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EXIT-Spiele: Ein Geheimnis auf dem Tisch und keiner weiss, wohin es führt

26.01.2026

Da liegt sie: die Schachtel. Noch ungeöffnet, voller Rätsel und unbeantworteter Fragen. Niemand weiss, was einen erwartet. Es gibt keinen Spielplan, keine Figuren – nichts, woran man sich festhalten kann. Gefragt sind stattdessen genaues Hinsehen, gemeinsames Nachdenken und der Mut, sich auf das Unbekannte einzulassen. Ich habe eines dieser Spiele gespielt. Wie sich das angefühlt hat und warum man dabei schneller vergisst, wie spät es ist, erzähle ich in diesem Beitrag.

Was ist ein EXIT-Spiel?

EXIT-Spiele sind kooperative Rätselspiele für zu Hause, die sich an Escape Rooms orientieren. Die Spieler:innen lösen gemeinsam Rätsel, die in eine Geschichte eingebettet sind. Ziel ist es, die richtige Lösung zu finden und diese mithilfe des Spielmaterials zu überprüfen, um das Spiel erfolgreich abzuschliessen. Dabei stehen Teamarbeit, genaues Beobachten und logisches Denken im Mittelpunkt. Gespielt wird allein oder in Gruppen von bis zu vier Personen.

Alter und Schwierigkeitsgrad

Die Spiele sind in verschiedene Schwierigkeitsstufen unterteilt: Einsteiger, Fortgeschrittene und Profis. Die meisten Games sind für Spieler:innen ab 10 bis 12 Jahren empfohlen. Gerade für Neulinge eignen sich die Einsteiger-Spiele besonders gut, da sie das Spielprinzip verständlich erklären und weniger komplexe Rätsel enthalten.

Nur einmal spielbar und genau deshalb so intensiv

Wichtig zu wissen: EXIT-Spiele können nur einmal gespielt werden. Karten werden beschrieben, gefaltet oder sogar zerschnitten. Ist das letzte Rätsel gelöst, ist das Abenteuer vorbei. Gerade diese Einmaligkeit sorgt dafür, dass man sich ganz auf das Erlebnis einlässt und jeden Hinweis ernst nimmt.

Wie läuft ein EXIT-Spiel konkret ab?

Zu Beginn wird die Schachtel geöffnet und eine kurze Einführungsgeschichte gelesen, die den Rahmen des Abenteuers vorgibt. Danach stehen das Regelheft, der Entschlüsselungsring sowie mehrere Kartenstapel zur Verfügung. Neben dem Spielmaterial werden lediglich Papier, Stifte und eine Schere benötigt.

Das Spiel beginnt mit einer oder mehreren Rätselkarten und führt Schritt für Schritt durch weitere Aufgaben. Die angegebene Spielzeit von meist 60 oder 90 Minuten dient dabei vor allem als Orientierung und sollte gerade von Einsteiger:innen nicht zu wörtlich genommen werden, um keinen unnötigen Zeitdruck entstehen zu lassen. Ein einzelnes Rätsel kann zum Beispiel darin bestehen, Symbole auf mehreren Karten miteinander zu vergleichen oder Zahlen aus einem Bild abzuleiten und in eine bestimmte Reihenfolge zu bringen. Sobald eine mögliche Lösung gefunden ist, wird sie mithilfe des Entschlüsselungsrings überprüft. Dieser führt zu einer passenden Lösungskarte, die anzeigt, ob der Lösungsweg korrekt ist. Nur richtige Lösungen eröffnen neue Karten, weitere Hinweise oder zusätzliche Aufgaben und treiben die Geschichte voran.

Sollte das Team einmal nicht weiterkommen, stehen zu jedem Rätsel passende Hilfekarten zur Verfügung. Diese geben zunächst allgemeine Denkanstösse und führen schrittweise bis zur konkreten Lösung, sodass der Spielfluss erhalten bleibt.

Besonders spannend ist, dass im Laufe des Spiels auch ungewöhnliche Dinge passieren. Karten werden gefaltet, beschrieben oder miteinander kombiniert. Oft erweisen sich scheinbar nebensächliche Details plötzlich als entscheidender Hinweis. Genau deshalb lohnt es sich, alles aufmerksam zu betrachten. Das Spiel ist erst beendet, wenn die letzte Aufgabe erfolgreich gelöst wurde.

