Blizzard, jetzt müssen Taten folgen!

Activision Blizzard steckt derzeit tief im Dreck. Grund dafür sind heftige Anschuldigungen: Ungleiche Behandlung von Frauen, Sexuelle Belästigung und Saufen am Arbeitsplatz sind nur ein paar Beispiele.

Zum Update vom 6.8.2021 springen.

Es war nicht einfach die Veränderungen zu ignorieren, die während der letzten Jahre im Entwicklerstudio Activision Blizzard vor sich gingen. Massenkündigungen, beliebte Community-Manager, die ersatzlos gehen mussten, kontroverse Entscheidungen rund um das Esports-Programm von Overwatch, Mike Morhaime, der seinerseits die Kündigung einreichte, das zu Grabe tragen von Heroes of the Storm, von Diablo Immortals und Warcraft Refunded wollen wir gar nicht erst anfangen. Alles in allem hatte man als Blizzard-Spieler in den letzten Jahren immer mehr das bittere Gefühl, nur noch eine Geldmaschine zu sein.

Trotzdem blieben viele Fans ihren Lieblings-Games weiterhin treu und verziehen Activision Blizzard Misstritt um Misstritt um Misstritt. Auch ich. Als langjährige WoW-Spielerin kämpfte ich mich noch immer ein- bis zweimal die Woche durch Azeroth. WoW stand sogar fix in meinem sonst Indie-lastigen Stream-Programm. Was jetzt aber die letzten Tage ans Licht kam, ist mehr als nur erschütternd. Es macht mich wütend, traurig, fassungslos.

Was ist passiert?

*Trigger-Warnung: Sexuelle Belästigung, Rape-Jokes, Selbstmord

Letzte Woche wurde Activision Blizzard nach einer zweijährigen Untersuchung von einer kalifornischen Behörde verklagt. Wie Asmongold, einer der, wenn nicht der bekannteste (Ex-)WoW-Streamer betonte: Das ist kein Twitter-Longer eines unzufriedenen Mitarbeiters oder eines beleidigten E-Girls. Der Staat selbst hat das Unternehmen verklagt.

Kalifornien wirft Activision Blizzard, besonders aber dem WoW-Team, Erschütterndes vor: Ungleiche Behandlung und Bezahlung von Frauen, zahlreiche Fälle von sexueller Belästigung, falsches Reagieren auf bekannt gewordene Fälle. Aus Screenshots mit Beispielen geht hervor, dass ungefähr, wenn nicht mindestens 50 solcher Fälle dokumentiert wurden.

Unter anderem sei Frauen Beförderungen verwehrt geblieben, unter anderem aus Angst vor Schwangerschaften. Mütter wurden kritisiert, wenn sie ihre Kinder aus der Betreuung abholten und wurden aus Stillzimmern geworfen, um sie als Meetingräume zu nutzen.

Im Rahmen von sogenannten "Cube Crawls" haben männliche Mitarbeiter sich betrunken und sind durch die Büros gekrochen, um ihre weiblichen Kolleginnen sexuell zu belästigen. Einige kamen bereits betrunken an den Arbeitsplatz, zockten erst stundenlang und delegierten ihre Aufgaben an weibliche Mitarbeiterinnen. Diese waren zudem ständig abfälligen Kommentaren und Witzen über Vergewaltigungen ausgesetzt.

Eine Mitarbeiterin nahm sich während eines Business-Trips mit ihrem Vorgesetzten sogar das Leben. Vor ihrem Selbstmord wurden Nacktfotos von ihr herumgereicht und sie sei extremer Belästigung ausgesetzt gewesen.

Dich plagen düstere Gedanken? Wende dich an Die Dargebotene Hand (Telefonnummer: 143) oder besuche diese Seite .

Wurdest du Opfer sexueller Gewalt? Die Opferhilfe ist für dich da.

Du erlebst sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz? Wende dich an belaestigt.ch .

Hast du mit sexueller Belästigung zu kämpfen? Netzcourage unterstützt dich.

Was sagt Activision Blizzard dazu?

Als wären die Anschuldigungen nicht schlimm genug, schiesst sich Activison Blizzard mit ihrer Reaktion noch selbst ins Bein. Die Vorwürfe seien "falsch, irreführend und unverantwortlich", ja teilweise sogar "veraltet". Zwischen den Zeilen drohte man sogar damit, in einen anderen Staat zu ziehen.

