
Ist Maximalismus der neue Minimalismus?
Weisse Wände, beige Sofas und möglichst wenig Dekoration. Jahrelang schien Minimalismus die Antwort zu sein. Doch plötzlich tauchen wieder bunte Wohnzimmer, Bilderwände und Regale voller Erinnerungsstücke in meinen Social-Media-Feeds auf. Der Trend nennt sich Maximalismus. Aber weshalb sehnen sich so viele Menschen nach mehr statt weniger?
Wenn ich mich in meinem Zimmer umschaue, sehe ich vor allem Beige, Grau und Braun. Farben, die kaum auffallen und zu allem passen. Farbe? Davor habe ich Angst.
Damit bin ich nicht allein. Jahrelang dominierten schlichte Wohnungen unsere Pinterest-Pinnwände und Insta-Feeds . Helle Holzmöbel, dezente Farben und möglichst wenig Dekoration galten als modern. Minimalismus versprach Ruhe, Ordnung und einen aufgeräumten Kopf.
Umso mehr überrascht es mich, dass aktuell ein ganz anderer Wohnstil wieder an Beliebtheit gewinnt. Bunte Wände, vollgestellte Regale und auffällige Dekorationen feiern ihr Comeback. Der Wohnstil nennt sich Maximalismus.
Im ersten Moment wirkt das widersprüchlich. Schliesslich könnten Minimalismus und Maximalismus unterschiedlicher kaum sein. Der eine setzt auf Reduktion und Zurückhaltung, der andere auf Fülle und Ausdruck. Trotzdem stellt sich die Frage: Ist Maximalismus der neue Minimalismus?
@natalieequinniee minimalism? We’ve never heard of her 💅🎱🌈🛋️🪑💫 #maximalistinteriors #dopaminedecor #colorfulhome #housetour #retro ♬ Day & Night - Tonique & Man
Warum wir plötzlich wieder mehr wollen
Wir kennen es alle: Wenn wir uns umschauen, wird die Welt immer weniger farbig. Die Häuser sind weiss, die Strassen grau und die Dekoration beige. Besonders auf Social Media und Plattformen wie Pinterest scheint vieles nach dem gleichen Rezept gestaltet zu sein. Dadurch wirken Wohnungen oft austauschbar. Mir stellt sich dabei die Frage: Verlieren wir dadurch ein Stück Individualität und verstecken unsere Persönlichkeit?
Früher konnte man oft erkennen, wer in der Wohnung lebt. Heute könnte man meinen, viele Räume stammen aus demselben Möbelkatalog. Vielleicht ist genau das einer der Gründe, weshalb Maximalismus gerade ein Comeback erlebt. Es geht nicht nur um Farben oder Dekoration, sondern auch um die Frage, wie viel Persönlichkeit wir in unserem Zuhause zulassen möchten.
Klar leben wir in einer Welt, in der Trends ständig kommen und gehen und wir täglich mit neuen Ästhetiken konfrontiert werden. Doch ist das wirklich ein Grund, weniger von sich selbst zu zeigen? Ich finde nicht. Unser Zuhause darf eine Spiegelung unserer Persönlichkeit sein. Bilder, Erinnerungsstücke oder Gegenstände aus der ersten Wohnung erzählen Geschichten. Man betritt einen Raum und erkennt sofort, wer dort lebt und was diesen Menschen ausmacht.
Ist das einer der Gründe, weshalb Maximalismus gerade wieder an Beliebtheit gewinnt? Statt möglichst viele Dinge zu verstecken, werden sie wieder sichtbar gemacht. Bücher, Souvenirs, Fotos oder kleine Sammlungen dürfen zeigen, wer wir sind. Denn manchmal macht nicht die perfekte Einrichtung ein Zuhause besonders, sondern die Geschichte dahinter.
Maximalismus ist nicht gleich Maximalismus
Wer jetzt an eine Wohnung denkt, in der jeder freie Zentimeter mit Dekoration gefüllt ist, liegt nur teilweise richtig. Hinter dem Begriff Maximalismus verbergen sich nämlich verschiedene Stilrichtungen, die alle einen etwas anderen Ansatz verfolgen.
Kuratierter Maximalismus
Maximalismus muss nicht automatisch Chaos bedeuten. Beim kuratierten Maximalismus geht es nicht darum, möglichst viele Dinge zu besitzen, sondern sie bewusst auszuwählen. Bücher, Bilder, Pflanzen oder Erinnerungsstücke erhalten einen Platz und erzählen eine Geschichte. Das Zuhause wirkt dadurch persönlicher, ohne überladen zu sein. Ganz nach dem Motto: mehr ist mehr, solange es Bedeutung hat. Gerade in einer Zeit, in der immer mehr digital gespeichert wird, erhalten physische Erinnerungsstücke für viele Menschen wieder einen besonderen Stellenwert. Schliesslich fühlt sich ein Fotoalbum im Regal oft anders an als tausend Bilder auf dem Smartphone.
