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Zöliakie ist mehr als nur glutenfrei essen

10.03.2026

Mit etwa 12 Jahren bekam ich immer wieder so starke Bauchschmerzen, dass ich zeitweise kaum noch aufstehen konnte. Nach mehreren Arztterminen und Bluttests erhielt ich einige Wochen später die Diagnose, dass ich an Zöliakie leide. In diesem Moment wusste ich weder, was Gluten genau ist, noch dass ein einziger Brotkrümel meinen Alltag dauerhaft verändern kann.

Doch was ist Zöliakie?

Bei Zöliakie entzündet sich die Darmschleimhaut, sobald man Lebensmittel oder Getränke mit Gluten verzehrt. Dabei sind nicht die Weizenarten schädlich, sondern das enthaltene Klebereiweiss, auch Gluten genannt. Dieses Protein hilft bei Gebäcken, dass diese besser zusammenhalten. Gluten ist für den Körper nicht notwendig. Wer darauf verzichtet, hat keine gesundheitlichen Nachteile. 

Für Menschen mit Zöliakie ist Gluten jedoch schädlich. Sobald sie glutenhaltige Lebensmittel oder Getränke zu sich nehmen, reagiert das Immunsystem. Dabei wird die Dünndarmschleimhaut angegriffen und die Darmzotten werden beschädigt Diese kleinen Erhebungen in der Darmschleimhaut sind dafür da, um Nährstoffe aus der Nahrung aufzunehmen. 

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Folgen von Zöliakie im Darm, wenn Gluten gegessen wird. Quelle: Adobe Stock 608591741

Die grosse Frage ist immer: Gibt es eine Heilung dafür?

Die Antwort lautet derzeit leider nein. Aktuell gibt es weder eine Heilung noch ein Medikament, mit dem sich Zöliakie behandeln lässt. Zwar wird seit Jahren daran geforscht, doch bislang ist die einzige wirksame Therapie, sich konsequent an eine glutenfreie Ernährung zu halten. Das bedeutet, dauerhaft auf Gluten zu verzichten, damit der Darm sich erholen kann und auch langfristig gesund bleibt. Denn die Heilung der Darmzotten geht nur sehr langsam voran.

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass der Alltag am Anfang ungewohnt und schwer ist. Nach einiger Zeit richten sich aber von selbst Routinen ein; man lernt Produkte kennen, weiss, wie man Zutatenlisten richtig liest, und findet Alternativen (welche leider aber nicht immer zufriedenstellend sind).

Symptome: Jede Person reagiert anders

Zöliakie kann sich von Person zu Person anders äussern. Manche haben deutliche Beschwerden, wiederum andere bemerken es gar nicht . Je nach Symptomen und Verlauf werden verschiedene Formen der Zöliakie unterschieden.

Klassische Zöliakie zeigt Symptome, welche körperlich spürbar sind.

  • Ständige Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Durchfall
  • Erschöpfung und Müdigkeit aufgrund von Nährstoffmangel
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Gewichtsverlust
  • Verzögerte Pubertät
  • Wachstumsverzögerung bei Kindern

Atypische Zöliakie hat weniger offensichtliche Symptome, die nicht direkt in Verbindung mit Zöliakie gesetzt werden: 

  • Bauchbeschwerden
  • Hautprobleme
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Knochenschmerzen

Bei der stillen Zöliakie wird die Krankheit meist erst durch Bluttests entdeckt. Betroffene haben meist keine oder nur ganz unauffällige Beschwerden. So kann es wirken, als ob es dem Körper gut geht, selbst wenn er bereits belastet ist.

Diese Form ist deswegen schwerer zu erkennen. Ohne klare Symptome wird selten eine Abklärung gemacht. Wenn eine Diagnose erst Jahre später gestellt wird, nehmen gewisse Betroffene diese nicht ernst. Der Alltag hat bisher funktioniert und eine komplett glutenfreie Ernährung ist eine grosse Umstellung. Symptome der stillen Zöliakie sind:

  • Eisenmangel und andere Vitaminmängel (z. B. Vitamin B12, Vitamin D)
  • Blutarmut
  • Depressive Verstimmung (aufgrund Nährstoffmangel)

Kreuzkontamination: Wenn «glutenfrei» nicht glutenfrei ist

Wurde das glutenfreie Brot auf demselben Brotbrett geschnitten wie das normale Brot? Die Spaghetti wurden mit demselben Löffel umgerührt wie die glutenfreien? Oder liegen Croutons auf dem bestellten Salat? Schon ist das Essen nicht mehr glutenfrei, weil es zu einer Kreuzkontamination gekommen ist. 

Kreuzkontamination bedeutet, dass unbeabsichtigt kleinste Spuren von Gluten auf glutenfreie Lebensmittel übertragen wurden. Schon kleinste Mengen an Gluten können bei Personen mit Zöliakie Schaden anrichten. 

Deshalb ist es wichtig, dass beim Kochen darauf geachtet wird. Vor allem in Haushalten, bei denen nur eine Person Zöliakie hat.

