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Krypto-Mining im Wohnzimmer

Die meisten bekannten Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum oder Tether werden gewonnen oder «geschürft», indem leistungsstarke Computer hochkomplexe Rechenaufgaben lösen. Die grössten «Schürfer» betreiben riesige Rechenfarmen rund um die Uhr auf Hochtouren und verbrauchen Unmengen an Energie, zusammengerechnet mehr als der Stromverbrauch von ganz Finnland (!). Gegen dieses nicht gerade nachhaltige Konzept stellt sich Helium, eine Kryptowährung, die jede*r im Wohnzimmer schürfen kann, ohne die Stromrechnung zu sprengen. Ich stelle euch die Technologie dahinter vor und zeige das Setup des Browan MerryIoT Helium Miner.

Zunächst etwas Grundsätzliches: Für mich ist dies der erste «Vorstoss» in die Krypto-Welt. Bisher habe ich das ganze Thema nur sporadisch mitbekommen, etwa wenn in den Medien von neuen Höhenflügen (oder krassen Abstürzen) des Bitcoin-Kurses die Rede war. Ich werde den in diesem Artikel vorgestellten Helium-Miner von Browan also aus der Sicht eines Krypto-Neulings testen und möchte unter anderem herausfinden, ob das Gerät auch ohne Vorkenntnisse einsetzbar ist.

Bevor wir jedoch zum Mining-Gerät kommen, werfen wir einen Blick auf die Technologie, die dem Ganzen zugrunde liegt.

Das Internet of Things, LoRaWAN und Helium Coins

Das Internet of Things (IoT) ist vielen von euch wahrscheinlich ein Begriff. Falls nicht, hier eine kurze Übersicht: Grob gesagt geht es beim IoT um die Vernetzung von physischen Objekten wie elektronischen Geräten und Sensoren mit dem Internet. Das Ziel dabei ist, dass diese Geräte durch den Datenaustausch über das Internet effizienter arbeiten und von überall her steuerbar sind. Die Anwendungen sind enorm vielfältig: Sie reichen von einem smarten Kühlschrank, der euch mitteilt, wann die Milch alle ist (und ggf. selbstständig neue bestellt), über das globale Tracking von Gütercontainern bis hin zu Smart Cities, in denen die gesamte städtische Infrastruktur (z.B. Wasser- und Stromwerke, Verkehrsampeln, Beleuchtung) mit dem Internet verbunden ist.

Dementsprechend riesig ist der Markt für IoT-Anwendungen: 2021 hatte er weltweit ein Volumen von 384,7 Milliarden Dollar, vergleichbar mit dem Smartphone-Markt. Laut Schätzungen von Fortune Business Insights soll der Umsatz bereits 2022 um weitere 100 Milliarden zulegen und bis 2029 auf sagenhafte 2,5 Billionen Dollar anwachsen (entspricht der heutigen Grösse des globalen Automobil-Marktes).

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Quelle: Adobe Stock

Unendliche Weiten im IoT

Hier kommt das LoRaWAN ins Spiel. Die Abkürzung steht für long range, wide area networking, also ein Netzwerk mit hoher Reichweite und breiter Abdeckung. Es ist ein Übertragungsstandard, der speziell für das IoT entwickelt wurde, denn IoT-Geräte benötigen nur ganz geringe Bandbreiten, weil sie winzige Datenpakete senden und empfangen. Geräte wie Sensoren zur Überwachung von Gebäuden und Infrastruktur, Stromzähler oder die Fahrzeuge eines Vermieters von E-Scootern können in ein LoRa-Netzwerk eingebunden werden. Für diese Anwendungsfälle wäre es viel zu aufwendig und teuer, das Mobilfunknetz zu nutzen, das für viel grössere Bandbreiten ausgelegt ist.

Nutzer*innen des Netzwerks können unter verschiedenen Anbietern aussuchen. In der Schweiz ist etwa die Swisscom beim LoRaWAN ganz vorne mit dabei. Wenig überraschend ist dies eine eher hochpreisige Lösung. Günstiger wird's im Helium LoRaWAN, das dezentral aufgebaut ist, anstatt von einem grossen Anbieter abzuhängen.

