
IT-Fachkräftemangel? So nehmen unsere HR, IT und Alltron Academy ihn wahr
Bis 2033 brauche die Schweiz 128'600 zusätzliche ICT-Fachkräfte – so die Studie der ICT-Berufsbildung aus dem Jahr 2025. Davon könne sie voraussichtlich nur knapp über die Hälfte des Bedarfs decken. Gleichzeitig berichtet die Adecco Group von einem Rückgang beim ICT- und IT-Fachkräftemangel. Wie passt das zusammen?
Während die Studie der ICT-Berufsbildung auf einen langfristigen Mangel hinweist, zeigt der Fachkräftemangel-Index der Adecco Group eine konjunkturelle Entspannung auf. Nicht nur das: Bei Informatikberufen soll sogar ein Fachkräfteüberangebot herrschen. Ist der Fachkräftemangel also reine Zukunftssache, oder vielleicht sogar nur ein Mythos?
Die Antwort lautet: Weder noch.
Der IT-Fachkräftemangel aus drei Perspektiven
Passend zu den Kernthemen der diesjährigen Fachmesse CONNECT beleuchten wir den IT-Fachkräftemangel aus drei unterschiedlichen Blickwinkeln. Dazu schildert Fitore Aliu-Keller ihre Perspektive als unsere CPCO, Tobias Quelle die seine als unser CIO, und Chatun Bahnan die ihre als Training Manager bei der Alltron Academy.
In den Gesprächen wird auch die eingangs gestellte Frage greifbarer:
Der Fachkräftemangel herrscht nicht generell, sondern selektiv
Das ist das Erste, worauf Fitore Aliu-Keller beim Interview hinweist. «Der IT-Arbeitsmarkt hat sich in den letzten zwei Jahren spürbar verändert», erklärt sie. «Wir sehen heute weniger einen generellen Fachkräftemangel, sondern vielmehr einen selektiven Engpass.» Besonders gefragt blieben dabei erfahrene und spezialisierte Profile, wie etwa in den Bereichen Cloud und Data, oder im Senior Software Engineering. «Diese Rollen», gibt sie zu verstehen, «sind nach wie vor schwierig zu besetzen, weil sie technisches Know-how mit Erfahrung und einem guten Verständnis für komplexe Systeme verbinden.» Gleichzeitig habe sich der Markt bei allgemeineren oder einsteigerfreundlicheren Profilen etwas entspannt. «Unternehmen rekrutieren selektiver, und Kandidatinnen und Kandidaten müssen sich wieder stärker differenzieren.»

Fitore Aliu-Keller
Chief People & Culture Officer bei Brack.Alltron
Insgesamt sei der Markt reifer geworden: weniger getrieben von Dynamik um jeden Preis, stärker von Passung und nachhaltigen Entscheidungen. Da stellt sich jedoch auch die Frage, welchen Einfluss diese Entwicklung auf die Anforderungsprofile hat. Auf welche Talente wird bei Fachpersonen in der IT heute besonders viel Wert gelegt?
Unternehmen achten vermehrt auf Zukunftsfähigkeit und Soft Skills
Laut Aliu-Keller bleibe fachliche Kompetenz die Grundlage, ohne sie funktioniere es nicht. Doch: «Was sich deutlich verändert hat, ist der Blick darauf, was langfristig erfolgreich macht.» So sollen Unternehmen heute vermehrt auf Lernfähigkeit, Eigenverantwortung und Auffassungsgabe achten. «Der Fokus hat sich weg vom perfekten Lebenslauf hin zu Potenzial verschoben», erklärt sie. «Wir stellen bewusst Menschen ein, die sich entwickeln können, auch wenn sie noch nicht alle Anforderungen erfüllen.»
Gleichzeitig gewinne die Qualität des Teams an Bedeutung. «Gute Fachkräfte wollen mit anderen starken Persönlichkeiten arbeiten, von denen sie lernen können. Wer ein Team nicht nur ergänzt, sondern qualitativ stärkt, bringt langfristig den grösseren Mehrwert.» Soft Skills wie Kommunikation und Zusammenarbeit seien heute deshalb zentrale Erfolgsfaktoren.
IT-Fachkräfte wollen Unternehmen, die im Alltag gut funktionieren
Auf die Frage hin, was ein Unternehmen jenseits des Gehalts attraktiv macht, antwortet unsere CPCO: «IT-Fachkräfte achten sehr genau darauf, ob sie produktiv arbeiten können.» Wichtig seien klare Prioritäten, funktionierende Prozesse, zeitgemässe Technologien sowie der Umgang mit Fokus und Belastung im Alltag. «Viele Fachkräfte erleben heute eine hohe Zahl an Unterbrechungen und Kontextwechseln», erläutert sie. «Unternehmen werden deutlich attraktiver, wenn sie Microstress reduzieren und konzentriertes Arbeiten ermöglichen.»
