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Zwei Bose-Kopfhörer aus komplett anderen Klangwelten

19.02.2026

Beim Kopfhörer-Kauf geht es nicht nur um Technik, sondern um die Frage: Was erwarte ich vom Produkt? Abschirmung und Klangpräsenz oder Praktikabilität, akustische Offenheit und Alltagstauglichkeit? In diesem Produkt-Test haben wir zwei ganz unterschiedliche Antworten auf diese Fragen – die beide ihre Berechtigung besitzen.

Produkt-Test: Quietcomfort Ultra Over-Ear Noise Cancelling Kopfhörer & Open Earbuds Ultra

Im Test lagen beide Bose-Modelle parallel zum Einsatz in den Ohren (nicht zeitgleich, keine Sorge): die Ultra Open Earbuds und der QuietComfort Ultra Over-Ear (1. Generation). Beide bedienen völlig unterschiedliche Ansprüche. Das klingt erstmal offensichtlich, wird beim Kauf aber oft nur beiläufig in Erwägung gezogen, denn guter Klang ist doch Klang? Jein. Deshalb startet dieser Test nicht mit technischen Details, sondern mit der Frage nach dem Warum.

Soll die Umgebung hörbar bleiben – oder verschwinden?

Diese Frage stellt die Kernthese dieses Testberichts dar: Die Ultra Open Earbuds lassen die Umgebungsgeräusche transparent rein: Verkehr, Bürogespräche, Bahnhofsdurchsagen, die Kollegin, die nebenan fragt, ob es nach Kaffee bedarf. Der QuietComfort Ultra macht genau das Gegenteil: Er baut eine persönliche Ruhezone.

Beides hat seinen Platz. Beides ist «richtig». Aber es passt in ganz verschiedene Alltagsszenarien.

Ultra Open Earbuds: kein komplettes Abtauchen trotz gutem Ton

Erster Eindruck: Kleine Klammern, grosser Klang? Quelle: Maximilian Bauer

Die Ultra Open sehen aus wie kleine Klammern, die sich um die Ohrmuschel legen – kein Stöpsel, nichts im Gehörgang.

Erster Gedanke beim Aufsetzen: «Wie geht das jetzt?» Erstaunlich intuitiv und simpel: einfach ans Ohrläppchen klippen und am Gehörgang platzieren. Der Sitz ist fest und sicher – angenehmerweise auch kaum spürbar oder «drückend».

Zweite Frage: «Klingt das wirklich?» Es tönt, und zwar deutlich besser, als das Konzept anfänglich vermuten lässt.

Ob im Zug, beim Spazieren, im Strassenalltag mit Hintergrundgemurmel: Die Musik oder der Podcast kommen klar an, haben klangliche Präsenz und tönen angenehm. Trotzdem bleibt alles rundherum wahrnehmbar. Das ist das eigentliche Kunststück dieser Earbuds. Die Kopfhörer sind zwar auf den Ohren, aber versetzen nicht automatisch in eine isolierte Welt. Die Wahrnehmung relevanter Umgebungsgeräusche bleibt beständig – besonders nützlich beispielsweise am Bahnhof bei reiserelevanten Durchsagen oder auch, um beim Überqueren einer Strasse die Autos zu hören.

Multitasking technisch möglich: Gespräch und Musikhören

Das grösste Argument für die Ultra Open ist die Gesprächssituation. Wer kennt das nicht: Musik an, Kopfhörer rein und genau dann möchte jemand ein Gespräch beginnen, wo die ersten Worte verschluckt werden. Mit den Ultra Open ist dieses störende Erlebnis Geschichte. Kurze Gespräche nebenbei funktionieren problemlos, ohne dass ein Earbud rausgenommen werden muss. Was zunächst trivial klingt, macht im Alltag einen Riesenunterschied ohne Unterbruch des Hörerlebnisses.

