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VSync, G-Sync, FreeSync, Bahnhof – Welche Sync-Technologie braucht mein Gaming-Monitor?

Die einzigen Streifen, die du in deinem Game sehen solltest, sind die, die das Game dir zeigen will – und keine hässlichen Artefakte, die dein Monitor fabriziert, weil er sich nicht mit der Grafikkarte versteht. Deshalb ist es wichtig, sich vor dem PC- und Monitorkauf mit Sync-Technologien zu beschäftigen. Worum es sich bei all diesen «Sync»-Technologien und Begriffen handelt und warum diese Informationen wichtig sind, erfährst du hier.

Die Hersteller von Grafikkarten, Spielkonsolen, Fernsehern und Monitoren überschütten die kaufwilligen Gamerinnen und Gamer mit Dutzenden Zahlen und Tech-Begriffen. Als wären Eigenschaften wie Auflösung, Wiederholrate und Reaktionszeit nicht genug, beglücken sie uns auch noch mit Stichworten wie «G-Sync», «FreeSync», «Adaptive-Sync», «VSync» oder auch «VRR» und Varianten davon. Vorweg: Alle diese Sync-Technologien haben eine Gemeinsamkeit: Sie verhindern «Screen-Tearing».

Was ist Screen-Tearing?

Der Begriff «Screen-Tearing» lässt sich ungefähr mit «Bildschirm-Zerreissen» übersetzen und meint damit einen hässlichen Effekt, der sich meist in Form horizontaler Linien im bewegten Bild manifestiert. Er entsteht dadurch, dass die Grafikkarte mehr Bilder pro Sekunde liefert, als der Bildschirm darstellen kann.

Ein bewegtes Bild besteht aus mehreren Einzelbildern, die im Falle eines Games von der Hardware errechnet und an den Output der Grafikkarte geschickt werden. Nun sendet die Grafikkarte ein Bild los, bevor der Monitor das vorherige Bild fertig dargestellt hat. Mitten im Bild merkt der Monitor, dass ein neues Bild vorliegt und zeichnet zum Beispiel in der unteren Hälfte das neue Bild, während in der oberen Hälfte noch das vorherige zu sehen ist. Das fällt bei schnellen Spielszenen oder Kameraschwenks besonders auf. Darum entstehen mitten im Bild Linien (Bild 1).

Bild 1: Wäre dies ein schneller Kameraschwenk, könnte ein Tearing-Effekt so aussehen


Anti-Tearing-Methoden

Damit das nicht passiert, hat die Industrie mehrere Methoden und Standards entwickelt. Je nach Hersteller und Schnittstelle werden andere unterstützt, was beim Gerätekauf Verwirrung stiften kann.

VSync

VSync ist die Kurzschreibweise von Vertical Sync. Diese Technologie unterstützen heutzutage alle nennenswerten Grafikkarten und Monitore. Mit VSync wird der Grafikkarte erst erlaubt, ein neues Bild zu schicken, wenn der Monitor mit dem vorherigen Bild fertig ist. Um dies zu erreichen, wird die Bildrate der Grafikkarte meist per Einstellung im Game auf die maximale Bildrate des Monitors begrenzt. Diese rudimentäre Sync-Funktion kann zu einem anderen Problem führen: dem Input-Lag. Von dieser Eingabeverzögerung spricht man, wenn die Auswirkungen eines Tastendrückers oder einer Mausbewegung auf dem Bildschirm verzögert dargestellt werden. Besonders bei schnellen Spielen, in denen Sekundenbruchteile entscheidend sind (Shooter, Rennspiele etc.), wird der Input-Lag zur Spassbremse.

Adaptive/Dynamic VSync

Hier gehts auch schon los mit den Hersteller-Eigenheiten. Adaptive/Dynamic VSync ist grundsätzlich VSync, aber mit einem kleinen Unterschied: Sobald die Framerate der Grafikkarte unter 60 Hertz fällt, wird VSync ausgeschaltet. Das steuert einem Ruckeln und dem Input-Lag etwas entgegen. Was bei Nvidia «Adaptive VSync» heisst, findet man bei AMD unter dem Begriff «Dynamic VSync».

VRR

Alte Röhrenfernseher im europäischen PAL-Format kannten exakt eine Bildwiederholrate: 50 Hertz, also 50 Bilder pro Sekunde. Moderne Bildschirme unterstützen heute jedoch alle möglichen Wiederholraten, beispielsweise ab 24 oder 30 Hertz bis zum jeweils für den Monitor spezifizierten Maximum (z.B. 144 Hertz). Diese Wiederholrate kann sich während des Spielens laufend ändern. Hier tritt die variable Refresh-Rate, abgekürzt VRR, auf den Plan. VRR ist ein Standard des HDMI-Konsortiums und erfordert mindestens die Schnittstelle HDMI 2.1.

Diese Technologie synchronisiert die Wiederholraten zwischen Abspielgerät und Bildschirm. Die aktuellen Spielkonsolen PlayStation 5 und Xbox (Series X und S) unterstützen sie inzwischen beide. VRR-Funktionen können theoretisch auch eine Rolle bei der Energieverwaltung spielen: Solange in einem Game nicht viel passiert, weil vielleicht nur ein statisches Menü geöffnet ist, darf der Monitor seine Bildwiederholrate senken, um Strom zu sparen.