Hier einige Tipps aus meinem Alltag, als einzige Person mit Zöliakie in meinem Haushalt:

  • Eigener Toaster für glutenfreies Brot (sonst Toastbag im Toaster, wenn kein eigener Toaster vorhanden ist)
  • Beim Frühstück eigene Butter und Marmelade haben, damit keine Brotkrümel hineingelangen
  • Eigene glutenfreie Schublade mit Lebensmitteln
  • Beim Kochen zuerst die glutenfreien Speisen zubereiten, dann die glutenhaltigen
  • Gewürze, die glutenfrei sind, anschreiben, damit du beim Kochen direkt weisst, welche du verwenden sollst

 

Extra Toaster für die getrennte Zubereitung von glutenfreiem Brot. Quelle: Ileya Knezevic | Brack.Alltron

5 typische Glutenfallen, die viele unterschätzen

Bis heute bin ich immer wieder überrascht, in welchen Lebensmitteln sich Gluten versteckt. Viele Produkte wirken auf den ersten Blick glutenfrei. Deshalb ist es wichtig, die Zutatenlisten gut durchzulesen. 

Bei vielen Gewürzmischungen, Zusatzstoffen oder durch die Herstellung kann Gluten enthalten sein. Auch Produkte, die von Natur aus glutenfrei sind, können während der Produktion durch Kontakt mit Gluten kreuzkontaminiert werden.

Hier sind einige Beispiele, die mich verwundert haben:

  • Sojasauce – Bei der traditionellen Herstellung von Sojasauce wird Weizen hinzugefügt, damit diese mehr Masse hat.
  • Salami – Bei einigen Salamiprodukten werden Gewürzmischungen, Bindemittel oder Zusatzstoffe verwendet, die Gluten enthalten können.
  • Gummibärchen – Es gibt gewisse Gummibärchensorten, die bei der Herstellung Weizenstärke enthalten.
  • Bouillon, egal ob Gemüse oder Fleisch – Enthält oft Gluten als Geschmacksverstärker oder als Bindemittel.
  • Eiscreme – Hier versteckt sich Gluten oft in Verdickungsmitteln. 

Meine Tipps aus dem Alltag

Gewöhne dir an, die Zutatenlisten immer genau anzuschauen. Mit der Zeit lernst du, welche Produkte du essen kannst und welche nicht. Wenn du dir unsicher bist, schau lieber einmal zu viel nach als einmal zu wenig.

Eine Ernährungsberatung kann sehr hilfreich sein, besonders nach der Diagnose. Dort lernst du, welche Lebensmittel glutenfrei sind, worauf du beim Einkaufen achten musst und wie du deine Ernährung im Alltag gut umstellen kannst.

Genauso wichtig ist es, offen darüber zu sprechen. Viele Menschen kennen Zöliakie nicht. Wenn du es ansprichst, können andere es besser verstehen und mehr Rücksicht nehmen. So wird das Bewusstsein für das Thema gestärkt und in Zukunft mehr darauf geachtet. 

Hab immer einen glutenfreien Snack dabei. Wenn du in der Stadt unterwegs bist oder einen Ausflug machst, ist es gut, einen Snack in der Tasche oder dem Rucksack dabeizuhaben. So hast du im Notfall etwas griffbereit, von dem du weisst, dass du es essen kannst.

Tipps für Freunde und Familie

Wenn du für eine Person mit Zöliakie kochst, reinige deine Küchenutensilien gründlich und arbeite mit sauberen Pfannen, Messern und Brettern. Holzlöffel oder Bretter sind dabei ungünstig. Auch wenn sie gut gereinigt sind, können sich Gluten-Reste darin festsetzen.

Viele Menschen mit Zöliakie schätzen es ausserdem, wenn die Verpackung eines verwendeten Produktes nicht direkt weggeschmissen wird. So können sie die Zutatenliste noch einmal selbst anschauen, um absolut sicher zu sein. Das machen sie nicht, weil sie dir nicht vertrauen, sondern weil sie sicherstellen wollen, dass das Produkt wirklich glutenfrei ist.

Zeig Verständnis für die Krankheit. Zöliakie ist keine Ernährungsweise, die man sich aussucht, wie beispielsweise vegetarisch oder vegan zu essen. Sie ist eine medizinische Notwendigkeit.

Fazit: Leben mit Zöliakie

Der Alltag mit Zöliakie wird mit der Zeit einfacher. Trotzdem bleibt die Spontanität oft eingeschränkt, weil Essen häufig im Voraus geplant werden muss. Ich überlege mir immer vorher, ob es an einem Ort glutenfreie Optionen gibt und was ich essen kann. Das kann manchmal sehr ermüdend und frustrierend sein.

Das hält mich aber nicht davon ab, neue Gerichte zu probieren oder andere Länder zu bereisen. Es braucht nur mehr Planung und Zeit. 

Ich hoffe, dieser Blog hat dir einen kleinen Einblick in den Alltag mit Zöliakie verschafft und du weisst jetzt mehr über dieses Thema. Die Inhalte basieren auf meinen persönlichen Erfahrungen und ersetzen daher keine medizinische Beratung. Für genaue Informationen oder bei gesundheitlichen Fragen wende dich bitte an eine medizinische Fachperson.

 

Quelle Titelbild: Adobe Stock 670027045
Ileya Knezevic

Lernende Mediamatikerin

Seit der Primarschule begeistern mich Anime und asiatische Kulturen von Herzen. Ich liebe die Geschichten, die Ästhetik und die Emotionen, die sie in mir auslösen. Genauso wichtig ist mir das Tanzen, weil ich dabei alles um mich herum vergesse und neue Energie tanke. Am liebsten verbringe ich meine Zeit mit Freunden und Familie, weil mir genau diese gemeinsamen Momente am meisten bedeuten.

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