
Was einst als Oma-Hobby galt, ist jetzt im Trend – und das aus gutem Grund
Besteht dein Alltag auch ziemlich oft aus Bildschirmen? Arbeiten, Nachrichten, Unterhaltung – alles spielt sich auf Displays ab. Doch es macht sich ein leiser Gegentrend bemerkbar. Analoge Hobbys wie Stricken, Häkeln, Nähen, Backen oder Gärtnern galten lange als «Oma-Hobbys», doch jetzt sind sie gefragter denn je.
Die Nadeln klicken rhythmisch, das Garn gleitet über die Finger und Reihe um Reihe nimmt ein Pullover Form an. Das klingt allein beim Lesen schon entspannend, oder? Für viele Menschen sind analoge, langsame Freizeitbeschäftigungen Entspannung pur und eine bewusste bildschirmfreie Auszeit. Kein Wunder liegen sie im Trend und begeistern immer mehr Menschen. Auch in der Schweiz zeigt sich dieser Wandel deutlich. In Zürich fand letztes Jahr ein Strickfestival statt, Kinos laden zum Häkeln und Filmeschauen ein und Keramik-Mal-Cafés sind vielerorts gut besucht.
Und selbst online haben solche Hobbys ihren Platz gefunden: Auf Social Media begeistern Strick-, Back- oder Garten-Influencer:innen grosse Communities und Tutorials auf YouTube werden millionenfach angeschaut. Schliesslich muss es nicht strikt off- oder online sein, oft lässt sich das Beste aus beiden Welten kombinieren. Und das gilt auch hier: Offline dem Hobby nachgehen, online dazu auf dem Laufenden bleiben. Auch Anleitungen und Material sind heute nur wenige Klicks entfernt – etwas, das besonders jüngere Generationen zu schätzen wissen.
Warum uns Oma-Hobbys gerade jetzt guttun
Für viele Menschen liegt der Reiz dieser Hobbys auch darin, wieder einmal mit den Händen zu arbeiten; vor allem wenn der Alltag sonst oft kopf- und bildschirmlastig ist. Gearbeitet wird am Computer, kommuniziert auf dem Handy und entspannt häufig vor dem Fernseher. Viele möchten dem aktiv entgegenwirken und suchen in ihrer Freizeit Tätigkeiten, die uns zurück zu den Händen bringen und den Kopf einmal anders beschäftigen.
Umso schöner ist es dann, wenn genau aus diesen Handgriffen etwas Greifbares entsteht: ein über Stunden vorbereitetes Sauerteigbrot, ein süsses Häkel-Plüschtier oder die erste Tomate aus dem eigenen Beet. Diese sichtbaren Erfolge machen stolz und motivieren dranzubleiben.
Trends sind zudem immer ein Spiegel der Gesellschaft. In unsicheren und überfordernden Zeiten gewinnen Hobbys an Beliebtheit, die entschleunigen und Kraft geben, erklärt der Freizeitforscher Ulrich Reinhardt.
Oma-Hobbys sind also definitiv zurück. Und sie machen nicht nur Spass, sie tun auch Kopf und Seele gut.
Gut fürs Wohlbefinden
Studien zeigen eine ganze Reihe positiver Effekte von Tätigkeiten, die als Oma-Hobbys gelten. So kann bereits das Beobachten von Vögeln und Hören ihres Gezwitschers das Wohlbefinden spürbar steigern. Auch Handarbeiten wie Stricken und Häkeln wirken sich positiv auf die mentale Gesundheit aus und können helfen, Stress abzubauen. Ähnliches gilt für das Zeichnen: Schon zehn Minuten täglich kann die Stimmung merklich verbessern. Selbst das Unkrautjäten zahlt sich aus. Laut einer Studie macht Gärtnern ähnlich zufrieden wie Radfahren oder Auswärtsessen.
Was dabei im Hirn passiert
Spannend ist auch ein genauerer Blick darauf, was bei kreativen Tätigkeiten im Hirn vorgeht. Diese aktivieren nämlich Hirnnetzwerke, die auch bei der Emotionsregulation eine wichtige Rolle spielen. Kreativität und emotionale Verarbeitung scheinen also teilweise auf denselben neuronalen Mechanismen zu beruhen.
Beim Stricken funktioniert das besonders gut. Es kombiniert Feinmotorik, kreatives Planen sowie rhythmische Bewegungen und aktiviert damit verschiedene Hirnareale gleichzeitig. Dabei gibt es Parallelen zur sogenannten EMDR-Therapie, wie die Therapeutin Emily Sharp erklärt, wobei EMDR für «Eye Movement Desensitization and Reprocessing» steht. Durch die rhythmischen Bewegungen beider Hände entstehen bilaterale Reize, die beide Hirnhälften stimulieren. In der Therapie werden solche Reize genutzt, um belastende Erfahrungen zu verarbeiten.
Von dieser Art von Stimulation können wir alle profitieren, denn sie stehen mit einem tieferen Cortisolspiegel, höheren Serotonin- und Dopaminwerten sowie einer verbesserten emotionalen Regulation in Verbindung.
Der Reiz des Neuen
Du hast noch nie ein Oma-Hobby ausprobiert? Dann könntest du sogar besonders davon profitieren. Denn ungewohnte Tätigkeiten fordern das Gehirn heraus, erklärt der Neurologie-Professor Alvaro Pascual-Leone. Etwas Neues wie Stricken oder Nähen zu lernen, fördert die sogenannte Neuroplastizität – also die Fähigkeit des Gehirns, sich zu verändern und neue Verbindungen zwischen Nervenzellen zu bilden. Dabei muss die kognitive Herausforderung gar nicht besonders gross sein. Viel wichtiger ist es, sich auf eine Tätigkeit einzulassen, die neu und ungewohnt ist.
Also, worauf wartest du noch?
Mehr Zufriedenheit, weniger Stress, ein besserer Zugang zu den eigenen Gefühlen und ganz nebenbei bleibt auch das Hirn in Bewegung. Oma-Hobbys werden mit vielen Gesundheitsvorteilen in Verbindung gebracht. Also los, hol die Stricknadeln, Nähmaschine oder Gartenhacke hervor und probiere es aus.
Quelle Titelbild: Unsplash | Peyman Shojaei
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Ich liebe es, in andere Welten einzutauchen, sei es durch spannende Geschichten, mit Reisen in ferne Länder und Kulturen oder in meinem eigenen kleinen Garten – ich bin immer auf Entdeckungsreise. Und wenn es Zeit wird, die Seele baumeln zu lassen, findet ihr mich auf der Yogamatte oder mit einem guten Buch in der Hand.
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