Ebenso wichtig seien Aufgaben mit echtem Impact sowie die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und sich weiterzuentwickeln. Flexible Arbeitsmodelle hingegen beschreibt sie als Standard: «Da ist massgebend, wie konsequent und pragmatisch sie gelebt werden.»
Welche Rolle spielen internationale Talente und Quereinsteigende?
Aliu-Keller betont: «Der Fachkräftemangel wird heute nicht mehr nur über lokale Rekrutierung gelöst.» Internationale Talente blieben für den Schweizer IT-Arbeitsmarkt zentral, insbesondere bei spezialisierten Rollen. «Viele Unternehmen sind darauf angewiesen, weil bestimmte Kompetenzen lokal nur begrenzt verfügbar sind.» Im selben Zug würden internationale Fachkräfte neue Perspektiven und Erfahrungen einbringen, was die Innovation fördere. Neben der klassischen Rekrutierung vor Ort gewinne auch die standortunabhängige Zusammenarbeit an Bedeutung. «Unternehmen arbeiten vermehrt mit Teams oder einzelnen Fachkräften im Ausland zusammen. Das erweitert den Talentpool deutlich und schafft zusätzliche Flexibilität.»
Gleichzeitig würden auch immer mehr Unternehmen anerkennen, dass Potenzial und Lernbereitschaft entscheidend sind. «Quereinsteige gewinnen deshalb an Bedeutung», verdeutlicht sie. «Wer bereit ist, gezielt in Ausbildung und Entwicklung zu investieren, kann hier neue Talentpools erschliessen.»
«Der Markt wird sich weiter differenzieren.»
Der Bedarf an spezialisierten Fachkräften, insbesondere in den Bereichen Cloud, Data und AI, würde laut Aliu-Keller weiter steigen, während gleichzeitig der Wettbewerb bei weniger spezialisierten Rollen zunimmt. Der Engpass liege heute zunehmend bei Menschen, die technologische Expertise mit systemischem Denken, Zusammenarbeit und Wirkung im Unternehmen verbinden können.
Für Aliu-Keller steht fest: «Ausschlaggebend wird sein, wie Unternehmen mit dieser Entwicklung umgehen.» Erfolgreiche Organisationen würden sich weniger über den Zugang zu Talenten definieren, sondern vielmehr über ihre Fähigkeit, Talente zu entwickeln. «Gleichzeitig wird sich auch die Erwartungshaltung der Fachkräfte weiter verändern. Sie suchen nicht nur eine Stelle, sondern ein Umfeld, in dem sie sich entwickeln und Wirkung erzielen können»
Unternehmen, die das glaubwürdig bieten, würden ihrer Meinung nach langfristig im Vorteil sein.
Der grösste Engpass liegt dort, wo skalierbares Systemdenken gefragt ist
Tobias Quelle macht auf einen Fachkräftemangel im IT-Bereich aufmerksam, der oft unterschätzt wird – und zwar in der Softwarearchitektur. «Die grösste Knappheit liegt weniger bei einzelnen Technologien als bei Menschen, die Komplexität und Systeme ganzheitlich denken, Abhängigkeiten verstehen und nachhaltige Entscheidungen treffen können.» Als Beispiele hierzu nennt er Plattformdenken und Enterprise Architecture. «Der grösste Engpass ist also nicht Coding Power, sondern skalierbares Systemdenken», hebt er hervor. «Menschen, die Zusammenhänge erkennen und nachhaltige Entscheidungen treffen.»

Tobias Quelle
Chief Information Officer bei Brack.Alltron
Ähnlich herausfordernd könne aber auch die Suche nach Technical Team Leads aussehen. «Rollen an der Schnittstelle von operativer IT und Führung sind knapp, weil sie Kommunikation, Führungsaufgaben und Verantwortung fordern», erklärt er. «Und dazu natürlich ein ständig wandelndes operatives Tech-Know-how.»
Passend zum wandelnden Wissen geht die Frage hervor, in welchem Tempo sich die Anforderungen verändern, und wie IT-Mitarbeitende am Puls der Zeit bleiben.