Dopamin Decor
Dopamin Decor möchte vor allem eines: Freude auslösen. Kräftige Farben, auffällige Muster und kreative Kombinationen stehen hier im Mittelpunkt. Eine knallige Akzentwand, ein farbiges Sofa oder eine besondere Lampe bringen bewusst Farbe und Lebendigkeit in den Raum. Das Schöne daran: Oft braucht es dafür kein grosses Budget. Schon farbige Kissen, Bilder oder kleine Dekoartikel können einen Raum komplett verändern. Ich verstehe mittlerweile, weshalb Dopamin Decor so beliebt ist. Nach Jahren voller Beige und gedeckter Farben wirkt ein gelber Sessel oder eine pinke Lampe fast schon rebellisch.
@eimsbude pink couchtable?💘 Ich habe ihn gegen den gelben getauscht, weil ich ihn einfach passender zum Rest finde🥹 Vor allem zum blauen Sideboard🩵 Ich bin gespannt, wie ihr es findet🫶🏼 Happy sunday✨ #interior #dopaminedecor #foryou #homedecor #wohnzimmer #livingroomdecor #livingroom #danishpastel #colorfulinteriors #colorfulhome #altbau ♬ Love Me Not - Ravyn Lenae
Whimsical Decor
Märchen, Schlösser und verwunschene Welten. Genau daran erinnert Whimsical Decor. Der Stil setzt auf Fantasie statt Perfektion. Verspielte Dekorationen, Vintage-Fundstücke, geschwungene Formen oder ungewöhnliche Details verleihen einem Raum Charakter. Es geht weniger darum, modernen Einrichtungstrends zu folgen, sondern vielmehr darum, eine Atmosphäre zu schaffen, die Geschichten erzählt und zum Träumen einlädt. Vielleicht ist Whimsical Decor deshalb so beliebt. In einer Welt, die oft funktional und effizient sein muss, schafft der Stil Platz für Fantasie.
Meine 5 Tipps für alle, die genug von Beige haben
Wer jetzt Lust bekommen hat, etwas mehr Persönlichkeit ins eigene Zuhause zu bringen, muss nicht gleich die komplette Wohnung umgestalten. Oft reichen schon kleine Veränderungen.
- Farben dürfen zusammenleben: Nicht jede Farbe muss perfekt zur anderen passen. Oft entsteht Persönlichkeit genau dort, wo Regeln gebrochen werden.
- Die richtige Beleuchtung macht den Unterschied: Licht beeinflusst die gesamte Stimmung eines Raumes. Oft reicht ein kleines Licht für eine grosse Wirkung.
- Klein anfangen statt alles umgestalten: Eine farbige Wand, ein Kunstwerk oder ein auffälliges Möbelstück können bereits einen Unterschied machen.
- Materialien bewusst kombinieren: Holz, Glas, Samt oder Metall sorgen für spannende Kontraste.
- Muster und Texturen einsetzen: Unterschiedliche Muster und Oberflächen verleihen Räumen mehr Tiefe und machen sie interessanter.
Mein Fazit
Wenn ich mich heute in meinem Zimmer umschaue, sehe ich zwar immer noch Beige, Grau und Braun. Das wird sich wahrscheinlich nicht von heute auf morgen ändern. Trotzdem verstehe ich besser, weshalb sich viele Menschen nach mehr Farbe, mehr Erinnerungen und mehr Persönlichkeit sehnen. Während Minimalismus Ruhe und Ordnung sucht, erinnert Maximalismus daran, dass ein Zuhause auch Geschichten erzählen darf.
Quelle Titelbild: Unsplash | Stephanie Berbec
Lernende Mediamatikerin
Wahrscheinlich plane ich gerade meine nächste Reise oder mache mir Gedanken darüber, wo mein Weg mich noch hinführt. Ich beschäftige mich gerne mit Ernährung, dem weiblichen Zyklus und Persönlichkeitsentwicklung, weil ich es spannend finde, Zusammenhänge zu verstehen und Neues dazuzulernen. Gleichzeitig liebe ich es, die kleinen Dinge im Alltag zu geniessen, neue Restaurants auszuprobieren und Inspiration in den unterschiedlichsten Momenten zu finden.
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