
Abseits – nicht mehr abseits des Verständlichen. Hoffentlich.
Die Fahne hebt sich, ein Pfiff ertönt, der Kommentator horcht auf. «Abseits.» Und schon spalten sich die Zuschauenden in zwei Lager: Diejenigen, die Ahnung von Fussball haben, und diejenigen, die ihre Köpfe fragend in deren Richtung drehen. Ratlose Blicke treffen auf Seufzer, frustreiche Erklärungen auf Unverständnis. Wie es endet? «Ach so, jetzt verstehe ich es!» Nicht.
Stellen wir uns zwei Freunde vor, die gemeinsam Fussball schauen: Jonas, ein richtiger Superfan mit Unmengen an Fussballwissen, und Tom, der sich im Grunde einfach nur angeschlossen hat, um in den Mittagspausen halbwegs mitreden zu können. Plötzlich pfeift die Schiedsrichterin. Der Kommentator verweist auf ein Abseits. Tom runzelt die Stirn. «Was soll daran jetzt falsch gewesen sein?», fragt er merklich verwirrt. «Na, Abseits», antwortet Jonas. Tom sieht ihn unsicher an. Jonas seufzt und ergänzt: «Da war kein zweiter Abwehrspieler vor ihm und er hat den Ball angenommen. Verstehst du?»
Tom nickt. Tom hat es nicht verstanden. Tom wird das nächste Mal wieder fragen.
«Was ist daran so schwer zu verstehen?»
Ganz ehrlich; als mir die Abseitsregel zum ersten Mal erklärt wurde, hatte sich auch mein Gehirn verknotet. Ich war wie Tom, Tom war wie ich. Beide keine Einzelfälle (tut mir leid, Jonas). Doch wieso eigentlich ist es gerade diese Regel, die vielen Schwierigkeiten bereitet? Nun, zum einen ist die Regel situativ und hat einige Bedingungen und Ausnahmen, zum anderen wird sie meistens im Eifer des Gefechts erklärt, während die Blicke gespannt auf das Spiel gerichtet sind. Darüber hinaus erfordert sie räumliches Vorstellungsvermögen, weswegen Worte manchmal nicht ausreichen. (Versuch es Tom zuliebe vielleicht mal mit Gummibärchen, Jonas.)
Die Abseitsregel, endlich verständlich
Ob du nun wie Tom oder wie Jonas bist – verzage nicht, denn ich habe mich tiefgehend mit diesem Thema auseinandergesetzt und eine einfache Erklärung verfasst. Eine, die Jonas seinem geschätzten Freund einfach weiterleiten kann, bevor ihm dieser noch den Weg zur Migräne ebnet (nichts für Ungut, Tom). Stell dir folgendes Szenario vor:
Tom spielt Jonas den Ball zu.
In dem Moment, in dem Tom den Ball abgibt, …
… befindet sich Jonas im gegnerischen Spielfeld,
… steht näher zur Torlinie (also zum Tor) als der Ball,
… steht näher zur Torlinie als zwei Personen aus dem gegnerischen Team (Torwart:in zählt auch)
… und greift danach in das Spielgeschehen ein, indem er z. B. Toms Ball annimmt.
Damit sind alle Bedingungen für ein Abseits erfüllt und die Schiedsrichterin oder der Schiedsrichter unterbricht das Spiel. Wichtig: Es geht um den Moment, in dem Tom ihm den Ball zuspielt, sprich zum letzten Mal berührt. Nicht um den Moment, in dem Jonas den Ball annimmt.
Ein:e Spieler:in steht also im Abseits, wenn sie oder er im Moment des Passes näher zur gegnerischen Torlinie steht als der Ball und die oder der vorletzte Abwehrspieler:in – und aktiv ins Spiel eingreift. Dabei spielt es keine Rolle, ob er oder sie aufs Tor schiesst, zurückpasst oder den Ball nur leicht berührt.
In diesen Fällen gilt kein Abseits
Die Abseitsregel greift nicht ein, wenn zum Zeitpunkt von Toms Ballabgabe…
Jonas sich in der eigenen Spielfeldhälfte befindet.
Jonas hinter oder auf gleicher Höhe mit der oder dem vorletzten Abwehrspieler:in ist.
Jonas hinter oder auf gleicher Höhe mit dem Ball ist.
Der Ball von jemandem aus dem gegnerischen Team kommt.
Der Ball aus einem Einwurf, Eckstoss oder Abstoss kommt.
Jonas nicht ins Spiel eingreift (passives Abseits).
Sobald einer dieser Punkte erfüllt ist, gilt kein Abseits und das Spiel wird nicht unterbrochen.
Was passiert bei einem Abseits?
Bei einem Abseits pfeift die Schiedsrichterin oder der Schiedsrichter das Spiel ab und die gegnerische Mannschaft erhält einen indirekten Freistoss an der Stelle, an der das Abseitsvergehen begonnen hat. Die Regel sorgt dafür, dass das Spiel fair bleibt und keine Spieler:innen dauerhaft in Tornähe auf einen Pass warten. So gibt es mehr Dynamik im Spiel.
Und das, Tom, ist Abseits
Wenn Tom das nächste Mal fragt, was da gerade los war, kann Jonas ihm einfach gelassen diesen Beitrag schicken. Vielleicht wird er es nicht sofort verstehen, vielleicht fragt er trotzdem wieder; ein drittes Mal, ein viertes Mal sogar. Aber irgendwann hebt sich die Fahne, der Pfiff ertönt, und bevor Jonas etwas sagen kann, murmelt Tom leise: «Abseits.» Das ist der Augenblick, an dem sich Jonas’ Mühen endlich bezahlt machen. Er lächelt stolz. «Ganz genau, Tom. Ganz genau.»
Quelle Titelbild: Adobe Stock | 142075558
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Wenn ich mal nicht gerade damit beschäftigt bin, meiner literarisch-kreativen Ader freien Lauf zu lassen, stecke ich höchstwahrscheinlich in einem Netflix-Marathon fest («Nur noch eine Folge!»), unterhalte ich mich angeregt über die verschiedensten Themen, lese ein gutes Buch oder fordere mich selbst mit einem neuen Hobby heraus. Meine Wissbegierde kennt keine Grenzen, und hier habe ich die Möglichkeit, sie auszuleben und mit anderen zu teilen.
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