Lernen als Gewohnheit, und nicht als Event
«Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist heute schneller als gestern und wird morgen schneller als heute sein», beurteilt Quelle. Schon nur mit dieser Wandelgeschwindigkeit mitzuhalten sei eine Herausforderung für sich, gepaart mit den permanent steigenden Erwartungen an die Effizienz. «Umso wichtiger ist es, dediziert Zeit für das Lernen einzuplanen und zur Verfügung zu stellen – und zwar aktiv.» Lernen funktioniere nur, wenn es Teil der täglichen Arbeit sei. Mit dieser Aussage beschränkt er sich nicht nur auf den IT-Bereich. Sein Rat lautet: «Lernen muss vom Event zur Gewohnheit gemacht werden, für jede Rolle in jedem Unternehmen.»
Hier stellt sich jedoch die Frage: Wie, bei Ressourcenproblemen?
Empowerment gegen Ressourcenknappheit
Mit Blick auf die steigende Komplexität bei gleichzeitig knappen Ressourcen setzt Quelle auf klare Strukturen. «Gefragt sind schlanke und effiziente Teams mit dedizierten Expertinnen und Experten», erklärt er. Gleichzeitig sei es wichtig, den Austausch gezielt zu fördern: «Communities of Practice in Form von Gilden helfen, den Wissensaustausch unter Expertinnen und Experten nachhaltig zu verankern.» Ein weiterer Hebel liege im Wechsel vom Projekt- zum Produktdenken, das Reibungen reduziert und die Verantwortung in den Teams fördert. «Wichtig ist, Teams zu empowern und ihnen ausreichend Gestaltungsfreiheit zu geben.» So gehen Tagesgeschäft und Weiterentwicklung Hand in Hand.
Welche Fähigkeiten sind besonders zukunftsrelevant?
Laut unserem CIO sollen künftig gefragte Fähigkeiten über reine Spezialdisziplinen hinausgehen. «Entscheidend wird systemisches und ganzheitliches Denken sein», erläutert er, «ebenso wie die Fähigkeit, IT, Business und Management miteinander zu vernetzen.» Auch der kompetente Umgang mit Künstlicher Intelligenz und Automatisierung gewinne an Bedeutung, sowohl auf fachlicher als auch auf kritischer Ebene. Gleichzeitig rücken soziale Kompetenzen stärker in den Fokus, wie Kooperationsfähigkeit und Ownership. «Future Skills entstehen dort, wo technisches Können auf Verantwortung und Zusammenarbeit trifft.» So sein Fazit.
«Talente müssen entwickelt werden, statt nur eingekauft.»
Quelle plädiert dafür, Talente nicht nur zu rekrutieren, sondern gezielt zu entwickeln. «Dafür braucht es Zeit, Raum und Budget für kontinuierliche Weiterbildung sowie eine Kultur, die Lernen und Fehler zulässt.» Auch Employer Branding werde über Sinn, Geschwindigkeit und Gestaltungsfreiheit geprägt. Und wichtig: Technologie solle Menschen gezielt entlasten und befähigen, nicht ersetzen.
«Die Zukunft der IT entsteht dort, wo Menschen gemeinsam lernen, Verantwortung übernehmen und Wirkung erzielen.»
Steigende Komplexität macht Weiterbildung zum zentralen Faktor
Auch Chatun Bahnan sieht Weiterbildung als wichtigen Hebel im Umgang mit der wachsenden Komplexität im IT-Umfeld. «Viele Themen greifen heute stark ineinander und lassen sich nicht mehr isoliert betrachten», erläutert sie. «Das zeigt sich zum Beispiel im AV-Bereich, in der Telefonie, bei Cloud-Lösungen, im Bereich Security und natürlich auch bei KI.» Gleichzeitig werde es für Unternehmen zunehmend schwierig, passende Fachkräfte am Markt zu finden. «Gerade kleinere und mittlere Unternehmen stehen oft vor der Herausforderung, dass sie nicht für jedes Thema Spezialistinnen oder Spezialisten haben.» Umso wichtiger sei es, dass Mitarbeitende breiter aufgestellt sind und sich laufend weiterentwickeln.

Chatun Bahnan
Training Manager Alltron Academy
Genau da setze auch das Angebot der Alltron Academy an: «Wir unterstützen unsere Partner dabei, ihre Mitarbeitenden gezielt weiterzuentwickeln und breiter aufzustellen.» Nur wer sich kontinuierlich weiterbilde, könne solche Themen überhaupt sauber bei der Kundschaft umsetzen. «Und genau das wird heute erwartet – Kunden setzen voraus, dass Lösungen funktionieren und kompetent umgesetzt werden.»
