
Wenn Brennweite Begegnung wird: FUJIFILM-Superfan Parti im Porträt
Architekt und Fotograf Parti Premraj bewegt sich zwischen Street, Kultur, Fashion und Identität. Im Gespräch erzählt er, warum Fotografie für ihn weniger mit technischen Details zu tun hat als mit Nähe, Perspektive und der Vergänglichkeit des Augenblicks.
Das Telefon klingelt, unbekannte Nummer. Parti Premraj erwartet eigentlich nur eine Rückmeldung zu einem Servicefall seiner Kamera. Stattdessen folgt die Nachricht, dass er den FUJIFILM-Superfan-Wettbewerb gewonnen hat: eine Reise in eine europäische Stadt, Kamera-Equipment nach Wunschliste, ein Gewinn, der nach Kindheitstraum klingt. Fast wie früher im Super Toy Club – nur dass der Einkaufswagen nicht mit Spielzeug, sondern mit Mittelformat-Träumen gefüllt wird.
Dass daraus später Prag, der FUJIFILM X Summit und ein erster direkter Zugang zur Welt des GFX-Systems werden, weiss er in diesem Moment noch nicht. Doch diese Geschichte beginnt ohnehin früher.
Sie beginnt 1989 im Thurgau, zwischen Schweizer Alltag und tamilischer Familienwelt. Partis Eltern sind Tamilen aus Sri Lanka und flohen vor dem Bürgerkrieg. Er wächst in der ländlichen Schweiz auf, doch sein Blick entsteht aus mehreren Richtungen: hinduistische Götterbilder, Familiengeschichte, Reisen – und später das Architekturstudium. Räume, Linien, Perspektiven und Lichtstimmungen prägen bis heute seine Bildsprache. Viele seiner Kompositionen entstehen aus einem architektonischen Blick auf Menschen und Szenen.
«Die kulturelle Welt meiner Familie und der Ort, wo ich aufgewachsen bin, sind so unterschiedlich, dass sie ganz natürlich Kontraste bildeten», sagt er. Diese Kontraste sucht er heute in seinen Bildern.
Menschen, Strassen, Rituale, Mode – Partis Bilder suchen Nähe, ohne die Szene zu vereinnahmen.
Die erste Kamera und der Kirschbaum
Seine erste Kamera bekommt Parti zum 18. Geburtstag: eine Canon 400D, ein Geschenk seines Onkels aus Kanada. Der Anfang ist kein grosses Kino. Eher ein erster Blick durch eine neue Tür. Ein Kirschblütenbild, erste Versuche mit Gimp, Farben hochziehen, Kontraste suchen, Elemente freistellen. Technisch noch wild, aber schon mit dem Wunsch, aus einem Bild mehr zu machen als eine Datei.
Später folgen Nikon D7000, erste kleinere Hochzeiten und Branding-Shootings, Reisen nach Japan, Indien, in die USA und nach Kanada. 2015, während seines Erasmus-Aufenthalts in Barcelona, gibt die Nikon bei einem FC-Barcelona-Spiel den Geist auf. Messi, Suárez und Neymar, idealer Sitzplatz, Teleobjektiv bereit – und dann eine Fehlermeldung. Dieses Erlebnis wird zum Wendepunkt: Parti wechselt auf Vollformat, zur Nikon D750. Die Kamera bringt Qualität und Sicherheit, aber auch Gewicht, einen lauten Auslöser und damit mehr Präsenz, als ihm auf Reisen lieb ist.
Drei Mal geht Parti den Jakobsweg, später reist er länger durch Südamerika. Dafür braucht er keine Kamera, die Aufmerksamkeit verlangt, sondern eine, die in der Szenerie untertaucht. Die kleine Olympus OM-D E-M10 II wird zur Schule der Leichtigkeit: immer dabei, schnell zur Hand und unauffällig genug für spontane Momente.
Zwischen Street, Story und tamilischen Aromen
Wenn Parti über Motive spricht, landet er schnell bei Menschen und Begegnungen. Seine Arbeit bewegt sich zwischen Reportage, dokumentarischer Fotografie, Street und urbaner Kultur. Fashion und Editorial kommen dazu, aber auch dort interessiert ihn nicht nur das Styling. Ihn interessiert, was ein Bild trägt: Emotion, Komposition, Licht und die Erinnerung an einen Moment.
