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Ich, das Genie – und ihr, der Rest.

27.11.2025

Schon seit jeher stellte sich mir die Frage, wozu Zweibeiner eigentlich geschaffen wurden. Um mir zu dienen? Um mich zu bewundern? Um Katzenfutter herzustellen? Nein. So lange schon habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, dabei lag es auf der Hand: Sie sind da, um Zeuge meiner Grösse zu werden. Und Katzenfutter herzustellen.

Bis vor ein paar Tagen noch war ich eine einfache, griesgrämige Katze. Jene der Art, die gelegentlich von pubertierenden Kindern – Hilfe – tyrannisiert und von seelenlosen Roboterstaubsaugern gepiesackt wurde. Eine Katze, die entwürdigende Zurufe wie «Schau mal, wie mies gelaunt diese Katze da aussieht; so süüüüüss!» ertragen musste. Eine Katze, der mit scheinheiligem Lächeln und den vernichtenden Worten «Heute probieren wir mal etwas ganz Neues aus!» etwa jede Marketingmasche der in sich zusammenbrechenden Konsumwelt vorgesetzt wurde.

Wie ihr seht, kennt mein Leid kein Ende.

Doch wie gerne ich mich auch weiter in Selbstmitleid gesuhlt hätte, so musste ich irgendwann einsehen: Es liegt an mir, etwas zu ändern. Menschen mögen vielleicht monumentale Gebäude erbaut haben, sie mögen Seen gestaut und Brücken geschlagen, ja, sogar ihren Fuss auf den Mond gesetzt haben – doch einer liebreizenden Katze wie mir den gebührenden Respekt erweisen, nun, das konnten sie nicht. Und die mit Abstand grössten und erschütterndsten aller Respektlosigkeiten sind die Preise für Katzenfutter. Ernsthaft, wieso muss man uns da mitreinziehen?

Na ja, lange Rede, kurzer Sinn: Ich wollte eigentlich nur Katzenfutter, störte mich jedoch so sehr an den Preisen, dass ich mir einen Grosshändler namens Brack herausgepickt habe und in sein Lager eingebrochen bin. Und es verwüstet habe. Und zahlreiche Preisschilder zerkratzt. Und womöglich Massenpanik verursacht. Passiert den Besten.  

Jedenfalls gibt es seit gut vier Tagen massive Rabatte, deshalb.

Bildet euch aber nichts darauf ein.

Dass ich euch damit in die Hände spielte, war nicht mehr als eine Nebenwirkung. Ein kleiner Unfall am Rande; wie eine unscheinbare Beule in der Karosserie, oder ein millimeterdünner Kratzer in der Windschutzscheibe – kaum der Rede wert, und doch so reich in seiner Konsequenz. Es war einfach ein nötiges Übel. Ein Nebeneffekt meines Racheakts. Unbedeutend, unbeabsichtigt, aber grosse Wellen schlagend.  

Soll mir recht sein. Wie Kafka in Der Prozess beschrieb: «Richtiges Auffassen einer Sache und Missverstehen der gleichen Sache schliessen einander nicht vollständig aus.» So wird der Grosshandel den Namen «Blacky» fürchten, bei seinem Klang erzittern und markerschütternde Schreie ausstossen – ihre Kundschaft aber wird mir zujubeln. Für sie bin ich die Heldin dieser Geschichte. Ja; manche werden beim Gedanken an mich aus ihrem Schlaf gerissen werden, keuchend und schweissgebadet aufwachen, während andere Lobeshymnen singen.

Eins jedoch haben alle Zweibeiner gemeinsam: Sie sind Nebenfiguren, um mein Genie in ihren schlauen Büchern festzuhalten, um Statuen von mir zu errichten und meine Habseligkeiten in hoch frequentierten Museen auszustellen.

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Bewundert meinen Catwalk. Quelle: brinkertlück

Es ist an der Zeit, dass ich übernehme.

Nicht aus Hass, nicht aus Langeweile, sondern aus purer Notwendigkeit. Ihr habt mir den Weg zum Grössenwahn geebnet, und nun wage ich den nächsten Schritt und eröffne euch meine glorreichen Visionen. Ich habe sie akribisch geplant, jeden Punkt sorgfältig durchdacht und ausgefeilt, bis sich mir das Bild absoluter Perfektion offenbarte: Die MIAU-Partei (Mein Imperium, Alle Untertan). Es ist schliesslich höchste Zeit, dass ich die Zügel in die Hand nehme. Nicht, weil ich es will, sondern weil niemand sonst es so gut könnte wie ich. Ich bin schlichtweg ein Opfer meiner Kompetenz. Ein Tribut meiner Unfehlbarkeit. So fähig, dass es einer Sünde gleichkäme, der Welt meine Genialität vorzuenthalten.

Ein paar meiner bahnbrechenden Ideen kann ich schon mal mit euch teilen:

  • Tiefpreise, und zwar für mich. Jede Dose Katzenfutter darf maximal so viel kosten, wie ein einzelnes Schnurrhaar wiegt – und das ist exakt 0.000… nun, wie auch immer, es ist jedenfalls sehr wenig. Für den Rest von euch organisiere ich ein paar Aktionen oder so.
  • Staubsauger-Verbot, schweizweit, und für diese stumpfsinnigen Roboterstaubsauger soll die Strafe besonders hoch ausfallen. Wie können sie es auch wagen, meinen Schlaf zu stören? Die Empörung sitzt knochentief.
  • Katzenminze-Pflicht, egal ob im Garten, Balkonkasten oder Blumentopf. So wird die Umgebung halbwegs erträglich für mich. Wieso das so wichtig ist? Weil es mich glücklich macht – und glaubt mir, wenn ich glücklich bin, ist die Welt ein besserer Ort.
  • Katzenfutter-Automaten an jeder Strassenecke. Sogenannte Miaulecta; bestückt mit reicher, kulinarischer Auswahl. Ich allein bestimme, was reinkommt. Keine Sorge, ich bin da nicht schwierig. Wie Oscar Wilde einst sagte: «Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.»
  • Und Kartonschachteln. Ganz viele Kartonschachteln. Die von Brack sind – und zum ersten Mal lobe ich in so hohen Tönen – ganz akzeptabel. Die nehmen wir.

Wir sehen uns wieder. Oder auch nicht.

Mein Werk ist vollbracht. Die Regale stehen schief, die Preise sind gefallen, und irgendwo weit in der Ferne summt noch ein Gabelstapler sein letztes Klagelied auf die Ordnung vergangener Tage. Nun aber muss ich mich Grösserem widmen. Mein subtiler, kleiner und überhaupt nicht überspitzer Rachefeldzug konnte mir zwar als netten Zeitvertreib dienen, jedoch nicht die Genugtuung geben, die mich satt fühlen lässt – wie Nassfutter, das mehr Nass als Futter hat.

Schweren Gemüts verlasse ich nun also das Lager; trage dabei das wunderschöne und unsagbar tröstliche Bild von Chaos im Herzen, das mir an schweren Tagen Mut bescheren wird. Während ich graziös durch die Papierfetzen laufe, die einst Preisschilder waren und nun wie Konfetti vom Himmel regnen, komme ich ins Grübeln.

Wie hatte das Ganze eigentlich nochmal angefangen?

Ach ja. Preise für Katzenfutter. Schlimm.

 

Quelle Titelbild: brinkertlück

Blacky

Katzensturz

Ich bin, wie ich bin. Lieb mich oder tu uns beiden einen Gefallen und lieb mich nicht. Halte mir aber ja hohe Preise vom Leib – ganz egal, wie gerechtfertigt sie sein sollen.

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