Interview mit Ivan Barbic

Ivan Barbic lebt seine Leidenschaft für Wein und Genuss seit früher Jugend und mit grosser Passion. Mit der Ausbildung «Master of Wine» zählt Ivan Barbic zu den anerkanntesten Profis dieser Disziplin und komponiert mit Winzern aus aller Welt aussergewöhnliche Weine von höchster Qualität.

Wann hat Ihre Faszination für Wein begonnen? Gab es einen bestimmten Moment, einen spezifischen Wein, der Sie «bekehrt» hat?

Ja. Das war nach der Matura im Sommer 1985 in einer Osteria in Florenz. Es war ein Sassicaia, wahrscheinlich Jahrgang 1981. Getrunken habe ich ihn aus einem normalen Wasserglas in der Pension, nachdem wir in der Osteria zuerst den Hauswein im Offenausschank bestellt hatten.

Sie haben Lebensmitteltechnologie an der ETH studiert und sind jetzt Inhaber des Titels «Master of Wine». Wie setzten Sie dieses Wissen bei der Kreation eines neuen Weines ein?

Das Lebensmittel-Ingenieurstudium hat mir die Grundlagen vermittelt, die Mikrobiologie und die Chemie des Weines verstehen zu können. Meine berufliche Erfahrung in der Weintechnologie und im Weinhandel haben mir dann ermöglicht, den MW-Titel zu erlangen. Diese Kombination von technologischem Wissen und den Kenntnissen verschiedener Weinmärkte bringe ich in meine Weinkreationen ein.

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Fachkundinge Umfüllung Bobal in Barriques

Drei ihrer Weine stammen von den mediterranen Küstengebieten Südfrankreichs. Aus welchen Gründen haben sie sich entschieden Weine aus dieser Region in ihre Produkt-Reihe aufzunehmen?

Sassicaia war mein erstes Erlebnis eines grossen Weines. Nachher entdeckte ich das französische Rhônetal, wo im Norden die grossartigen Rotweine der Hermitage aus der Syrah Traube entstehen. Aus dem Süden kommt der weltbekannte Klassiker Châteauneuf-du-Pape, der aus bis zu 13 verschiedenen Rebsorten hergestellt werden kann. Rotweine mit fülligem Körper, reifen, weichen Tanninen und einer intensiven und würzigen Aromatik, sind übrigens in der Schweiz besonders beliebt.


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Ihre beiden Weine aus Spanien und Italien sind aus den eher unbekannten Rebsorten Bobal und Nerello Mascalese gekeltert. Welches Foodpairing würden Sie unseren Lesern hierzu empfehlen?

Beide Rotweine sind teilweise in neuen Barriquefässern ausgebaut worden und haben deshalb eine gute Struktur und eine intensive und vielschichtige Aromatik. Zum etwas weicheren Bobal empfehle ich Rind- und v.a. Kalbfleisch, rezenten Hartkäse oder Pilzgerichte mit Teigwaren. Zum kräftigen Nerello Mascalese passt gegrilltes Fleisch wie Spare Ribs oder ein Rindsentrecôte exzellent, aber auch ein Gemüseauflauf mit Auberginen und Zucchetti, überbacken mit Ricotta.

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Herzhaftes Foodpairing zum Bobal Tierra de Castilla IGP: Stroganoff mit Pilzen

Was waren die Beweggründe bei den drei Schweizer Weinen jeweils eine «Assemblage» (Mischung) aus verschiedenen Rebsorten der Westschweiz zu keltern, statt auf Bekanntes wie zum Beispiel Chasselas zu setzen?

Bei der aktuellen For Friends-Weinreihe bin ich nicht schon bei der Weinbereitung und beim Weinausbau involviert, sondern stelle aufgrund von fertigen Weinen eine sogenannte Assemblage zusammen. Auch hier ist das Ziel, noch wenig bekannte Rebsorten oder Weinregionen vorzustellen. Daher enthält der « weisse For Friends» neben Chasselas auch Viognier und Sauvignon Blanc. Der Rosé ist aus Garanoir und Gamay gemacht und der Rote aus Gamay, Garanoir, Gamaret und Dornfelder. Der Fokus liegt darin, zugängliche Weine aus der Schweiz anzubieten, die mit ihrer leichten Restsüsse ein breites Publikum ansprechen

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Was wäre Ihre Experten-Empfehlung für jemanden der Ihre Weine noch nicht für sich entdeckt hat?

Wer auf der Suche nach Neuntdeckungen ist, sollte unbedingt diese Weine mal probieren: Den Bobal, Nerello Mascalese und den Cairanne, der sich durch seinen relativ hohen Anteil an Mourvèdre (in Spanien «Monastrell») auszeichnet. Der Minervois Château d’Agel und der Miramar Rosé Côtes-de-Provence kommen aus bekannteren Regionen. Sie sind wegen ihrer Qualität aber auch aussergewöhnlich.

Alle Weine von Ivan Barbic

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Sarina Frei

Sarina Frei

Content Manager BRACK.CH

Foodista, e-Sports-Enthusiastin & Sprachfreundin | Seit 2018 schreibe ich nebst meinem Studium Texte für BRACK.CH für Produkte und Themenwelten aus dem Food-Bereich und lasse mich davon auch in meiner eigenen Küche inspirieren.

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