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Die 5 Ferienmenschen, die wir diesen Sommer alle getroffen haben

Die Sommerferien sind vorbei. Der Koffer ist wieder im Keller, der Sand längst aus den Schuhen geklopft und die ersten E-Mails warten schon im Posteingang. Geblieben sind aber nicht nur schöne Erinnerungen, sondern auch Begegnungen mit genau den Menschen, die jeden Urlaub begleiten.

Du kennst sie. Ich kenne sie. Und sie schaffen es jedes Jahr aufs Neue, gleichzeitig zu nerven und grossartig zu unterhalten. Die Wahrscheinlichkeit ist ausserdem hoch, dass wir selbst schon einmal einer davon waren.

1. Der Liegestuhl-Reservierer

Es ist 6.23 Uhr. Nicht am Flughafen. Nicht vor einem Konzert. Nein. Vor dem Hotelpool. Während normale Menschen noch schlafen, sprintet der Liegestuhl-Reservierer bereits im Morgengrauen los – bewaffnet mit drei Badetüchern und einer Mission. Innerhalb weniger Minuten sind sämtliche Liegestühle in der ersten Reihe reserviert. 

Menschen liegen dort allerdings keine. Die erscheinen irgendwann gegen elf Uhr. Vielleicht. Bis dahin bewacht ausschliesslich ein leicht feuchtes Badetuch den Platz. Das Faszinierende ist die Selbstverständlichkeit. Als hätte das Handtuch plötzlich dieselben Rechte wie ein Hotelgast. Und wehe, jemand wagt es, einen offensichtlich seit Stunden verlassenen Liegestuhl zu benutzen. Aus dem Nichts taucht plötzlich eine Person auf. «Entschuldigung, der ist besetzt». Ach so. Natürlich. Vom Frottiertuch.

Das Beste daran? Während eine Familie mit kleinen Kindern verzweifelt nach einem freien Platz sucht, reserviert jemand gleichzeitig vier Liegestühle für zwei Personen. Nur für alle Fälle. Man könnte fast meinen, der Kampf um den Pool sei das eigentliche Ferienprogramm.

2. Der Buffet-Weltmeister

Hotelbuffets sind etwas Wunderbares. Man kann alles probieren. Man darf geniessen. Man muss sich um nichts kümmern. Und dann gibt es Menschen, die das Buffet behandeln, als würde nach dem Frühstück weltweit der Ausnahmezustand ausgerufen.

Der Teller gleicht einem Meisterwerk. Doch eher architektonischer statt kulinarischer Natur. Rührei. Speck. Pancakes. Croissants. Früchte. Käse. Würste. Müsli. Und irgendwo ganz hinten noch ein kleines Salatblatt fürs gute Gewissen. Jeder Bissen muss sorgfältig gestapelt werden, damit die Konstruktion auf dem Weg zum Tisch nicht einstürzt. Man schaut fasziniert zu und fragt sich ernsthaft, ob dieser Teller die Reise  überlebt.

Das eigentliche Drama beginnt aber erst danach. Nach wenigen Minuten wird klar: Eigentlich hatte man nach dem ersten Croissant schon genug. Der Rest bleibt liegen. Halbe Pancakes. Unberührtes Rührei. Fast das ganze Obst. Ein bisschen von allem. Nur damit anschliessend direkt die zweite Runde gestartet werden kann. Natürlich inklusive Dessert.

Ganz ehrlich: Niemand hat etwas dagegen, in den Ferien etwas mehr zu essen. Dafür sind Ferien schliesslich auch da. Aber Essen aufzuladen, als müsste man den Winter überstehen, und danach die Hälfte wegzuwerfen, ist einfach schade. Food Waste bleibt Food Waste. Auch mit Meerblick.

3. Der Flugzeug-Sprinter

Kaum setzen die Räder auf der Landebahn auf, beginnt das Schauspiel. Ping. Das Anschnallzeichen leuchtet noch. Spielt keine Rolle. Die ersten stehen bereits. Jacke an. Rucksack auf. Koffer aus dem Gepäckfach zerren. Als würde draussen gerade der letzte Bus des Lebens abfahren.

Spoiler: Die Flugzeugtür ist noch geschlossen. Und sie bleibt es auch noch eine ganze Weile. Trotzdem stehen einige Menschen bereits seit zehn Minuten leicht gekrümmt im Gang und blockieren alle anderen. Das Beeindruckendste? Diese Menschen überholen beim Aussteigen konsequent alle. Mit beeindruckendem Körpereinsatz. Nur um dann… gemeinsam mit allen anderen zehn Minuten später am Gepäckband zu stehen. Niemand gewinnt. Ausser vielleicht das Kofferband.

