
Musik im Wandel – «Das ist doch keine Musik!»
Ein Song läuft, und du bist sofort irgendwo anders – in einem vergangenen Sommer, einem bestimmten Gefühl, deinem Lieblingsfilm, einer anderen Version von dir. Denn Musik ist mehr als nur ein Hintergrundgeräusch. Sie ist die Playlist unserer Identität, wie auch unser psychologischer Fingerabdruck. Und der Satz «Das ist doch keine Musik!» von Mama kommt auch nicht von irgendwo. Denn was wir mögen – und was wir ablehnen – ist kein Zufall. Es ist ein Spiegel unserer selbst.
Musikalltag – Was hörst du über dich selbst?
Wir lieben es, Musik zu hören und sind uns irgendwie bewusst, dass unser Geschmack mehr ist als nur ein zufällig getroffener Pfeil ins Schwarze.
Beispielsweise kann deine Leidenschaft für Jazz ein Spiegel für deine intellektuelle und kreative Ader sein, welche die Improvisation, sowie die Komplexität der Musik liebt.
Popliebhaber:innen hingegen brennen mehr für eingängige Melodien und Texte. Diese mögen vielleicht simpler in der Art sein, rufen aber stets eine positive Emotion hervor.
Identifizierst du dich als nachdenkliche, zurückhaltende, ernsthafte Person, welche Interesse an Kunst hat, dann neigst du vielleicht mehr zur klassischen Musik.
Falls du dich eher auf der energischen, extrovertierten Seite des Spektrums siehst, dann spekuliere ich, dass Hip-Hop genau dein Ding ist. Spannend hierbei ist, dass Personen, die Wert auf Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen setzen, diesen Stil als besonders ansprechend empfinden.
Bei Interesse an synthetischen Klängen und treibenden Beats, kann man vermuten, dass du eine aufgeschlossene, experimentierfreudige Person bist. Dabei spricht man von elektronischer Musik. Das Ganze basiert auf einer Studie, die Musikgeschmack und Charaktereigenschaften miteinander in Verbindung setzt. Das heisst aber nicht, dass du dich 1:1 kategorisiert fühlen sollst, denn oftmals mögen wir ja auch mehr als nur einen Musikstil, nicht? Ich denke, häufig entstehen so eher Stereotypen, wie zum Beispiel der Heavy-Metal- oder Punk-Hörer, der ohne Zweifel ein Rebell ist ;)
Musik als Ausdrucksform
Wie oben zwischen den Zeilen erwähnt, hat Musik nicht nur kulturelle Wurzeln, sondern auch tiefliegende Verbindungen in die Psychologie. Sie ist ein Kompass in unserer Aussen- wie auch Innenwelt. Die einen nutzen es als Tool, um die Kontrolle zu verlieren oder zu gewinnen, andere beeinflussen durch Musik ihre Stimmung.
Ich mache es so, dass ich mir ungefähr jedes halbe Jahr einen gemütlichen, unbeobachteten Spot (Ort) für mich suche, meine bereits erstellte Playlist mit nur einer Funktion anschalte und drauflos heule. Für mich dient es als eine Art Meditation, mal alles rauszulassen. Danach fühl ich mich auch immer leichter.
Um Klassik Radio zu zitieren: «[Musik] ist eine Manifestation unserer Persönlichkeit, unserer Werte und unserer Überzeugungen.» Sie ist mehr als eine einfache Freizeitbeschäftigung, sie ist ein Sinnbild unserer eigenen Identität und unserer Ideologie. Sogar ungeboren im Mutterleib reagieren wir auf Musik. Musik ist ein Spiegel unserer Emotionen, ein Hilfsmittel für das Erledigen von Alltagsaufgaben, und eine gemeinsame Vorliebe, die Personen verbinden kann.
Was bestimmt, welche Musik wir hören?
Ein Team um David Greenberg von der University of Cambridge untersuchte genau das. Die Studie stufte die Persönlichkeit der Teilnehmenden anhand von fünf Faktoren ein: dem Mass der Extrovertiertheit, der Offenheit, der Verträglichkeit, der Gewissenhaftigkeit und dem Neurotizismus. Die Testpersonen durften nebenbei zwischen 23 Musikstilen auswählen, welche ihnen zusagen. Im zweiten Teil der Studie hörten die Teilnehmenden 16 Musikclips und gaben an, ob sie diese als eher angenehm oder unangenehm vernahmen. Das Ergebnis der Studie bestätigte, dass der Musikgeschmack ein kulturübergreifendes, tieferliegendes psychologisches Phänomen ist.
Natürlich muss man sagen, dass diese Studie nur den Durchschnitt misst. Im Endeffekt sind wir alle Individuen mit Persönlichkeiten, welche von der «Norm» abweichen dürfen und sollen.
