohnehin nicht darum, Grau, Schwarz und Weiss zu verbannen. Auch sie haben ihren Platz. Doch vielleicht lohnt es sich, beim nächsten Kauf kurz innezuhalten und zu überlegen: Muss es wirklich wieder grau sein?
Quelle Titelbild: Unsplash | Karolina Grabowska
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Ich liebe es, in andere Welten einzutauchen, sei es durch spannende Geschichten, mit Reisen in ferne Länder und Kulturen oder in meinem eigenen kleinen Garten – ich bin immer auf Entdeckungsreise. Und wenn es Zeit wird, die Seele baumeln zu lassen, findet ihr mich auf der Yogamatte oder mit einem guten Buch in der Hand.
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