Brack Logo

Hahaha, so lacht die Welt im Internet

«asadfasdfdga» steht neben ihrer Nachricht. Ein Keyboard-Smash … ist sie sauer? Überfordert? Kurz vor einem Nervenzusammenbruch? Oder tobt vielleicht ihre Katze auf der Tastatur? – Nein. Sie hat bloss gelacht. Und zwar auf Türkisch.

Wann ich wohl meine Angewohnheit loswerde, einfach Katzenbilder zu platzieren, wenn ich mal kein überzeugendes Titelbild finde? Diesmal hat mich jedenfalls niemand aufgehalten. Zum Glück. Aber zurück zum Thema.

Wie wir Lachen artikulieren

Akustisch mag unser Lachen einzigartig sein, schriftlich jedoch haben sich einige Standards durchgesetzt. Manche von uns sind (mehr oder minder) universell unterwegs und nutzen Emojis oder Emoticons. Andere, wie beispielsweise ich, gelegentlich, schreiben etwas wie: «hahahaha», oder exzentrischer «ahahahaha», oder ein leicht verzweifeltes und ungläubiges «ahaha» – oder aber ein minimal hysterisches «HAHAHAHA». Es ist die Art, wie wir unser Lachen im Internet ausdrücken. In Chats, zum Beispiel, oder in den Kommentaren.

Damit betreiben wir sogenannte «Lautmalerei» (auch als «Onomatopoesie» bekannt, aber muten wir unserem Gedächtnis mal nicht zu viel zu). Die Lautmalerei übersetzt Laute in Worte. Wer viel liest, allem voran Comics, kennt mit Sicherheit das Ticktack der Uhr, das Miau der Katze oder das Peng eines Schusses. Dasselbe geschieht mit dem Lachen. Und wie bei Lautmalerei so üblich, gibt es da einige sprachliche Unterschiede. 

Lachen ist nicht gleich lachen

Das ist nicht weiter verwunderlich: Je nach Sprache werden Laute anders transkribiert, und gerade Lachen bietet sich für diese Unterschiede an. Es gibt schliesslich auch nicht das eine Lachen, genauso wenig wie unser Lachen. Es gibt dein Lachen, mein Lachen, und das Lachen von über acht Milliarden anderen Menschen. Und während viele Länder sich wie wir mit «hahaha» behelfen, gehen andere ganz eigene Wege. So auch die Türkei.

Oftmals liegt es daran, dass die Buchstaben in den jeweiligen Sprachen anders ausgesprochen werden, oder die Sprachen über ein anderes Alphabet verfügen. Manchmal ist es aber auch reine Internetkultur.

Nun denn: Tauchen wir in die Welt der Gelächter ein.

Wie Europa lacht

Wer auf Türkisch lachen möchte, darf ordentlich auf die Tasten hauen – in der Regel auf die mittlere Tastaturreihe. Nicht umsonst ist «asdasddasjjsjsjsj» (wohlbemerkt in seinen verschiedensten Variationen) das türkische Äquivalent zu «hahahaha». Aber die Türkei ist da mit seiner Sonderform nicht allein.

Während «hahaha» im kyrillischen Alphabet als «xaxaxa» geschrieben wird, sowie in Russland oft auch online auf diese Weise verwendet, hat sich im Netz noch eine weitere Form durchgesetzt: nämlich «))))))». Richtig, Klammer zu. Die Anzahl der Klammern bestimmt, wie stark das Lachen ist. Der Ursprung? Ganz einfach, sie lassen den Doppelpunkt beim Emoticon «:)» aus und demonstrieren ihr Lächeln und Lachen nur mit der Klammer. Bei Griechenland sieht es ähnlich aus wie bei Russland, abgesehen von der Klammer-Geschichte.

Wir halten also fest (und ergänzen):

  • Türkeiasdasd, sjsjsj und Ähnliches
  • Russland)))))), xaxaxa (und Varianten davon, wie xexe, gleichbedeutend wie unser «hehe»)
  • Griechenlandχαχαχα (und auch hier Varianten davon, wie χεχεχε, gleichbedeutend wie unser «hehehe»)
  • Norwegen → nebst haha findet sich unter anderem auch høhø (tiefes und/oder ironisches Lachen), was sich aber mehr wie ein «höhö» liest
  • Dänemark → nebst haha gibt es unter anderem auch hæhæhæ
  • Italien → oft ahahah (statt hahaha), auch eheheh für eher leises/ironisches Lachen
  • Frankreich → eher Abkürzungen statt Lautmalerei, wie mdr («mort de rire» = tot vor Lachen), ptdr (noch stärker), daneben héhéhé (unser «hehehe») sowie ahahah
  • Und mehr, aber es gibt noch viel zu entdecken, also führen wir die Reise lieber woanders weiter.

Motivierendes GIF: Hau einfach auf die Tasten.
Nein, da muss ich dich enttäuschen, so liest sich das «høhøhø» aus Norwegen nicht. Quelle eingebettetes GIF: GIPHY

Auch in Spanien lacht es sich etwas anders – so wie in Mexiko, Kolumbien und Argentinien, nämlich. Oder korrekter: So wie im spanischsprechenden Raum generell.

