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Ich habe kein Hobby. Ist das ein Problem?

«Was sind eigentlich deine Hobbys?» Es klingt nach einer harmlosen Frage. Trotzdem bringt sie viele regelmässig ins Grübeln. Als Kind war die Antwort einfach. Schwimmen, Tanzen oder Musikunterricht. Heute überlegen wir deutlich länger. Habe ich überhaupt ein Hobby? Und falls nicht: Ist das eigentlich ein Problem?

Ehrlich gesagt weiss ich selbst nicht immer, was ich auf diese Frage antworten soll. Nicht, weil ich nichts gerne mache. Sondern weil viele Dinge, die ich gerne mache, sich irgendwie nicht nach einem klassischen Hobby anfühlen. Gleichzeitig scheint es, als hätten alle anderen längst ihre Leidenschaft gefunden. Die einen töpfern, die anderen laufen Halbmarathons und irgendwo dazwischen gründet bereits die nächste Person einen Run Club. Da stellt sich fast automatisch die Frage: Habe ich einfach noch nicht das richtige Hobby gefunden?

Was ist eigentlich ein Hobby?

Als Kind war die Sache erstaunlich einfach. Irgendwo zwischen Schwimmkurs, Musikunterricht und Turnverein hatten die meisten von uns automatisch ein Hobby. Ob es wirklich die grosse Leidenschaft war, spielte dabei oft keine Rolle. Man ging hin, probierte es aus und schaute, was daraus wurde.

Heute scheinen wir viel strenger damit zu sein, was überhaupt als Hobby durchgeht: Reicht es, regelmässig zu lesen? Zählt Fotografieren nur dann, wenn man eine teure Kamera besitzt? Oder wird etwas erst dann zum Hobby, wenn man dafür einen Kurs besucht oder Mitglied in einem Verein ist?

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr habe ich das Gefühl, dass wir Hobbys als Erwachsene oft unnötig kompliziert machen. Vielleicht hilft es, weniger nach dem perfekten Hobby zu suchen und stattdessen einfach irgendwo anzufangen. 

Das Hobby-Speed-Dating

Vor ein paar Wochen wollte ich eigentlich nur herausfinden, weshalb plötzlich so viele Menschen töpfern.

Wenige Minuten später schaute ich Videos über Bouldern. Danach erklärte mir jemand die Grundlagen des Häkelns. Dazwischen tauchte ein Run Club auf, dann ein Kochworkshop und schliesslich eine Person, die aus Sauerteig kleine Kunstwerke formte.

Irgendwann fragte ich mich, ob ich gerade nach einem Hobby suche oder versehentlich auf einer riesigen Freizeitmesse gelandet bin.

Das Verrückte daran: Jedes Hobby sieht unglaublich überzeugend aus. Die fertige Keramiktasse. Der Marathon im Sonnenuntergang. Der selbst gestrickte Pullover. Die perfekt eingerichtete Kreativecke. 

Was man deutlich seltener sieht, sind die ersten Versuche. Die schiefe Tasse. Die Joggingrunde, die nach fünf Minuten endet. Das Wollknäuel, das eher nach Knoten als nach Schal aussieht . Wer sich durch perfekte Hobbywelten scrollt, vergisst schnell, wie unspektakulär jeder Anfang aussieht.

Wann haben wir verlernt Anfänger:in zu sein?

Als Kind war das noch viel unkomplizierter. Wir gingen ins Judo, verloren nach drei Monaten die Lust und machten etwas anderes. Wir probierten ein Instrument aus, entschieden uns später um und meldeten uns für den nächsten Kurs an.

Niemand erwartete, dass wir sofort talentiert waren.  Als Erwachsene erwarten wir das manchmal von uns selbst. Noch bevor wir überhaupt beginnen, stellen wir uns Fragen. Habe ich genügend Zeit? Bin ich gut genug? Ziehe ich das wirklich durch? Lohnen sich die Kosten?

Dabei beginnt jedes Hobby gleich: Man ist zuerst nicht besonders gut darin. Wie befreiend es sein kann, trotzdem einfach loszulegen, zeigt ein Creator, auf den ich beim Scrollen gestossen bin.

Einfach mal ausprobieren

Der Creator leonbau  zeigt in einer Videoreihe genau dieses Anfangen. Über 80 Tage hinweg probierte er immer wieder neue Aktivitäten aus. Postkarten schreiben, Gebärdensprache lernen, einen eigenen Teppich herstellen und vieles mehr.

