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Test: Aufbau des RC-Offroad-Klassikers Kyosho Optima Mid

Mit dem Optima Mid hat die japanische Marke Kyosho einen Klassiker wiederauferstehen lassen. Wie knifflig ist der Aufbau des Modells im Massstab 1:10? Und wird der Buggy aus dem Jahr 1987 vom Fahrverhalten her den heutigen Erwartungen an einen RC-Offroader gerecht? Das wollte ich herausfinden; im Blog teile ich meine Erfahrungen mit euch.

Der RC-Rennsport hat in den 1980er Jahren eine Blütezeit erlebt – weltweit und ganz besonders in Japan, der Heimat des Offroad-Racings mit Modellen im Massstab 1:10. Klar, dass sich RC- und Modellbau-Fans von den Klassikern von damals begeistern lassen. Verschiedene Hersteller haben auf die anhaltende Faszination für ihre Fahrzeuge aus dieser vergangenen Ära mit Neuauflagen ihrer begehrtesten Modelle reagiert; so auch die renommierte japanische Marke Kyosho. Der Optima Mid gilt als Meilenstein in der Entwicklung von RC-Buggys, und so reizte es mich, durch den Aufbau der Neuauflage ein Stück Modellbaugeschichte wieder aufleben zu lassen.

Das Original: Eine Revolution im Massstab 1:10

Die 4WD-Technik erreichte in den 80er Jahren ihre volle Praxistauglichkeit, und bald kamen RC-Offroader auf den Markt, die die zweiradgetriebenen Fahrzeuge in den Schatten stellten. Kyosho gehörte zu den Pionieren dieser Entwicklung und präsentierte 1985 mit dem Optima die Grundlage für eine Erfolgsgeschichte. Es folgte allerdings noch eine wesentliche Innovation: Beim 1987 vorgestellten Optima Mid befand sich der Motor erstmals in der Mitte. So wurde ein Fahrverhalten erreicht, das sowohl RC-Rennfahrer als auch Amateure begeisterte und den Buggy zu einem Siegeszug führte. Seine zahlreichen Erfolge im Offroad-Racing haben dazu beigetragen, dass dieses Modell unter Fans heute unumstritten als Klassiker gilt.

Die Neuauflage: Technisch auf der Höhe der Zeit

Das Modell, das ich mir ausgesucht habe, ist die Koswork Edition des Optima Mid, herausgegeben als Teil der «Legendary Series» von Kyosho. Wie es sich gehört, ist die Optik des Originals zu wesentlichen Teilen gewahrt worden. Im Detail stecken aber Modernisierungen, die den Buggy im Fahrverhalten noch etwas gutmütiger und präziser machen sollen. Die Koswork Edition im Besonderen weist Optimierungen im Bereich der verwendeten Werkstoffe auf: So kommen hier einige Carbonteile sowie gehärtete Gewindestangen zum Einsatz. Diese sollen den Buggy robuster machen; nicht zuletzt sehen die Carbonteile aber auch schick aus an dem Modell.

Unpacking: Diese Teile sind dabei

Beim Kyosho Optima Mid handelt es sich – auch in der Neuauflage – um einen klassischen Bausatz. Das heisst: Alle Fahrzeugteile werden separat geliefert, und das Fahrverhalten des Modells ist letztlich von der handwerklichen Sorgfalt beim Zusammenbau abhängig. Ausserdem ist es dem Fahrer überlassen, das Fahrzeug mit einem Antrieb und Elektronikkomponenten nach eigener Wahl zu vervollständigen. Bei der Koswork Edition gehören die folgenden Teile zum Lieferumfang:

  • Das Chassis mit einem staubgeschützten Kanal für den 4WD-Antriebsriemen
  • Ein kugelgelagertes Metallgetriebe mit einer einstellbaren Rutschkupplung
  • Spritzgegossene Radaufhängungen aus unterschiedlich harten Kunststoffmischungen
  • Öldruckdämpfer aus Aluminium
  • Reifen und Schaumstoffeinlagen
  • Eine transparente Lexankarosserie

Wer – wie ich – nicht nur gerne RC-Fahrzeuge steuert, sondern auch Spass am Modellbau hat, ist hier genau richtig. Die folgenden Bilder geben euch einen Eindruck von der Ausgangslage und vom erforderlichen Aufwand beim Zusammenbau:

Der Aufbau: Ein Genuss für qualitätsbewusste Liebhaber

Das Zusammensetzen der Einzelteile des Kyosho Optima Mid macht Freude, denn man merkt sogleich: Diese sind von einem Hersteller mit grosser Erfahrung im RC-Modellbau gefertigt worden, der bei der Qualität der Materialien keine Kompromisse eingeht. Das Chassis macht einen soliden Eindruck: Die Konstruktion mit einem Oberdeck ist darauf ausgelegt, dem Fahrzeug eine hohe Festigkeit zu verleihen. Die Aufhängung ist ausgeklügelt konstruiert mit teils sehr formstabilen, teils aber auch sehr flexiblen Teilen, damit das Fahrzeug auch starke Stösse abfängt. Nicht zuletzt überzeugen zudem die minutiös geformten Öldruckdämpfer aus Aluminium bereits vom optischen Eindruck her.

