
30 Jahre Pokémon: Vom Game-Boy-Spiel zum Sammel-Universum
Nostalgie trifft Gegenwart: Die «Pokémon Day 2026 Collection» bringt eine Pikachu-Promokarte, eine Jubiläums-Münze und Boosterpacks. Gleichzeitig zeigt der Sammlermarkt, wie gross dieses Universum geworden ist: Eine ungeöffnete Base-Set-Box wurde 2021 für 408'000 US-Dollar versteigert. Pokémon ist längst mehr als Retro. Es ist ein Sammel- und Spieluniversum, das immer wieder neue Gründe findet, um zurückzukehren.
Karten auspacken und Nostalgie beginnt
Es braucht kein grosses Revival, damit Pokémon wieder präsent ist. Oft reicht ein kleiner Anlass: eine Jubiläumsbox, ein Promo-Stempel, ein Motiv, das sofort wiedererkannt wird. Was dabei zurückkommt, ist selten «die grosse Story». Eher ein vertrautes Gefühl – und ein Konzept, das seit drei Jahrzehnten erstaunlich stabil funktioniert.
Die «Pokémon Day 2026 Collection» ist für den 30. Januar 2026 angekündigt und exakte Verfügbarkeiten können je nach Händler variieren. Enthalten sind eine Pikachu-Foil-Promokarte mit Pokémon-Day-Stempel, eine Pokémon-Münze und drei Boosterpacks. Und dann gibt es noch einen Anlass, der grösser klingt als eine Box Karten: der Pokémon Day. Jedes Jahr am 27. Februar wird er gefeiert – weil an diesem Datum 1996 in Japan die ersten Pokémon-Spiele erschienen.
Wer Pokémon vor allem aus den Anfängen der ersten Serienstaffel oder den Game Boy Editionen Rot, Gelb und Blau oder Silber und Gold kennt, muss dabei nichts «aufholen». Dieses Jubiläum funktioniert auch ohne Insiderwissen. Es reicht, dass Pokémon seit jeher denselben Trick beherrscht: aus etwas Kleinem – einem Starter, einem Fund, einem Pack – Geschichten zu bauen, die sich über Menschen hinweg fortsetzen.
Vielleicht ist genau das die unterschätzte Stärke: Pokémon hat so viele Anknüpfpunkte für verschiedene Generationen. Für manche reicht ein Blick auf Pikachu, um sofort wieder zu wissen, wie sich ein Schulhausgang anfühlte, wenn irgendwo jemand «ein neues Pack» in der Hand hatte. Andere steigen erst als Erwachsene wieder ein – weil plötzlich ein Kind im Haushalt fragt, was ein Pokédex ist. Und einige bleiben schlicht bei den Karten als Sammelritual , während die Serie für viele ein Erinnerungsanker an die Kindheit ist.
Pokémon-Titelsong – Kanto-Region
Die Ursprünge von Pokémon – Tauschen als Grundidee
Die Gründungsgeschichte passt erstaunlich gut zu dem, was Pokémon später ausmacht. Sie beginnt nicht mit riesigem Story-Plott, sondern mit Neugierde. Pokémon-Erfinder Satoshi Tajiri wuchs mit dem Sammeln von Insekten auf. Dieses Suchen, Finden und Katalogisieren wurde zum Vorbild für ein Spielprinzip. Und als die ersten Entwürfe auf dem Tisch lagen, kam ein technisches Detail hinzu, das alles veränderte: zwei Game Boys, verbunden per Link-Kabel. Plötzlich wurde aus dem «Sammeln» etwas Soziales.
Pokémon war von Beginn weg so gebaut, dass es Beziehungen in den Mittelpunkt stellt. Wer welche Edition spielt, wer miteinander tauschen kann und wer gerade das eine Exemplar hat, das in der Sammlung fehlt. Dabei handelt es sich um keinen Nebeneffekt, sondern bewusste Mechanik. Diese Idee zieht sich bis heute durch: im Trading Card Game (TCG), in Apps, an Events und auf Schulhöfen.
Game Boy, Link-Kabel – und Karten am Schulhof
Pokémon war nie bloss ein lineares Spiel. Schon früh war es ein System aus Regeln, die im echten Leben Wirkung hatten: Wer tauscht mit wem? Wer hat welche Edition? Wer besitzt «die» Karte? Und wer kennt vielleicht einen neuen Trick?
Ein Detail aus der Game-Boy-Ära erklärt viel: Es gab Pokémon, die nur in einer Edition auftauchten. Wer «alle» wollte, kam ums Tauschen nicht herum. Der Pokédex war damit nicht nur ein Sammelziel, sondern ein sozialer Motor: Handeln, austauschen, begehrte Pokémon bestaunen – manchmal mit überraschend professioneller Ernsthaftigkeit für das Primarschulalter. Und: Getauschtes bleibt erkennbar getauscht. In den Hauptspielen tragen Pokémon eine Originaltrainer:in (OT) und eine Trainer-ID – ein Herkunftsnachweis, der auch nach dem Tausch sichtbar bleibt. Es ist ein kleines Detail, aber es macht den Unterschied zwischen «gefunden» und «getauscht».