Wie Lateinamerika lacht

Im spanischsprechenden Raum kommt «jajaja» statt «hahaha» zum Zug, sowohl in Lateinamerika als auch in Spanien. Das hat mit unserem deutschen «Jaja», was Desinteresse und Sarkasmus ausdrückt, jedoch herzlich wenig zu tun. «Jajaja» liest sich auf Spanisch wie «hahaha» auf Deutsch. Und wie bei uns gibt es auch davon verschiedene Varianten, darunter «jejeje», «jijiji» und «jojojo». Anders sieht es in Brasilien aus, das zwar in Südamerika angesiedelt sein mag, sich beim Lachen jedoch mit dem Buchstaben K begnügt: «kkkkk».

  • Spanischsprechender Raum → jajaja (Standardform, weil das spanische J wie ein deutsches H klingt), dazu Varianten wie jejeje, jijiji, jojojo; in jüngerer Netzsprache teils auch jsjsjs
  • Brasilienkkkkkk als Klassiker, daneben rsrsrs (von risos, «Lachen»)

Mit «kkkkk» steht Brasilien auf der Weltkarte aber nicht allein da – dank Ländern wie Portugal, Angola und Südkorea.

Wie Ost- & Südostasien lacht

In Südkorea nämlich wird Lachen mit K oder H ausgedrückt, allerdings in ihrem Alphabet Hangul. So schreibt sich «kkk» als «ㅋㅋㅋ» und «hhh» als «ㅎㅎㅎ». Japan hingegen verwendet das W (etwa so: «wwwww») als lateinischen Buchtstaben, also weder Hiragana noch Katakana noch Kanji. Indonesien mischt da ein K darunter: «wkwkwk». China bleibt mit ihrem «哈哈» (hāhā) erstaunlich nahe bei uns – doch Achtung; die Variante «呵呵»  (hēhē) kann beleidigend sein, und darüber hinaus hat sich die Zahl «2333» im Internet ebenfalls als Lachen etabliert. China ist jedoch nicht das einzige Land mit einer Zahl, um das Lachen auszudrücken, schliesslich verwendet Thailand «55555», da sich die Fünf in ihrer Sprache wie ein «ha» liest.

  • Südkoreaㅋㅋㅋ, ㅎㅎㅎ (k = laut, h = weich; Wiederholung verstärkt)
  • Japanwwwww, auch , «kusa» ausgesprochen, übersetzt «Gras» («w» von warau = lachen; und «Gras» als Meme-Symbol, weil viele W nebeneinander wie wachsendes Gras aussehen … ja, doch, da ist was dran)
  • Indonesienwkwkwk
  • China哈哈, 2333, teils 呵呵 (hāhā = Standard, 2333 = Internet-Slang, hēhē kann sarkastisch sein)
  • Thailand55555 (5 = «ha», daher «hahaha»)

Übrigens heisst «haha» (母 / はは) auf Japanisch «Mutter», weswegen man mit «hahahaha» wiederholt «Mutter» ausrufen würde. Schliesslich hat Japanisch auch keine Leerzeichen. Ach ja, und das japanische 草 für das Lachen meidest du im Chinesischen vielleicht lieber, da das Zeichen da mit Lachen nichts zu tun hat (obwohl es ebenfalls Gras bedeuten soll). Da ist es vielmehr ... ein Ersatz für ein ähnlich klingendes chinesisches Fluchwort.

Es lacht sich aber auch anders

Abgesehen davon, dass es auf der Welt noch viele andere Sprachen gibt, in denen das Lachen anders ausgedrückt wird, wären da natürlich noch die typischen Internet-Abkürzungen wie «lmao» oder «lol». Immer noch sehr geläufig sind auch Emoticons wie «xD», und inzwischen gibt es auch Insider-Ausdrücke wie «kek», das seinen Ursprung beim Onlinespiel World of Warcraft findet.

Die Welt lacht herzlich, und sie lacht vielfältig. Wenn du eine der obigen Sprachen lernst, kannst du jetzt vielleicht mitlachen – behalte aber im Hinterkopf, dass die Art des Lachens auch die Bedeutung verändert. Ein «haha» ist schliesslich nicht dasselbe wie ein «hihi» oder «hehe».

Duygu Özdemir

Marketing Manager Editorial Content

Wenn ich mal nicht gerade damit beschäftigt bin, meiner literarisch-kreativen Ader freien Lauf zu lassen, stecke ich höchstwahrscheinlich in einem Netflix-Marathon fest («Nur noch eine Folge!»), unterhalte ich mich angeregt über die verschiedensten Themen, lese ein gutes Buch oder fordere mich selbst mit einem neuen Hobby heraus. Meine Wissbegierde kennt keine Grenzen, und hier habe ich die Möglichkeit, sie auszuleben und mit anderen zu teilen.

Alle Beiträge der Autorin anzeigenicon/arrowRight
,
FacebookLinkedinRedditXWhatsapp