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Darm und Wohlbefinden – eine enge Beziehung

Wir entscheiden aus dem Bauch heraus, spüren Schmetterlinge im Bauch oder haben vor Angst Bauchschmerzen – umgangssprachlich verorten wir unsere Gefühle oft in der Körpermitte. Damit liegen wir gar nicht so falsch, denn unser Verdauungssystem und unser Hirn stehen in einer engen Beziehung zueinander und beeinflussen sich gegenseitig. Man spricht auch von der Darm-Hirn-Achse.

Während früher die Leistung des Darms unterschätzt wurde, wissen wir heute, dass er viel mehr als «nur» verdauen kann. In den letzten Jahren sind wichtige Erkenntnisse hinzugekommen. Diese zeigen auf, dass Gehirn und Darm eng miteinander verbunden sind und ständig miteinander kommunizieren. Das hat wiederum einen wesentlichen Einfluss auf Stimmung und Gesundheit.

Der Darm als Stimmungsmacher

Botenstoffe in unserem Gehirn, sogenannte Neurotransmitter, steuern Wohlbefinden, Laune, Glücksgefühl und mehr. Was viele nicht wissen: Der Darm ist an der Herstellung von 30 verschiedenen Botenstoffen wie Dopamin, Acetylcholin und Adrenalin beteiligt. Das lässt sich so erklären: Darmbakterien in der Darmflora zerlegen die aufgenommene Nahrung in die einzelnen Bestandteile. Zu diesen gehören Aminosäuren. Diese gelangen über das Blut ins Gehirn und fördern dort die Produktion der Neurotransmitter. Ganze 95 Prozent des Glückhormons Serotonin haben wir unserem Darm zu verdanken. Serotonin spielt eine wichtige Rolle bei der emotionalen Befindlichkeit und unterstützt den gesunden Schlafrhythmus. Wenn die Hormonproduktion im Darm gestört ist, kann es zu Angstzuständen, Schlafproblemen, neurologischen Krankheiten und Depressionen kommen.

Auch wenn noch immer vieles unklar ist und weiterer Forschungsbedarf besteht, liegen bereits einige spannende Erkenntnisse zum Zusammenspiel von Gehirn und Verdauung vor. So konnte eine Studie aufzeigen, dass sich eine hohe Bakterienvielfalt im Verdauungstrakt positiv auf die Stimmung auswirkt. Weiter zeigen Untersuchungen eine Verbindung verschiedener Krankheiten mit einer veränderten Darmflora. Zu diesen Krankheiten zählen Angststörungen, ADHS, Depressionen, Alzheimer und Multiple Sklerose.

Zu klären bleibt, was zuerst war: Kann eine veränderte Darmflora eine Depression auslösen oder führt die Depression zu einer veränderten Darmflora? Ein umfassendes Verständnis ist wichtig, um erfolgreiche Therapiemöglichkeiten zu entwickeln. Das Potenzial der Darm-Hirn-Achse in der Behandlung von Depressionen und weiteren Erkrankungen wird mittlerweile rege diskutiert.

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Was ist die Darmflora?

Unser Darm enthält Billionen von Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze und Viren. Die Gesamtheit all dieser Mikroorganismen bezeichnen wir als Darmflora oder Mikrobiom des Darms. Schätzungsweise leben über Tausend verschiedene Bakterienarten in unserem Verdauungstrakt. Viele davon spielen für unsere Gesundheit eine wichtige Rolle. Sie beteiligen sich nicht nur am Verdauungsprozess, sondern halten auch Krankheitserreger in Schach. Denn bis zu 80 Prozent unseres Immunsystems sitzt im Bauch. Neuere Forschung zeigt ausserdem, dass ein gesundes Mikrobiom auch mit einer gesunden Psyche zusammenhängt.

Die Zusammensetzung der Mikrobioms unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Unter bestimmten Umständen kommt die Darmflora aus dem Gleichgewicht. Wenn überwiegend «schlechte» Darmbakterien unseren Verdauungstrakt besiedeln und die Darmschleimhaut verändern, sprechen wir von einer Dysbiose. Mögliche Folgen sind Magen-Darm-Beschwerden und eine erhöhte Anfälligkeit auf Infekte und Allergien. Die Auswirkung einer Dysbiose auf die Psyche in Form von Depression, Angstzuständen und mehr wird mittlerweile erforscht. Umgekehrt gibt es Untersuchungen, die zeigen, dass Stress die Vielfalt der Darmbakterien negativ beeinflusst.