Was bedeutet das? Jede*r von uns kann sich ein LoRaWAN-Gateway kaufen – praktisch das Äquivalent zu Funktürmen beim Mobilnetz – und damit das Helium-Netzwerk ausbauen. Diese Gateways haben eine Reichweite von bis zu 15 Kilometern (!), weil sie sehr geringe Datenmengen übertragen müssen. Aufgrund dieser riesigen Reichweite braucht es in einer Region nur wenige Gateways, um eine stattliche Abdeckung zu erreichen. Mehr als 700'000 Gateways verschiedenster Hersteller sind weltweit im Einsatz und jedes einzelne lässt sich mittels einer interaktiven Karte lokalisieren.

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Die grünen Punkte repräsentieren Gateways. Wenig überraschend ist die Abdeckung mit dem Helium-LoRaWAN im Tech-Mekka Silicon Valley südlich von San Francisco besonders gut. Quelle: Screenshot Helium Explorer

Der Lohn für die Mühe: Helium Coins

Wenn ihr euch so eine Antenne in die Wohnung stellt, dann tut ihr dies natürlich nicht (nur) aus Freude, sondern ihr werdet belohnt, und zwar mit der Kryptowährung Helium (HNT). Je mehr Geräte über ein einzelnes Gateway verbunden sind, desto mehr Coins verdient ihr. Und das funktioniert so: Während beim Schürfen herkömmlicher Kryptowährungen, z.B. Bitcoins, der proof of work (Beleg für gelöste Rechenaufgaben) entscheidend ist, um die Währung zu schürfen, ist es bei Helium der proof of coverage. Das ist der Beleg dafür, dass ihr am Netzwerk teilnehmt und Nutzer*innen die Möglichkeit gebt, IoT-Geräte über euer Gateway einzuwählen. Anstatt aufwendiger Rechenaufgaben erfolgt der proof of coverage mittels einfacher Tests, die von so genannten Validators an die Gateways gesendet werden. Mit dem Verarbeiten der Tests belegen die Gateways, dass sie tatsächlich eingeschaltet sind und dem Netzwerk zur Verfügung stehen.

Die Validators sind Server, die wie die Gateways von allen in Betrieb genommen werden können (einiges technisches Know-how vorausgesetzt). Neben dem proof of coverage führen sie auch die Helium-Blockchain. Sie halten also alle Transaktionen in der Blockchain fest, die mit Helium Coins geschehen. Dafür werden sie ebenfalls mit Helium Coins belohnt. Rund 3'600 solcher Validators sind momentan im ganzen Netzwerk aktiv. Anwender*innen, die ihre Geräte übers LoRaWAN-Netzwerk von Helium verbinden möchten (z.B. Sensoren oder E-Scooter), bezahlen für die Anbindung mittels so genannten data credits, die sie zuvor erwerben müssen. Die Kosten sind äusserst niedrig – mit diesem Rechner könnt ihr berechnen, was die Übertragung beliebiger Datenmengen kostet.

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Quelle: Unsplash.com

Wie viel verdient ihr beim Helium-Mining?

Mit dem Helium Explorer könnt ihr den Verdienst jedes einzelnen Gateways in den letzten 30 Tagen nachvollziehen. Die Anzahl geschürfter Coins variiert stark: Im Gebiet, wo der Firmensitz von BRACK.CH liegt, gibt es beispielsweise zwei aktive Geräte, wovon das eine innert 30 Tagen 0,99 HNT und das andere 1,43 HNT erwirtschaftet hat. Beim aktuellen Kurs von 14.93 Franken (05.05.2022) bedeutet das für Gerät 1 einen Verdienst von 14.80 Franken und beim zweiten Gerät von 21.35 Franken pro Monat.

Ordnen wir diese Zahlen ein: Der Helium-Miner von Browan (siehe nächsten Abschnitt) kostet 799.- Franken, ziehen wir der Einfachheit halber gleich diesen Kaufpreis heran. Bei 14.80 Franken im Monat verdient das erste Gerät 177.60 Franken jährlich. Dies entspricht einer Rendite (Verdienst pro Jahr geteilt durch Kaufpreis) von rund 22.22 Prozent pro Jahr, was mehr als das Doppelte des langfristigen Durchschnitts des Aktienmarktes ist. Also ein ganz ansehnlicher return on investment. Beim Gerät 2 sieht die Rechnung noch beeindruckender aus: Es verdient beim aktuellen Kurs 256.30 Franken im Jahr, womit der Kaufpreis bereits nach knapp drei Jahren amortisiert ist.