Zudem positiv zu erwähnen ist die physische Steuerung der Earbuds mit den integrierten Knöpfen an den Seiten. Die Lage ist intuitiv erreichbar und leicht zu bedienen. Hiermit kann die Wiedergabe beispielsweise per Druck pausiert werden. Einzig die Lautstärkeregulierung mit Doppelklick und Halten bedarf ein wenig Eingewöhnungszeit, aber ist danach gedanklich verankert.

Klang: ehrlich eingeordnet

Im Test empfand ich den Klang als sehr gut für Open-Ear: Stimmen und Mitten klingen klar, und Musik verschiedener Genres tönt mitreissend. Was konstruktionsbedingt fehlt, ist der körperliche Bassdruck – das ist aber kein Fehler, sondern Physik aufgrund des offenen Designs. Wer beim Schlagzeugbreak gefühlt mittrommeln will, greift  lieber zu einem klassischen In-Ear oder Over-Ear. Wer hingegen Podcasts, Spotify-Playlists und Alltagsbeschallung mit solider Qualität sucht: Das funktioniert einwandfrei, und bietet für Open-Ear einen erstaunlich präzisen Klang.

Calls: überraschend stark

Auch für Anrufe gilt das positive Fazit. Es wurde draussen bei Wind telefoniert, auf der Strasse mit Verkehr und in Räumen: Die Stimmen sind klar verständlich und auch das Gegenüber versteht gut – auch in unruhigerer Umgebung. Ob beim Alltagsanruf, kurzen Check-ins oder dem Gespräch auf dem Heimweg: Das Ergebnis überzeugt mit Komfort.

Zu beachten: die Akku-Logik

Hier passiert ab und an ein Missverständnis-Moment. Bose bewirbt die Ultra Open mit «bis zu 48 Stunden» – was sich nach einer Woche Musik anhört  . Die Zahl ist zwar theoretisch korrekt, bedeutet aber 48 Stunden für Standby ohne Audio. Die tatsächliche Wiedergabezeit liegt bei bis zu 7 Stunden pro Ladung; mit Case kommt man auf insgesamt rund 27 Stunden Playback. Das ist solide und für die meisten Alltage mehr als genug – aber eben nicht zu verwechseln mit «48 Stunden Musik».

Was mit «offen» auch kommt: leichtes Audio-Leakage

In sehr ruhigen Umgebungen – stilles Büro, Bibliothek, leeres Zugabteil – kann Musik nach aussen dringen. Nicht laut oder präzise verständlich, aber doch hörbar. In normalem Umgebungsgeräusch fällt das kaum auf. Wer im Open-Space-Büro sitzt und laute Musik hört: am besten kurz im individuellen Kontext erproben.

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Technische Spezifikationen auf einen Blick: Ultra Open Earbuds

  • Open-Ear-Bauform (kein Stöpsel, kein Ohrdruck)
  • Bis zu 7 Std. Wiedergabe | circa 27 Std. mit Case
  • Button-Bedienung (kein Touch)
  • Multipoint-Verbindung (seit Firmware 4.0.22, Juli 2024)
  • Abgeminderte Geräuschunterdrückung – mit Absicht

QuietComfort Ultra: die tragbare Ruhezone

Wir alle kennen diese Situation: vollbesetztes Zugabteil, drängende Unterhaltungen links und rechts, dann noch ein hochfrequentes Kinderquietschen hinten links. Der QuietComfort Ultra macht seinem Namen alle Ehre: Active Noise Cancelling (ANC) an, Musik läuft, Pause für die Nebengeräusche. So einfach baut dieser Kopfhörer eine private Ruhezone auf, in der Musik wie auch Podcasts wunderbar satt die Ohren beschallen. Diese positive Wirkung bleibt dauerhaft und auch bei langen Sessions erhalten – es handelt sich nicht um einen verpuffenden Aha-Moment.

