
Computer waren mal Menschen (und mehrheitlich Frauen)
Heute mögen Computer elektronische Geräte sein, zusammengesetzt aus Bestandteilen wie Prozessor, Motherboard, Grafikkarte und Arbeitsspeicher. Früher aber war es ein Beruf. Es gab eine Zeit, in der Computer Menschen waren – und eine Zeit, in der diese sogenannten «Computer» an Computern arbeiteten.
Zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert reihten sich in einem «Computerraum» keine surrenden, flackernden Rechner – nein, es versammelten sich Menschen aus Fleisch und Blut; grösstenteils Frauen. Statt Prozessoren rauchten Köpfe, statt Lüfter rauschten Blätter. Kein Tastaturklackern, nur das Kratzen der Füller über Papier. Anders als heute war der «Computer» kein Gerät, sondern eine Bezeichnung für das Rechenpersonal, das gebeugt über Formeln und Tabellen zahlreiche grundlegende Berechnungen anstellte.
Ihre Bedeutung für die Astronomie
Besonders verbreitet war dieser Beruf im astronomischen und ingenieurwissenschaftlichen Bereich. So wurden «Computer» beispielsweise eingestellt, um die Position von Planeten, Flugbahnen oder die Rückkehr eines Kometen zu berechnen. Es handelte sich dabei um höchst komplizierte und aufwendige mathematische Aufgaben; und oft führten zwei oder mehr «Computer» dieselben durch, um im Vergleich Fehler möglichst auszuschliessen. Sie arbeiteten strikt nach formalen Vorgaben, so wie heute unsere elektronischen Rechner. Zum Einsatz kamen sie beispielsweise in der Harvard University, der NACA – dem Vorgänger der NASA – und dem der NASA angegliederten JPL.
Die menschlichen «Computer» veränderten die Astronomie nachhaltig, indem sie durch akribische, kollektive Rechenarbeit zu den Grundlagen für zentrale astrophysikalische Erkenntnisse beitrugen. Ihre Arbeit ermöglichte Entdeckungen, die bis heute den Kern unseres Verständnisses vom Universum bilden.
Filmtipp: Hidden Figures
Du willst dir ein besseres Bild davon machen? Der Film «Hidden Figures» erzählt basierend auf einer wahren Begebenheit die Geschichte von drei afroamerikanischen Mathematikerinnen, die bei der NASA wesentliche Beiträge zu früheren US-Mannschaftsflügen leisteten.
«Computer» programmierten Computer
Aufgrund des zweiten Weltkriegs wurden zahlreiche Männer zum Militärdienst eingezogen. Dieser Umstand führte zu einem Wendepunkt in der Informatik: Plötzlich gab es einen Engpass an Mathematikern, sodass sich diese Position auch Frauen anbot. So mancher menschlicher «Computer» machte damit den Schritt zur Programmiererin. Das trifft auch auf die «ENIAC-Frauen» zu: Die sechs Programmiererinnen, die in den 1940er Jahren den ersten funktionierenden, elektronischen Digitalrechner der Welt programmierten. Betty Holberton, Jean Bartik, Kathleen McNulty, Marlyn Meltzer, Frances Spence und Ruth Teitelbaum.
Im Laufe ihrer Arbeit entwickelten sie zahlreiche Programmiertechniken und erschufen das Programm zur Berechnung ballistischer Flugbahnen – und das, obwohl Programmieren an sich neuartig war. Sie brachten es sich selbst bei, ohne Anleitung. Ihr Verständnis für die damals noch fremdartige Materie mussten sie sich durch wiederholtes Ausprobieren eigenständig aufbauen. (Quelle: National Women's History Museum)
Vom Menschen zur Maschine
Im 18. und 19. Jahrhundert waren menschliche «Computer» überwiegend damit beschäftigt, mathematische Tabellen anzufertigen – für Navigation, Astronomie oder Ingenieurwesen. Erst in der Wende zum und im Verlauf vom 20. Jahrhundert wurde der Begriff in Zusammenhang mit Maschinen gebracht. Die Funktion blieb unverändert, doch das Subjekt wandelte sich. Mit dem Aufkommen elektronischer Rechner in den 1940er und 1950er Jahren wanderte der Begriff «Computer» rasch vom Menschen zum Gerät. Heute hat er mit dem Menschen nur eines gemein: seine Geschichte.
Gemäss Duden lautet die Definition Stand November 2025: «programmgesteuerte, elektronische Rechenanlage; Datenverarbeitungsanlage».
Quelle Titelbild: Unsplash | Galt Museum & Archives
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