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​​«Schwächste WM-Gruppe»: Wird der Schweiz die Favoritenrolle zum Verhängnis?​

Nach dem Sieg von Bosnien-Herzegowina im Elfmeterschiessen gegen Italien steht die WM-Gruppe der Schweiz fest. Neben den Balkanern trifft die Nati in der Vorrunde auf Kanada und Katar. Die Schweiz geht als Favorit in die trügerisch leichte Gruppe.

Auf dem Papier ist die Schweiz Gruppenfavorit. Sie bringt mehr Erfahrung an grossen Turnieren mit und auch auf der FIFA-Weltrangliste hat sie klar die Nase vorn. Kanada nimmt erst zum dritten Mal an einer WM teil, Bosnien und Katar jeweils zum zweiten Mal. Für die Schweiz ist es bereits die 13. Teilnahme. Erfahrung ist zwar ein wichtiger Faktor, aber wie das Ausscheiden der Italiener (18 WM-Teilnahmen) zuletzt gezeigt hat, gewinnt sie allein keine Spiele. 

Favoritenrolle als möglicher Stolperstein? 

Blick etwa berichtet von der «schwächste[n] Gruppe der WM», und auch Watson titelt «Gibt es den Gruppensieg? Die Nati ist in der mit Abstand schwächsten WM-Gruppe». Stützt man sich dabei lediglich auf die FIFA-Weltrangliste, ist diese Schlussfolgerung durchaus legitim. Doch könnte genau diese Favoritenrolle für die Schweiz zur psychologischen Stolperfalle werden? Die Schweiz darf nicht «stören und überraschen», sondern muss liefern. 

Hinzu kommt ein nicht gerade ermutigendes Detail: Gegen alle drei Gruppengegner hat die Schweiz bisher genau einmal gespielt – und jedes dieser Spiele verloren. Ein kleiner, aber nicht unwichtiger Warnhinweis, auch wenn alle drei jeweils Testspiele waren. 

Die drei Gruppengegner im Überblick 

Kanada: Individuelle Qualität und Heimvorteil 

Mit Alphonso Davies und Jonathan David hat Kanada zwei grosse Namen im Kader, die jederzeit den Unterschied ausmachen können. Trainer Jesse Marsch dürfte gegen die Schweiz auf die physische Stärke seiner Spieler setzen und mit intensivem Pressing und hoher Intensität spielen. 

Auch im erweiterten Kader gibt es Namen, die überraschen könnten – so etwa Theo Bair, der vielen in der Schweiz ein Name sein dürfte. Der 26-Jährige spielt momentan als Leihspieler der AJ Auxerre bei Lausanne-Sport, wo er in 21 Spielen auf sechs Tore kommt – drei davon erzielte er in einem Spiel gegen die Berner Young Boys. Der grossgewachsene Stürmer träumt davon, an der Heim-WM teilzunehmen. Seine Nominierung steht noch aus. 

Bei Kanada kommt mit dem Heimvorteil ein Faktor hinzu, der ihnen in die Karten spielt.

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Das bislang einzige Duell mit Kanada liegt schon länger zurück: 2002 verlor die Schweiz in St. Gallen ein Freundschaftsspiel mit 1:3.

FIFA-Weltrang: 30 (Stand 05.05.2026)

Mehr zu Kanadas Bilanz und aktueller Form findest du hier.

Katar: Im Aufbruch – mit spanischer Handschrift 

Katar war bei der WM 2022 als Gastgeber automatisch mit dabei und schied nach der Gruppenphase mit null Punkten aus. Für die WM 2026 haben sie sich zum ersten Mal auf sportlichem Wege qualifiziert.

Seit Mai 2025 hat Katar mit Julen Lopetegui einen erfahrenen Trainer an der Seitenlinie. Er coachte zuvor unter anderem die spanische Nationalmannschaft, Real Madrid, den FC Sevilla und West Ham United. Sein grösster Erfolg als Trainer ist der Sieg der Europa League mit Sevilla (2019/20). Ausserdem führte er 2012 die U19 und 2013 die U21 Spaniens zum Europameistertitel. Lopetegui steht für einen ballbesitzorientierten Spielstil. Dass gegen die Schweiz der Ballbesitz zugunsten der Katarer ausfallen wird, ist allerdings schwer vorstellbar. Doch Katar hat auch individuell Qualität, die nicht zu unterschätzen ist: Die rechte Abwehrseite der Schweizer dürfte im Duell vor allem mit Akram Afif beschäftigt sein. Der 29-Jährige wurde seit 2019 fünfmal zu Katars Fussballer des Jahres gewählt und liefert auch in der laufenden Saison starke Zahlen: 15 Tore und 12 Assists in 22 Spielen (Stand 05.05.2026) sprechen für sich. 

