
Warum ausgerechnet Puzzeln ein Comeback feiert
Manchmal braucht es kein Spa-Wochenende, keinen Achtsamkeitskurs und keine Duftkerze mit der Aufschrift wie «feel good». Manchmal reicht ein Tisch, ein Motiv und 1000 kleine Teile, die aussehen, als hätten sie nichts miteinander zu tun. Am 29. Januar taucht in vielen Kalendern ein kleiner Feiertag auf: der «National Puzzle Day». Ein guter Anlass, sich daran zu erinnern, dass Entschleunigung manchmal aus Karton besteht. Doch warum genau erlebt das Puzzle in den letzten Jahren ein so grosses Revival?
Das grosse Comeback eines unterschätzten Hobbys
Lange galten Puzzles als Beschäftigung für verregnete Sonntage, Wochenenden bei den Grosseltern, Ferienhäuser ohne WLAN oder nostalgische Erinnerung an die Kindheit. Dann kam die COVID-19-Pandemie und plötzlich entdeckten Millionen Menschen wieder den Reiz eines vergessen geglaubten Hobbys, das weder Akku noch Update benötigt. Man kann schliesslich nicht unbegrenzt doomscrollen, Serien bingen oder Bananenbrot backen. Also standen auf einmal wieder Puzzleschachteln auf Couch- und Esstischen. Manchmal sogar dort, wo eigentlich gearbeitet werden sollte.
Puzzeln wurde zum heimlichen Star der «langsamen Hobbys», irgendwo zwischen Journaling und Stricken. Und damit zum perfekten Gegenpol zur Dauerbeschallung durch Screens und Newsfeeds. Kein Scrollen, kein Wischen, kein Multitasking. Nur Teile, Farben und die leise Hoffnung, dass dieses eine Teil jetzt wirklich passt. Puzzeln hat sich still und heimlich zum Lifestyle-Element der Entschleunigten entwickelt.
Digitale Pause im Analogmodus
In einer Welt voller Push-Nachrichten und endloser Feeds wirkt Puzzeln wie eine Pause-Taste. Wer puzzelt, macht genau eine Sache, und das hat eine beinahe meditative Wirkung. Der Prozess ist ruhig und wiederholend: Sortieren, probieren, fluchen, ein passendes Teil finden, erleichtert aufatmen. Und ganz nebenbei liegt das eigene Smartphone erstaunlich oft unberührt daneben. Spannend dabei ist, dass ausgerechnet Social Media den Puzzle-Hype verstärkt hat. Auf YouTube und TikTok zeigen Menschen ihre Fortschritte, teilen Tipps und manchmal auch ihre völlige Verzweiflung, wenn ein Himmel aus 400 identisch blauen Teilen besteht. Inzwischen gibt es Puzzle-Content-Creator, die genau daraus Content machen: von Sortierstrategien bis hin zu ästhetisch inszenierten Zeitraffer-Videos fertiger Motive.
Warum Puzzeln gut für den Kopf ist
So simpel Puzzeln wirkt, so viel passiert dabei im Gehirn. Beim Puzzeln konzentrierst du dich auf eine einzige Aufgabe, wiederholst Abläufe und kommst in einen ruhigen, gleichmässigen Rhythmus. Genau das, was viele sonst durch Meditation oder Achtsamkeitsübungen suchen. Der Unterschied: Du musst nicht erst lernen, wie man «richtig atmet» oder Gedanken loslässt – du schaust einfach, wo das nächste Puzzlestück hingehört.
Gleichzeitig sorgt jeder kleine Fortschritt für ein Mini-Erfolgserlebnis: ein fertiger Rand, ein erkennbares Motiv, eine Farbe, die sich endlich einfügt. Das mag unspektakulär klingen, ist aber genau das, was im hektischen Alltag oft fehlt: sichtbarer Fortschritt ohne Leistungsdruck. Wer puzzelt, trainiert nebenbei auch Konzentration, Gedächtnis, logisches Denken, räumliches Vorstellungsvermögen und die Problemlösungsfähigkeit. Gerade wenn gemeinsam gerätselt, diskutiert und Lösungswege ausgetauscht werden, entwickelt sich die Aktivität zur Teamaufgabe, bei der Austausch, Kommunikation und Kollaboration ganz selbstverständlich mittrainiert werden. Es ist eine Aktivität, die gleichzeitig beruhigt und stimuliert. Viele setzen sich nach einem langen Arbeitstag an ein Puzzle, um den Kopf zu sortieren und innerlich zur Ruhe zu kommen. Dass das nicht nur für Gelegenheits-Puzzler gilt, zeigen auch die Profis. Selbst Puzzle-Weltmeister Alejandro Clemente León puzzelt anscheinend einige Minuten, um nach einem anstrengenden Tag wieder einen klaren Kopf zu bekommen.
Von Grosis Schrank ins Wohnzimmer von heute
Die Puzzlewelt hat sich still und heimlich komplett neu erfunden. Wer heute puzzelt, baut längst nicht mehr nur Alpenpanoramen oder Landschaftsbilder zusammen. Motive sind zu kleinen Kunstwerken geworden, die nach dem letzten Teil stolz an der Wand hängen. Viele Hersteller setzen auf nachhaltige Materialien, klare Linien und moderne Illustrationen. Die Auswahl reicht von 3D-Bauwerken über bewusst extrem schwere Motive bis hin zu Puzzles, die ganz ohne Vorlage gelöst werden müssen. Das Puzzle hat sich also vom einst verstaubten Hobby zum ästhetischen Wohnaccessoire verwandelt.
Speed-Puzzling – ja, das gibt es wirklich!
Für alle, die glauben, Puzzeln sei zwangsläufig eine gemütliche Angelegenheit, gibt es eine überraschende Realität: Speed-Puzzling. Hier geht es weniger um Zen-Gefühle als um Sekundenbruchteile. Bei nationalen und internationalen Speed-Puzzle-Wettbewerben lösen die Teilnehmenden ein 500-Teile-Puzzle meist innerhalb von 90 Minuten. Die besten schaffen das Ganze sogar in etwa 30 Minuten. Teile werden in atemberaubender Geschwindigkeit sortiert und Muster erkannt – während wir noch versuchen, den Rand zu finden. Puzzeln kann also tatsächlich auch Adrenalin. Wer hätte das gedacht?
Quelle Titelbild: Unsplash | Kateryna Hliznitsova
Marketing Manager Editorial Content
Mit meiner Bucket List aus Kindheitstagen erkunde ich regelmässig neue Orte, Städte oder ganze Länder und geniesse es, die vielfältigen Facetten Europas zu entdecken. Neben meinen Abenteuern in der Ferne ist die Literatur meine grosse Leidenschaft, und ich liebe es, in fesselnde Geschichten und Welten einzutauchen. Wenn ich einmal nicht auf Reisen bin, findet man mich dabei, mit grosser Freude die neuesten Brunch-Spots in meiner Nähe auszuprobieren.
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