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Lost in Emojis: Diese sorgen für Missverständnisse

06.02.2026

«Freue mich darauf, dich wiederzusehen 🙃», steht in deinen Benachrichtigungen. Du starrst darauf. Sekunden verstreichen. Minuten verstreichen. Dann schreibst du zurück: «Hasst du mich?»

Du weisst, deine Reaktion ist vollkommen gerechtfertigt. Kein Zweifel. Und doch würde später dieser eine berüchtigte Satz fallen, unvermeidlich, mit einer Stimme wie die Ruhe selbst. «Aber wie kommst du denn darauf?», hiesse es. «Wieso sollte ich dich hassen?» Es klänge harmlos, geradezu unschuldig, dabei hast du es gelb auf weiss.

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Es sieht aus wie eine alltägliche Konversation, aber … Quelle: Screenshot aus WhatsApp Web

Na, das ist doch offensichtlich, denkst du dir. Schliesslich hat diese Person doch ganz deutlich impliziert, dass sie lieber einen Marathon quer durch den Amazonaswald laufen würde als morgen gemeinsam mit dir zu Mittag zu essen. Eher würde sie ihre Höhenangst herausfordern und aus 4'000 Metern Höhe Fallschirmspringen. Eher würde sie sich zum Mond schiessen lassen und sich dort ein neues Leben aufbau… Na gut, vielleicht hast du auch ein bisschen überreagiert. 

Aber um Licht in die Sache zu bringen … das Problem liegt hier:

 

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Spätestens jetzt müsste es allen auffallen. Quelle: Screenshot aus WhatsApp Web

Genauer gesagt hier:

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Ein überdramatisierter Zoom für die hinteren Reihen. Quelle: Screenshot aus WhatsApp Web

Und wenn du glaubst, das wäre doch bloss ein freundlicher, lächelnder Smiley, zwar kopfüber, aber durch und durch sympathisch … dann, ja, dann hast du womöglich die eine oder andere Freundschaft gefährdet, ohne es zu wissen. Bei einer Umfrage von Preply aus dem Jahr 2024 ist dieses Emoji von 38 % der Befragten als Sarkasmus, von 36 % als schmerzerfülltes Lächeln und von 10 % als passive Aggression wahrgenommen worden. Oh, und natürlich gibt es da noch die 16 %, die keinen Unterschied zum normalen lächelnden Smiley – den hier nämlich 🙂 – erkannten (der übrigens ebenfalls für Sarkasmus stehen kann, aber genug Paranoia für heute).

Das bedeutet allerdings nicht, dass die 16 % falsch liegen. Es bedeutet lediglich, dass die Wahrnehmung von Emojis sich von Person zu Person, Generation zu Generation und Kultur zu Kultur stark unterscheiden kann.

Die Vorreiter unter den Fettnäpfchen

Komplett ausschliessen können wir Missverständnisse nie. Tatsächlich gibt es jedoch eine Handvoll Emojis, die für besonders viel Verwirrung sorgen – zumindest laut den Umfragen von Preply aus den Jahren 2024 und 2023. Dazu gehören nebst dem kopfstehenden Smiley von eben zum Beispiel:

  • 😪 «sleepy»: Schläfrigkeit, Trauer, Krankheit oder Ekel
  • 🫠 «melting face»: Überforderung, Hitze, Grauen oder Sarkasmus
  • 🥲 «smiling face with tear»: Freudentränen, schmervolles Lächeln oder Sarkasmus
  • 💀 «skull»: vor Lachen sterben, vor Frust sterben, Tod
  • 💨 «dashing away»: davonrennen, einen fahren lassen, erschöpft ausatmen oder rauchen
  • 💸 «money with wings»: Geld verlieren, Geld gewinnen, mit Geld angeben oder Geld überweisen
  • 🙏 «folded hands»: beten, bitten, bedanken, Namaste oder High Five
  • 💅«nail polish»: Klasse, Maniküre, Nonchalance oder Self-care

Nicht aufgeführt, aber hierzulande wohl ebenso beliebt sind «loudly crying face» 😭, das die einen fürs Weinen und die anderen fürs Lachen einsetzen, sowie «grinning face with sweat»😅, das manche wie ein Lach-Emoji verwenden, während andere damit Nervosität, Verlegenheit, Unbeholfenheit oder Erleichterung ausdrücken.

Da blicken wir natürlich alle immer durch. Nicht.

Emojis sind universell, könnte man meinen – und doch sind wir uns über ihre Bedeutung so unfassbar uneinig. Sie sind wie Gesichter im Halbdunkeln: Ein Lächeln könnte ein Zähneknirschen sein, Müdigkeit könnte sich als tiefe Trauer entpuppen. Von Angesicht zu Angesicht haben wir Tonalität, Gestik, Mimik. Per Text jedoch nur winzig kleine Gesichter, die vielleicht sarkastisch sind. Oder freundlich. Oder innerlich schreiend.

Das Problem ist dabei aber nicht, dass wir sie benutzen; schliesslich kann ihre Abwesenheit für ebenso grosse Missverständnisse sorgen (es gibt wirklich kein Entkommen, was?). Das Problem ist vielmehr, dass wir glauben, alle würden sie gleich verstehen wie wir. Dabei gibt es allein schon zwischen der Gen-Z und den Millennials unzählige Unterschiede in ihrer Verwendung.

Doch kein Grund zur Sorge: Man kann ja immer nachfragen. Auch wenn darauf vielleicht Empörung folgt. Oder ein «du bist alt». 🥲

 

Quelle Titelbild: Unsplash | Emojisprout emojisprout.com

Duygu Özdemir

Marketing Manager Editorial Content

Wenn ich mal nicht gerade damit beschäftigt bin, meiner literarisch-kreativen Ader freien Lauf zu lassen, stecke ich höchstwahrscheinlich in einem Netflix-Marathon fest («Nur noch eine Folge!»), unterhalte ich mich angeregt über die verschiedensten Themen, lese ein gutes Buch oder fordere mich selbst mit einem neuen Hobby heraus. Meine Wissbegierde kennt keine Grenzen, und hier habe ich die Möglichkeit, sie auszuleben und mit anderen zu teilen.

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