Natürlich sind diese Renditen komplett abhängig vom Wechselkurs für HNT und damit nur begrenzt aussagekräftig. Der Kurs hat in den letzten zwölf Monaten um satte 58,5 Prozent zugelegt (und hat das meiste dieses Wachstums in den letzten Tagen wieder verloren). Wie dies bei den Kryptowährungen so ist, sind die Kursausschläge extrem: Der niedrigste Punkt innerhalb der letzten 365 Tage lag bei 7.47 Franken pro HNT, der höchste bei 48.56 Franken – und diese beiden Punkte liegen nur ein halbes Jahr auseinander!

Der Browan Helium-Miner: Unboxing und Setup

Wenden wir uns nun dem eigentlichen Star dieses Artikels zu, dem Helium Miner von Browan, mit vollem Namen Browan MerryIoT Hotspot Helium HNT Crypto Miner. Er wird von der taiwanesischen Firma Browan hergestellt und kostet aktuell 799.- Franken bei BRACK.CH.

Kurz zu den Grunddaten: Das Gerät ist ausgestattet mit einer Quad-Core Cortex-A55 CPU mit 4 GB DDR3/4-RAM. Es sendet im Frequenzbereich von 125 bis 500 KHz. Mit 14×11 cm ist der Miner sehr kompakt und findet fast überall sein Plätzchen. Damit er funktioniert, muss er mit einem Router verbunden werden. Dafür könnt ihr ein LAN-Kabel oder WLAN nutzen, womit ihr bei der Aufstellung sehr flexibel seid. Im Setup-Prozess wird euch jedoch ans Herz gelegt, das Gerät möglichst nahe an einem Fenster zu platzieren, um eine optimale Reichweite zu erreichen. Könnte natürlich auch sein, dass der Miner einfach gerne eine Aussicht hat. Denn die LoRa-Technologie, mit der er funktioniert, hat eigentlich keine grossen Probleme, durch Wände zu kommen. Nur so ist die versprochene Reichweite von mehreren Kilometern möglich.

Beim Auspacken stelle ich fest: Es gibt keine Gebrauchsanweisung, nur einen kleinen Hinweis, dass ich fürs Setup die entsprechende App nutzen soll. Eine Inbetriebnahme ohne Smartphone ist also nicht möglich, wobei dies heutzutage kaum eine Limitierung sein dürfte. Also fix in den Play Store und die App heruntergeladen. Leider kann ich euch vom eigentlichen Setup keine Bilder zeigen, weil die App das Aufnehmen von Screenshots unterbindet. Das ist aber auch gar nicht so schlecht, denn beim Setup wird unter anderem der 12-teilige Sicherheitscode angezeigt, mit welchem ihr euren Account im Notfall wiederherstellen könnt. Sollte das Handy mal in falsche Hände geraten, seid ihr froh, wenn ihr keine Screenshots von diesem Code drauf habt.

Item. Während ihr mit der App hantiert, fährt der Miner hoch und verbindet sich mit dem Router und dem Helium-LoRaWAN (vorausgesetzt, ihr habt ihn zuvor eingesteckt, was zu empfehlen ist). Im Rahmen des Setups in der App verifiziert ihr einerseits den Standort eures Miners und legt andererseits ein Wallet an. Dort werden die Helium Coins gelagert, die ihr mit dem Mining verdient. Das Wallet dient auch dem Handel mit den Coins, sprich der Umwandlung in Franken. Dies ist auch mit ein Grund für die hohen Sicherheitsbestimmungen der App.

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Lieferumfang des Browan MerryIoT Miners: Netzteil, Antenne, Miner und eine Antennenverlängerung, falls die Platzierung in Fensternähe nicht möglich sein sollte.

Zu diesen Bestimmungen gehört auch, dass ihr bei jedem Öffnen der App den sechsstelligen PIN eingeben müsst, den ihr zu Beginn festgelegt habt. Das hat sich als etwas mühsam erwiesen, weil bei mir die App mehrfach abgestürzt ist, da ich auf dem Handy die Ortungsdienste ausgeschaltet hatte. Diese werden benötigt, um zu verifizieren, dass der Miner wirklich da steht, wo er es anhand der Internetverbindung vermutet. Und so habe ich bis zum Schluss die PIN sicher 5–6 Mal eingegeben. Im Nachhinein habe ich dann festgestellt, dass man diese PIN-Abfrage auch ausschalten kann. Tja.

