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Senegal krönt sich im Chaos von Rabat zum Afrika-Meister

20.01.2026

Das Endspiel des Afrika Cups im Stade Prince Moulay Abdallah in Rabat wurde zu einem Drama, das noch lange nachhallen wird – wegen eines Panenka-Elfmeters, umstrittener Schiedsrichter-Entscheidungen, Spielerprotesten und Fan-Tumulten.

Die zwei Mannschaften mit den besten Defensiven des Turniers kämpften um den Titel. Senegal hat im ganzen Turnier nur zwei Tore kassiert, Marokko nur eines. Entsprechend verlief auch das Finale. Doch nachdem das Spiel 90 Minuten lang torlos blieb, überschlugen sich in den Schlussminuten die Ereignisse. Zunächst jubelte Senegal: Nach einem Eckball in der 2. Minute der Nachspielzeit landete der Ball im marokkanischen Tor. Doch der Jubel erstickte schnell. Der Schiedsrichter Jean-Jacques Ndala Ngambo hatte einen Augenblick zuvor bereits abgepfiffen – wegen eines angeblichen Fouls. Eine Entscheidung, die milde formuliert mindestens diskussionswürdig war. Viel war da nicht zu sehen.

Nur wenige Minuten später folgte die Szene, die dieses Finale endgültig in die Geschichtsbücher katapultierte. 5. Minute der Nachspielzeit, Eckball Marokko: Brahim Diaz geht im Strafraum zu Boden und protestiert heftig, als kein Pfiff ertönte. Der Unparteiische wird tatsächlich an den VAR-Bildschirm gebeten, schaut sich die Szene an – und entscheidet auf Elfmeter für den Gastgeber.

Die Senegalesen verlieren die Beherrschung, allen voran Trainer Aliou Thiaw, der seine Spieler auffordert, das Feld zu verlassen. Fast alle folgen ihm – bis auf Captain Sadio Mané. Er bleibt auf dem Feld, diskutiert, und versucht, seine Mitspieler umzustimmen und weiterzuspielen. Auch auf der Tribüne bricht Chaos aus. Erzürnte senegalesische Fans versuchen, den Platz zu stürmen, was von geballter Kraft der Sicherheitskräfte verhindert werden kann. Es fliegen Gegenstände – darunter Stühle. Unschöne Szenen, die dem sonst so gelungenen Turnier einen bitteren Nachgeschmack verleihen. 

Manés Machtwort findet bei seinen Mitspielern immerhin doch noch Anklang, die Spieler kehren samt Trainer zurück aufs Feld. Das Spiel kann endlich weitergehen.

Panenka, Drama, Erlösung

Nach fast 20 Minuten Unterbrechung schreitet Brahim Diaz zum Punkt. Der Mann, der Marokko mit seinen Toren ins Finale getragen hatte. Der Top-Torschütze des Turniers. Er kann alles klar machen und die Marokkaner ins Glück schiessen, 50 Jahre nach dem letzten und ersten Afrika Cup-Sieg. Und er entscheidet sich für die riskanteste aller Varianten: den Panenka.

Der Ball hebt ab – und landet harmlos in den Armen von Édouard Mendy, dem FIFA-Welttorhüter 2021. Die Tragik dieses Moments ist kaum zu überbieten. Macht Diaz den Chip-Elfmeter rein, feiert man ihn als eiskalte Nervenmaschine. So aber wird er zum grossen Verlierer des Abends. Später wird er als Torschützenkönig des Turniers ausgezeichnet, nimmt die Trophäe niedergeschlagen entgegen, begleitet von Applaus – und Pfiffen. Trainer Walid Regragui sieht auch in den senegalesischen Protesten eine Mitschuld am fatalen Fehlschuss von Diaz. Die rund 20 Minuten Diskussionen und Drama hätten ihm sicher nicht geholfen. Dass die Nerven da nicht mehr mitspielen, sei irgendwie verständlich. Dennoch räumt auch Regragui ein: Der Panenka war wohl nicht die beste Wahl.

Gueye schreibt Geschichte

In der Verlängerung fängt sich das Spiel langsam wieder. Beide Teams kommen zu ihren Chancen, doch Senegal wirkt einen Tick entschlossener. Dann kommt die 94. Minute. Idrissa Gueye fasst sich ein Herz – und hämmert den Ball von der Strafraumlinie aus im Fallen unter die Latte. Der Captain der Marokkaner, Achraf Hakimi, versucht, ihn noch daran zu hindern. Vergebens. Und auch Bono – nach dem Spiel als Torwart des Turniers ausgezeichnet – bleibt nur das Nachsehen. Dieses Mal erreichen seine Fingerspitzen das runde Leder nicht. Ein Tor wie aus einem Guss. Ein Wahnsinnstreffer.

Marokko wirft danach alles nach vorne, doch Senegal verteidigt leidenschaftlich, energisch, kompromisslos. Cherif Ndiaye hätte sogar noch die frühzeitige Entscheidung klarmachen können, doch nach seinem Abschluss lenkte Torhüter Bono den Ball mit den Fingerspitzen gerade noch entscheidend ab, als Ndiaye zum Nachschuss ansetzten wollte, sodass dieser aus sechs Metern am offenstehenden Tor vorbeiging. Dennoch konnten die Westafrikaner die knappe Führung über die Zeit bringen. Senegal ist Afrikameister – zum zweiten Mal in der Geschichte.

Feier in Dakar

In Dakar kennt die Freude keine Grenzen. Ein ganzes Land feiert seine Helden. Die «Löwen der Teranga» haben geliefert. Der Präsident erklärt den 19. Januar gleich zum Feiertag. Schulen und Büros bleiben geschlossen, um so richtig feiern zu können.

Marokko hingegen bleibt die bittere Erkenntnis: Seit 50 Jahren warten die «Löwen vom Atlas» auf ihren zweiten Titel. Und dieses Finale wird man nicht nur wegen des Fussballs in Erinnerung behalten. Es ist ein Spiel, über das man noch lange sprechen wird.

 

Quelle Titelbild: DALL·E via ChatGPT (KI-generiert)

Marius Bachmann

Marketing Manager Editorial Content

Mein erstes Wort war "Ball" – und auch heute noch dreht sich in meinem Leben fast alles um Fussball. Wenn ich nicht gerade selbst auf dem Rasen stehe, schreibe ich hier über die neuesten Entwicklungen im Schweizer und internationalen Fussball und teile meine Gedanken rund um die Brack Super League. Doch meine Leidenschaft für das Schreiben geht darüber hinaus. Ob Sport, Gesellschaft oder Kultur – ich schreibe, weil Sprache für mich mehr ist als Mittel zum Zweck: Sie ist Werkzeug, Spielplatz und Zuhause zugleich.

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