EXIT Game Tisch.jpg
Ein Blick auf die Spielmaterialien eines EXIT-Abenteuers. Quelle: Selin Emek | Brack.Alltron


Atmosphäre statt Hektik

Obwohl ein EXIT-Spiel zeitlich begrenzt ist, entsteht selten eine laute oder hektische Stimmung. Im Gegenteil: Meist wird es erstaunlich ruhig. Alle beugen sich über den Tisch, studieren Symbole, flüstern Theorien und denken nach. Oft reicht ein einziger Satz wie «Moment mal» – und plötzlich ergibt alles Sinn. Diese leisen Aha-Momente sind es, die den besonderen Reiz ausmachen. Zahlen sind plötzlich nicht mehr nur Zahlen und Bilder keine einfachen Illustrationen. 

Meine Erfahrung: Etwas zu ambitioniert gestartet

Der Einstieg in die Welt der EXIT-Games war alles andere als sanft. Zu zweit haben wir direkt zu einem Spiel für Fortgeschrittene gegriffen: EXIT – Die Venedig-Verschwörung. Rückblickend war das wohl eher mutig als klug. Aus dem geplanten gemütlichen Spieleabend wurde schnell ein intensiver Denkmarathon. Statt der erwarteten kurzen Runde entwickelte sich ein langer Abend voller Umwege, Diskussionen und Denkpausen. Nach sechs Stunden stand fest: Das Rätsel war gelöst, die Zeit allerdings deutlich überschritten.

Frustrierend? Nur kurz. Es hat unglaublich viel Spass gemacht. Wir haben uns völlig im Spiel verloren, intensiv diskutiert, kombiniert und dabei die Zeit komplett vergessen. Genau diese Erfahrung hat gezeigt, wie fesselnd und anspruchsvoll diese Spiele sein können und wie leicht man dabei alles um sich herum ausblendet.

Lösungskarte.jpg
Während wir knobelten, bewachte meine Katze geduldig die Lösungs-Karte. Quelle: Selin Emek | Brack. Alltron


Tipps für Einsteiger:innen

Wer neu in die Welt der EXIT-Games eintaucht, sollte ein paar Dinge beachten:

  • Mit dem Einsteiger-Level beginnen: Diese Spiele erklären das Prinzip besonders gut.
  • Hilfekarten ohne schlechtes Gewissen nutzen: Sie gehören zum Spiel und erhalten den Spass.
  • Genügend Zeit einplanen: Diese Rätselspiele eignen sich nicht für zwischendurch.
  • Alles genau anschauen: Oft steckt der entscheidende Hinweis dort, wo man ihn zuerst nicht vermutet.

Für mich steht jedenfalls fest: Das war sicher nicht mein letztes EXIT-Game. Die Lust auf weitere Rätselabenteuer ist geweckt, und ich freue mich schon jetzt darauf, noch viele weitere dieser Spiele zu spielen

Fazit: Ein unvergessliches Erlebnis

EXIT-Spiele sind im wahrsten Sinne des Wortes einmalig. Ist das letzte Rätsel gelöst, ist das Abenteuer vorbei – doch das Erlebnis bleibt. In Erinnerung bleiben die Denkwege, die falschen Fährten und die leisen Aha-Momente am Tisch. Wer sich darauf einlässt, erlebt nicht nur ein Spiel, sondern eine gemeinsame Geschichte. Genau deshalb lohnt es sich, ein solches Rätselabenteuer mindestens einmal auszuprobieren.

Für mich steht jedenfalls fest: Das war sicher nicht mein letztes EXIT-Game. Die Lust auf weitere Rätselabenteuer ist geweckt, und ich freue mich schon jetzt darauf, noch viele weitere dieser Spiele zu spielen.

Quelle Titelbild: Unsplash | Claudio Schwarz

Selin Emek

Marketing Manager Editorial Content

Mit einer Leidenschaft für Kreativität, Reisen, Fotografie und das ständige Erweitern meines Wissens, gehe ich voller Neugier durchs Leben. Wo ich meine Kreativität ausleben kann, fühle ich mich am wohlsten. Wenn ich nicht gerade die Welt erkunde, besondere Momente festhalte oder Neues lerne, liebe ich es, die Natur zu geniessen, mich in gemütlichen Cafés zu entspannen oder meine künstlerische Ader bei meinem nächsten Acrylgemälde auszuleben.

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