
Wir müssen über Leerzeichen reden.
Es ist unsichtbar. Es ist lautlos. Doch wenn es fehlt, sticht das sofort ins Auge. Ja, die Rede ist vom Leerzeichen: Dem wohl unscheinbarsten Zeichen unserer Sprache – und doch wichtig genug, um die grösste Taste zu besetzen.
«Du willst über … Leerzeichen schreiben?» Ich liebe das Bild der kollektiven Verwirrung, sobald ich ein Thema dieser Art vorschlage. Glücklicherweise habe ich mir genug Vertrauen erarbeitet, um damit durchzukommen. «Glaubt mir. Es ist spannend.» Oder zumindest war es das, als ich mich damit vor anderen Pflichten drückte.
Im Netz wabern verschiedene Quellen, die besagen, das Leerzeichen würde öfter genutzt als jeder Buchstabe. Mehr noch als das «E», das sowohl im Deutschen als auch im Englischen den ersten Platz belegt. Ganz schön ironisch: Wir schreiben unzählige Texte, verschwenden dabei jedoch keinen einzigen Gedanken an das Zeichen, das dabei am häufigsten vorkommt. Da kann einem die Leertaste beinahe schon leidtun – schliesslich dürfte sie sich am ehesten abnutzen.
So langweilig das Leerzeichen auch erscheinen mag, so spielt es doch eine wesentliche Rolle. Eine, die wir erst wertzuschätzen lernen, wenn sie nicht mehr erfüllt wird. Aber zurück zum Anfang dieser Geschichte.
Japanisch so: «Wer braucht schon Leerzeichen?»
Alles begann damit, dass ich Japanisch lernen wollte. Und so setzte ich dort an, wo alle ansetzen, denen die grundlegendsten Grundlagen fehlen: Hiragana und ein paar Standardsätze. Zwischen einer Handvoll Karteikarten und den endlosen Drohungen von Duolingo (ja doch, ich hab’ meine Lektion nicht vergessen, meine Güte) fiel mir dann plötzlich auf: «Da sind ja gar keine Leerzeichen …»
Kein Problem, wäre man der Sprache mächtig. SchliesslichkönnenwirauchimDeutschenohneLeerzeichenlesen. Das liegt daran, dass unser Gehirn in der Regel nicht Buchstabe für Buchstabe liest, sondern Muster und Kontext erkennt. Wenn uns die Wörter vertraut sind, kann es die Grenzen zwischen ihnen gut abschätzen. Auchdannwennalleskleingeschriebenist. Angenehm ist es nicht. Doch Deutsch ist nicht Japanisch, und Japanisch hat da seine eigenen Wege.
Die japanische Sprache ist damit übrigens nicht allein: Auch Chinesisch hat keine Leerzeichen – während Thailändisch sie als Satzzeichen und nicht zur Worttrennung nutzt. Und wenn wir weiter darüber sinnieren, kommen wir zum Schluss, dass auch vertrautere Sprachen anders mit ihren Leerzeichen umgehen. So setzt das Französisch in unserem Nachbarland beispielsweise ein Leerzeichen vor Ausrufe- und Fragezeichen (comme ça !). Das dem Deutschen so verwandte Englisch geht Wortungetümen wie Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän aus dem Weg, indem es sie umschreibt oder Leerzeichen zwischen die Begriffe setzt, anstatt sie in einem Kompositum direkt aneinanderzuhängen (wie «toothbrush holder» statt «Zahnbürstenhalter» und «health insurance card» statt «Krankenversicherungskarte»). So bleiben geschlossene Komposita kurz, wie es bei «notebook» oder «classroom» der Fall ist.
So kam es jedenfalls, dass ich in den Leerzeichen-Kaninchenbau gefallen bin. Und wenn ich schon dabei bin, kann ich gleich tiefer eintauchen.
Wenn selbst das Nichts Nuancen hat
Leerzeichen sagt sich so einfach – vergessen wir an der Stelle aber nicht, dass es auch davon verschiedene Sorten gibt. Richtig gelesen: Leerzeichen ist nicht gleich Leerzeichen, und vermutlich bist du in deiner Laufbahn bereits irgendwann auf den Geschmack dieser Vielfalt gekommen. Oder auch nicht. Wikipedia jedenfalls listet ganze 18 verschiedene Leerzeichen, darunter …
- Das normale Leerzeichen, das wir kennen und ab heute hoffentlich auch lieben. Allein schon dafür, dass es so schön unkompliziert ist.
- Das geschützte Leerzeichen, das wir benutzen, wenn wir nicht wollen, dass bei «15 Kilogramm» das Kilogramm versehentlich auf die nächste Zeile rutscht. Oder kurz: Es sorgt für bessere Lesbarkeit, indem es automatische Zeilenumbrüche verhindert.