Abgesehen von diesen kleinen Schwierigkeiten war das Setup des Browan Miners sehr einfach und funktionierte auf Anhieb. Die App führt euch Schritt für Schritt durch, da könnt ihr nichts falsch machen. Der Miner ist nun verbunden und Teil des Helium-LoRaWAN-Netzwerks. Er hört auf den klingenden Namen Perfect Mahogany Piranha, der ihm automatisch vom Netzwerk verliehen wurde. Wie der Helium-Explorer-Karte zu entnehmen ist, gibt es wohl ein kleines Problem – Hotspot is relayed. Wie ich das löse und was ich sonst noch für Erfahrungen mit dem Miner machen werde, erfahrt ihr in ein paar Wochen im zweiten Teil dieses Beitrags.

Standort Helium Miner
Standort und Daten des Testgerätes, Quelle: Screenshot Helium Explorer

Vorläufiges Fazit

Es ist ein sehr spannendes Konzept, dieses Helium-LoRaWAN. Durch seine dezentrale Struktur ist es unabhängig von grossen Anbietern (und deren Preisen). Bei der Abdeckung ist es noch nicht so weit wie etwa das Netz der Swisscom, die laut eigenen Aussagen mehr als 97 Prozent der Schweizer Bevölkerung abdeckt. Doch dieser Vorsprung von Swisscom dürfte schon bald egalisiert werden: Alleine in den letzten 30 Tagen sind weltweit über 84'000 Helium-Gateways dazugekommen – ein Wachstum von rund 10,6 Prozent in nur einem Monat!

Beim Setup war ich überrascht, wie einfach das Ganze ging, insbesondere das Eröffnen des Wallets. Das hatte ich mir viel komplizierter vorgestellt. Ich bin sehr gespannt darauf, wie viele Coins in den kommenden Wochen generiert werden. Da ich eher ländlich wohne, gehe ich davon aus, dass der Verdienst nicht unfassbar gross sein wird, weil ich wahrscheinlich weniger Konsument*innen des LoRaWAN in meiner Nachbarschaft habe, als dies in einer Stadt der Fall wäre.

Das Mining auf diese Weise ist auf jeden Fall eine praktische Möglichkeit, sich ein zusätzliches Einkommen aufzubauen, auch wenn grosse und schnelle Kursschwankungen den effektiven Gewinn stark beeinflussen. Es gilt, seine Coins zu einem guten Zeitpunkt in Franken umzuwandeln, sprich wenn der Kurs hoch ist. Unabhängig vom Wechselkurs macht ihr mit dem Miner aber auf jeden Fall etwas (mehr oder weniger) Sinnvolles. Dies im Gegensatz zu Bitcoin, wo für eine einzige Transaktion mehr als 1'100 Kilowattstunden Strom verbraucht werden. Das würde ausreichen, um einen 4-Personen-Haushalt in der Schweiz rund 4 Monate (!) zu versorgen. Bei Helium wird die Aufgabe der Miner auch nicht laufend künstlich schwieriger gemacht, weshalb man nicht alle sechs Monate neue Hardware braucht.

Das war der erste Teil meines Beitrags zum Browan Helium Miner. Der zweite Teil erscheint in einigen Wochen, sobald ich aussagekräftige Erfahrungen gesammelt habe.

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Der Browan Helium Miner an seinem aktuellen Arbeitsort (aufgrund einer laufenden Neumöblierung hat er gerade nirgendwo sonst Platz)
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Dominik Perrenoud

Redaktor

Let the Beat Hit 'em! Als passionierter Hochzeits-DJ interessiere ich mich für alles, was Musik wiedergibt. Auch privat höre ich praktisch ununterbrochen Musik, sodass in der Wohnung der eine oder andere Lautsprecher herumsteht – von ganz klein bis ganz gross. Daneben schätze ich Filme und Games im Heimkino, geniesse einen guten Whisky (natürlich mit der passenden Musik im Hintergrund) und kurve mit meinem 20-jährigen Cabrio durch den Schwarzwald.

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