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Die entgeisterte Steckdose aus den USA – und mehr

Die Menschheit hat sich auf vieles geeinigt: das Rad, das Internet und Kaffee zum Überleben. Bei Steckdosen hingegen scheint sowas wie kreative Anarchie zu herrschen.

Zugegeben fand ich Steckdosen bisher nur mässig interessant. Sie führen ein unscheinbares Leben an der Wand – und wenn sie auffallen, dann nie aus guten Gründen. Trotzdem sind sie das Erste, wonach ich suche, wenn ich ein Hotelzimmer betrete. Und eins der ersten Dinge, mit denen ich mich befasse, wenn ich eine Reise plane.

Ja, denn die Welt der Steckdosen ist überraschend vielfältig. Das weiss jeder Mensch, der einmal in seinem Leben so ein Teil (auch Weltreiseadapter genannt) kaufen musste:

Genauso wie jeder Mensch, der im Ausland angekommen war und weder einen solchen noch einen anderen Adapter dabeihatte. Oder beides – all of the above –, nämlich einen Adapter gekauft, aber nicht mitgenommen. Was mir in der Form natürlich nie passiert ist. Ähem.

Jedenfalls hinterliessen Steckdosen keinen bleibenden Eindruck bei mir, bis mir in meinen endlosen Recherchen im Netz ganz unversehens der Typ B unterkam; die Steckdose aus den USA. Diese zieht ein Gesicht, als hätte sie gerade ohne Roaming-Paket im Ausland telefoniert.

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Sie musste bestimmt schon viel einstecken. Quelle: Unsplash | Clint Patterson

Folglich stellten sich mir zwei wesentliche Fragen: Welche Steckdosen gibt es noch? Und weshalb glauben wir manchmal Gesichter in Gegenständen zu erkennen?

Von A bis O statt A bis Z

Weltweit soll es 15 Steckdosen-Typen (A bis O nämlich) geben. Zumindest rein auf Haushalte bezogen, also ohne Industriesteckdosen oder Fahrzeug-Ladesteckdosen. Natürlich konnte ich es aber nicht bei dieser Information belassen und bin sogleich in die Welt der Steckdosen eingetaucht.

Als erstes stach mir die dänische Typ-K-Steckdose ins Auge, die einen nicht unerheblichen Kontrast zu Typ B bildet:

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In dänischen Haushalten hängen fröhliche Gesichter. Quelle: Unsplash | Paul Hanaoka

Ob diese wohl massgeblich dazu beigetragen hat, dass Dänemark 2025 als das zweitglücklichste Land der Welt galt? Schliesslich bedeutet das doch, dass dänische Steckerleisten eine Aneinanderreihung von lächelnden Gesichtern sein müssen – und wer bekäme da schon nicht gute Laune?

Weiter geht die Reise mit Typ I, einer gängigen Steckdose in Australien, Neuseeland und China.

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Auch diese unterscheidet sich stark von der unseren. Quelle: KI-generiert (ChatGPT)

Nun ist es schon etwas schwieriger, Gesichter auszumachen. Doch erinnert sie dich nicht auch an einen bestimmten, fiktiven Zeitgenossen?

Er hat jedenfalls einen grossen Wiederkennungswert. Quelle eingebettetes Gif: GIPHY

Abgesehen von diesen dreien gibt es noch zwölf weitere Steckdosen-Typen, die alle über einen passenden Stecker verfügen. In der Schweiz verwenden wir Typ J, was sich in seiner Form nur um wenige Millimeter von Typ N unterscheidet. Dieser Steckdosentyp ist uns so ziemlich eigen: Nebst der Schweiz und Lichtenstein soll er leidglich in Ruanda und Jordanien anzutreffen sein, und das nur teilweise.

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Hier siehst du alle Typen von A bis O. Quelle: Adobe Stock | 274149619

Bestimmt hast du nebst Typ J auch schon die Bezeichnung T13 gehört. Dabei handelt es sich um die Schweizer Normbezeichnung für die gebräuchliche 10-Ampere-Steckdose mit Schutzleiter. In der Schweizer Norm SN 441011 gibt es verschiedene Typnummern wie 11, 12, 13, 15, 23 und 25. Die übliche Haushaltssteckdose bildet dabei Typ 13.

Typ J hingegen ist die internationale Bezeichnung desselben Stecksystems. Sie beschreibt lediglich die Bauform, also die Anordnung der Kontakte und die mechanische Ausführung. Die Stromstärke zum Beispiel lässt sich davon nicht ableiten.

Bei unserem Steckertypen bräuchte es schon etwas mehr Fantasie, um ein lustiges Gesicht abzuleiten. Dafür aber präsentiert sich uns hin und wieder dieses wundersame Geschöpf:

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Ein sehr löchriges Unterfangen. Quelle: Adobe Stock | 245359931

Ich finde es ja überaus praktisch, meinen ausländischen Bekanntschaften jedoch ist diese Kreation oft nicht ganz geheuer.

Pareidolie: Deswegen sehen wir Gesichter

Hast du dich schon einmal gefragt, wieso wir in Gegenständen und Mustern gelegentlich Gesichter erkennen? Dabei handelt es sich um ein psychologisches Phänomen, oder genauer: die sogenannte «Pareidolie». In unserem Alltag setzen wir unser Gehirn geradezu pausenlos einer Informationsflut aus – es kommt gar nicht drum herum, sich bei der Verarbeitung ein wenig selbst zu behelfen. So ist es beispielsweise darauf ausgelegt, bekannte Muster schnell wiederzuerkennen.

Evolutionär ergibt das Sinn. Für unsere Vorfahren war es vermutlich hilfreicher, einmal zu oft ein Gesicht hinter den Büschen zu erkennen als einmal zu wenig. Das gilt heute natürlich genauso, nur leben die meisten von uns nicht mehr in einer Welt, in der hinter jedem Busch ein Säbelzahntiger lauert … oder so ähnlich.

Heute sind Gesichter in erster Linie soziale Hochgeschwindigkeits-Informationsträger. Sie sind ein guter Indikator dafür, ob jemand wütend, glücklich, überrascht, traurig, müde oder interessiert ist. Sie schnell zu entdecken und zu deuten ist nicht nur wichtig für unser Sozialleben, sondern dient auch der Gefahrenerkennung.

Verglichen damit ist die Pareidolie ein kleiner Preis: Wir sehen kurz ein Gesicht, wo keines ist – etwa in einer Steckdose –, aber der Irrtum kostet uns wenig. Und wie wir hier sehen, kann er durchaus auch unterhaltsam sein.

Duygu Özdemir

Marketing Manager Editorial Content

Wenn ich mal nicht gerade damit beschäftigt bin, meiner literarisch-kreativen Ader freien Lauf zu lassen, stecke ich höchstwahrscheinlich in einem Netflix-Marathon fest («Nur noch eine Folge!»), unterhalte ich mich angeregt über die verschiedensten Themen, lese ein gutes Buch oder fordere mich selbst mit einem neuen Hobby heraus. Meine Wissbegierde kennt keine Grenzen, und hier habe ich die Möglichkeit, sie auszuleben und mit anderen zu teilen.

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