
Evolution des Mobile Gaming: Von Snake bis Genshin Impact
Angefangen hat alles mit einem Tetris-Spiel auf dem Hagenuk MT-2000, einem dänischen Mobiltelefon aus dem Jahr 1994. Heute sammeln wir Pokémons auf den Strassen unseres Heimatdorfs und tragen Konsolenspiele in unserer Hosentasche.
Mobiltelefone haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Was mal fast 800 Gramm wog und um die 4'000 USD kostete – die Rede ist vom Motorola DynaTAC 8000X, dem ersten kommerziellen Handy 1984 – ist heute beinahe so schlank und leicht wie eine Tafel Schokolade. Das Gerüst schrumpfte, während das Innenleben über die Hülle hinauswuchs: mehr Speicherplatz, mehr Leistungsstärke, mehr Möglichkeiten. Aus Tasten wurde Touch, aus Kilobytes wurden Gigabytes, aus Megahertz wurden Gigahertz.
Handyspiele hielten mit dieser Entwicklung Schritt und schöpften den wachsenden Spielraum laufend aus. So kommt es, dass das Spektrum mobiler Spiele heute vom minimalistischen Tetris bis zu Titeln wie Call of Duty Mobile und Genshin Impact reicht.
Dieser Beitrag zeichnet die Entwicklung des Mobile Gaming anhand prägender Trendspiele nach.
Snake (1997)
Mit Snake gelang dem Mobile Gaming 1997 der grosse Durchbruch: Das auf dem Nokia 6110 vorinstallierte Spiel prägte eine ganze Handy-Generation. Es gilt als eines der ältesten Handyspiele nach Tetris und wurde zum weltweiten Phänomen – eines, das den Charme früher Tastenhandy-Spiele heute noch nachhallen lässt. Auf den Meilenstein folgten bald schon Snake II (1998), Space Impact (2000) sowie das ikonische Nokia-Spiel mit Farbe Bounce (2001).
Die Snake-Reihe bildet das Herzstück der Tastenhandy-Spieleära und listet ganze sieben Folgeversionen.
Prince of Persia (2003)
Vom beliebten Computerspiel aus dem Jahr 1989 stand im Jahr 2003 erstmals ein Spin-off als J2ME-Version (Java 2 Micro Edition) zum Download bereit. Es wurde schnell zu einem Spitzenreiter der Java-Ära; einer Zeit, in der Handys erstmals die Programmiersprache Java unterstützten und somit den Download von Java-Spielen ermöglichten, meist kostenpflichtig über WAP-Portale oder Betreiberplattformen. Prince of Persia steht exemplarisch für den Moment, in dem Mobile Games erstmals versuchten, PC- und Konsolenspiele im Taschenformat zu sein.
Angry Birds (2009)
Mitte 2008 lancierte Apple den App Store, wodurch Anwendungen von Drittanbietern einen Sammelpunkt fanden. Es dauerte nicht lange, bis eine Flut an Apps über den Store hereinbrach – darunter auch Angry Birds, eines der führenden Handyspiele in den Anfangsjahren der 2010er. Durch seine Popularität ist das Mobile Game ein guter Repräsentant der frühen App-Store-Ära und hat über ein Dutzend Versionen sowie zwei Kinofilme abgelegt. Ein dritter Film soll dieses Jahr folgen.
Weitere prägende Spiele dieser Zeit waren unter anderem Doodle Jump (2009), Temple Run (2011) und Candy Crush Saga (2012), das Mobile Gaming endgültig im Massenpublikum verankerte.
Clash of Clans (2012)
Clash of Clans schaffte den Sprung zur Langzeitbindung. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie Mobile Games aus der Arcade-Logik zur Alltagsroutine umschwenkten: tägliches Einloggen, um Ressourcen zu erhalten, Upgrades zu starten, Angriffe zu planen und die Basis am Laufen zu halten. Im selben Zug zeigte es, wie sich kostenlose Spiele mit In-App-Käufen zu einem Milliardengeschäft entwickeln können – und wie soziale Konstrukte wie Gemeinschaft (in diesem Fall Clans) und Rivalität (Clan gegen Clan) nachhaltig Bindung schaffen.
Pokémon Go (2016)
Mit Pokémon Go erreichte Mobile Gaming 2016 einen neuen Höhepunkt: Es ist das erste standortbasierte AR-Handyspiel, dem der Durchbruch zum Mainstream gelang. Durch die Kombination aus GPS und Augmented Reality macht Pokémon Go die eigene Umgebung zur Spielfläche. Verschiedenste Plätze wie Parks und Sehenswürdigkeiten haben sich in Hotspots einer globalen Community verwandelt. Damit hat das Spiel den Meilenstein für eine Zeit gelegt, in der Handyspiele über ihr Display hinauswachsen.
Genshin Impact (2020)
Mittlerweile gibt es zahlreiche grosse Fische, die von Anfang an als plattformübergreifendes Spiel konzipiert wurden. Ein gelungenes Beispiel hierfür bildet Genshin Impact – ein Open-World-RPG, das mit seiner vielschichten Geschichte und dem «Gaming as a Service»-Modell die Herzen zahlreicher Spieler:innen weltweit erobern konnte. Das Spiel wurde gleichzeitig für Smartphone, PC und Konsole veröffentlicht. Die Mobile-Version bildet eine Kernplattform und ist nicht einfach nur ein Nebenprodukt.
Abgesehen davon gibt es einige Blockbuster-PC- und Konsolenspiele, die nachträglich die Brücke zu Mobile Gaming schlugen. So erschien beispielsweise 2019 die Mobile-Version von Call of Duty – und die von GTA III sogar bereits im Jahr 2011.
Ein Blick zurück und ein Blick nach vorn
Mobile Gaming ist heute längst mehr als ein Zeitvertreib für zwischendurch: Es ist eine weitreichende und vielseitige Spieleplattform – von minimalistischen Hits wie Flappy Bird (2013) und Among us (2018) bis hin zu technisch anspruchsvollen AAA- und Live-Service-Titeln. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen Handy, Konsole und PC immer stärker, da plattformübergreifende Releases und Cross-Progression zum Standard werden. Neuere Technologien wie Cloud Gaming könnten diesen Trend weiter beschleunigen, indem sie hochwertige Spiele unabhängig von der Geräteleistung verfügbar machen. Und auch abseits des Displays bleibt Bewegung drin: AR- und standortbasierte Spiele zeigen, dass Mobile Gaming zunehmend die reale Welt zur Spielfläche macht.
Marketing Manager Editorial Content
Wenn ich mal nicht gerade damit beschäftigt bin, meiner literarisch-kreativen Ader freien Lauf zu lassen, stecke ich höchstwahrscheinlich in einem Netflix-Marathon fest («Nur noch eine Folge!»), unterhalte ich mich angeregt über die verschiedensten Themen, lese ein gutes Buch oder fordere mich selbst mit einem neuen Hobby heraus. Meine Wissbegierde kennt keine Grenzen, und hier habe ich die Möglichkeit, sie auszuleben und mit anderen zu teilen.
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