
Wespen: Meine persönlichen Endgegner des Sommers
Eine Wespe. Mehr braucht es nicht, und aus mir wird innerhalb von Sekunden ein hektisch fuchtelnder Mensch auf der Flucht. Dabei weiss ich ganz genau, dass ich ruhig bleiben sollte. Warum klappt das nur nie?
Ich mag den Sommer. Sonne, lange Abende, Essen draussen, ein kühles Getränk auf der Terrasse – von mir aus könnte das monatelang so weitergehen. Wären da nicht die Wespen.
Es braucht genau eine. Eine einzige Wespe in meinem Sichtfeld, und aus einem entspannten Sommerabend wird eine persönliche Krisensituation. Eben noch sitze ich gemütlich am Tisch, zwei Sekunden später beobachte ich einen gelb-schwarzen Winzling, als wäre er ein Kampfjet im Landeanflug. Und ja, ich weiss, was man tun soll: ruhig bleiben. Nicht fuchteln. Nicht hektisch werden. Ich weiss es wirklich. Mein Körper offenbar nicht.
Warum fliegst du eigentlich immer zu MIR?
Das Gemeine an Wespen ist für mich ihre völlige Missachtung des persönlichen Raums. Sie fliegen gefühlt direkt vors Gesicht, über den Teller und natürlich einmal verdächtig nah am Ohr vorbei. Spätestens dann halte ich mir teilweise sogar die Ohren zu. Rational weiss ich, dass eine Wespe nicht durch die Gegend fliegt und denkt: «Oh, ein Gehörgang. Da wollte ich schon immer mal rein.» Emotional bin ich trotzdem überzeugt: Heute könnte der Tag sein.
Dass Wespen besonders im Spätsommer häufiger an unserem Tisch auftauchen, hat allerdings wenig mit persönlicher Boshaftigkeit zu tun. Zu dieser Jahreszeit sind zuckerhaltige Lebensmittel besonders interessant. Unsere Glace, Früchte und Süssgetränke kommen da ziemlich gelegen. Kurz gesagt: Sie wollen nicht mich. Sie wollen mein Essen. Beruhigend finde ich das nur bedingt.
Warum macht uns eine Wespe so nervös?
Ganz irrational ist unsere Vorsicht nicht. Wespen können stechen – unser Gehirn stuft sie deshalb völlig zu Recht anders ein als beispielsweise einen Schmetterling. Dazu kommt ihre Flugweise. Wespen sind schnell, wechseln abrupt die Richtung und lassen sich schlecht einschätzen. Unser Gehirn mag Dinge, deren nächste Bewegung wir vorhersehen können. Der Flugplan einer Wespe sieht dagegen aus, als würde sie jede Sekunde spontan entscheiden, wo es hingeht. Und genau diese Unberechenbarkeit kann das Gefühl verstärken, dass sie «auf uns losgeht», obwohl sie vermutlich nur auf Nahrungssuche ist.
Wer bereits einmal gestochen wurde, hat noch einen zusätzlichen Grund für Alarmbereitschaft. Unser Gehirn merkt sich unangenehme Erfahrungen ziemlich zuverlässig. Taucht die nächste Wespe auf, kann deshalb bereits die Erwartung eines möglichen Stichs Stress auslösen.
Warum «bleib ruhig» so einfach klingt
Jetzt kommt mein Lieblingsratschlag: «Bleib einfach ruhig.» Ach so. Danke. Für nichts.
Angst und Stress können unseren Körper automatisch in Alarmbereitschaft versetzen. Herzschlag und Aufmerksamkeit nehmen zu, die Muskeln machen sich bereit – unser Körper stellt sich vereinfacht gesagt auf Kampf oder Flucht ein. Und während mein Verstand sagt: «Keine hektischen Bewegungen», entscheidet mein restliches Nervensystem offenbar: «WIR RENNEN.»
Das erklärt zumindest, warum wir manchmal genau das tun, von dem wir wissen, dass es wenig hilfreich ist. Die bewusste Entscheidung «Ich bleibe jetzt entspannt sitzen» konkurriert in diesem Moment mit einem ziemlich alten Schutzmechanismus.
Aber können Wespen wirklich ins Ohr fliegen?
Kommen wir zu meiner persönlichen Horrorvorstellung. Ja, theoretisch kann sich ein Insekt einmal in ein Ohr verirren. Wespen suchen aber nicht gezielt nach menschlichen Ohren. Mein reflexartiges Ohrenzuhalten ist also eher Ausdruck meiner eigenen Fantasie als eine notwendige Wespenabwehr.
Werde ich nach dieser Recherche damit aufhören? Wahrscheinlich nicht. Aber immerhin kann ich mir dabei künftig bewusst sein, dass die Wespe keinen geheimen Plan verfolgt, meinen Gehörgang zu besichtigen.
Und wie werde ich sie jetzt los?
Falls du nach all diesen Fakten zu dem Schluss gekommen bist, dass Wespen eigentlich nur missverstandene kleine Wesen auf Nahrungssuche sind: Respekt. Du bist emotional eindeutig weiter als ich.
Für die friedliche Fraktion haben wir bereits einen eigenen Blog: So vertreibst du Wespen, ohne sie zu töten. Dort findest du Möglichkeiten, wie du die ungebetenen Gäste möglichst schonend auf Abstand hältst.
Und dann gibt es noch Menschen wie mich. Menschen, bei denen nach dem dritten Anflug aufs Gesicht die diplomatischen Verhandlungen offiziell als gescheitert gelten. Für diesen Fall findest du bei uns auch die etwas weniger friedliche Wespenabwehr – von der klassischen Fliegentätsche bis zum Wespenspray.
Wenn die Diplomatie gescheitert ist
Analog, unkompliziert und mit einem gewissen persönlichen Einsatz verbunden. Ich weiss jetzt also, warum Wespen so nah kommen, weshalb mein Gehirn bei ihrem Anblick Alarm schlägt und dass sie höchstwahrscheinlich nicht in mein Ohr fliegen wollen. Werde ich beim nächsten Mal deshalb vollkommen ruhig sitzen bleiben? Natürlich nicht. Aber vielleicht fuchtle ich wenigstens etwas fundierter.
Quelle Titelbild: Unsplash | Paula Jinga
Marketing Manager Editorial Content
Beauty, Trends und kreative Inhalte haben mich schon immer begeistert – früher mit dem Traum, irgendwann mal Prinzessin zu werden, heute mit der Leidenschaft für Texte, die sich jung, spannend und nicht nach Standard anfühlen. Wenn ich nicht gerade schreibe oder auf TikTok im nächsten Trend-Rabbit-Hole verschwinde, findet man mich wahrscheinlich im Gym, irgendwo am See in der Sonne oder gedanklich schon auf der nächsten Reise. Und sobald ich am Meer bin, verliere ich sowieso komplett jedes Zeitgefühl.
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