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Aufsteiger im Höhenflug – Wie der FC Thun die Brack Super League überrollt

11.09.2025

Der FC Thun ist zurück in der Brack Super League – und spielt, als wäre er nie weg gewesen. Woher kommt dieser doch eher unerwartete Erfolg und können die Berner Oberländer auch gegen die bevorstehenden Brack Super League-Giganten FC Basel und BSC Young Boys ungeschlagen bleiben?

Erfolgshistorie

Erst einmal vorab: Der FC Thun ist in der Brack Super League definitiv kein Unbekannter. Unter anderem spielten sie ab der Saison 2010/11 bis 2019/20 bereits in der höchsten Schweizer Spielklasse, nachdem sie 2004/05 sogar Zweiter wurden. In der Ewigenrangliste – in der sich die Teams mit den meisten Brack Super League-Saisons finden – belegen sie Platz 8 mit insgesamt 15 gespielten Saisons. Auch auf internationaler Bühne durfte sich der FC Thun schon einen Namen machen. In Europa war der Club bereits in der Europa League vertreten und schaffte in der Saison 2005/06 sogar den Einzug in die Endrunde der Königsklasse, der Champions League. In der Gruppenphase konnte man sich gegen Arsenal, Sparta Prag und Ajax Amsterdam jedoch nicht durchsetzen. Damals stand Trainer Lustrinelli für die Thuner übrigens noch selbst auf dem Platz. Und wer 2019 den Schweizer Cup verfolgte, weiss: Auch da konnten sich die Berner Oberländer auf die Landkarte setzen. Im Finale unterlagen sie dem FC Basel im Wankdorf (damals noch Stade de Suisse) nämlich knapp mit 2:1. Nach 5 Spielzeiten in der Challenge League sind die Thuner nun «zrügg» – und wie! 

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Das Erfolgsgeheimnis

Die Frage, wie sich ein Aufsteiger in der höheren Spielklasse gleich so stark durchsetzen kann, liegt nahe und ist schwer zu beantworten. Ein wesentlicher Faktor ist die Euphorie aus der Aufstiegssaison: Damals lief (fast) alles perfekt, und dieses Selbstverständnis nahmen die Spieler unter Trainer Lustrinelli mit. Hinzu kommt, dass der FC Thun über ein starkes Kollektiv verfügt. Sie haben nicht nur zwei, drei Superstars, die alle Tore schiessen: In der letzten Saison waren es 21 verschiedene Feldspieler, die eingenetzt haben – das war Ligabestwert und zeigt, dass man nicht von den Leistungen eines Einzelnen abhängig ist. Wenn mal jemand ausfällt, kann man auf genügend Alternativen zurückgreifen. Zudem kommt, dass der FC Thun im Vergleich zu anderen Teams, die ihren Kader jede Saison mehr oder weniger auf den Kopf stellen, wenig Umstellungen vorgenommen hat – gerade für einen Aufsteiger. 

Der Underdog mit wenig Druck und viel Herzblut

Möglicherweise haben einige alteingesessene Brack Super League-Teams die Rückkehrer unterschätzt. Es haben wohl die wenigsten damit gerechnet, dass der Underdog so einschlägt. Ausserdem lastet vergleichsweise wenig Druck auf dem Team: Sowohl Fans als auch die Vereinsführung erwarten wohl nicht, dass ihre Jungs gleich in der ersten Saison den Titel holen. Soll nicht heissen, dass man keine Ziele hat, aber mit dem Klassenerhalt würde man sich im ersten Jahr wahrscheinlich zufriedengeben. Somit können die Thuner ruhig aufspielen und trotzdem viel Intensität und Leidenschaft an den Tag legen, wie Lustrinelli, der nun seine vierte Saison in Folge als Cheftrainer bestreitet, es gerne sieht. Ausserdem lässt die grosse Fan-Euphorie in Thun noch auf sich warten, was vielleicht ebenfalls etwas Last von den Schultern nimmt. Und dennoch: Die Zuschauerzahlen steigen. 

Top-Scorer Ibayi: Von Korsika ins Berner Oberland

Eine wichtige Rolle spielt sicherlich auch der kongolesisch-französische Stürmer Christopher Ibayi. Er stiess im Januar vom korsischen Club AC Ajaccio aus der Ligue 2 zum Aufsteiger und mischt aktuell die Brack Super League auf. In fünf Spielen erzielte er bereits vier Tore. Nur Alessandro Vogt, der Youngster aus St. Gallen, hat bisher mit fünf Treffern mehr Tore erzielt. Vor drei Jahren spielte Ibayi noch in der vierthöchsten französischen Liga. Nun sind wir gespannt, was wir diese Saison vom 30-jährigen Korsen noch geboten bekommen und ob die Verteidiger der Brack Super League ihn in den Griff kriegen.

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Die Festung Stockhorn Arena

In der Heimstätte, der Stockhorn Arena, holte man in der Aufstiegssaison aus 17 Spielen 39 Punkte, Bestwert der Challenge League. In der laufenden Spielzeit läufts am «Tor zum Oberland» weiterhin rund. Die Stockhorn Arena ist zur wahren Bastion geworden, die dem Team Sicherheit und Rückhalt bietet. Dabei konnte Thun nicht nur vor heimischem Publikum überzeugen. Im Zürcher Letzigrund etwa wurde der FC Zürich eindrucksvoll mit 4:0 demontiert. 

 

Der nächste Prüfstein: Thun trifft auf die Schwergewichte

Nach der Länderspielpause stehen die bekannten Brocken auf dem Programm. Am 13. September empfängt man den FC Basel zuhause, gefolgt vom Derby gegen die Berner Young Boys zwei Wochen später. Doch unterschätzen werden diese den FC Thun wohl nicht. Angesichts ihrer bisherigen Leistungen gilt es mittlerweile als Erfolg, dem Aufsteiger Punkte abzuknöpfen. Das musste etwa der Rekordmeister Grasshopper Club Zürich einsehen, der sich im direkten Duell mit einem Punkt zufriedengab – zumindest Trainer Scheiblehner zeigte sich versöhnlich mit diesem Ergebnis. Die grössere Enttäuschung war auf der anderen Seite zu spüren: Thuns Captain Marco Bürki hatte sich mehr erhofft und war nach der ersten Punkteteilung der Saison sichtlich enttäuscht. 

Das Wunder von Thun?

Ob der FC Thun weiterhin überzeugt und vielleicht sogar das Undenkbare schafft, darüber kann man momentan nur spekulieren und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Saison ist schliesslich noch jung, und es ist noch deutlich zu früh, um Prognosen zu wagen. Bisher hat es in der Schweiz zumindest noch kein Aufsteiger geschafft, im ersten Jahr den goldenen Pokal zu stemmen. Es bleibt auf jeden Fall spannend und wir hoffen, dass der FC Thun seine Fans weiterhin zu begeistern weiss. Und wieso denn nicht von einem Schweizer Fussballmärchen träumen?

Quelle Titelbild: Freshfocus/SFL

Marius Bachmann

Marketing Manager Editorial Content

Mein erstes Wort war "Ball" – und auch heute noch dreht sich in meinem Leben fast alles um Fussball. Wenn ich nicht gerade selbst auf dem Rasen stehe, schreibe ich hier über die neuesten Entwicklungen im Schweizer und internationalen Fussball und teile meine Gedanken rund um die Brack Super League. Doch meine Leidenschaft für das Schreiben geht darüber hinaus. Ob Sport, Gesellschaft oder Kultur – ich schreibe, weil Sprache für mich mehr ist als Mittel zum Zweck: Sie ist Werkzeug, Spielplatz und Zuhause zugleich.

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