Seine Herkunft wirkt dabei wie eine zweite Linse. In Kuba erkennt er plötzlich Parallelen zu seinen tamilischen Wurzeln: Klima, Früchte, Strassen und eine ähnliche Wärme im Alltag. In der tamilischen Küche entsteht Geschmack nicht durch eine Zutat allein, sondern durch das Zusammenspiel. Parti denkt Bilder ähnlich: Erst wenn Menschen, Räume, Licht und Bewegung miteinander reagieren, entsteht für ihn ein Bild, das wirklich funktioniert.
Das erklärt auch, warum ihn Vergänglichkeit beschäftigt. In seiner Familiengeschichte wurde vieles nur als Fragment weitergegeben: Fotos des Grossvaters, Erinnerungsstücke, Anekdoten. Bilder sind für ihn deshalb mehr als Ästhetik. Sie sind Anker gegen das Verschwinden. Daraus wächst heute ein langfristiges Buch- und Ausstellungsprojekt über die tamilische Diaspora in der Schweiz. Parti dokumentiert Menschen, Räume und kulturelle Spuren zwischen mehreren Generationen – als visuelles Archiv der Gegenwart.
«Kultur & Komposition» – Porträts, Fashion, Double Exposure und Alltagsszenen zeigen, wie Parti Nähe, Bewegung und kulturelle Spuren verbindet.
Prag im Mittelformat
Im Oktober 2020 wechselt Parti zu FUJIFILM, zuerst mit einer gebrauchten X-T4 und mehreren Objektiven. Für ihn passt daran vieles zusammen: Farben, Bedienung, Haptik, Kompaktheit, kreative Kontrolle. Es ist weniger ein Markenwechsel als ein sofortiger emotionaler Klick mit der Funktionsweise der neuen Kamera.
Der Superfan-Gewinn 2025 öffnet eine neue Tür. In Prag erlebt Parti den FUJIFILM X Summit, trifft Fotograf:innen, Markenpartner und Fans, die Fotografie nicht nur als Technikmarkt, sondern als Community erleben. Dort kommt auch die GFX100RF auf die Bühne. Für Parti war Mittelformat lange Neuland: zu teuer, zu gross, zu weit oben im Traumregal. Plötzlich liegt genau diese Welt zum Greifen nahe.
«Das war ein starker Schub für mein Selbstbewusstsein», sagt er. Er durfte Idole treffen, ausprobieren, sich austauschen. Aber der eigentliche Effekt kommt erst später. Nicht im Moment der Reise, sondern im Alltag danach. Eine Kamera macht den Stil nicht automatisch besser. Sie setzt einen Rahmen. Und manchmal schärft genau dieser Rahmen den Blick.
Mehr Details und weniger technische Ausreden
Mit der FUJIFILM GFX100RF arbeitet Parti heute täglich. Sie ist kompakt genug, um überall dabei zu sein und liefert dabei Datenqualität, bei der sein Laptop hörbar zu arbeiten beginnt. Die hohe Auflösung und der grosse Sensor zeigen sich für ihn in den Details, so z. B. Hauttönen und Strukturen: in Nuancen, Übergängen und kleinen Verschiebungen, die früher schneller verloren gingen.
Der Mittelformat-Look ist für ihn ein Stilmittel geworden. Gleichzeitig bleibt er kritisch: Die feste F4-Linse ist in dunkleren Situationen nicht immer ideal. Doch genau diese Begrenzung verändert seine Arbeitsweise. Ein Bild lässt sich nicht mehr über cremige Unschärfe führen. Vordergrund, Hintergrund, Linien, Achsen und störende Elemente bleiben sichtbar. Manche Bilder wären mit offener Blende schneller «schön». Mit der GFX100RF muss Parti sie grösser denken: nicht Effekt zuerst, sondern Komposition.
Auch Nähe wird konkreter. Natürlich wäre croppen – also nachträgliches Zuschneiden –bei 100 Megapixeln eine Option. Aber für Parti bleibt es ein Unterschied, ob das Bild digital vergrössert oder körperlich zwei Schritte näher herangebracht wird. Gerade bei Menschen ist die Nähe spürbar. Aber das bedeutet nicht nahekommen um jeden Preis – es bedarf eines Feingefühls für die Situation.