Nachdem ich Schritt für Schritt – immer der gut verständlichen Anleitung folgend – das Getriebe und die Radaufhängungen aufgebaut und am Chassis montiert habe, komme ich zum Aufbau der Dämpfer. Klarer Fall: Das ist derjenige Schritt, der am meisten Fingerspitzengefühl erfordert. Zwar kriegt man bestimmt alles irgendwie auf die Reihe, doch präzises Arbeiten wird sich beim Fahren rasch bezahlt machen. Und letztlich ist es aufgrund der Qualität der Teile sogar möglich, den Rebound auf Anhieb ideal einzustellen.

Nun fehlen noch die Reifen und die Karosserie. Die «Sand Super»-Reifen montiere ich mit den dazugehörigen Schaumstoffeinlagen auf die Felgen und fixiere diese mittels Sekundenkleber, damit sie weder beim Beschleunigen noch beim Bremsen oder beim heftigen Aufsetzen verrutschen. Die transparente Lexankarosserie – ist sie erst einmal mit Schere und Skalpell ausgeschnitten – ist von innen zu lackieren. Die Farbe meiner Wahl ist das klassische Weiss des Originals; ich verwende einen Lexanspray von Ghiant. Zum Schluss kommen natürlich die passenden Sticker drauf, die dem Bausatz beiliegen.

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Geschafft: Das fertig aufgebaute Modell wartet auf seinen ersten Einsatz.

Antrieb und Elektronik: Nicht jede Wahl ist ideal

Fortlaufend habe ich beim Aufbau auch die Elektronikkomponenten verbaut, die ich mir ausgesucht habe. Beim Servo habe ich mich für einen Amewi Low Profile entschieden, da Präzision und Schnelligkeit beim Buggy wichtig sind, während er an die Stellkraft keine besonders hohen Anforderungen stellt. Als Empfänger wähle ich ein 2,4-GHz-Modell mit DSMR-Protokoll von Spektrum.

Beim Antrieb für meinen Buggy ist meine Wahl auf einen 13.5T-Motor gefallen: Aus meiner RC-Erfahrung weiss ich, dass dieser sensorgesteuerte Brushless-Motor gutes Ansprechen beim Herausfahren aus der Kurve mit hoher Performance auf der Geraden verbindet. Die Stromversorgung aller Komponenten gewährleistet ein 2S Hardcase LiPo-Akku von Gens Ace.

Ein wenig kniffliger als erahnt gestaltet sich der Einbau des Reglers; hier kommt bei mir ein Hobbywing XR10 zum Einsatz. Das Problem: Die Halterung für den Regler ist mit Gewinden ausgestattet, die meinem Regler fehlen. Mit ein wenig Do it yourself gelingt es mir jedoch letztlich, auch den XR10 sicher im Innern meines Optima Mid zu befestigen. Sicherlich wäre das Ergebnis kompakter und eleganter ausgefallen, hätte ich auf einen Regler aus der LeMans-Serie von Kyosho gesetzt.

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So sieht das Innenleben meines Kyosho Optima Mid nach dem Einbau von Antrieb und Elektronik aus.

Erstfahrt: Ein traumhaftes Fahrverhalten

Mit Spannung nahm ich meinen Kyosho Optima Mid erstmals mit nach draussen ins Gelände. Wird man dem Fahrzeug anhand einiger Macken anmerken, dass es aus einer früheren Epoche stammt? Oder wird es sich präzise steuern lassen wie ein RC-Offroader der neusten Generation? Bald zeigt sich, dass Letzteres zutrifft: Der Buggy fährt sich toll, lässt sich präzise um die Kurven gleiten und fängt Landungen elegant ab. Trotz seines Mittelmotors hat der Buggy bei griffigem Boden die Tendenz zum Wheelie, was den Spassfaktor noch erhöht.

Fazit: Dieses Stück RC-Modellbau-Geschichte ist immer noch aktuell

Anhand des Aufbaus eines Kyosho Optima Mid habe ich mich darauf eingelassen, in die erste grosse Blütezeit der RC-Modellbau-Geschichte einzutauchen – und ich bereue es nicht. Tatsächlich ist es weit mehr als nur Nostalgie, dass ein Klassiker wie der Optima Mid heute immer noch populär ist und von Kyosho neu aufgelegt worden ist. Und wenn ein Fahrzeug heute noch derart mit Leistung und Fahrspass zu begeistern vermag, kann man sich gut ausmalen, dass das Original 1987 als Sensation empfunden worden sein muss. Mein Optima Mid jedenfalls hat sicherlich noch viele Offroad-Einsätze vor sich. Verschiedene Ausführungen des Modells findet auch ihr im BRACK.CH-Onlineshop:

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Roy Nöthiger

Product Manager RC-Modellbau

Wie funkelten die Augen eines kleinen Jungen, als seine Eltern eines Abends mit einem Tamiya Buggy heimkamen. Und diese Begeisterung habe ich heute noch. Ob Drift, Race, Crawler, FPV oder 3D Heli, selbst ein Lowrider ist in meiner Sammlung. Sollte ich nicht am Basteln oder Airbrushen einer Karosserie sein, verbringe ich abenteuerliche Roadtrips auf meiner Enduro.

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