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Wie Sensoren, Algorithmen und KI unser Training verändern

Die Uhr zählt Schritte, die App analysiert den Schlaf, der Algorithmus plant das nächste Workout: Die Digitalisierung ist im Fitnessalltag angekommen. Das Versprechen: effizienter, effektiver und besser auf uns abgestimmt. Doch was funktioniert wirklich – und wo liegen die Grenzen?

Daten sammeln und einordnen

Fitnesstracker und smarte Uhren gehören heute für viele zum Trainingsalltag. Schritte werden protokolliert, Kalorien gezählt, der Puls gemessen und die Schlafqualität bewertet. 

Besonders viel Aufmerksamkeit erhält derzeit die Herzfrequenzvariabilität (HRV). Sie beschreibt die Abstände zwischen aufeinanderfolgenden Herzschlägen und zeigt, wie gut sich das Herz an unterschiedliche Belastungen anpassen kann. Eine hohe HRV gilt als Hinweis für eine gute Regeneration, eine niedrige eher für Stress oder ungenügende Erholung. Viele Fitnessapps nutzen diesen Wert deshalb beim Planen des Trainings: Liegt heute ein intensives Training drin oder braucht es doch eher einen Ruhetag?

Doch damit solche Hinweise sinnvoll sind, müssen diese Daten stimmen. Und genau hier liegt die erste Grenze. Messwerte können je nach Modell, Sitz des Geräts oder Trainingsart schwanken. Beispielsweise messen Brustgurte den Puls genauer als optische Sensoren in Smartwatches und Fitnesstrackern. 

Wer sich ausschliesslich auf Zahlen verlässt, riskiert Fehlentscheide. Zudem besteht die Gefahr, dass das eigene Körpergefühl in den Hintergrund tritt. Nichtsdestotrotz können richtig gemessene Daten eine interessante Basis sein. Mit deren Auswertung und Interpretation wird es aber erst so richtig spannend. 

Wenn KI zum Coach wird

Während klassische Fitnessuhren in erster Linie messen und anzeigen, analysieren KI-Modelle die gesammelten Daten, erkennen Muster und liefern persönliche Empfehlungen. Sie sind sozusagen der eigene Fitnesscoach direkt am Handgelenk. 

Verschiedene Anbieter integrieren solche Funktionen bereits in ihre Fitnessapps und -tracker. Google hat beispielsweise letztes Jahr ihren Fitnesstrainer, Schlafcoach und Gesundheits- und Wellnessberater in einem vorgestellt. Nach einem kurzen Austausch zu Zielen, Vorlieben und Ausrüstung erstellt die KI einen persönlichen Trainingsplan mit konkreten Workouts. Neue Messwerte fliessen laufend ein: Nach einer schlechten Nacht ändert sich das Wochenprogramm beispielsweise ganz automatisch. Training soll so nicht nur individueller, sondern auch dynamischer werden.

Die Stärken solcher KI-Coaches liegen vor allem in der Auswertung grosser Datenmengen, in der kontinuierlichen Anpassung und in der einfachen Verfügbarkeit. Doch Training besteht nicht nur aus Zahlen.

Digitale Coaches, menschliches Feingefühl

Während KI-Coaches mit Daten und ständiger Verfügbarkeit punkten, machen Empathie, Vertrauen und eine persönliche Beziehung menschliche Trainer:innen so wertvoll. Sie achten nicht nur auf Puls und Wiederholungen, sondern interpretieren auch Körpersprache, Motivation und Wohlbefinden. 

Auch fachlich haben digitale Empfehlungen Grenzen. Viele Menschen lassen sich heute Trainingspläne von Chatbots oder Apps zusammenstellen – das ist praktisch und oft günstig. Doch wie gut sind KI-Empfehlungen, wenn es um Fitness und Sport geht?

Eine Studie aus dem Jahr 2023 hat sich genau das angeschaut: Die Forschenden liessen ChatGPT Trainingspläne für fünf verschiedene Personen generieren, die anschliessend von einem Expertenteam analysiert wurden. Die Trainingspläne wurden als solide bewertet, gingen aber zu wenig auf persönliche Bedürfnisse ein. Allerdings dürfte sich die Technik in den letzten drei Jahren weiter verbessert haben.  

In der Praxis ist KI deshalb häufig eine gute Ergänzung zu menschlicher Betreuung, ersetzt sie aber selten. Das gilt insbesondere dann, wenn individuelle gesundheitliche Faktoren eine Rolle spielen. 

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Daten liefern Orientierung, menschliche Expertise hilft bei der Einordnung. Quelle: Unsplash | Pablo Merchán Montes

Das Fitnessstudio wird smart

Nicht nur das individuelle Training entwickelt sich weiter, auch das Fitnessstudio wird smarter. Zukunftsgerichtete Gyms setzen auf intelligente Trainingsgeräte, die sich automatisch an die trainierende Person anpassen. Nach dem Einloggen mit Chipkarte oder App stellen sich Gewicht, Sitzposition und Bewegungsumfang automatisch ein.

Bei vielen dieser smarten Geräte ersetzt motorischer Widerstand die klassischen Gewichte. Das macht zum Beispiel ein adaptives Training möglich, bei dem sich der Widerstand in Echtzeit an die Muskelkraft anpasst. So bleiben Wiederholungen sauber und das Verletzungsrisiko sinkt. Zusätzlich werden Trainingsdaten direkt gespeichert und in der App ausgewertet.

Daten entstehen also mittlerweile sogar an den Geräten selbst. Je smarter das Training wird, desto mehr Informationen fallen an. Und damit stellt sich auch eine andere Frage.  

Wem gehören die Daten?

Trainingsdaten helfen, Fortschritte sichtbar zu machen und Programme gezielt anzupassen. Gleichzeitig geben wir damit viel von uns preis: Informationen über Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Schlaf, Gewohnheiten und Tagesabläufe. Bei Fitnesstrackern, Trainingsapps und Chatbots stellt sich deshalb eine zentrale Frage: Wem gehören diese Daten und wer darf sie nutzen?  

Ein Blick in die Datenschutzbestimmungen lohnt sich. Viele Hersteller räumen sich das Recht ein, die gesammelten Infos an Dritte weiterzugeben. Wer smarte Trainingshilfen nutzt, sollte deshalb bewusst entscheiden, welche Informationen er mit ihnen teilt. 

Technik als Trainingspartner

KI, Algorithmen und Sensoren können unser Training positiv verändern. Sie machen Fitness zugänglicher, individueller und oft auch motivierender. Doch Technik ersetzt nicht alles. Messwerte können täuschen, Algorithmen haben Grenzen und Trainingsdaten werfen Fragen zum Datenschutz auf. Entscheidend ist deshalb ein bewusster Umgang. 

Schlussendlich sind digitale Helfer am stärksten als Unterstützung, nicht als alleinige Entscheider. Wer also Technik mit dem eigenen Körpergefühl und menschlicher Expertise kombiniert, nutzt das Beste aus beiden Welten. 

 

Quelle Titelbild: Unsplash | Pablo Merchán Montes

Eliane Lee

Marketing Manager Editorial Content

Ich liebe es, in andere Welten einzutauchen, sei es durch spannende Geschichten, mit Reisen in ferne Länder und Kulturen oder in meinem eigenen kleinen Garten – ich bin immer auf Entdeckungsreise. Und wenn es Zeit wird, die Seele baumeln zu lassen, findet ihr mich auf der Yogamatte oder mit einem guten Buch in der Hand.

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