Partis Praxistipps: näher ran, klarer sehen
- Such zuerst die Geschichte: Was willst du mit dem Bild sagen? Ein gutes Foto braucht eine Geschichte, ein Detail und eine dahinterliegende Botschaft.
- Geh in die Szene: Wenn das Bild nicht funktioniert, ist der erste Ausweg nicht der Crop. Zwei Schritte näher, zwei zurück, tiefer oder höher gehen: Der Körper ist oft der beste Zoom.
- Nimm die Kamera, die wirklich täglich mitkommt: Die beste Bildqualität hilft wenig, wenn das Gerät zuhause bleibt. Partis Jakobsweg-Lektion: Leichtigkeit verändert, welche Bilder überhaupt entstehen.
- Komponiere wie bei F8: Stell dir vor, Nichts darf in Unschärfe verschwinden. Was macht der Hintergrund? Wo laufen Linien? Welche Figur stört? So wird ein Bild bewusster.
- Denk in Schwarz-Weiss: Parti arbeitet oft mit Schwarz-Weiss-Vorschau, auch wenn das RAW farbig bleibt. Ohne Farbe werden Licht, Form und Emotion schneller sichtbar und das Bild muss auf einer ganz anderen Ebene sofort funktionieren und ansprechen.
Vom Superfan zum Sichtbarmacher
Unter dem Namen «ONDRU STUDIOS» bietet Parti seine Fotografie nebenberuflich an, gibt Workshops und durfte Photowalks anleiten. Die Zusammenarbeit mit FUJIFILM und Brack spielte dabei eine echte Rolle – nicht nur als Produktzugang, sondern als Netzwerk und Resonanzboden. Technische Fragen werden schnell beantwortet, Kontakte entstehen und Ideen konnten Realität werden.
An der PhotoSCHWEIZ 26 im Vorjahr konnte Parti eigene Arbeiten zeigen und einen Workshop zum Thema «Shutter Drag» durchführen – kombiniert mit visuellen Elementen tamilischer Kultur und Bewegung. Dass beides zusammentrifft, liegt in seinen Wurzeln: Architektur schärfte seinen Blick für Räume und Achsen, Reisen machten ihn beweglicher. Die tamilische Kultur brachte Farbe, Erinnerung und Identität hinein. FUJIFILM wurde zum Kamerasystem, das diese Fäden für ihn zusammenführt.
Wer zwischen zwei Welten aufgewachsen ist, weiss: Vieles geht verloren, bevor es benannt wird. Eine Sprache, die zuhause gesprochen wird und draussen kaum jemand versteht. Ein Fest, das hier kaum jemand kennt. Ein Gesicht, das älter wird, während das Leben woanders hinführt. Parti hat früh gelernt, dass Identität kein fester Ort ist, sondern etwas, das sich aus Fragmenten, Reisen und Erinnerungen immer wieder neu speist. Fotografie ist für ihn deshalb mehr als Ästhetik. Sie ist Haltung: Menschen, Momente und Geschichten festhalten, bevor der Moment vergeht. Nicht, weil man das Verschwinden aufhalten könnte. Sondern weil bezeugt wird, wie etwas gewesen ist. Manche Bilder entstehen zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die meisten aber erst, wenn der Blick für diesen Moment vorhanden ist.
Alle Bilder und Titelbild: Parti Premraj | ONDRU STUDIOS
Marketing Manager Editorial Content
Ehemaliger Kulturjournalist, heute Unternehmenskommunikator mit B2B-Hintergrund in öffentlichen Institutionen und der Softwareindustrie. In meiner Freizeit dreht sich vieles um Technik in allen Facetten: eine zu grosse Gitarrensammlung, jede Menge Audio-Equipment und ungebrochene Musikleidenschaft. Dazu kommt das Fotografenauge – mit Schwäche für (leider) viel zu teure Kameras – und meine nostalgische Liebe zu PC-Spielen: von taktischen Shootern über Rollenspiele bis hin zu Strategie-Klassikern. Bei Brack darf ich über all das schreiben, was mich schon immer fasziniert hat.
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