
Skihelm und Skibrille: Wie sicher ist deine Ausrüstung wirklich?
Dein Skihelm liegt schon seit Jahren im Keller, sieht aber noch aus wie neu? Und bei deiner Skibrille entscheidest du hauptsächlich nach der Farbe? Beides könnte ein Fehler sein. Denn ein Helm kann beschädigt sein, ohne dass du es bemerkst. Und die schönste Skibrille bringt wenig, wenn du bei Nebel kaum etwas siehst. Worauf kommt es also wirklich an?
Die kurze Antwort: Gut aussehen reicht nicht
Die Skiausrüstung steht bereit, die Winterjacke wartet auf ihren nächsten Einsatz und irgendwo im Keller liegt noch der Skihelm vom letzten Winter. Doch wie sicher ist der eigentlich noch?
Ein genauer Blick lohnt sich. Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) verunfallen jährlich rund 69'000 in der Schweiz wohnhafte Personen beim Skifahren, Snowboarden oder Schlitteln. Etwa 13 % verletzen sich am Kopf. Ein Helm kann rund ein Drittel der Kopfverletzungen verhindern.
Dein Skihelm sieht noch aus wie neu? Das muss nichts heissen
Weisst du noch, wann du deinen Skihelm gekauft hast? Falls nicht, bist du wahrscheinlich nicht allein. Nach einem heftigen Sturz sollte ein Helm ersetzt werden. Denn die stossdämpfende Schicht im Inneren kann beschädigt sein, selbst wenn die Aussenschale völlig heil aussieht.
Auch ohne Sturz hält ein Helm nicht ewig. UV-Strahlung, Abnützung und Materialalterung können seine Schutzwirkung beeinträchtigen. Risse, spröde Stellen oder beschädigte Riemen sind deshalb Warnsignale.
Die BFU empfiehlt, sich an die Herstellerangaben zu halten. Fehlen diese, sollte der Helm nach ungefähr fünf bis sieben Jahren ersetzt werden.
Klasse A oder B: Mehr Schutz oder mehr Komfort?
Wenn ein neuer Helm fällig wird, stellt sich die nächste Frage: Welcher ist der richtige?
Orientierung bietet die europäische Norm EN 1077. Sie regelt unter anderem die Stossdämpfung, die Durchdringungsfestigkeit und den Kinnriemen. Die Kennzeichnung findest du im Inneren des Helms.
Dabei unterscheidet sie zwei Schutzklassen:
- Klasse A: Deckt mehr vom Kopf ab, einschliesslich des Ohrenbereichs, und bietet einen umfassenderen mechanischen Schutz.
- Klasse B: Deckt etwas weniger Fläche ab, ermöglicht dafür häufig eine bessere Belüftung und mehr Tragekomfort.
Klasse A ist interessant, wenn du möglichst viel vom Kopf abdecken möchtest. Legst du mehr Wert auf Belüftung und Komfort, kommt Klasse B infrage. Beide erfüllen die Norm. Entscheidend ist aber, dass der Helm richtig sitzt.
MIPS: Kann ein Helm auch vor Drehbewegungen schützen?
Bei einem Sturz trifft der Kopf häufig schräg auf. Dabei können Drehbewegungen entstehen, die das Gehirn belasten.
Genau hier setzt MIPS («Multi-directional Impact Protection System») an. Das zusätzliche Schutzsystem ermöglicht eine kleine Relativbewegung zwischen Kopf und Helm, um bestimmte Rotationskräfte zu reduzieren.
Eine BFU-Studie von 2024 zeigt bei getesteten Velohelmen einen zusätzlichen Dämpfungseffekt. Für Skihelme nimmt die BFU eine ähnliche Wirkung an und empfiehlt bei gleich guter Passform ein Modell mit Rotationsschutz.
Skibrille: Warum die Scheibenfarbe täuschen kann
Rosa für Nebel, dunkel für Sonne? Ganz so einfach ist es nicht. Denn die Scheibenfarbe verrät dir nicht zuverlässig, wie viel Licht eine Skibrille durchlässt. Auch eine orange Scheibe kann ziemlich dunkel sein.
Entscheidend ist die Filterkategorie. Je höher sie ist, desto weniger sichtbares Licht gelangt durch die Scheibe.
Welche Filterkategorie passt zu welchem Wetter?
- S0 – Für wenig Licht: Über 80 % Lichtdurchlässigkeit. Geeignet bei Flutlicht oder sehr dunklen Bedingungen.