Generationskonflikt
Dein Musikgeschmack prägt sich besonders im Alter zwischen 10 und 30 Jahren, mit einem Höhepunkt um die 14. Psycholog:innen bezeichnen dieses Phänomen als «Reminiscence Bump» – der Grund dafür, dass sich der Soundtrack dieser Jahre für immer in deinem Kopf festbrennt. In dieser Zeit verknüpfst du Musik eng mit deiner Identität, ersten grossen Gefühlen und sozialer Zugehörigkeit. Songs aus dieser Phase bleiben deshalb emotional am stärksten verankert.
In deinen späten 20ern sinkt zudem die Offenheit für neue Musik. Musikstile entwickeln sich ständig weiter, doch mit den Jahren nimmt unsere Neugier, Experimentierfreude und Lust auf Neues ab. Es ist also nicht immer ein bewusster Entscheid, wenn sich deine Eltern negativ gegenüber deinem Geschmack äussern – für sie war es früher nicht anders. Auch Roch’n’Roll, Punk oder Hip-Hop wurden teilweise von der Elterngeneration abgelehnt.
Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen, dass ein Teil deines Geschmacks von genau dieser Generation kommt. Eine Studie der Psychologieprofessorin Carol Krumhansl zeigt nämlich, dass sich die besondere Bindung an Musik auch über Generationen hinweg fortsetzen kann: Junge Erwachsene bewerteten in einem Experiment nicht nur Hits aus ihrer eigenen Teenagerzeit besonders positiv, sondern auch Songs aus den frühen 1980ern – aus einer Zeit, in der sie selbst noch nicht geboren, ihre Eltern aber jung waren. Diese Songs waren oft mit Erinnerungen an die Eltern verbunden.
Vielleicht lief also schon in deiner Kindheit irgendein Song deiner Eltern im Hintergrund, ohne dass du es bewusst gemerkt hast – und genau der hat sich bei dir festgesetzt. Musikgeschmack wird also nicht nur in deiner eigenen Jugend geprägt, sondern ein Stück weit auch vererbt. Für mich wäre es wahrscheinlich «Zombie» von The Cranberries, der mir dieses Phänomen bestätigt.
Was das Editorial-Team hört:
| Mary |
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| Marius |
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| Eliane |
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| Selin |
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| Maximilian |
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| Tamara |
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| Kerem |
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Musik ist und war schon immer ein Einblick in die Seele. Spannend war es für mich, zu erfahren, was meine Team-Kollegen und -Kolleginnen so hören. Wenn ich Marius mit Kopfhörern bei der Arbeit sah, dachte ich immer, er höre entspannte Hip-Hop-Musik. Baby Keem bestätigte, dass es sich hier um eine Fehlinterpretation handelte. Seinen Geschmack würde ich als eher energiegeladen beschreiben. Mary ähnelt dem Mainstream, jedoch hat sie sich durch «Every 1's Winner» ein Sternchen verdient und nochmals aufgezeigt, dass sich Musikgeschmack nicht verallgemeinern lässt.
Eliane, so ruhig und bodenständig wie sie ist, entschied sich für tänzerische Musik, die ich fast als meine eigene sehen würde – positiv, verspielt und kraftvoll. Bei Tamara, unserer Konzertqueen, würde ich meinen, dass man sie an jedem Lagerfeuer mit Gitarre antreffen würde. Emotional und aus dem Herzen gesprochen. Fun Fact hierzu: Tamara hat Angst vor Feuer und ist nicht in der Nähe eines Lagerfeuer aufzufinden.
Maximilian ist ein Mann, der die Materie nicht nur versteht, sondern auch schätzt. Musik und Lyrics sind für ihn mehr als nur Unterhaltung – es sind spannende Geschichten. Zu guter Letzt haben wir noch Selin. Selin war für mich fast schon am schwierigsten einzuschätzen. Einerseits zeigt sie mit «You Are The Reason» einen typisch romantisch-[poppigen?] Geschmack, andererseits kommt sie mit Underground-Mainstream von Timberlake um die Ecke. Und als ob das nicht genug ist, beendet sie ihre Serie mit House.
Geschmäcker sind immer individuell und man könnte immer etwas hineininterpretieren. Das muss aber nicht heissen, dass Vermutungen auch den Tatsachen entsprechen. Es macht einfach Spass, sich über den Musikgeschmack auszutauschen, auch wenn es dafür keinen strikten Massstab gibt.
Und? Was meint ihr? Was ist mein Geschmack? Schreibt mal in die Kommentare. ;)
Quelle Titelbild: Unsplash | Getty Images
Lernender Mediamatiker
Schon früh zeigte sich meine Leidenschaft für kreative Ausdrucksformen. Ob auf der Theaterbühne, beim Tanzen oder als Wasserratte – Bewegung und Ausdruck geben mir Energie und Freiheit. Design und Fashion sind für mich mehr als Ästhetik: Ich liebe es, mit Formen, Farben und Stilen zu spielen und Inspiration im Alltag zu finden. Begleitet werde ich dabei ständig von Musik, in der ich mich gerne verliere und die meine Kreativität antreibt.
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