Das zweite Hirn im Bauch

Um die Verbindung zwischen Verdauung und Gehirn besser zu verstehen, lohnt es sich, einen Blick auf unseren Magen-Darm-Trakt zu werfen. Dieser besitzt nämlich ein eigenes Nervensystem, das Enterische Nervensystem (ENS). Das ENS ist ein Netz aus über 100 Millionen Nervenzellen und besitzt somit mehr Nervenzellen als das Rückenmark.

Es steuert die Verdauung, kommuniziert mit den Bakterien der Darmflora und hat über den Vagusnerv eine direkte Verbindung zum Gehirn. Der Vagusnerv vermittelt Änderungen im Verdauungstrakt an das Gehirn. Signale wie Hunger und Sättigung erfährt das Hirn ebenfalls über diese Darm-Hirn-Achse. Wenn wir entspannt sind, regt der Nerv die Verdauung und das Immunsystem an. Gleichzeitig senkt er die Atmung und die Herzfrequenz.

Interessanterweise gehen 90 Prozent der Kommunikation vom Darm aus, nur 10 Prozent stammen vom Hirn. Dies widerlegt die lange gehegte Annahme, dass das Gehirn alles in unserem Körper steuert. Wegen der vielen Nervenzellen und der direkten Verbindung zum Hirn wird das enterische Nervensystem auch als Bauchhirn bezeichnet.

Ein einfaches Beispiel für die Darm-Hirn-Achse ist die Reaktion auf eine verdorbene Speise. Der Darm stellt Giftstoffe fest, die versuchen, in unseren Körper zu gelangen, und löst Alarm aus. Das Bauchhirn sendet Reize ans Brechzentrum im Gehirn, das dann Übelkeit signalisiert und den Brechreiz auslöst.

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Wenn die Psyche auf die Verdauung schlägt

Nicht nur die Verdauung wirkt auf unsere Psyche, die Verbindung besteht auch umgekehrt: So können Stress, Angst und andere Gefühle auf die Verdauung schlagen. Manche Menschen reagieren in belastenden Situationen mit Übelkeit, verspüren Sodbrennen, kämpfen mit Blähungen oder müssen häufig auf Toilette. Das lässt sich darauf zurückführen, dass Stress den Körper in Alarmbereitschaft versetzt. Das beansprucht viel Energie, die der Körper in anderen Bereichen einsparen muss – beispielsweise im Magen und Darm. Bei Stress wird also die Magen-Darm-Tätigkeit heruntergefahren und der Verdauungstrakt weniger gut durchblutet.

Wenn der psychische Ausnahmezustand über eine längere Zeit anhält, kann dies zu einer Belastung werden. Die verringerte Durchblutung des Verdauungstrakts kann die Zusammensetzung der Darmschleimhaut verändern und die Darmbarriere schwächen. Das beeinflusst wiederum unser Immunsystem und es kann zu Entzündungen im Darm kommen. Chronischer Stress verändert ausserdem unsere Darmflora. Forschung zeigt, dass bei Stress die Vielfalt der guten Darmbakterien abnimmt und sich potenziell krankmachende Bakterien ausbreiten können. Erfahren Sie hier mehr zum Einfluss von Stress auf unsere Verdauung.

Auch das verbreitete Reizdarmsyndrom wird häufig mit psychischen Faktoren in Verbindung gebracht. Einerseits kämpfen viele Reizdarm-Betroffene mit Begleiterscheinungen wie Schlafstörungen, Angstgefühlen oder Depressionen, andererseits zeigt sich auch, dass sich die Symptome eines Reizdarms (z.B. Bauchkrämpfe, Durchfall oder Verstopfung) bei psychischer Belastung verschlimmern. Aus diesem Grund beinhaltet die Behandlung eines Reizdarms in vielen Fällen auch psychische Therapieansätze wie Psychotherapie und Hypnose.

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