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Du hast dich in der Tür geirrt … 24-mal

Wie heisst es so schön? Wo sich eine Tür schliesst, öffnen sich 23 andere.

Bestenfalls auf einmal. Und wenn sich hinter jeder dieser Türen eine beachtliche Menge Schokolade verbirgt, dann, nun ja … zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke. Ähem.

Es geht um Adventskalender

Um jene sagenhaften Geduldsproben, die sich bereits im September in die Regale des Supermarkts – oder vielmehr in unseren Produktkatalog hier im Shop – reihen. Um diese gnadenlosen Proben der Selbstbeherrschung in 24 (!) Etappen. Um diese erbarmungslosen Sinnbilder dafür, dass Warten die Freude ebenso steigert wie die Pein.

Oder genauer, um diese entzückenden Dinger hier:

Wir lieben sie, keine Frage. Die zahlreichen Versionen von ihnen jedes Jahr zeigen nur allzu deutlich, wie sehr. Und doch haben viele von uns ein kleines Problem mit dem Konzept dahinter. Und mit Selbstkontrolle. Besonders mit Selbstkontrolle.

Ungeduld öffnet Tür … und Tür

Nach jahrzehntelanger Beobachtung sind mir besonders diese fünf Typen im Umgang mit Adventskalendern aufgefallen:

  1. Die Elite, die täglich genau eine Tür öffnet, nicht mehr und nicht weniger (aber hinter ihr liegen dunkle Zeiten voller aufgerissener Türchen von Schokoladen-Adventskalendern, über die sie kein Wort mehr verliert, genauso wenig wie über den einen Ausrutscher zu Tür 24 letztes Jahr – das sind die Pappleichen im Keller, die nie wieder ausgegraben werden).
  2. Der Pragmatiker, der den Kalender bereits am 30. November komplett öffnet. «Dann weiss ich wenigstens, woran ich bin.» Ein Argument, das ungefähr so viel Überzeugungskraft besitzt wie «Ich esse die ganze Tafel jetzt, dann kann ich morgen nicht mehr schwach werden.»
  3. Die Neugierige, der es im Grunde gar nicht um den Inhalt geht, sondern einzig und allein um die Information, was sich hinter der Tür verbirgt. Deshalb öffnet sie die Tür immer nur ein klein wenig und spannt durch den millimeterdünnen Spalt hinein, gelegentlich mit Taschenlampe. Das … muss aus der Perspektive der Schokolade furchterregend sein.
  4. Der Schuldige, der jetzt schon weiss, dass er sich nicht wird zusammenreissen können, und es sich dennoch vornimmt, nur, um danach von Gewissensbissen geplagt zu werden. Doch aus Erfahrung weiss er: Schokolade kann das schlechte Gewissen ein wenig lindern …
  5. Die Vergessliche, die sich einen Adventskalender zulegt und ihn dann vergisst, oder stets nachzügelt. Ja. Ja, solche gibt es auch, und sie wandeln unbemerkt unter uns. Ich weiss es, weil ich spätestens ab Türchen 8 dazugehöre.

Doch zu welchem Typ wir auch gehören mögen, selbst die geduldigsten werden sich irgendwann in der Tür vergreifen – und ist das wirklich so verkehrt?

Es gibt schliesslich durchaus plausible Ausreden Gründe, das eine oder andere Türchen vorzeitig zu öffnen. Wissenschaftlich vielleicht nicht alle haltbar. Moralisch womöglich diskutabel. Aber es gibt Gründe.

Tag der offenen Tür für Ausred… äh, Gründe

Erstmal: Es gibt keinen Aberglauben, der besagt, es brächte Pech, die Kalendertürchen vorzeitig zu öffnen – da können wir also schon einmal beruhigt sein. Wir versuchen uns trotzdem zusammenzureissen. Für den Fall, dass das nicht gelingt, müssen wir eine Rechtfertigung bereithalten. Eine Erklärung für das unmittelbare Umfeld, wenn das Alibi nicht stichfest ist, und gleichzeitig eine Besänftigung für unser Gewissen.

Ein paar mögliche Begründungen für solche Ausrutscher wären da …

  • Delay Discounting: Erklären wir es einfach mit einer Prise Wissenschaft. Delay Discounting ist ein psychologischer Prozess, bei dem der Wert einer Belohnung mit zunehmender Zeit für uns abnimmt. Studien zeigen, dass Menschen häufig eine kleinere, sofort verfügbare Belohnung einer grösseren, späteren vorziehen – und wenn die spätere Belohnung nicht einmal grösser ist, dann, ja, dann wird es schwierig.
  • Im Moment leben: Wer weiss, was morgen ist? Vielleicht wäre der Adventskalender auf wundersame Weise verschwunden, vielleicht wird er gestohlen (weil das natürlich das erste ist, was Einbrecher mitgehen lassen würden) oder womöglich kommt etwas dazwischen und wir kommen gar nicht bis Türchen 24, ehe Weihnachten ist.
  • Auf Mängel prüfen: Schliesslich müssen wir die Ware gesetzlich direkt nach dem Empfang prüfen und die Mängel melden. Also täuschen wir an der Stelle mal vor, wir wüssten nichts von der Ausnahme für versteckte Mängel, und wollten direkt eine Qualitätskontrolle vornehmen. Oder wen gedenken wir anzurufen, wenn wir am 24. feststellen, dass das Türchen aufgrund eines Produktionsfehlers leer ist. Den Samichlaus?
  • Anderen zuvorkommen: Hier wird die wissenschaftliche Beweislage zwar etwas dünner, die Alltagserfahrung dafür umso dichter: Wo 24 Naschereien und mindestens zwei Personen zusammenkommen, entsteht ein logistisches Risiko. Und ein zwischenmenschliches.

Doch keine Sorge, selbst wenn diese Erklärungen nicht hinhalten sollten …

Niemand wird deine Tür eintreten

Ausser vielleicht Geschwister. Oder Kinder. Aber im Grunde ist es (zumindest juristisch gesehen) keine Untat, wenn du mal ein, zwei, dreiundzwanzig Türchen zu viel öffnest. Und womöglich, ja, womöglich sollten wir den Adventskalender so handhaben, wie wir ihn am meisten geniessen. Vielleicht freuen wir uns lieber jeden Tag auf eine kleine Überraschung – oder wir kumulieren die Freude ein bisschen, so, wie das bei Rabattcodes so gut wie nie möglich ist, und öffnen alle 24 Türchen auf einmal.

Duygu Özdemir

Marketing Manager Editorial Content

Wenn ich mal nicht gerade damit beschäftigt bin, meiner literarisch-kreativen Ader freien Lauf zu lassen, stecke ich höchstwahrscheinlich in einem Netflix-Marathon fest («Nur noch eine Folge!»), unterhalte ich mich angeregt über die verschiedensten Themen, lese ein gutes Buch oder fordere mich selbst mit einem neuen Hobby heraus. Meine Wissbegierde kennt keine Grenzen, und hier habe ich die Möglichkeit, sie auszuleben und mit anderen zu teilen.

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