
Geschichte des Tablets: von der Sci-Fi-Idee zum Alltagsgerät
Das Tablet, wie wir es heute kennen, ist das Ergebnis einer langen Entwicklung. Es erschien weder von heute auf morgen als iPad noch begann seine Geschichte als dünnes, elegantes Gadget. Vielmehr führt der Weg zurück zu Science-Fiction-Ideen, frühen Prototypen und visionären Konzepten.
Am Anfang stand eine Idee
Bevor das Tablet zum Alltagsgerät wurde, lebte es schon in der Fantasie von Science-Fiction-Autor:innen. Eine der bekanntesten Visionen stammt aus dem Film «2001: Odyssee im Weltraum» von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1968. In einer Szene schauen zwei Astronauten auf sogenannten «Newspads» die Nachrichten. Die flachen Bildschirme wirken aus heutiger Sicht erstaunlich vertraut.
Das Newspad sieht dem heutigen Tablet so ähnlich, dass es sogar in der realen Welt Bedeutung erlangte – als Referenz in einem Rechtsstreit zwischen Apple und Samsung. Doch dazu später mehr; bleiben wir zunächst bei den Anfängen. Denn nur wenige Jahre nach Kubricks Film schaffte das Tablet den Sprung von der Leinwand in das Konzeptbuch eines amerikanischen Computerwissenschaftlers.
Vom Konzept zum Prototyp
Im Jahr 1972 publizierte der Computerwissenschaftler Alan Kay seine Vision des sogenannten «Dynabooks» in einem wissenschaftlichen Paper. Darin beschrieb er einen handlichen Computer, der vor allem als Bildungstool für Kinder gedacht war. Kay stellte sich ein flaches Gerät mit Bildschirm und integrierter Tastatur vor, dessen Benutzeroberfläche mit einem Stift bedient wird – also eine Art Mischung aus Notebook und Tablet, lange bevor diese Kategorien überhaupt existierten.
Zwar entstand Anfang der 1970er-Jahre ein Prototyp, doch über das Konzeptstadium hinaus kam das «Dynabook» nie. Trotzdem gilt Kays Idee als wichtige gedankliche Grundlage für moderne Tablets.
Das Tablet wird greifbar
Es sollten noch einige Jahre vergehen, bis ein Produkt erschien, das dem heutigen Tablet zumindest nahekam. 1989 stellte GRiD Systems mit dem GridPad eines der ersten kommerziell erhältlichen Tablets vor. Produziert wurde es von einem Unternehmen, das auch heute noch auf dem Tablet-Markt vertreten ist: Samsung.
Das GridPad liess sich mit einem Eingabestift bedienen und verfügte bereits über eine Handschrifterkennung. Es war allerdings alles andere als massentauglich: Fast 4 cm dick, um die 2 kg schwer und mit einem stolzen Preis von 2'380 US-Dollar ohne Software. Entsprechend richtete es sich vor allem an Unternehmen und öffentliche Verwaltungen. Für die private Nutzung waren solche Geräte kaum attraktiv. Das änderte sich erst in den 1990er-Jahren, als mit den sogenannten Personal Digital Assistants, kurz PDAs, erstmals kompaktere und persönlichere digitale Begleiter aufkamen.
Das Jahrzehnt der PDAs
In den 1990er gewann die Entwicklung des Tablets weiter an Tempo. Verschiedene Personal Digital Assistants (PDAs) kamen auf den Markt. Viele davon setzten auf wenige physische Knöpfe, einen Touchscreen und die Bedienung mit einem Stift. Mangels mobilen Internets blieben die Möglichkeiten allerdings begrenzt; Termine, Aufgaben und Adressen standen als Funktionen im Zentrum.
Ein besonders bekannter PDA-Vertreter ist das Newton MessagePad von Apple, das 1993 erschien. Die Erwartungen waren hoch, die Enttäuschung folgte jedoch schnell. Vor allem die Handschrifterkennung erwies sich als unzuverlässig und fehleranfällig, auch der hohe Preis half dem Gerät nicht. Rückblickend gilt das Newton MessagePad als klarer Misserfolg.
