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PrimeBook Circular im Test: Dieses Notebook hat mehr als ein Leben

Prime Computer lanciert das PrimeBook Circular – der erste Laptop mit «Circular Modularity», einem Prinzip, das beispiellose Langlebigkeit und Nachrüstbarkeit verspricht. Wir werfen einen Blick auf den Rechner und erklären, was dahintersteckt.

Modulare Laptops sind zwar eher selten, aber die Idee an sich ist nicht neu. Schon beim Panasonic ToughBook 55 gab es Erweiterungsmodule für Schnittstellen, Grafikkarten oder Laufwerke. Die Serie richtete sich aber eher an Anwender aus Industrie und Behörden. Etwas näher am Endanwender bewegt sich der Framework-Laptop. Dieser ist vollmodular, aber für Anwender ohne gute, technische Vorkenntnisse eher zu kompliziert. Das Schweizer PrimeBook Circular schlägt mit Upgrade-Komplettmodulen eine Art Mittelweg ein. Dieser soll auch eher unerfahrenen Nutzern erlauben, einfach nachzurüsten. Damit bildet es den Startschuss der «Circular»-Produktlinie, welche mit dem «Circular Modularity»-Prinzip beeindruckende Langlebigkeit und Nachhaltigkeit verspricht. Was es damit auf sich hat, wie gut das funktioniert und was der Laptop sonst noch bietet, lesen Sie in diesem Blog.

Im «Circular Modularity»-Prinzip finden ausgediente Komponenten ein neues Leben in anderen Geräten

Wie funktioniert «Circular Modularity»?

Herzstück aller Rechner aus der «Circular»-Produktreihe ist das Intel NUC Compute Element. Das ist eine Art Steckkarte im Kreditkartenformat, die ein «All-in-One»-Paket bildet: Sie umfasst den Prozessor samt Grafikeinheit, den Arbeitsspeicher, aber auch I/O-Elemente wie das WLAN-Modul. Die Idee dahinter: Wenn man den Rechner nach ein paar Jahren aufrüsten möchte, tauscht man einfach das NUC Compute Element aus. So ist der Rechner in wenigen Minuten wieder auf dem neuesten Stand der Technik.

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Herzstück der «Circular»-Reihe: Das Intel NUC Compute Element

Das alte Modul muss aber nicht auf den Müll wandern. Es lässt sich in anderen «Circular»-Rechnern weiterverwenden. Das ergibt Sinn: Nicht jede Tätigkeit in einem Unternehmen hat die gleichen Hardware-Anforderungen. Manche brauchen neue, leistungsstarke Hardware für aufwendige Grafikanwendungen. Anderen reicht hingegen Basishardware für genügsamere Office-Apps. Bringt man ein High-End-Gerät mit einer neuen NUC-Karte auf den neusten Stand, kann man mit dem freigewordenen Element die anderen Rechner gleich mitaufrüsten. Die langlebigen Bestandteile wie Gehäuse und Netzteil kann man so über viele Jahre verwenden. Wer das selber nicht tun möchte, kann die alten Module bei Prime Computer (oder einem Prime Computer Partner) gegen eine Gutschrift zurückgeben. Künftig will Prime Computer die Module in wiederaufbereiteten Mini-PCs verbauen. Kompatible «Circular»-Mini-PCs sind aber zum Zeitpunkt dieses Blogbeitrags erst angekündigt und noch nicht im Handel erhältlich.

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Der erste Eindruck

Prime Computer hat mir freundlicherweise ein Demogerät zur Verfügung gestellt. Ich verzichte auf grössere Benchmark- und Performance-Tests, da die Leistung des Rechners ohnehin vom verbauten NUC Compute Element abhängt. Daher konzentriere ich mich hier zunächst auf die fixen Bestandteile des Rechners wie Display, Anschlüsse, Tastatur und Gehäuse. Anschliessend will ich prüfen, wie einfach oder schwierig der Austausch des NUC Compute Elements ist und wie es mit den anderen Komponenten aussieht.

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Tastatur, Trackpoint und Touchpad erinnern an das Lenovo ThinkPad

Optik und Haptik

Der Laptop kommt mit einem robusten Vollaluminiumgehäuse in mattem Anthrazit – seriöse, schnörkellose Business-Optik also. Es wiegt 1.5 kg – etwa Durchschnitt für ein Gerät in dieser Grössenklasse. Mit 1.6 cm Höhe ist es nicht der schlankste Laptop, aber definitiv auch kein unhandlicher Brocken. Pluspunkte bei der Mobilität holt es sich mit seinem grossen 77-Wattstunden-Akku, der reichlich Ausdauer für lange Arbeitstage liefert. Bei Tastatur und Trackpad hat sich Prime Computer offenbar von der Lenovo ThinkPad-Serie inspirieren lassen: Die Bedienelemente sind praktisch die gleichen. Mittig in der Tastatur sitzt ein Trackpoint. Dieser Knubbel ist eine Art Mini-Joystick und dient als Mausersatz. Er ermöglicht die Cursor-Steuerung, ohne dass man dafür die Hände von der Tastatur nehmen muss. Ebenfalls wie bei den ThinkPads gibt es am oberen Rand des Trackpads separate Tasten für Linksklick, Rechtsklick und mittlere Maustaste. Am Schreibfeeling habe ich nichts auszusetzen: kurzer Tastenhub, klar spürbarer Auslösepunkt – gut für Vielschreiber.