@leonlabuu

mein 80 Tage recap 🌻 ich kann es echt immer noch nicht glauben, dass ich schon 80 Videos für diese Reihe gemacht habe. Wenn ich darüber nachdenke, was ich alles ausprobieren und erleben durfte, muss ich mich manchmal kneifen weil sich das so unwirklich anfühlt. Aber mir macht es einfach so viel Spaß! Vor allem freue ich mich aber, wenn ich in den Kommentaren lese, dass ihr wegen meinen Videos zum Beispiel mit Postcrossing, Stricken oder anderen Aktivitäten angefangen habt. Also danke an euch alle für die netten Worte, ich weiß das sehr zu schätzen! 💌 Es gibt noch ganz viel zu entdecken und ich bin sehr dankbar, dass ich das machen darf. Deswegen auch nochmal ein riesiges Dankeschön an euch, ich bin schon gespannt was noch alles auf uns wartet 💕

♬ Originalton - leonlabu

Was mich daran fasziniert hat: Es ging nicht darum, möglichst schnell das perfekte Hobby zu finden. Es ging darum, Dinge auszuprobieren. Manche Aktivitäten blieben, andere nicht. Und genau das schien völlig in Ordnung zu sein.

Ein Hobby muss keine Entscheidung fürs Leben sein. Wir dürfen etwas ausprobieren und morgen wieder damit aufhören. 

Darf ein Hobby zwecklos sein?

Früher zeichneten wir Bilder, die niemand sehen wollte , bastelten irgendetwas aus Karton oder sammelten Steine, die vermutlich ausser uns niemand interessant fand.

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Als Hobbys noch einfach Spass machten. Quelle: Unsplash | Getty Images

Das alles hatte einen grossen Vorteil: Es musste nichts bringen.

Heute scheint vieles einen Zweck erfüllen zu müssen. Sport soll gesund machen. Lesen soll bilden. Kreativität soll entspannen. Und irgendwo schleicht sich häufig die Idee ein, dass ein Hobby vielleicht sogar noch ein Nebeneinkommen werden könnte. Aus Keramik wird ein Business, aus Fotografie eine Marke und aus dem Backen ein Online-Shop.

Daran ist grundsätzlich nichts falsch. Spannend finde ich vielmehr, wie selten wir noch Dinge machen, ohne nach dem Nutzen zu fragen.

Wann haben wir beschlossen, dass jede freie Stunde einen Auftrag haben muss?

Vielleicht darf ein Hobby auch einfach ein Hobby sein. Ohne Ziel. Ohne Fortschrittskurve. Ohne Produktivität.

Einfach etwas, worauf man sich freut.

Mein Fazit

Als ich mit dem Schreiben begonnen habe, wollte ich eigentlich herausfinden, ob ich überhaupt ein Hobby habe. Die Antwort darauf ist überraschend unspektakulär. Wahrscheinlich schon.

Vielleicht sieht es nur anders aus als früher. Es gibt keinen Musikunterricht mehr, keine Trainingszeiten und auch keinen Vereinsausweis. Dafür gibt es Dinge, die ich regelmässig mache, weil sie mir Freude bereiten.

Und selbst wenn sich nichts davon eindeutig als Hobby bezeichnen lässt, wäre das wohl auch kein Problem. Freizeit braucht weder einen Namen noch einen Zweck. 

Auf die Frage «Was sind eigentlich deine Hobbys?» habe ich zwar noch immer keine perfekte Antwort. Aber ich glaube nicht mehr, dass das ein Problem ist.

Ashley Schibler

Lernende Mediamatikerin

Wahrscheinlich plane ich gerade meine nächste Reise oder mache mir Gedanken darüber, wo mein Weg mich noch hinführt. Ich beschäftige mich gerne mit Ernährung, dem weiblichen Zyklus und Persönlichkeitsentwicklung, weil ich es spannend finde, Zusammenhänge zu verstehen und Neues dazuzulernen. Gleichzeitig liebe ich es, die kleinen Dinge im Alltag zu geniessen, neue Restaurants auszuprobieren und Inspiration in den unterschiedlichsten Momenten zu finden.

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Nicht jedes Hobby braucht einen Plan

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