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Tradition neu interpretiert: Wie Gua Sha zum Beauty-Trend wurde

19.03.2026

Auf TikTok versprechen Gua-Sha-Steine straffere Haut, eine definierte «Jawline» und einen natürlichen Glow. Doch ist das mehr als nur ein Beauty-Trend? Wir werfen einen Blick auf die über 2000 Jahre alte Tradition.

Auf Social Media tauchen immer wieder Trends auf, die das Publikum in den Bann ziehen. Erst kürzlich machte «Chinamaxxing» die Runde. Dieses Social-Media-Phänomen greift verschiedene Praktiken aus China auf; etwa warmes Wasser trinken, TaiChi üben oder Congee zum Frühstück löffeln. 

Doch der Hype um asiatische Rituale ist nicht neu. Schon seit einigen Jahren begeistert Gua Sha die westliche Beauty-Community. Auf Social Media wirkt die Anwendung sanft, elegant und beinahe meditativ. Influencer:innen streichen mit glatten Steinen über Wangen und Kiefer, versprechen definierte Konturen und einen natürlichen Glow. Doch die Version, die auf Instagram und TikTok viral gegangen ist, hat mit dem traditionellen Gua Sha aus Fernost nur noch bedingt zu tun. 

Woher kommt Gua Sha?

Gua Sha (刮痧) ist eine traditionelle Heilmethode aus China, deren Wurzeln mehr als 2000 Jahre zurückreichen. Schon der Name erklärt das Prinzip: gua bedeutet so viel wie «schaben», sha kann «akute Erkrankung» bedeuten, beschreibt aber auch die rötlichen bis violetten Hautverfärbungen, die während der Behandlung entstehen. Beim traditionellen Gua Sha geht es also darum, Beschwerden durch wiederholte, kräftige Bewegungen über die Haut «herauszuschaben».

Wie wird Gua Sha traditionell angewendet?

Anders als die zarte Selfcare-Version, die heute auf Social Media kursiert, findet traditionelles Gua Sha vor allem am Körper statt – am Rücken, an Armen, Beinen oder am Bauch.

Als Werkzeug dient ein Gegenstand mit glatter Kante; früher häufig ein Stück Horn, heute meist ein Jadestein oder ganz pragmatisch die Rückseite eines Löffels. Der Ablauf ist simpel: Die Haut wird eingeölt, dann wird mit Druck immer wieder in eine Richtung gestrichen. Dabei entstehen die typischen Rötungen und Petechien, die Teil der Behandlung sind und nach einigen Tagen wieder verblassen.

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Traditionelles Gua Sha hinterlässt Spuren. Quelle: Adobe Stock | 36572367

Gua Sha in der traditionellen chinesischen Medizin

In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) gehört Gua Sha neben Akupunktur, Massage und Schröpfen zu den klassischen Behandlungstechniken. Die Methode basiert auf dem Konzept des Qi – der Lebensenergie, die durch den Körper fliesst. Gerät dieser Energiefluss ins Stocken, kann das laut TCM zu gesundheitlichen Problemen führen. Durch das Schaben soll Gua Sha helfen, Blockaden zu lösen, den Lymphfluss anzuregen, die Durchblutung zu fördern und Schmerzen zu lindern. 

Eingesetzt wird die Technik unter anderem bei Muskel- und Gelenkschmerzen, Rückenbeschwerden, Entzündungen oder zur Unterstützung des Immunsystems. Die Wirkung beruht grösstenteils auf traditionellem Wissen; wissenschaftliche Belege gibt es bislang nur punktuell.

Der Weg zum Beauty-Trend

Wie bei so vielen Trends spielte auch bei Gua Sha Social Media eine entscheidende Rolle. Auf TikTok und Instagram finden sich unzählige Videos, in denen «Jawline Sculpting», «Depuffing» oder ein «Eyebrow Lift» in eindrucksvollen Vorher-Nachher-Transformationen präsentiert werden. Auch Promis wie Gwyneth Paltrow und Kendall Jenner schwören auf die Anwendung und haben Gua Sha zum Must-have für die moderne Selfcare-Routine gemacht.

Bei der heute verbreiteten Gesichtsvariante wird allerdings mit deutlich weniger Druck und viel langsameren Bewegungen gearbeitet als beim traditionellen Gua Sha. Das Schaben wird zu einer Art Mini-Massage, die eher auf Lymphdrainage, Entspannung und prallere Haut abzielt als auf medizinische Wirkung.

Gua Sha reiht sich ein in eine Reihe ähnlicher Beauty-Trends, die auf Massage und manuelle Stimulation setzen: Jade- und Rosenquarzroller, Face Yoga und Lymphdrainage-Massagen fürs Gesicht. Sie bedienen den Wunsch nach sanften, natürlichen Tools, die sich unkompliziert in die tägliche Routine integrieren lassen – und dabei natürlich auch gut auf Social Media aussehen.

 

 

Bringt Gua Sha im Gesicht wirklich etwas?

Viele der online versprochenen Effekte – etwa straffere Haut oder Anti-Aging – sind wissenschaftlich bislang nicht belegt. Die Dermatologin Dr. Yael Adler erklärt, dass Tools wie Gua Sha vor allem kurzfristige Effekte haben können. Die Haut kann nach der Anwendung praller und rosiger erscheinen. Der eigentliche Nutzen liegt daher weniger in spektakulären Langzeitergebnissen als im Wellness- und Entspannungsfaktor. 

Ein wichtiger Unterschied zum traditionellen Gua Sha: Im Gesicht sollte man auf Öl als Gleithilfe verzichten, da es die Haut austrocknen kann. Besser sind reichhaltige Gesichtscremes oder -salben. Wichtig ist ausserdem, das Tool vor der Anwendung gründlich zu reinigen. Bei Entzündungen, Hautirritationen oder Verletzungen sollte man auf Gua Sha im Gesicht verzichten, um die Haut nicht zusätzlich zu strapazieren.

Fazit

Gua Sha zeigt, wie sich alte Heilpraktiken durch Social Media neu erfinden können. Für die einen bleibt es eine kraftvolle Behandlung aus der traditionellen Medizin, für viele ist es heute aber vor allem ein ästhetisches Beauty-Ritual. Wer das Tool sanft anwendet und realistische Erwartungen hat, profitiert von einem kurzen Frischekick und einem Moment der Entspannung. Damit ist Gua Sha weniger ein Wundermittel als vielmehr ein kleines Ritual der Achtsamkeit. Und manchmal ist das ja schon Grund genug, um einen Trend für sich selbst auszuprobieren.

 

Quelle Titelbild: Unsplash | George Dagerotip

Eliane Lee

Marketing Manager Editorial Content

Ich liebe es, in andere Welten einzutauchen, sei es durch spannende Geschichten, mit Reisen in ferne Länder und Kulturen oder in meinem eigenen kleinen Garten – ich bin immer auf Entdeckungsreise. Und wenn es Zeit wird, die Seele baumeln zu lassen, findet ihr mich auf der Yogamatte oder mit einem guten Buch in der Hand.

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