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Hilft es, gegen den PC zu schlagen?

Nein. Nein, tut es nicht. Aber ich zeige dir andere Methoden, die vielleicht etwas bringen – und auch den Grund, wieso es manchmal doch geholfen hat.

Hach ja, Nostalgie. Für manche gehören MP3-Player dazu, für andere Kassetten, Videorekorder, Toggo-Serien, oder auch Retro-Süssigkeiten wie die heissbegehrten Hubba-Bubba-Kaugummirollen. Für andere hingegen … ja, andere blicken wehmütig in eine Zeit zurück, in der sie Computerprobleme mit Gewalt lösen konnten. Zumindest manchmal. Selten und vermeintlich. Aber manchmal.

Ich bin mir sicher, einige von uns treten immer noch gegen das Gehäuse. Vielleicht aus alter Gewohnheit, vielleicht aber auch rein aus Genugtuung. Oder Frust. Diese Methode war einst so verbreitet, dass sie eine eigene Bezeichnung zugeschrieben bekam: «percussive maintenance». Die Wissenschaft (oder so) ist heute aber so weit (und war es schon immer gewesen), uns klar davon abzuraten.

Nicht, dass das irgendjemanden aufhalten würde, aber im Grunde ist es so: Trittst du gegen den Computer, machst du es nur schlimmer.

Wieso Gewalt gelegentlich zu helfen schien

Wenn der PC hing, trat oder haute man leicht gegen das Gehäuse. Und hatte man Glück, war er wieder funktionstüchtig.

Ja, tatsächlich hat es manchmal geholfen. Zumindest vorläufig. Die alten Computer hatten zahlreiche Hardwarekomponenten, und gelegentlich reichte ein (mehr oder minder) gezielter Ruck, um den unterbrochenen Kontakt wiederherzustellen. So konnte er beispielsweise lockere Steckkarten und Kabel wieder zurechtrücken, festhängende Mechanik lösen, oder Staub abfallen lassen, wo es zuvor zur Überhitzung beitrug.

Doch schon damals wurde davon abgeraten. Das Risiko war (und ist) höher als die Erfolgschancen, und in der Regel waren die Probleme Vorbote eines richtigen Defekts. Oder wie ein guter, technisch versierter Freund von mir dazu meinte: «Mit einem Schlag hatte man hauptsächlich die Lebensdauer der Harddisk verringert. Lol.»

Wieso das definitiv nicht mehr hilft

Ältere Geräte hatten mehr mechanische, steckbare Komponenten, und häufiger gelockerte Bauteile. So waren die Chips beispielsweise nicht fest verlötet, sowie bis in die frühen 90er Jahren ganz anders gesockelt (DIP, frühe PGA). Sie hielten durch Reibung der Kontakte, ohne einen starken Anpressmechanismus zu haben. Bei thermischer Ausdehnung konnten sie sich minimal aus ihren Sockeln herausarbeiten, auch «chip creep» genannt. Danach kamen laufend die sogenannten Nullkraftsockel zum Einsatz, die mehr Stabilität boten.

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Beispiel eines Nullkraftsockels, in diesem Fall Intel PGA370 (1998). Quelle: Adobe Stock | 1203967273

Heute ist vieles verlötet, und was nicht verlötet ist, ist mechanisch stabil befestigt. Das gilt auch für CPUs: Sind sie nicht verlötet, wird stattdessen mithilfe eines Hebels und einer Metallklappe ein präziser Anpressdruck erzeugt. Die CPU rastet damit spürbar ein und bewegt sich nicht mehr von der Stelle. Ausser, nun, jemand setzt viel Gewalt ein.

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Als Vergleich der LGA1700 aus dem Jahr 2021. Quelle: Adobe Stock | 597838196

Auch die alten Stecker und Slots waren wesentlich schlechter verankert: Alte Slots waren blosse Plastikstecker mit Kontakten, wie beispielsweise damals AGP und PCI 32 Bit. Heutzutage hingegen gibt es oft Metallrahmen und Riegel. Grafikkarten werden in der Regel mit mehreren Schrauben befestigt, und bei grossen Karten kommen Anti-Sag-Halterungen zum Einsatz.

Es gibt somit kaum mehr etwas, was ein Schlag «zurechtrücken» könnte. Wenn diese … nennen wir sie mal «PC-Schlagtherapie» früher in 95 % der Fälle schädlich war und in 5 % der Fälle ein temporäres Problem beheben konnte, ist sie heute zu 100 % schädlich. Schliesslich sieht das Innenleben eines Desktop-PCs nicht mehr, na ja, so aus:

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Ein altes Motherboard mit AGP-Slots. Quelle: Adobe Stock | 1271427144

Was du stattdessen ausprobieren solltest

Das wirst du nicht gerne hören, aber: Hast du schon versucht, den PC neu zu starten? Ich weiss, ich weiss. High-End-Tech-Support. Bei der IT-Abteilung würde ich mich mit diesem Rat bestimmt gut eingliedern. Aber er ist nun mal tatsächlich oft nützlich. Bevor du deinem PC eine verpasst, solltest du also lieber folgende simple Methoden ausprobieren:

  • PC komplett ausschalten und vom Strom trennen
  • Alle Kabel kontrollieren
  • RAM und Grafikkarte neu einsetzen
  • Temperaturen überprüfen
  • Fehlermeldungen googeln
  • Treiber und BIOS aktualisieren
  • Lüfter und Kühlkörper von Staub befreien
  • Auf verdächtige Geräusche achten (die übrigens nie ein gutes Zeichen sind)

Und falls wirklich nichts mehr hilft: lieber fluchen als schlagen. Der moderne Computer mag aus vielen empfindlichen Kleinteilen bestehen, aber Gefühle hat er zum Glück keine.

Duygu Özdemir

Marketing Manager Editorial Content

Wenn ich mal nicht gerade damit beschäftigt bin, meiner literarisch-kreativen Ader freien Lauf zu lassen, stecke ich höchstwahrscheinlich in einem Netflix-Marathon fest («Nur noch eine Folge!»), unterhalte ich mich angeregt über die verschiedensten Themen, lese ein gutes Buch oder fordere mich selbst mit einem neuen Hobby heraus. Meine Wissbegierde kennt keine Grenzen, und hier habe ich die Möglichkeit, sie auszuleben und mit anderen zu teilen.

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