Bis sich ein Apple-Produkt im Tablet-Markt wirklich durchsetzen konnte, sollten noch 17 Jahre vergehen. Zunächst übernahm ein anderer Akteur die Rolle des Visionärs: Microsoft arbeitete an seiner eigenen Tablet-Idee – begleitet von einer ebenso ambitionierten wie gewagten Prognose des Gründers Bill Gates.
Microsoft prägt den Tablet-Begriff
Microsoft spielte eine zentrale Rolle dabei, den Begriff «Tablet» populär zu machen. Im November 2000 kündigte der damalige Chefentwickler Bill Gates den ersten Microsoft-Tablet-PC an. Das Konzept war ein vollwertiger Windows-PC ohne Tastatur und Maus, stattdessen mit einem Touch-Bildschirm und Eingabestift. Ziel war es, die komplette Funktionalität eines PCs in eine flache, handliche Form zu bringen.
Technisch boten diese frühen Tablets bekannte Windows-Programme, Handschrifterkennung und Touch-Eingabe, sie waren jedoch schwer, teuer und durch ein Betriebssystem eingeschränkt, das eigentlich für Tastatur und Maus konzipiert war. Deshalb fanden sie vor allem in spezialisierten Bereichen wie Medizin, Industrie oder Aussendienst Anwendung. Im Massenmarkt blieb der erhoffte Durchbruch aus.
Anfang der Nullerjahre war Bill Gates dennoch überzeugt, dass Tablets das nächste grosse Ding sein würden. Rückblickend lag er zwar richtig damit, dass sich die Geräte einst durchsetzen würden, allerdings war es nicht Microsoft, das das Tablet gross machte.
Mit dem iPad kommt der Durchbruch
Im Januar 2010 war es so weit: Apple stellte das iPad vor und traf damit einen Nerv. Bereits am ersten Verkaufstag gingen rund 300'000 iPads über den Ladentisch, nach neun Monaten waren es bereits 15 Millionen – und damit vermutlich mehr als alle zuvor erschienenen Tablets zusammen.
Das iPad war nicht das erste Tablet, wohl aber jenes, das einer ganzen Geräteklasse zum Durchbruch verhalf. Entscheidend war weniger die reine Technik als das Gesamtkonzept: Ein dünnes, leichtes Gerät, ein auf Touch optimiertes Betriebssystem und ein klarer Fokus auf einfache Bedienung.
Zahlreiche Hersteller brachten kurz darauf eigene Tablets auf den Markt. Samsung präsentierte noch im selben Jahr das Galaxy Tab. Und damit zurück zum Anfang der Geschichte: Als Apple Samsung nämlich vorwarf, das Design des iPads zu kopieren, verwies Samsung unter anderem auf die Szene aus «2001: Odyssee im Weltraum». Das futuristische «Newspad» sollte belegen, dass die Grundidee eines Tablets lange vor dem iPad existiert hatte.
Und heute?
Heute sind Tablets längst in unserem Alltag angekommen und schliessen die Lücke zwischen Smartphone und Laptop. Sie sind überall zu sehen und werden vielfältig genutzt: Von Studierenden, die darauf Notizen machen, über Büroangestellte, die sie für Präsentationen oder mobiles Arbeiten einsetzen, bis hin zu Kunstschaffenden, die direkt auf dem Bildschirm zeichnen, entwerfen oder gestalten.
Technik, Leistung und Funktionen haben sich stark weiterentwickelt. Die Möglichkeiten übersteigen dabei vieles von dem, was man sich in den frühen Konzepten erhofft hatte. Und die Reise ist bestimmt noch nicht zu Ende. Die Frage ist weniger, ob es sich weiterentwickelt, sondern vielmehr in welche Richtung.
Quelle Titelbild: Unsplash | Kateryna Hliznitsova
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Ich liebe es, in andere Welten einzutauchen, sei es durch spannende Geschichten, mit Reisen in ferne Länder und Kulturen oder in meinem eigenen kleinen Garten – ich bin immer auf Entdeckungsreise. Und wenn es Zeit wird, die Seele baumeln zu lassen, findet ihr mich auf der Yogamatte oder mit einem guten Buch in der Hand.
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