Selbst intern hatten die Betroffenen keine Möglichkeiten, sich an die Personalabteilung zu wenden. Sie wurden nicht ernst genommen, sie sollten sich "nicht so anstellen", am Tag nach einer Beschwerde redete die ganze Firma davon und machte sich darüber lustig. Betroffene mussten sogar Angst haben, ihren Job zu verlieren. Unternommen wurde nichts.

Mittlerweile haben sich einige Führungskräfte zu Wort gemeldet, darunter der ehemalige Vice President of Creative Development Chris Metzen und Gründer und ehemaliger CEO Mike Morhaime, die sich öffentlich entschuldigten, dass so etwas Grauenhaftes unter ihrer Führung passieren konnte. Man schäme sich. Der Vorwurf, dass die Vorkommnisse bewusst unter den Teppich gekehrt wurden, bleiben aber.

Wie reagieren die Mitarbeiter?

In der Zwischenzeit haben sich viele, auch ehemalige, Mitarbeitende via Twitter zu Wort gemeldet und bestätigen die Vorwürfe. Die Social Media Accounts wurden stillgelegt, vielen Mitarbeitern fällt es schwer, überhaupt zu arbeiten.

Über 2'500 Mitarbeitende haben bereits eine Petition unterzeichnet, (gemäss einer persönlichen Quelle von mir), in der die "abscheuliche und beleidigende" Reaktion der Firma auf die Klage kritisiert wird. Diese Antwort würde nicht die Meinung und Werte der Angestellten widerspiegeln.

Und jetzt?

Ich habe WoW geliebt. Aber ich kann es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, eine solche Firma zu unterstützen. "Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken" ist eine gute Metapher für Dinge, die in einer Firma abgehen. Deswegen habe ich mich dazu entschieden, zumindest vorübergehend die Finger von Blizzard zu lassen. Den Launcher und die Games habe ich deinstalliert, mein Abo gekündigt und sogar eine Stornierung beantragt, da es noch bis im Januar laufen würde.

Ich sage nicht, alle müssen das jetzt so machen. Niemand muss Activision Blizzard boykottieren. Und es ist auch kein Grund, Gamer und Streamer, die weiterhin WoW oder andere Blizzard-Games spielen, zu beleidigen.

Vielmehr ist es wichtig, auf solche Missstände aufmerksam zu machen und sie gar nicht erst zuzulassen. Eine solche Arbeitskultur darf auf keinen Fall als normal angesehen werden und ja, das tut es leider immer noch bei einigen!

Activision Blizzard hat jedenfalls viel, extrem viel, wieder gut zu machen. Eine einfache Entschuldigung reicht hier nicht. Es müssen Taten sprechen.

Das machen wir

Die Förderung von Diversität, Gleichstellung und so weiter ist uns ein grosses Anliegen und wir sind schockiert über die Vorfälle, geschweige denn über das Ausmass. Deswegen haben wir uns dazu entschieden, per sofort sämtliche Produkte von Activision Blizzard aus unserem Shop zu entfernen.

Update vom 6.8.2021: Die SEL und ihr Hearthstone-Turnier – unser Statement

Seit Anfang dieses Jahres sind wir Presenting Sponsor und Namensgeber der Swiss Esports League (SEL). Ziel dieses Sponsorings ist es, die hiesige Esports-Szene mitsamt ihrer Community zu fördern.

Durch die kürzliche Klage des California Department of Fair Employment and Housing gegen das Spieleunternehmen Activision Blizzard haben wir uns bereits deutlich von Activision Blizzard distanziert und in einem weiteren Schritt sogar sämtliche Produkte von oder im Zusammenhang mit den Spielen von Activision Blizzard aus unserem Sortiment entfernt. Dennoch vertreten wir die Meinung, dass jede/r für sich selbst entscheiden soll, wie er/sie mit der Situation umgeht.

Die SEL ist ermächtigt, selbst zu entscheiden, welche Turniere sie ausführen möchte und tut dies gewissenhaft auch aufgrund der Nachfrage der Community. Die Hearthstone-Community ist eine der grössten Esports-Commmunitys in der Schweiz und besteht bereits seit vielen Jahren. Diesbezüglich ist sie wesentlicher und tragender Bestandteil der SEL.

Der Zeitpunkt des Hearthstone-Turniers mag ungünstig sein, jedoch wurde der Jahresplan bereits vor längerer Zeit gemacht, lange vor dem Skandal rund um Activision Blizzard. Dieses Turnier nicht durchzuführen, würde der nationalen Esports-Community mehr schaden und ihr ihrer Konsistenz berauben.