Kraftvoller Klang mit dynamischer Range

Der Klassiker im Premium-Gewand: Over-Ear, grosser Bügel, klare Mission – Ruhe und Klangpräsenz. Quelle: Maximilian Bauer

Der QuietComfort Ultra klingt sehr gut. Präzise, ausgewogen, differenziert – durch verschiedenste Genres und Soundwelten hindurch: ob filigraner Jazz, elektronische Beats oder progressiver Rock: Die klangliche Kulisse wird klar wiedergegeben, und ob tiefes Register oder hohe Details bieten sich sehr angenehme Hörerlebnisse. Dieser Effekt bewahrheitet sich auch nach tagelanger Nutzung weiter – kein flüchtiges Erlebnis, sondern dauerhaft beeindruckende Leistung.

Noise Cancelling: stark, nicht perfekt

ANC-Stärke ist immer relativ. Der QC Ultra blendet hintergründige Dauergeräusche, wie beispielsweise Lüfter, Fahrgeräusche oder Hintergrundgespräche, sehr gut aus. Einzelne plötzliche Geräusche kommen durch – gerade bei gewisser Lautstärke, was völlig normal und unvermeidbar ist. Dennoch: Für alle, die in Fokusphasen nicht gestört werden wollen ist dieser Kopfhörer genau das Richtige.

Kritischer Hinweis zum Tragekomfort

Grundsätzlich angenehm zu tragen mit guter Polsterung. Bei stärkeren Kopfbewegungen – vorbeugen, zur Seite schauen – kann der Kopfhörer aber leicht den ausgeglichenen Schwerpunkt verlieren und hat eine Tendenz zu verrutschen. Es kann störend sein, wenn gerade keine Hände frei sind, oder es auch unbemerkt geschieht. Das ist auch von der Kopfform abhängig, aber durchaus kaufrelevant. Wer kann, sollte ihn vorher kurz anprobieren, vielleicht auch für eine längere Session als Test (beispielsweise zehn Minuten).

Sport als Haupteinsatz? Dafür ist der QC Ultra nicht primär ausgelegt, was im Test bemerkbar wird. Im Alltag hat der Kopfhörer eine Tendenz mit der Zeit vom idealen Sitz wegzurutschen.

Bedienung: physisch, intuitiv und schnell gelernt

Die Knöpfe am Kopfhörer selbst sind wie folgt aufgebaut. Auf der rechten Seite befinden sich Power- und Bluetooth-Taste sowie ein Touch-Strip für Lautstärke. Die Grundfunktionen sind also auch direkt via Knöpfen erreichbar und die App bietet Feineinstellungen. Kopfhörer auf, Klangwelt an. Ein kleines Detail, das man schnell liebgewinnt: Auto-Pause beim Absetzen. Passiert gefühlt 20-mal pro Tag – und wird nach einer Woche zur unabdingbaren Selbstverständlichkeit. Dieses Detail ist ein Komfortplus, und ich empfand es als extrem angenehm. Die Wiedergabe geht weiter, wo aufgehört wurde.

Bemerkung zur Bose-App: Der Einstieg in die App ist simpel und ohne Login verfügbar. Alle Geräte lassen sich schnell mit Android- wie auch Apple-iOS-Smartphones synchronisieren und leiten automatisch in die App weiter, wo sie verwaltet und eingestellt werden können, so z. B. mit Equalizer (EQ), Geräuscheunterdrückung, Immersive Audio und verschiedenen Modi.

Immersive Audio: ausprobiert, aber akkulastig

Im Test empfand ich das Feature «Immersive Audio» als Gimmick spannend auszuprobieren: Der Klang kann der Bewegung folgen – spannend zu probieren, und fast schon Dolby-Atmos-mässig – oder unbewegt eine «orchestralere» Tonqualität simulieren. Ich persönlich empfand jedoch die reguläre Wiedergabe fast tonal stärker. Die Musik klang für mich «zu gross» und irgendwie unecht. Der klare Trade-off: Mit Immersive Audio sinkt die Akkulaufzeit von rund 24 auf rund 18 Stunden. Als Kaufgrund fällt hier nicht der Groschen, aber als Option zum Ausprobieren definitiv den Versuch wert.