Auf dem Schulhof bekam das seine eigene Dramaturgie. Karten wurden verglichen, in Jackentaschen gehütet, stolz gezeigt – und manchmal viel zu schnell wieder hergegeben. In der Rückschau wirken manche Deals wie Crashkurse in Wert und Wahrnehmung: wertvolle Entwicklungen gegen Alltagsfliegen, seltene Karten gegen «die sieht cool aus». Und irgendwo daneben: Eltern als stille Sponsor:innen, weil «nur noch ein Pack» angeblich alles lösen würde.
Eine Erinnerung bleibt für mich dabei besonders hartnäckig: Endloser Text voll spannender Wendungen in meinem Game Boy . Dialogboxen, Ortsnamen, Pokédex-Einträge, die man «auch noch» lesen wollte. Pokémon war für viele ein Ort, an dem Lesen nicht nach Übung klang, sondern nach Abenteuer. Nicht, weil es ein Lernspiel gewesen wäre – sondern weil die Spannung existierte, zu wissen, was als Nächstes geschieht und alle Details der Spielwelt kennenzulernen. Frei nach den Fragen: Was lässt sich noch entdecken, wenn man jeden Kartenwinkel erkundet und die Zusatzdialoge mitnimmt?
Wer damals beim Starter lange überlegt hat, erinnert sich vielleicht weniger an Werte und Typentabellen als an Figuren. Glumanda, das sich irgendwann in einen feuerspeienden Drachen verwandelt. Oder Karpador: erst stark unterschätzter Underdog, später als Entwicklung Garados – eine stille Lektion darüber, dass Entwicklung manchmal Geduld und viele Platscher braucht.
Pokémon GO und die Stadt als Spielfeld
Mit Pokemon GO explodierte die Pokemon-Welt noch einmal – ein regelrechter Hype, der die Fans auf die Strassen zog, weit über Küchentisch und Pausenhof hinaus. Wer 2016 dabei war, erinnert sich an ein aussergewöhnlich schönes Bild: Gruppen in Parks, Menschen, die sich sonst nie begegnet wären, und plötzlich doch kurz zusammenstehen, weil «da etwas passiert». Eine App, die nicht nur in den Bildschirm zieht, sondern auch in die Welt hinaus.
Community Days sind weiterhin ein wiederkehrendes Ereignis – mit einem klaren Fokus: ein bestimmtes Pokémon erscheint häufiger, für eine begrenzte Zeit und lokal. Das klingt simpel, ist aber genau der Punkt. Für die Teilnahme braucht es kein Hardcore-Setup. Es reicht, kurz rauszugehen, gemeinsam etwas zu suchen – und am Ende war man vielleicht um ein Erlebnis, ein Pokémon oder eine neue Bekanntschaft reicher.
Die Rückkehr der Karten – und warum «physisch» wieder zählt
Parallel zur App-Welle passierte etwas, das fast gegen den Zeitgeist wirkt: Das Trading Card Game erlebte in vielen Haushalten ein Comeback. Nicht nur als Spiel, sondern als Ritual. Karten sortieren, ablegen, Hüllen anpassen und Binder füllen.
Dass dieses Universum riesig ist, lässt sich offiziell beziffern: Über 75 Milliarden produzierte Pokémon-TCG-Karten stehen inzwischen zu Buche. Und auch die Dimension der Games bleibt enorm: Über 489 Millionen ausgelieferte Einheiten Pokémon-bezogener Software (Ende März 2025).
Diese Zahlen wirken abstrakt, aber bedeuten im Alltag: Milliarden Karten als emotionale Anknüpfpunkte, verteilt auf den Schreibtischen, in Sammelalben und Turnierhallen der Fans. Hier wird klar, warum Karten mehr sind als reine Nostalgie. Sie sind ein Medium, das in einer digitalen Welt etwas Seltenes bietet: Besitz, Haptik und Dauer.
Grading, Promos, Stempel – eine kurze Übersetzung
Nebenbei hat sich auch die Sprache rund ums Sammeln verändert. «Grading» meint das professionelle Bewerten des Zustands – meist in einer versiegelten Hülle, mit Note. Für manche ist das Nerd-Ästhetik. Für den Markt ist es eine Art gemeinsame Währung: Zustand wird vergleichbar, Preise werden nachvollziehbarer – und Extremwerte überhaupt erst möglich.
Und der Stempel? Der ist weniger «Power» als Erinnerung. Er sagt: Diese Karte gehört zu einem Moment. Genau darum wirken Jubiläen so stark – sie sind ein Erinnerungsanker. Dazu kommt ein zweiter Effekt: Begrenzung. Special Collections erscheinen, werden gekauft und verschwinden vom frei verfügbaren Markt. Wer zu spät ist, liest plötzlich «ausverkauft» – und merkt, dass Sammeln immer auch mit Timing zu tun hat.
