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Nur noch fünf Minuten: Schadet uns die Schlummertaste?

16.12.2025

Die Schlummertaste gehört für viele fast so fest zum morgendlichen Aufstehen wie die Tasse Kaffee. Aber ist snoozen eigentlich ungesund oder nur schlecht fürs Gewissen? Die Wissenschaft liefert erstaunlich unterschiedliche Antworten.

Wer kennt es nicht: Dein Wecker klingelt, das Bett ist warm, deine Hand tastet im Halbschlaf nach dem Snooze-Button. Du fällst wieder in einen vermeintlich tiefen Schlaf, bis dich fünf Minuten später derselbe Ton erneut unsanft aus dem Traum reisst.  

So oder so ähnlich beginnt der Morgen für viele von uns. Eine gross angelegte Harvard-Auswertung mit Daten von über 21'000 Nutzenden der App «Sleep Cycle» zeigt: In fast 56 Prozent der Nächte wird die Schlummertaste genutzt – im Schnitt elf Minuten pro Tag. 

Meist bleibt es nicht bei einem Mal. Viele drücken mehrfach auf «snooze». Frauen schlummern etwas mehr als Männer – im Schnitt 2.5 Mal im Vergleich zu 2.3 Mal. Ebenso spannend: Wer spät zu Bett geht, snoozt häufiger. Verständlich, schliesslich ist bei wenig Schlaf jede Minute kostbar. Wer allerdings insgesamt wenig schläft – maximal fünf Stunden – drückt seltener auf die Schlummertaste.  

Snoozen ist also beliebt – und gleichzeitig umstritten. Viele Schlafexpert:innen raten ausdrücklich davon ab. 

Böse Schlummertaste?

In den Stunden vor dem Aufwachen befinden wir uns oft im REM-Schlaf. In dieser Phase arbeitet unser Hirn auf Hochtouren, wir träumen viel und verarbeiten Erinnerungen. Wenn der Wecker genau dann losgeht, reisst er uns aus einer wichtigen Phase. Drücken wir danach auf «snooze», finden wir meist nur noch in einen leichten Schlaf zurück. 

Unterm Strich kürzt Snoozen also unseren wirklich erholsamen Schlaf, sofern dafür die Weckzeit vorgezogen wird. Und dass Schlafmangel unserer Konzentration, unserem Gedächtnis und generell unserem Wohlbefinden schadet, ist wissenschaftlich belegt. 

Darum empfehlen die meisten Expert:innen, den Wecker so spät wie möglich zu stellen und beim ersten Klingeln aufzustehen. Klingt einleuchtend, so kriegt man schliesslich den längst möglichen ununterbrochenen Schlaf. Doch Hand aufs Herz: Wenn das Bett warm ist, die Lider schwer und das Kissen weich, ist die Verlockung zum Snoozen doch sehr gross. Wer diese Szene kennt, für den wird's jetzt interessant.  

Ist Snoozen gar nicht so schlimm?

Ganz so eindeutig, wie es oft klingt, ist die Lage nämlich nicht. Eine Studie aus dem Jahr 2023 fand keine Unterschiede in Kognition, Stimmung oder Schläfrigkeit zwischen Personen, die snoozten, und solchen, die beim ersten Klingeln aufstanden. Bei anschliessenden Rechen- und Erinnerungsaufgaben schnitten Snoozer:innen sogar besser ab als jene, die sofort aufstanden. Allerdings war die Studie klein und bestand aus Menschen, die im Alltag sowieso regelmässig die Schlummertaste nutzen. Im Experiment mussten sie also von ihrer Routine abweichen, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte.

Eine andere Studie mit 450 Teilnehmenden kam zu ähnlichen Ergebnissen: Snoozer:innen schliefen nicht weniger und fühlten sich auch nicht müder. Sie hatten jedoch in der Stunde vor dem Aufwachen einen leichteren Schlaf und während der Nacht einen höheren Ruhepuls. 

Beide Studien zeigen ausserdem, dass Menschen mit spätem Chronotyp – also klassische Nachteulen – die Schlummertaste besonders häufig nutzen. Und genau für sie könnte das Schlummern sogar Vorteile haben. Der Schlafmediziner Dr. Justin Fiala erklärt das so: Wer biologisch eher zu später Aktivität neigt, muss oft viel früher aufstehen, als es dem eigenen Rhythmus entspricht. Die kurzen Phasen leichten Schlafes beim Snoozen könnten den Übergang vom Tiefschlaf zur Wachheit sanfter gestalten. Ob das wirklich so ist, muss weitere Forschung zeigen.  

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Unsere innere Uhr gibt vor, wann wir besonders leistungsfähig sind. Häufig entspricht das jedoch nicht dem vorgegebenen Tagesrhythmus. Quelle: Unsplash | Andrej Lišakov

Generell betonen Forschende, dass die Wirkung von Snoozen sehr individuell sein kann. Wer snoozt und sich danach gut fühlt, muss seine Routine nicht zwingend ändern. Wer sich hingegen müder und benebelter fühlt, fährt vermutlich besser damit, gleich beim ersten Weckerklingeln aufzustehen.  

Wach werden ohne Schlummern

Falls du merkst, dass dir das morgendliche Snoozen eher schadet als hilft, gibt es ein paar Wege, wie du davon loskommst. Der wichtigste ist gleichzeitig der naheliegendste: genug Schlaf. Wer ausreichend schläft, dem fällt auch das Aufstehen leichter. Schlafexpert:innen empfehlen sieben bis neun Stunden Schlaf pro Nacht. 

Hilfreich kann auch Licht sein. Sobald der Wecker klingelt, schaltest du die Nachttischlampe ein. Alternativ kann dich ein Lichtwecker unterstützen. Dieser wird stufenweise heller und imitiert so den Sonnenaufgang. 

Ein weiterer Trick: Die Zeit am Morgen straffen. Wenn du den Wecker bewusst etwas später stellst, bleibt weniger Raum zum Verhandeln – du «musst» beim ersten Klingeln raus, um nicht in Stress zu geraten.  

Und dann gibt es noch den Klassiker: den Wecker oder das Smartphone ausser Reichweite legen. So musst du aufstehen, um ihn auszuschalten. Wer allerdings ein Profi im Zurück-ins-Bett-Kriechen ist, weiss: selbst das garantiert nichts. Irgendwo zwischen Kissen und Decke lauert immer die Versuchung. 

 

Quelle Titelbild: Adobe Stock | 1140605433

Eliane Lee

Marketing Manager Editorial Content

Ich liebe es, in andere Welten einzutauchen, sei es durch spannende Geschichten, mit Reisen in ferne Länder und Kulturen oder in meinem eigenen kleinen Garten – ich bin immer auf Entdeckungsreise. Und wenn es Zeit wird, die Seele baumeln zu lassen, findet ihr mich auf der Yogamatte oder mit einem guten Buch in der Hand.

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