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Technische Spezifikationen auf einen Blick: QuietComfort Ultra Over-Ear (1. Gen.)

  • Bluetooth 5.3, aptX Adaptive (Android)
  • Bis zu 24 Std. Akku (ohne Immersive) | 18 Std. mit Immersive
  • Starkes aktives Noise Cancelling
  • Physische Tasten + Touch-Strip
  • Auto-Pause beim Absetzen (über App aktivierbar)
  • Hinweis: Es gibt inzwischen eine zweite Generation (andere Akkuzahlen, anderer Artikel). Dieser Test bezieht sich auf Art.-Nr. 1969410 (1. Gen.)

Für wen passt was im Überblick :

 Ultra Open EarbudsQuietComfort Ultra (1. Gen.)
Umgebung hören✅ Ja – Kernkonzept❌ Deutlich reduziert – bewusst ausgeblendet
Pendeln im ZugFür Orientierung & DurchsagenFür Ruhe und Abschalten
Büro / HybridSehr stark – keine «Stöpsel raus»-MomenteIdeal für Fokusphasen
CallsSehr alltagstauglichEbenfalls gut, Umgebung deutlich gedämpft
BassdruckEher zurückhaltend (Open-Ear-bedingt)Voll, differenziert
Mehrere GeräteMultipoint vorhandenAlltagstauglich
Fit & SportLeicht und unauffälligKopfformabhängig, kein Sportkopfhörer

«Fokus-Modus» zum Anfassen: Polster und Bügel sind auf lange Sessions ausgelegt – der Fit bleibt trotzdem kopfformabhängig. Quelle: Maximilian Bauer

Die Ultra Open Earbuds sind eine starke Alltagslösung für alle, die präsent bleiben wollen – im Büro, unterwegs, im Gespräch. Der QuietComfort Ultra ist der Kopfhörer für Momente, in denen Abschalten Programm ist: langer Zug, Fokusarbeit, Feierabend. Beide haben ihren Platz – nur selten denselben zur gleichen Zeit .

Ich persönlich würde im Direktvergleich den QuietComfort Ultra auswählen, weil ich die Soundqualität wie auch die Optik absolut bestechend finde. Als Musiker bevorzuge ich hier die Soundqualität vom tiefen bis ins hohe Register und liebe es, daheim entspannt mit einem Tee oder Kaffee gemütlich in Klangwelten zu versinken und wilder Sound-Eskapaden zu frönen. Aber am Ende kehren wir zurück zum Einstieg: zwei Produkte mit unterschiedlichem Nutzen. Die Entscheidung, welcher der beiden am besten passt, liegt bei einem selbst.

Habt ihr Kopfhörer von Bose? Wie ist eure Erfahrung? Schreibt es uns gerne in die Kommentare. ⬇️ 😉

Getestet mit iPhone und Android, Gerätewechsel zwischen Laptop und Smartphone, Spotify und YouTube. Keine Labormessungen – reine Alltagseindrücke über mehrere Tage.

 

Quelle Titelbild: Maximilian Bauer

Maximilian Bauer

Marketing Manager Editorial Content

Ehemaliger Kulturjournalist, heute Unternehmenskommunikator mit B2B-Hintergrund in öffentlichen Institutionen und der Softwareindustrie. In meiner Freizeit dreht sich vieles um Technik in allen Facetten: eine zu grosse Gitarrensammlung, jede Menge Audio-Equipment und ungebrochene Musikleidenschaft. Dazu kommt das Fotografenauge – mit Schwäche für (leider) viel zu teure Kameras – und meine nostalgische Liebe zu PC-Spielen: von taktischen Shootern über Rollenspiele bis hin zu Strategie-Klassikern. Bei Brack darf ich über all das schreiben, was mich schon immer fasziniert hat.

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