Wir sehen, dass unser Sponsoring eines Hearthstone-Turniers ambivalente Gefühle hervorruft, das tut es zugegeben auch bei uns. Dennoch möchten wir nochmal darauf hinweisen, dass erstens Hearthstone nur eines von mehreren Esports-Titeln der SEL ist und dass zweitens jede Person oder Instanz selbst darüber entscheiden soll, wie sie mit der Situation umgehen möchte. Dementsprechend respektieren wir den Entscheid der SEL, ein Hearthstone-Turnier durchzuführen und werden unser Sponsoring nicht wegen nur eines, wenn auch zum Zeitpunkt unpassenden, Turnieres zurückziehen.

Was ist eure Meinung zu der ganzen Geschichte? Wie reagiert ihr? Was erwartet ihr jetzt von Activision Blizzard? Lasst es uns wissen, entweder in den Kommentaren, oder auf unserem Discord-Channel .

Hier findest du News, Produkte und Angebote zu den Themen Gaming, Streaming und Esports!


Stefanie "8BITBLNDE" Holenweg

Stefanie "8BITBLNDE" Holenweg

Content Marketing Manager Gaming

Als Stefanie Holenweg zu ihrem 10. Geburtstag eine N64 mit dem Spiel Zelda – Ocarina of Time geschenkt bekam, war ihr Schicksal besiegelt. Seit da schlendert sie nicht nur durch Hyrule, sondern hat auch Azeroth erobert. Ein grosser Platz in ihrem Herzen haben aber Indie-Perlen eingenommen, die sie auch regelmässig auf ihrem Twitch-Kanal streamt.

Tags:

Teilen auf:

Kommentare

Noah
04.08.2021 17:06
Finde es wichtig über solche Missstände zu berichten. Die Produkte aus dem Sortiment zu nehmen bewirkt vermutlich nicht viel, aber im Rahmen der eigenen Möglichkeiten Konsequenzen zu ziehen halte ich für den richtigen Schritt. Auch finde ich es gut, dass man darauf hinweist, dass es jedem selbst obliegt zu entscheiden, was man daraus macht.
User
03.08.2021 13:59
Blizzard wurde zwar noch nicht durch ein Gericht schuldig gesprochen, aber bei Brack hat man wohl den Schuldigen schon gefunden. So nicht liebes Brack team.
Noah
04.08.2021 16:52
Ja, braucht es ja auch nicht, wenn eine eigens beauftragte interne Untersuchung zu diesem Ergebnis kommt...
davidnet
02.08.2021 22:00
Heutzutage reichen wage Behauptungen und kritische Stimmen zu einem recht neuen offenbar heiklem Thema und 'zackk!!' ist das ganze Unternehmen, die ganze Branche und alle die einfach irgendwie dazugehören schuldig. Ich als noch junger 27 Jähriger bin natürlich Fan und verfechter vom Internet (und CoD) - aber das Internet gewährt heutzutage leider jedem Hinz und Kunz eine Plattform. Schade, so gehen die wahren Probleme unter. Noch etwas: Es gibt nicht ohne Grund Männer, die nicht mehr alleine mit einer Frau Lift fahren - eine Frau (vice versa natürlich auch ein Mann, aber passierte bisher nie?) kann aus reinen Fantasie und Behauptung Männer in den Knast bringen, ihre Existenz und Familie zerstören oder sie zumindest im näheren Umfeld zur Persona non grata machen... überlegt euch das mal, schöne neue Welt. Das mache ich nicht mit, werde nun meinen Account bei Brack löschen lassen, ebenfalls lasse ich sämtliche über mich bei Brack gespeicherten Daten löschen. Tschüss Brack.
Noah
04.08.2021 16:54
Die Frau hat sich dann vermutlich wegen des schlechten Wetters das Leben genommen
FAIL
01.08.2021 03:11
Lächerliche, verlogene Heuchelei.
Tina
31.07.2021 16:30
Wirklich, brack? Wirklich? Wann nehmt ihr all die Unternehmen aus dem Sortiment, die Kinderarbeit betreiben, die sich China anbietern, die Steuerschlupflöcher nutzen etc.? Warum hat brack vier weisse (!) Männer (!!) in der Unternehmensleitung, und keine Frauen, keine schwarzen, keine sonstige Minderheiten? Die Wahrheit ist: Heute kauft man Spiele sowieso über Steam, brack verdient nichts an den Spielen und will sie sowieso aus dem Sortiment nehmen. Da ist es aber lukrativer, noch ein bisschen auf "woke" zu machen und sich gut zu fühlen. Erbärmlich.