
Carbon, Superfoam, Air: Brauchen wir wirklich so viel Hightech am Fuss?
Meine Running Era dauerte ungefähr vier Wochen. Lang genug, um zu wissen, dass Laufen anstrengend ist. Nicht lang genug, um mir Gedanken über Carbonplatten, Superfoam oder Air-Elemente unter meinen Füssen zu machen.
Dabei sind genau solche Technologien längst nicht mehr nur Profis vorbehalten. Laufschuhe mit Carbon und Superfoam sind inzwischen auch bei Hobbyläufer:innen angekommen. Nike hat mit Apex und Swooshfly gerade zwei neue Race-Day-Schuhe angekündigt. Beim Apex treffen unter anderem Carbon, Hightech-Schaum und gleich vier Air-Zoom-Elemente im Vorfuss aufeinander.
Klingt ein bisschen nach Formel 1 für die Füsse. Aber was machen diese Technologien eigentlich? Und braucht man sie wirklich, wenn das persönliche Laufziel nicht gerade ein neuer Marathonrekord ist?
Carbon: Was macht die Platte da drin?
Carbon-Laufschuhe erkennt man von aussen nicht unbedingt. Im Inneren steckt eine dünne und sehr steife Platte, meist eingebettet in eine dicke Schicht Schaumstoff.
Ihre Aufgabe ist nicht, den Fuss wie eine Sprungfeder nach vorne zu katapultieren. Die Platte versteift vielmehr den Schuh, beeinflusst die Abrollbewegung und stabilisiert den weichen Schaum. Gemeinsam mit der gebogenen Sohlenform kann das dafür sorgen, dass der Bewegungsablauf effizienter wird.
Der entscheidende Punkt: Carbon funktioniert nicht allein. Wie viel ein Schuh bringt, hängt genauso von Schaum, Geometrie, Gewicht und natürlich von der Person ab, die darin läuft.
Carbon kaufen = Bestzeit garantiert? Leider nein. Training bleibt ärgerlicherweise weiterhin Teil des Deals.
Superfoam: Federleicht und ziemlich federnd
Während Carbon meistens die ganze Aufmerksamkeit bekommt, steckt ein grosser Teil der Magie moderner Superschuhe im Schaum.
Klassische Zwischensohlen sollen vor allem dämpfen. Moderne Superfoams gehen einen Schritt weiter: Sie sind sehr leicht, lassen sich beim Auftreten stark zusammendrücken und schnellen anschliessend möglichst effizient wieder in ihre ursprüngliche Form zurück. Dabei geht weniger Energie verloren als bei vielen herkömmlichen Schäumen.
Das Resultat: Der Körper muss bei einem bestimmten Tempo potenziell etwas weniger Energie aufwenden. Genau das meinen Forschende, wenn sie von einer verbesserten Laufökonomie sprechen.
Über fünf gemütliche Kilometer ist dieser Unterschied vermutlich weniger weltbewegend. Wer 42,195 Kilometer möglichst schnell hinter sich bringen möchte, dürfte ein paar eingesparte Prozent hingegen plötzlich ziemlich sexy finden.
Air: Luft unter den Füssen – aber wozu?
Luftpolster in Schuhen sind grundsätzlich nichts Neues. In modernen Race-Day-Modellen werden sie aber gezielt eingesetzt, um Dämpfung und Reaktionsfähigkeit zu beeinflussen.
Bei Nikes Air-Zoom-Elementen stehen kleine, mit Druckluft gefüllte Kammern unter Spannung. Beim Auftreten werden sie belastet und geben ihre Form anschliessend schnell wieder zurück. Im Zusammenspiel mit Schaum und Carbonplatte soll so ein reaktives Laufgefühl entstehen.
Beim neuen Apex geht Nike ziemlich weit: Vier Air-Zoom-Elemente sitzen allein im Vorfuss. Das Modell richtet sich damit besonders an ambitionierte Marathonläufer, die über Mittel- oder Vorfuss laufen.
Und das zeigt bereits: Je ausgefeilter ein Schuh wird, desto wichtiger wird die Frage, für wen diese Technik überhaupt entwickelt wurde.
Carbon + Superfoam + Air = automatisch schneller?
Nicht ganz.
Moderne Superschuhe können die Laufökonomie messbar verbessern. Studien zeigen aber auch, dass nicht jede Person gleich stark davon profitiert. Laufstil, Geschwindigkeit, Körpergewicht und die Konstruktion des jeweiligen Schuhs können beeinflussen, wie gut das Gesamtpaket funktioniert.
Deshalb ist ein Superschuh auch weniger ein einzelnes Wunder-Gadget als ein ziemlich ausgeklügeltes System: Der Schaum speichert und gibt Energie zurück, die Carbonplatte beeinflusst Steifigkeit und Abrollbewegung und Air-Elemente können zusätzliche Reaktivität liefern.
Je besser diese Komponenten zusammenpassen – und je besser der Schuh zur laufenden Person passt –, desto interessanter wird der Effekt.
Lohnen sich Carbon-Laufschuhe für Hobbyläufer?
Die kurze Antwort: Nein – aber es kann sich lohnen.
Wer zweimal pro Woche gemütlich seine Runde dreht, gerade mit dem Laufen beginnt oder hauptsächlich für Fitness und Spass unterwegs ist, braucht weder Carbonplatte noch vier Luftkammern unter dem Vorfuss. Ein bequemer, gut passender Trainingsschuh reicht aus.
Wer dagegen regelmässig trainiert, auf eine bestimmte Zeit hinarbeitet oder einen Halbmarathon beziehungsweise Marathon möglichst schnell laufen möchte, kann von moderner Race-Day-Technologie profitieren. Und dafür musst du kein Profi sein.
Carbon, Superfoam und Air sind also mehr als Marketingbegriffe – Pflicht sind sie trotzdem nicht. Die entscheidende Frage lautet weniger: «Bin ich schnell genug für Carbon?», sondern: «Habe ich ein Laufziel, bei dem mir dieser Vorteil etwas bringt?»
Und wer gerade erst in Woche eins seiner Running Era steckt, wartet vielleicht noch kurz mit der 300-Franken-Carbon-Investition.
Nur für den Fall.
Quelle Titelbild: Unsplash | A. C.
Marketing Manager Editorial Content
Beauty, Trends und kreative Inhalte haben mich schon immer begeistert – früher mit dem Traum, irgendwann mal Prinzessin zu werden, heute mit der Leidenschaft für Texte, die sich jung, spannend und nicht nach Standard anfühlen. Wenn ich nicht gerade schreibe oder auf TikTok im nächsten Trend-Rabbit-Hole verschwinde, findet man mich wahrscheinlich im Gym, irgendwo am See in der Sonne oder gedanklich schon auf der nächsten Reise. Und sobald ich am Meer bin, verliere ich sowieso komplett jedes Zeitgefühl.
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