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Das Display: gute Helligkeit und Farbtreue – aber leider nicht entspiegelt

Hochauflösendes Display mit guter Farbtreue

Das Display ist sicher eine der Stärken des PrimeBook Circular. Das 13.9-Zoll-Touchdisplay löst in detailreicher 3K-Auflösung (3000 x 2000 Pixel) auf und bietet dank 3:2-Seitenverhältnis etwas mehr vertikale Arbeitsfläche als die gängigeren 16:9-Displays. Sein IPS-Panel liefert ordentliche Farbtreue dank 100% sRGB-Farbraumabdeckung. Die Touchfunktion reagiert schnell und präzise, unterstützt aber keine Digitizer-Funktion für aktive Eingabestifte. Der Bildschirm erreicht tageslichttaugliche Helligkeitswerte von bis zu 400 cd/m². Die Oberfläche ist jedoch nicht entspiegelt. Die Arbeit im direkten Sonnenlicht sollte man daher eher vermeiden.

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Die Anschlüsse des PrimeBook Circular

Ein guter Mix aus Anschlüssen

Die Verbindungsmöglichkeiten sind üppig für ein Notebook unter 14 Zoll: Wi-Fi 6 und Gigabit-LAN übernehmen die Netzwerk- und Internetverbindung. Für Peripheriegeräte wie Mäuse oder externe Speicher gibt es zwei normale USB-Typ-A-Anschlüsse mit 3.2-Gen.2-Standard (10 Gigabit pro Sekunde) und zusätzlich einen rasanten Thunderbolt-4-Anschluss mit Typ-C-Buchse. Zum Anschliessen externer Monitore bietet der Laptop gleich Videoausgänge: je einen HDMI- und einen Mini-DisplayPort-Anschluss. Zusätzlich gibt es eine Audio-Klinkenbuchse und einen Steckplatz für ein Kabelschloss.

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Das Innenleben: Unten in der Mitte das NUC Compute Element. Auch der Akku (oben) und die SSD (Mitte rechts) lassen sich austauschen.

Ein Blick ins Innenleben

Das Highlight am Notebook soll seine Nachrüstbarkeit sein. Finden wir heraus, wie einfach oder schwierig das ist. An der Gehäuseunterseite muss ich neun kleine Torx-Schrauben lösen, um die Bodenabdeckplatte zu lösen. Daraufhin präsentiert der Laptop sein Inneres.

Der Akku nimmt fast die Hälfte des Rechners in Beschlag. Zwei Philips-Schrauben lösen, Stecker ziehen, und der Akku ist raus. Auch die SSD erreiche ich problemlos. Das "Herz" des Laptops, das NUC Compute Element liegt mittig zwischen den beiden Lüftern. Um es zu entfernen, muss ich zwei filigrane Kabel ausstecken und sechs Schrauben lösen. Alles in allem recht simpel, obschon an manchen Stellen, beispielsweise bei den kleinen Verbindungskäbelchen am NUC-Modul, etwas Geschick verlangt wird. Auch ein unerfahrener Anwender sollte keine grösseren Probleme haben, dem Rechner innert 10 bis 20 Minuten eine Generalüberholung mit neuem Prozessor, Massenspeicher und Akku zu verpassen. Ein separates RAM-Upgrade ist aufgrund der Tatsache, dass der Arbeitsspeicher Teil des NUC-Moduls, leider nicht möglich.

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Organtransplantation in Rekordzeit: NUC Compute Element, Akku und SSD lassen sich innert weniger Minuten ersetzen

Nachhaltigkeit versus Wirtschaftlichkeit?

Das PrimeBook Circular zeigt, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sich nicht gegenseitig ausschliessen müssen: NUC Compute Elemente kosten einen Bruchteil neuer Geräte. Andere Geräte kann man mit den ersetzten Modulen gleich mit aufrüsten. Nebst dieser exzellenten Aufrüstbarkeit geht Prime Computer bei seinen Nachhaltigkeitsbestrebungen noch weiter: Der Hersteller verwendet Recycling-Materialien bei Verpackung und Gehäuse und kompensiert sämtliche CO2-Emissionen, die bei Herstellung, Transport und sogar den ersten 5 Jahren Nutzung entstehen.

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Prime Computer kompensiert sämtliche CO2-Ausstösse, die bei Herstellung, Transport und den ersten 5 Jahren Nutzung entstehen

Unser Fazit

Seit Jahren stört mich der allgemeine Trend in der Industrie, Notebooks immer reparaturfeindlicher zu machen. Gehäuse werden immer öfter verklebt und Komponenten, die man früher einfach austauschen konnte, im Rechner verlötet. Umso mehr freut es mich, wenn ein Hersteller den gegenteiligen Weg einschlägt. Das Prinzip eines Komplett-Upgrades mittels austauschbarem NUC Compute Element ist so einfach wie genial. Der Umwelt willen kann ich nur hoffen, dass sich das Konzept durchsetzt. Wer ein langlebiges Business-Notebook sucht und auf eine dedizierte Grafikkarte verzichten kann, dem kann ich das PrimeBook Circular mit gutem Gewissen empfehlen.

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Samuel Poznicek

Content Marketing Manager

Seit bald 30 Jahren schraube ich an PCs herum und verfolge die Entwicklungen in der IT und der Unterhaltungselektronik mit ungebrochenem Interesse. Bei BRACK.CH fand ich die Möglichkeit, Hobby und Beruf zu verbinden: Als Texter für die Bereiche Computing, Printing, Scanning und Mobile habe ich reichlich Gelegenheit, mich tief in neue Themen einzuarbeiten und die neuesten Entwicklungen und Trends einem breiten Publikum näher zu bringen.

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