Die grössten Erfolge der katarischen Nationalmannschaft sind die beiden Titel bei der Asienmeisterschaft 2019 und 2024.

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Das bisher einzige Spiel gegen Katar verlor die Schweiz 2018 mit 0:1.

FIFA-Weltrang: 55 (Stand 05.05.2026)

Bosnien-Herzegowina: Robust und stark bei Standards 

Der bekannteste Name im Kader Bosnien-Herzegowinas ist nach wie vor Edin Džeko, der trotz seines Alters immer noch brandgefährlich vor dem Tor ist. Dies stellt er aktuell beim FC Schalke 04 unter Beweis, mit dem er gerade den Aufstieg in die 1. Bundesliga geschaffthat. Dazu kommen mehrere Spieler mit Bezug zur Schweiz: Nikola Katić, ehemals beim FC Zürich und inzwischen ebenfalls bei Schalke aktiv, ist vor allem für seine kompromisslose Härte in den Zweikämpfen und seine Kopfballstärke bekannt. Haris Tabaković spielt bei TSG 1899 Hoffenheim und wurde bei den BSC Young Boys ausgebildet, während Armin Gigović aktuell bei den Bernern unter Vertrag steht. Ein weiteres spannendes Talent ist Alajbegović, der international bereits für Aufmerksamkeit sorgt. Der Offensivspieler soll unter anderem bei AC Milan auf der Wunschliste gestanden haben, bevor Bayer 04 Leverkusen ankündigte, ihn mittels Rückkaufklausel vom FC Red Bull Salzburg zurückzuholen. 

Bosnien-Herzegowina hat nicht die Stabilität einer Top-Nation und ist genau deswegen unberechenbar. Fussballerisch ist die Schweiz stärker. Über den Kampf und Standards – sie haben viele grossgewachsene, robuste Spieler – könnten sie es den Schweizern jedoch schwer machen.

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Das erste und bisher letzte Duell zwischen der Schweiz und Bosnien-Herzegowina fand 2016 statt – und ging mit 0:2 verloren. Die Torschützen waren damals Edin Džeko und Miralem Pjanić.

FIFA-Weltrang: 65 (Stand 05.05.2026)

Fazit: Gruppensieg machbar – nicht zu unterschätzen 

Die Gruppe der Schweiz wirkt auf den ersten Blick mehr als machbar. Doch genau darin liegt die Gefahr. Alle drei Gegner haben der Schweiz bereits einmal gezeigt, dass sie sie schlagen können. Selbst in einer «einfachen» Gruppe wird einem an einer Weltmeisterschaft nichts geschenkt. Trotzdem: Über drei Spiele hinweg sollte sich die Qualität der Nati durchsetzen. Mit dem Erwartungsdruck, gewinnen zu müssen, dürfte sie umgehen können. 

Was meinst du, wird sich die Schweiz als Favorit durchsetzen? Und schafft sie es endlich wieder, das Viertelfinale (oder noch mehr) zu erreichen? Schreib's uns in die Kommentare.

Marius Bachmann

Marketing Manager Editorial Content

Mein erstes Wort war "Ball" – und auch heute noch dreht sich in meinem Leben fast alles um Fussball. Wenn ich nicht gerade selbst auf dem Rasen stehe, schreibe ich hier über die neuesten Entwicklungen im Schweizer und internationalen Fussball und teile meine Gedanken rund um die Brack Super League. Doch meine Leidenschaft für das Schreiben geht darüber hinaus. Ob Sport, Gesellschaft oder Kultur – ich schreibe, weil Sprache für mich mehr ist als Mittel zum Zweck: Sie ist Werkzeug, Spielplatz und Zuhause zugleich.

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