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Fünf E-Gitarren-Legenden, die du noch nicht kennst

Van Halen kennt jeder. Eric Clapton, Jimi Hendrix, Slash – alles Namen, die auch Nicht-Gitarreros beim Feierabendbier fallen lassen. Aber abseits der grossen Bühne des E-Gitarren-Olymps gibt es eine VIP-Lounge, die kaum jemand betritt, obwohl dort Musik-Magie Realität wird. Wir behandeln fünf E-Gitarristen, die deine Auffassung von «was auf sechs Saiten möglich ist» nochmals herausfordern werden.

Wir starten sanft und arbeiten uns dann tiefer in die Gefilde von Virtuosität und «Shred» vor – ein umgangssprachlicher Begriff für virtuoses Gitarrenspiel, bei dem die Finger schneller als die Auffassungsgabe flitzen.

1. Mike Stern – der Bebop-Rocker

Mike Stern spielte in den frühen Achtzigern in der Band von Miles Davis. Man stelle sich das kurz vor: Der wichtigste Jazz-Trompeter der zweiten Jahrhunderthälfte sucht einen Gitarristen – und wählt einen Typen, der eigentlich mit Clapton- und Hendrix-Licks aufgewachsen ist. Genau diese Mischung macht Stern bis heute unverwechselbar: Bebop-Harmonik mit Rock-Attitüde, gespielt auf einer Single-Cutaway-Gitarre mit leicht angezerrtem, warmem Ton. Kein typisches Rock-Blitzgewitter, sondern Phrasierung mit Ecken und Kanten – Jazz, der einen Hauch von dreckigem Fusion beherbergt und seine Herkunft im Classic Rock nicht versteckt.

 


2. Greg Howe – der Techniker mit Groove

Greg Howe kam über Shrapnel Records – das Label, das in den Achtzigern quasi alle grossen E-Gitarren-Virtuosen herausbrachte – und hätte problemlos ein reiner High-Speed-Gitarrist bleiben können. Stattdessen entwickelte er mit Tapping und reichlich «Hammer-ons from nowhere», bei dem die Töne ohne Anschläge legato auf Saiten erklingen, einen schwebenden, rasanten Klang mit extravaganter Melodieführung. Howe kombiniert Legato-Läufe, ungerade Taktarten mit seinem unverwechselbaren Funk-Gefühl. Genau das machte ihn später zum gefragten Session-Gitarristen für Michael Jackson und Rihanna. Eine schillernde Fusion aus Rock und funkigen Akzenten.

Wer nach dem Zusehen selbst an den Saiten üben will: Ein sauber eingestelltes Instrument macht bei Legato-Technik den entscheidenden Unterschied – tiefe Saitenlage, frische Saiten. Beides findest du im Bass- und Gitarren-Sortiment und bei den Instrumentensaiten – deine Finger werden es dir danken, auch wenn Howes präzises Tempo wohl ein wenig Übung brauchen wird.

 


3. Brett Garsed – der stille Hybrid-Meister

Der Australier Brett Garsed spielte das Gitarrensolo auf «You're the Voice» von John Farnham – dem meistverkauften Album eines australischen Künstlers überhaupt. Trotzdem bleibt er unter dem Radar, weil er nie auf pure Show aus war. Eines von Garseds Markenzeichen ist Hybrid Picking: Er zupft mit Plektrum und gleichzeitig mit Mittel-, Ring- und sogar kleinem Finger der rechten Hand. Das erlaubt ihm, mehrere Saiten in Windeseile zu bearbeiten, ohne dass es nach Fingerübung klingt – es klingt nach durchdachter Musik mit Seele. Sein grosses Vorbild: Allan Holdsworth, ein weiterer stiller Titan der Fusion-Gitarre.

 


4. Ted Greene – der Gitarrenprofessor

Ted Greene war nie ein klassisches Bühnentier. Er unterrichtete in seinem Wohnzimmer in Los Angeles, jahrzehntelang, mit einer Warteliste, die nie kürzer wurde. Was er auf einer simplen Telecaster anstellte, grenzt an Hexerei: ganze Jazzstandards, Beatles-Songs, Pop-Balladen oder Kontrapunkt nach Bach als vollständige Solo-Arrangements – Bassline, Harmonie und Melodie gleichzeitig, mit den Fingern einer Hand. Sein Buch «Chord Chemistry» gilt bis heute als eine Art Bibel der Gitarrenharmonik, über 400 Seiten Akkordwissen, die selbst erfahrene Musiker:innen demütig machen. Greene ist der Beweis, dass Virtuosität nicht immer laut und im Mittelpunkt sein muss und bleibt ein wunderbares Juwel der E-Gitarrengeschichte.

 


5. Shawn Lane – schneller als der gesunde Menschenverstand

Zum Schluss Shawn Lane, der Mann aus Memphis, der bis heute in Fachkreisen als einer der schnellsten und musikalischsten Gitarristen überhaupt gilt. Sein Debütalbum «Powers of Ten» schrieb er am Klavier, nicht an der Gitarre – deshalb klingen seine Läufe manchmal eher wie die eines Pianisten als nach klassischem Rockgitarristen: weite Intervallsprünge, ungewöhnliche rhythmische Gruppierungen, jede Note glasklar bei Tempi und Rhythmusgruppen, die für Gitarrenlogik eher ungewöhnlich erscheinen. Lane starb 2003 mit nur 40 Jahren an einer degenerativen Erkrankung. Was bleibt, ist eine Handvoll Aufnahmen, die immer noch die Kinnladen von Session-Musiker:innen auf den Boden fallen lassen.

 


Fünf nachhaltige Prägungen für die Gitarrenzunft

Diese fünf haben eines gemeinsam: Sie standen selten im Rampenlicht der grossen Stadien, prägten aber Generationen von Gitarrist:innen - auch jene, deren Namen du kennst. Wer wissen will, wie viel musikalische Tiefe in sechs Saiten steckt, kommt an diesen Namen nicht vorbei. Und natürlich gibt es noch zahlreiche weitere solcher Geheimtipps der Gitarrenszene. Falls dich das jetzt selbst in den Übungsraum treibt: Ein guter Verstärker und das passende Effektgerät  sind schnell gefunden – die Jahre am Griffbrett, die diese fünf investiert haben,  können damit aber nicht abgekürzt werden.

Wie gefiel dir dieser Exkurs in die Welt der E-Gitarre? Welchen dieser Künstler kanntest du bereits, und wäre eine weitere Folge mit weiteren Musiker:innen spannend? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen. ⬇️

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Maximilian Bauer

Marketing Manager Editorial Content

Ehemaliger Kulturjournalist, heute Unternehmenskommunikator mit B2B-Hintergrund in öffentlichen Institutionen und der Softwareindustrie. In meiner Freizeit dreht sich vieles um Technik in allen Facetten: eine zu grosse Gitarrensammlung, jede Menge Audio-Equipment und ungebrochene Musikleidenschaft. Dazu kommt das Fotografenauge – mit Schwäche für (leider) viel zu teure Kameras – und meine nostalgische Liebe zu PC-Spielen: von taktischen Shootern über Rollenspiele bis hin zu Strategie-Klassikern. Bei Brack darf ich über all das schreiben, was mich schon immer fasziniert hat.

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