- S1 – Für trübe Tage: 43-80 % Lichtdurchlässigkeit. Geeignet bei Nebel und starker Bewölkung.
- S2 – Der Allrounder: 18-43 % Lichtdurchlässigkeit. Eine gute Wahl bei wechselhaftem Wetter.
- S3 – Für Sonnenschein: 8-18 % Lichtdurchlässigkeit. Geeignet für sonnige Tage auf der Piste.
- S4 – Für extreme Helligkeit: 3-8 % Lichtdurchlässigkeit. Für besonders intensive Sonneneinstrahlung, beispielsweise auf Gletschern.
Du möchtest dich nicht auf eine Filterkategorie festlegen? Dann kann eine selbsttönende Skibrille praktisch sein. Sie passt ihre Tönung innerhalb eines bestimmten Bereichs automatisch an die Helligkeit an.
Und noch etwas, das leicht übersehen wird: Eine dunkle Scheibe bietet nicht automatisch besseren UV-Schutz. Mehr Orientierung liefert die Norm EN ISO 18527-1, die unter anderem Anforderungen an den UV-Schutz von Skibrillen festlegt.
Skibrille beschlagen? Was wirklich dagegen hilft
Du stehst mitten auf der Piste und siehst plötzlich kaum noch etwas. Schuld ist aber nicht der Nebel, sondern deine beschlagene Skibrille.
Hier können Doppelscheiben helfen. Die Luftschicht dazwischen wirkt isolierend und reduziert das Risiko, dass sich Feuchtigkeit auf der Innenseite niederschlägt. Auch eine gute Belüftung spielt eine Rolle. Werden die Lüftungsöffnungen vom Helm verdeckt, kann sich Feuchtigkeit leichter stauen.
Und wenn die Skibrille trotzdem beschlägt? Dann solltest du die Innenseite möglichst nicht trockenreiben. Denn dadurch kann die empfindliche Anti-Fog-Beschichtung beschädigt werden. Lass die Brille stattdessen möglichst an der Luft trocknen und beachte die Pflegehinweise des Herstellers.
Warum nicht jede Skibrille zu jedem Skihelm passt
Der Helm sitzt perfekt, die Skibrille ebenfalls. Doch kaum trägst du beides zusammen, drückt die Brille auf deine Nase oder an der Stirn bleibt eine unangenehme Lücke.
Deshalb beginnt die Anprobe am besten mit dem Helm. Miss deinen Kopfumfang mit einem Massband etwa zwei Zentimeter oberhalb der Augenbrauen und orientiere dich an der Grössentabelle des Herstellers. Der Helm sollte fest sitzen, ohne zu drücken. Ein einfacher Test: Bewege deinen Kopf bei offenem Kinnriemen vorsichtig hin und her. Verrutscht der Helm, stimmt die Passform nicht.
Sitzt der Helm richtig, kommt die Skibrille dazu. Sie sollte bequem anliegen und möglichst keine Lücke zum Helm lassen, durch die kalte Luft eindringen kann. Am besten probierst du beides direkt zusammen an.
Vor der ersten Abfahrt: Ein letzter Check
Alles bereit für den ersten Skitag? Dann lohnt sich noch ein kurzer Ausrüstungscheck:
✅ Helm auf sichtbare Schäden prüfen
✅ Helmalter mit Herstellerempfehlung vergleichen
✅ Norm, Schutzklasse und Passform kontrollieren
✅ Filterkategorie und UV-Schutz der Skibrille prüfen
✅ Helm und Brille gemeinsam anprobieren
Die beste Ausrüstung ist nicht die teuerste oder schönste, sondern die, die zu dir passt und dich schützt. So kannst du dich ganz auf den Spass auf der Piste konzentrieren.
Quelle Titelbild: Unsplash | Andrej Lišakov
Marketing Manager Editorial Content
Mit einer Leidenschaft für Kreativität, Reisen, Fotografie und das ständige Erweitern meines Wissens, gehe ich voller Neugier durchs Leben. Wo ich meine Kreativität ausleben kann, fühle ich mich am wohlsten. Wenn ich nicht gerade die Welt erkunde, besondere Momente festhalte oder Neues lerne, liebe ich es, die Natur zu geniessen, mich in gemütlichen Cafés zu entspannen oder meine künstlerische Ader bei meinem nächsten Acrylgemälde auszuleben.
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