
Aftersun: Braucht man das wirklich oder reicht Bodylotion?
Es gibt zwei Arten von Menschen. Die einen kaufen vor den Ferien gewissenhaft Sonnencreme, Aftersun und vermutlich noch eine Lippenpflege mit SPF 50. Die anderen greifen nach dem Sonnenbaden einfach zur Bodylotion und denken: «Das wird schon passen.»
Ich? Ich war jahrelang Team Bodylotion.
Ganz ehrlich: Ich war überzeugt, Aftersun sei einfach Bodylotion in einer blauen Tube. Ein bisschen Aloe Vera aufs Etikett, ein Hauch Kokosduft dazu und fertig ist das Sommer-Marketing.
Bis ich mich gefragt habe: Stimmt das eigentlich wirklich?
Deine Haut hatte gerade einen ziemlich anstrengenden Tag
Kennst du dieses Gefühl nach einem perfekten Sommertag? Du warst am See, hast mehr Glace gegessen als geplant und bist ungefähr zehnmal ins Wasser gesprungen. Zuhause unter der Dusche merkst du plötzlich: Deine Haut fühlt sich trocken, warm oder gespannt an.
Das ist kein Zufall. Auch ohne sichtbaren Sonnenbrand hat deine Haut viel geleistet. UV-Strahlen entziehen ihr Feuchtigkeit, schwächen die natürliche Hautbarriere und fördern die Bildung sogenannter freier Radikale. Diese aggressiven Sauerstoffverbindungen können Hautzellen schädigen und langfristig zur vorzeitigen Hautalterung beitragen.
Während du also gemütlich Ferien gemacht hast, hat deine Haut Überstunden gemacht.
Ist Aftersun also doch mehr als Marketing?
Zu meiner Überraschung: Ja. Aftersun wurde speziell dafür entwickelt, die Haut nach dem Sonnenbaden zu beruhigen. Viele Produkte enthalten Aloe Vera, Panthenol oder Bisabolol. Diese Inhaltsstoffe können Spannungsgefühle lindern und gereizte Haut beruhigen. Feuchtigkeitsspender wie Glycerin unterstützen die Hautbarriere, während Antioxidantien wie Vitamin E freie Radikale teilweise neutralisieren können.
Kurz gesagt: Aftersun versucht, deine Haut nach einem stressigen Tag wieder herunterzufahren.
Aftersun-Favoriten
Warum fühlt sich Aftersun eigentlich so kühl an?
Hier kommt ein kleiner Fun Fact. Viele glauben, Aftersun kühle die Haut aktiv herunter. Der angenehme Frischeeffekt entsteht jedoch häufig dadurch, dass Wasser oder leicht flüchtige Inhaltsstoffe auf der Haut verdunsten. Dadurch fühlt sich die Haut kurzfristig kühler an, ihre Temperatur sinkt dadurch aber nicht dauerhaft.
Es ist also ein bisschen wie ein Ventilator im Hochsommer. Er beendet die Hitzewelle nicht, fühlt sich aber trotzdem grossartig an.
Und was macht Bodylotion?
Jetzt müssen wir Bodylotion kurz in Schutz nehmen. Sie macht nämlich überhaupt nichts falsch. Sie hat einfach einen anderen Job. Bodylotions sollen trockene Haut langfristig mit Feuchtigkeit und pflegenden Fetten versorgen. Deshalb enthalten sie oft reichhaltigere Öle oder Lipide, die Feuchtigkeit in der Haut einschliessen und sie geschmeidig halten. Im Alltag funktioniert das wunderbar.
Nach einem langen Tag an der Sonne kann sich eine sehr reichhaltige Creme jedoch etwas schwer anfühlen – besonders dann, wenn die Haut noch warm oder leicht gereizt ist.
Wann reicht Bodylotion völlig aus?
Wahrscheinlich öfter, als viele denken.
Warst du nur kurz draussen, hast regelmässig Sonnencreme verwendet und deine Haut fühlt sich ganz normal an? Dann reicht eine gute Bodylotion meist völlig aus.
Besonders geeignet sind Produkte mit Glycerin, Ceramiden oder Hyaluronsäure. Enthält deine Bodylotion zusätzlich Aloe Vera oder Panthenol, ist der Unterschied zu manchen Aftersun-Produkten überraschend klein.
Ja, diesen Satz musste ich nach meiner Recherche auch erst einmal akzeptieren.
Bodylotion-Favoriten
Mythos oder Fakt: Hält Aftersun die Bräune länger?
Diese Behauptung taucht jeden Sommer wieder auf. Und wie so oft lautet die Antwort: Jein. Aftersun macht dich nicht brauner und regt auch keine zusätzliche Melaninproduktion an.
Gut gepflegte Haut trocknet jedoch weniger schnell aus und schuppt sich meist langsamer. Dadurch bleibt die bereits vorhandene Bräune oft gleichmässiger und etwas länger sichtbar. Nicht wegen Zauberei. Sondern wegen Feuchtigkeit.
Was Aftersun definitiv nicht kann
Falls du gehofft hast, Aftersun könne einen Sonnenbrand rückgängig machen, muss ich dich leider enttäuschen.
Ist die Haut bereits stark gerötet oder haben sich sogar Blasen gebildet, ist der UV-Schaden bereits entstanden. Aftersun kann die Haut beruhigen und Spannungsgefühle lindern, den Schaden selbst aber nicht reparieren.
Bei starkem Sonnenbrand gilt deshalb: kühlen, ausreichend trinken, weitere Sonne vermeiden und bei starken Beschwerden ärztlichen Rat einholen.
Also: Braucht man Aftersun wirklich?
Nach meiner kleinen Recherche musste ich meinem früheren Ich tatsächlich ein bisschen widersprechen. Nein, Aftersun ist keine Pflicht. Und nein, Bodylotion ist nicht plötzlich nutzlos. Wenn deine Haut nach einem Sommertag völlig entspannt ist, reicht eine gute Bodylotion oft problemlos aus.
Hat sie jedoch mehrere Stunden Sonne, Salz- oder Chlorwasser hinter sich und fühlt sich warm, trocken oder gereizt an, ist Aftersun mit seinen beruhigenden Inhaltsstoffen meist die angenehmere Wahl.
Die wichtigste Erkenntnis hat mich am Ende aber am meisten überrascht. Die beste Hautpflege beginnt nämlich nicht nach, sondern vor der Sonne. Denn keine Aftersun der Welt kann ausgleichen, was fehlende Sonnencreme verursacht hat. Wer seine Haut gut schützt, regelmässig nachcremt und Sonnenbrand vermeidet, muss sich nach dem Duschen deutlich weniger Gedanken darüber machen, welche Tube jetzt die richtige ist.
Oder: Die beste Aftersun ist am Ende immer noch die, die du gar nicht dringend brauchst.
Quelle Titelbild: Unsplash | Fellipe Ditadi
Marketing Manager Editorial Content
Beauty, Trends und kreative Inhalte haben mich schon immer begeistert – früher mit dem Traum, irgendwann mal Prinzessin zu werden, heute mit der Leidenschaft für Texte, die sich jung, spannend und nicht nach Standard anfühlen. Wenn ich nicht gerade schreibe oder auf TikTok im nächsten Trend-Rabbit-Hole verschwinde, findet man mich wahrscheinlich im Gym, irgendwo am See in der Sonne oder gedanklich schon auf der nächsten Reise. Und sobald ich am Meer bin, verliere ich sowieso komplett jedes Zeitgefühl.
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