Weiterbildung im Spannungsfeld von Tempo und Tagesgeschäft
Bahnan sieht die grösste Herausforderung im IT-Fachhandel klar im operativen Alltag. «Die meisten Fachhändler sind stark im Tagesgeschäft eingebunden und haben wenig Zeit für Weiterbildung», erklärt sie. Dieser Spagat sei zwar nicht neu, habe sich durch die hohe Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen jedoch deutlich verschärft. Wissen veralte heute schneller als früher – insbesondere in ICT- und Digitalthemen. «Viele wissen, dass sie ihre Mitarbeitenden weiterbilden müssten, aber es ist oft schwierig, dafür Zeit freizuschaufeln.»
Darauf reagiere die Alltron Academy mit flexiblen Formaten: Präsenztrainings blieben zentral, würden jedoch kompakter gestaltet oder direkt vor Ort bei Partnern durchgeführt. Ergänzend kämen Webinare und Onlinekurse zum Einsatz.
Wo ist die Nachfrage für Schulungen besonders gross?
Bahnan beschreibt die Nachfrage nach Schulungen als stark abhängig vom jeweiligen Geschäftsfeld der Fachhändler. «Klassische Themen wie Installation und Konfiguration bleiben zentral», erklärt sie, «gleichzeitig kommen laufend neue Technologien, Produkte und Hersteller hinzu.» Aktuell beobachte sie eine steigende Nachfrage bei übergreifenden Themen wie KI, Security und integrierten Systemen. «Es geht zunehmend darum, verschiedene Technologien sinnvoll miteinander zu verbinden.»
Die Alltron Academy versuche, diese Themen möglichst breit, aber gleichzeitig gezielt abzudecken. Massgeblich sei dabei die Praxisnähe: «Schulungen müssen nicht nur Wissen vermitteln, sondern die Teilnehmenden befähigen, dieses im Kundenumfeld sicher und effizient umzusetzen.»
«Wissen allein reicht nicht. Der Mehrwert liegt in der Praxis.»
Für Bahnan steht fest, dass Schulungen nur dann ihren Zweck erfüllen, wenn sie im Arbeitsalltag bestehen. «Die Erwartung ist klar: Das Gelernte muss beim Kunden funktionieren», betont sie. Deshalb entstünden viele Trainings in enger Zusammenarbeit mit Herstellern und Partnern. «So stellen wir sicher, dass Inhalte aktuell und direkt anwendbar sind.» Massgebend seien zudem praxisnahe Formate wie Hands-on-Szenarien und reale Use Cases. «Die Herausforderung liegt weniger im Know-how als darin, es so zu vermitteln, dass es im Alltag greift.» Feedback und enger Austausch sichern dabei die kontinuierliche Weiterentwicklung.
«Wir kennen unsere Partner, Hersteller und Trainer – und sie kennen uns. Genau dieses Miteinander ist das Fundament für praxisnahe Schulungen mit direktem Bezug zum Arbeitsalltag.»
➡️ Zu den aktuellen Schulungsangeboten der Alltron Academy
Mehr Impulse an der CONNECT 2026
Die CONNECT 2026 bietet über das bestehende Messe- und Konferenzprogramm hinaus zusätzliche Impulse für die ICT-Branche. Neben Ausstellern, Keynotes und Sessions entstehen vor allem durch praxisnahe Einblicke, neue Perspektiven und den direkten Austausch weitere Denkanstösse zu aktuellen Themen wie KI, Security, Cloud und Skill-Entwicklung. So erweitert die CONNECT den Blick auf zentrale Herausforderungen der Branche und macht Entwicklungen und Lösungsansätze aus der Praxis unmittelbar erlebbar. Kostenlose Tickets sind ab sofort verfügbar:
CONNECT 2026
📅 26.–27. August 2026
📍 Halle 550, Zürich‑Oerlikon
Quelle Titelbild: Unsplash | Getty Images
Marketing Manager Editorial Content
Wenn ich mal nicht gerade damit beschäftigt bin, meiner literarisch-kreativen Ader freien Lauf zu lassen, stecke ich höchstwahrscheinlich in einem Netflix-Marathon fest («Nur noch eine Folge!»), unterhalte ich mich angeregt über die verschiedensten Themen, lese ein gutes Buch oder fordere mich selbst mit einem neuen Hobby heraus. Meine Wissbegierde kennt keine Grenzen, und hier habe ich die Möglichkeit, sie auszuleben und mit anderen zu teilen.
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