- Das schmale Leerzeichen, das dafür vorgesehen ist, Einheiten (15%), Abkürzungen (z.B.) und Zahlen (10000) optisch ansprechend zu trennen. Und keine Sorge: Auch davon gibt es eine geschützte Version, die keinen Umbruch erlaubt (UnicodeU+202F).
- Das Halbgeviert-Leerzeichen, das für einen grösseren Abstand sorgt, beispielsweise nach einem Aufzählungszeichen.
- Das Viertel- und Sechstelgeviert-Leerzeichen, die Zahlenfolgen wie Telefonnummern besser lesbar machen können.
- Das breitenlose Leereichen (Zero-Width Space), bei dem es sich um ein unsichtbares Leerzeichen handelt, das keinen Abstand verursacht. Es ist da, um einen Umbruch zu ermöglich, beispielsweise wenn eine E-Mailadresse nicht komplett auf die nächste Zeile rücken soll.
… und noch viel mehr, die dir in diesem Beitrag jedoch erspart bleiben.
Mit «Abstand» die häufigsten Fehler
Bei dieser Vielfalt die richtige Wahl zu treffen ist nicht immer einfach. Aber die häufigsten Fehler entstehen nicht bei der Wahl, sondern bei der Frage, ob überhaupt ein Leerzeichen gesetzt werden muss. Denn Hand aufs Herz: Über Leerzeichen zerbrechen wir uns erst den Kopf, wenn wir nicht wissen, ob da eins hingehört oder nicht. Die Leiden des Leerzeichens kennen wirklich kein Ende.
Um seinen Schmerz zu lindern, sehen wir uns jetzt mal ein paar der häufigsten Fehler mit Leerzeichen in der deutschen Sprache an:
- z.B. braucht ein Leerzeichen: z. B., d. h., o. Ä., i. d. R
- 12km braucht ein Leerzeichen: 12 km, 15 m, 3 kg, 7 l
- 5€ braucht ein Leerzeichen: 5 €, 7 £, 8 $, 10 CHF, 15 EUR
- 19°C braucht ein Leerzeichen: 19 °C, 7 °C, 23 °C,
- 90 ° hingegen braucht kein Leerzeichen: 90°, 180°, 360°
- Auslassungszeichen brauchen ein vorangehendes Leerzeichen: in … etwa … so
- Nicht jedoch, wenn ein Wort…unterbruch erfolgt, hier ein Beispie…
Stille Wasser(-Zeichen) sind tief
Vielleicht kennst du Wasserzeichen nur als die halbdurchlässigen Logos und Wörter über Bildern, die du bei deiner Präsentation eigentlich hättest gut gebrauchen können. Vielleicht kennst du sie auch bloss als grosse, halbdurchsichtigen Wörter auf Dokumenten, wie beispielsweise «KOPIE» oder «ENTWURF». Tatsache ist aber, dass sie sich auch in Texten breitmachen können. Mithilfe von Leerzeichen. Und zwar unbemerkt.
Ein Leerzeichen trägt jedoch keine heimlichen Daten in sich, und besonders das normale Leereichen (U+0020) ist harmlos. Texte können aber über abwechselnde Leerzeichen-Variationen oder über leerzeichenähnliche Unicode-Zeichen wassergezeichnet werden. Das bedeutet so viel wie: Zwischen Wörtern und Buchstaben können sich Codes verstecken, die du nicht siehst, ausser du lässt sie dir anzeigen.
Abschliessend getrennt betrachtet
Am Ende bleibt das Leerzeichen das, was es immer war: unscheinbar, selbstverständlich, und doch unverzichtbar. Was für eine Rolle es in unserem Alltag spielt, merken wir wohl erst, wenn sich die Leertaste verabschiedet. OderwirsoeinenTextvorgesetztbekommen. Wenn du bis hierhin gelesen hast, hast du dem Leerzeichen aber erstmal genug Respekt gezollt. Und ich … ich habe es geschafft, einen gesamten Beitrag über Leerzeichen zu schreiben, ohne dabei einmal ins Stocken zu kommen. Ob das wohl ein gutes «Zeichen» ist?
Quelle Titelbild: Sora AI
Marketing Manager Editorial Content
Wenn ich mal nicht gerade damit beschäftigt bin, meiner literarisch-kreativen Ader freien Lauf zu lassen, stecke ich höchstwahrscheinlich in einem Netflix-Marathon fest («Nur noch eine Folge!»), unterhalte ich mich angeregt über die verschiedensten Themen, lese ein gutes Buch oder fordere mich selbst mit einem neuen Hobby heraus. Meine Wissbegierde kennt keine Grenzen, und hier habe ich die Möglichkeit, sie auszuleben und mit anderen zu teilen.
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