4. Der Ferien-Influencer

Es gibt Menschen, die machen Ferien. Und dann gibt es Menschen, die produzieren Content. Der Unterschied? Die einen sehen den Sonnenuntergang. Die anderen sehen ihn durch die Kamera. Das Frühstück darf selbstverständlich nicht angerührt werden. Zuerst braucht es Fotos. Dann ein Video. Dann noch eines in Slow Motion. Dann bitte alle kurz warten. Das Croissant muss noch etwas näher ans Fenster. Der Kaffee braucht mehr Schaum. Jetzt bitte noch einmal von oben filmen. Perfekt. Oder doch nicht. «Nochmal».

Besonders leid tun einem die Begleitpersonen. Sie wollten eigentlich Ferien machen. Stattdessen absolvieren sie täglich acht Stunden als Fotografin, Kameramann, Drohnenpilotin und Creative Director.  «Kannst du mich schnell fotografieren? » Dieser Satz fällt ungefähr alle sieben Minuten. Natürlich sind es nie nur ein oder zwei Bilder. Nach 183 Fotos ist das perfekte endlich dabei. Und das Essen? Ist inzwischen kalt. Aber Hauptsache, die Story sieht «aesthetic» aus.

Das Essen wartet. Der Algorithmus nicht. Quelle: Unsplash | Spencer Davis[
Das Essen wartet. Der Algorithmus nicht. Quelle: Unsplash | Spencer Davis[

5. Der Lautsprecher ohne Kopfhörer

Man hört ihn meistens, bevor man ihn sieht. TikTok. Instagram Reels. Sprachnachrichten. Videoanrufe. Alles. Mit voller Lautstärke. Am Pool. Im Restaurant. Im Zug. Am Flughafen. Im Hotel. Kopfhörer? Offenbar ein völlig überschätztes Konzept.

Besonders schön wird es, wenn zusätzlich ein Videoanruf gestartet wird. Natürlich über Lautsprecher. Jetzt erfahren auch alle anderen Feriengäste, dass Tante Monika gestern grilliert hat, der Hund wieder Durchfall hatte und Kevin wahrscheinlich doch nicht mit in die Ferien kommt. Danke. Diese Information hat meinem Frühstück wirklich noch gefehlt.

Manchmal frage ich mich, ob diese Menschen tatsächlich glauben, dass alle anderen ihre For-You-Page genauso spannend finden wie sie selbst. Die Antwort lautet nein. Sehr deutlich nein.

Und jetzt mal ehrlich …

So sehr uns diese Menschen manchmal auf die Palme bringen – irgendwie gehören sie doch zu den Sommerferien wie Sonnencreme, Sand in den Schuhen und mindestens ein Mückenstich an einer Stelle, die man besser nicht kratzen sollte. Jedes Jahr regen wir uns über dieselben Dinge auf. Jedes Jahr schwören wir uns, dass wir selbst niemals so werden.

Und trotzdem ertappen wir uns irgendwann dabei, wie wir am Buffet doch noch schnell einen zweiten Pancake mitnehmen oder unsere:n Partner:in fragen: «Kannst du noch schnell ein Foto machen?» Vielleicht ist genau das das Schöne an Ferien. Sie zeigen, wie unterschiedlich Menschen sind. Die einen sammeln Muscheln. Die anderen reservieren Liegestühle. Und wieder andere schaffen es tatsächlich, dass ein ganzes Hotel gleichzeitig die Augen verdreht.

Falls du dich in keinem dieser fünf Typen wiedererkannt hast, gratuliere. Dann gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Du hattest dieses Jahr unfassbar viel Glück. Oder du bist der sechste Ferienmensch, über den alle anderen nächstes Jahr schreiben würden. 

Tamara Lenz

Marketing Manager Editorial Content

Beauty, Trends und kreative Inhalte haben mich schon immer begeistert – früher mit dem Traum, irgendwann mal Prinzessin zu werden, heute mit der Leidenschaft für Texte, die sich jung, spannend und nicht nach Standard anfühlen. Wenn ich nicht gerade schreibe oder auf TikTok im nächsten Trend-Rabbit-Hole verschwinde, findet man mich wahrscheinlich im Gym, irgendwo am See in der Sonne oder gedanklich schon auf der nächsten Reise. Und sobald ich am Meer bin, verliere ich sowieso komplett jedes Zeitgefühl.

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