Eine ungeöffnete «First Edition Base Set» Booster Box erzielte 2021 an einer Auktion 408'000 US-Dollar – ein Wert, der eher nach Kunstmarkt klingt als nach Kartenspiel.
Und weil Popkultur manchmal seltsame Umwege nimmt: 2025 wurde sogar ein Charizard-ähnlicher Flamin’-Hot-Cheeto («Cheetozard») für 87'840 US-Dollar verkauft.
Eine Welt im Hintergrund – als Bonus, nicht als Pflicht
Wer mit den frühen Editionen gross geworden ist, kennt den Kern: Pokémon-Team zusammenstellen, trainieren, Arena und nächste Stadt. Spätere Generationen haben zusätzlich eine zweite Ebene ausgebaut: Legenden, alte Ereignisse, Mythos und Lore. Das muss nicht wie ein Lexikon gelernt werden. Es wirkt am besten als Stimmung – als leiser Unterton, der das Universum wirklicher erscheinen lässt.
Ein Einstiegspunkt aus der ersten Ära ist Mewtu: ein künstlich erschaffenes Pokémon, das die Frage stellt, was passiert, wenn Macht ohne Verantwortung entsteht. Schon das reicht, um zu verstehen, warum Pokémon nie nur «süss» war, sondern immer auch eine Prise Sci-Fi und Unbehagen barg.
Später wurden die Motive der Geschichte grösser: Natur gegen Technik, Verantwortung für Ressourcen, alte Mythen rund um Ursprung und Ordnung. In vielen Spielen sind das keine langen Dialogmarathons, sondern Hintergrundmuster. Wer sich dafür interessiert, findet Tiefgang und Kontext. Wer einfach sammeln und spielen möchte, bleibt trotzdem im Hauptstrom.
Unvergessliche Helden – Gesichter, die Pokémon tragen
Pokémon hat keinen einzigen Haupthelden, sondern mehrere Einstiegstüren. Für viele ist es bis heute die Anime-Perspektive: Ash Ketchum als langjähriger Protagonist, mit Pikachu als Konstante. Dazu Team Rocket – im Anime oft komisch, in der Grundidee klar kriminell gedacht – als Erinnerung daran, dass Pokémon Tonalitäten mischen kann, ohne den Kern zu verlieren.
Und in den Games? Da sind es weniger Romanfiguren als Rollen, die im Gedächtnis bleiben: wiederkehrende Rivalen, stärker werdende Arena-Bosse und Professor:innen als Vorbild mit Rat und Tat. Die Namen wechseln, das Muster bleibt. Pokémon erzählt nicht wie ein Roman – eher wie eine Reise, auf der Begegnungen zu Markierungen werden.
Was die «Pokémon Day 2026 Collection» symbolisiert
Jubiläen sind Einladungen. Nicht nur zum Kaufen, sondern zum Wiedereinstieg – oder zum ersten Einstieg, ohne dass gleich das ganze Universum verstanden werden muss.
Die Eckdaten sind schnell erzählt: Die «Pokémon Day 2026 Collection» erscheint am 30. Januar 2026 und enthält eine Pikachu-Promokarte mit Emblem, eine Münze und drei Boosterpacks. Passend dazu wird am gleichen Datum auch die Pokémon-TCG-Erweiterung «Mega Evolution—Ascended Heroes» lanciert – das dritte Set in der Serie «Mega-Entwicklung».
Warum Pokémon bleibt – auch wenn der Hype weiterzieht
Die Grundidee von Pokémon bleibt seit Jahrzehnten beständig: Sammeln als roter Faden, Fortschritt in kleinen Etappen, mit vielen Einstiegstüren wie Spielen, Karten, Serien oder der App – und fast immer eine soziale Komponente.
Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum Pokémon so gut altert: Es begleitet Menschen nicht nur als Franchise, sondern als Wegbegleiter mit so vielen Erinnerungen und Anknüpfpunkten. Manchmal intensiv und dann wieder peripher. Und manchmal genügt eine kleine Box, um die alten Gefühle wieder wachzurufen.
Wer wieder einsteigen möchte, findet den einfachsten Start oft nicht bei den seltensten Karten, sondern bei den Dingen, die Ordnung schaffen: Sleeves, Toploader, Binder, Deckboxen – oder eine kleine Einstiegskollektion, die das Jubiläumsgefühl gleich mitliefert.
Quelle Titelbild: Brandon Skeli | Unsplash
Marketing Manager Editorial Content
Ehemaliger Kulturjournalist, heute Unternehmenskommunikator mit B2B-Hintergrund in öffentlichen Institutionen und der Softwareindustrie. In meiner Freizeit dreht sich vieles um Technik in allen Facetten: eine zu grosse Gitarrensammlung, jede Menge Audio-Equipment und ungebrochene Musikleidenschaft. Dazu kommt das Fotografenauge – mit Schwäche für (leider) viel zu teure Kameras – und meine nostalgische Liebe zu PC-Spielen: von taktischen Shootern über Rollenspiele bis hin zu Strategie-Klassikern. Bei Brack darf ich über all das schreiben, was mich schon immer fasziniert hat.
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