Aufgepasst: VRR ist keine verpflichtende Funktion in HDMI. Besonders in günstigeren TV-Geräten könnte sie theoretisch fehlen – trotz HDMI 2.1. Darum solltest du etwa beim TV-Kauf prüfen, ob das Wunschgerät damit ausgestattet ist oder ob es andere Gaming-Funktionen unterstützt.

Um die Verwirrung zu komplettieren: Auch bei den nachfolgend vorgestellten, teils proprietären Methoden handelt es sich um «variable Refresh-Raten» im wörtlichen Sinne, die aber nicht «VRR» heissen.

Adaptive-Sync

Man bemerke «Sync» anstelle von «VSync». Die Video Electronics Standards Association (VESA) hat diesen Standard im Jahr 2014 für die DisplayPort-Schnittstelle spezifiziert. Es ist eine Art Basis-Sync-Technologie, die es dem Monitor ermöglicht, seine Bildwiederholungsrate dynamisch an die Bildrate der Grafikkarte anzupassen, um Screen-Tearing zu vermeiden. Weil hierfür die Grafikkarte mit dem Monitor «redet», müssen beide Geräte diese Technologie unterstützen. Adaptive-Sync ist mit einer breiten Palette von Grafikkarten und Monitoren kompatibel, aber nicht alle Monitore sind mit Adaptive-Sync ausgestattet.

Davon abgeleitet sind die nachfolgenden Technologien der einzelnen Hersteller entstanden, die nur zum Teil auch via HDMI funktionieren. Sie tun alle das Gleiche, sind aber miteinander nicht unbedingt kompatibel.

FreeSync (AMD)

Vom Prozessor- und Grafikkartenhersteller AMD stammen FreeSync (Basic), FreeSync Premium und FreeSync Premium Pro. Sie funktionieren sowohl via DisplayPort als auch über HDMI. FreeSync basiert vollständig auf dem freien VESA-Adaptive-Sync-Standard. AMD verzichtet auch auf Lizenzgebühren, weshalb jeder Monitor-Hersteller diesen Standard kostenlos in seine Geräte einbauen darf. Darum ist FreeSync-Support weiter verbreitet als G-Sync-Support – dazu später mehr.

FreeSync Premium (ehemals FreeSync 2) ist besser auf hohe Wiederholraten (120 Hertz) optimiert und fügt eine Kompensation für niedrige Bildraten hinzu. Und bei FreeSync Premium Pro (ehemals FreeSync 2 HDR) kommen noch HDR-Optimierungen hinzu. Alle AMD-Radeon-Grafikkarten seit 2013 unterstützen FreeSync (Bild 2). Und seit ca. 2019 auch die meisten GeForce-Grafikkarten.

Die Liste aller FreeSync-tauglichen Monitore findest du hier.

Und die Liste aller Games, die FreeSync Premium Pro unterstützen, hier.

Bild 2: die Grafikkarte Asus ROG STRIX Radeon RX5700, natürlich mit FreeSync


G-Sync (Nvidia)

Anders als AMD hat Nvidia zunächst nicht den VESA-Standard übernommen, sondern mit G-Sync eine eigene Adaptive-Sync-Variante entwickelt. GeForce-Grafikkarten seit der GTX 650 Ti Boost (2013) sind damit ausgestattet (Bild 3). Bis auf relativ wenige neuere Geräte, die G-Sync auch via HDMI 2.1 liefern, funktioniert G-Sync in der Regel nur via DisplayPort.

Bild 3: Auch diese GeForce RTX 3070 Ti von Palit kommt selbstverständlich mit G-Sync

Wie bei FreeSync gibts auch von G-Sync drei Stufen: Als G-Sync Compatible (die Basis-Variante) gilt ein Monitor, der von Nvidia zertifiziert wurde und mit grundlegenden G-Sync-Funktionen läuft. Diese Compatible-Spezifikation hat Nvidia wohl einigermassen widerwillig erst 2019 nachgereicht. Es handelt sich sozusagen um Nvidias Adaptive-Sync-Implementierung. Daher laufen damit grösstenteils auch Monitore, die laut Datenblatt «nur» Adaptive-Sync oder FreeSync unterstützen und nicht offiziell als «G-Sync-compatible» zertifiziert sind.

Beim echten G-Sync (ohne den Zusatz «Compatible») muss der Monitor über einen proprietären G-Sync-Prozessor verfügen, was ihn (nebst der Zertifizierung) zusätzlich verteuert. Hier beginnt der Bildratenbereich aber schon bei 1 Hertz. Und «G-Sync Ultimate» ist auch bei Nvidia jene Variante, die zusätzlich Optimierungen für HDR implementiert.

Nvidia führt ebenfalls eine Liste mit zertifizierten und somit G-Sync-tauglichen Bildschirmen. Du findest sie hier.

Fazit: Technologien beim Kauf beachten

Es ist aufgrund einiger Zugeständnisse seitens Nvidia in den vergangenen Jahren einfacher geworden, spieletaugliche Hardware anzuschaffen. Beim Computer-, Monitor- oder Grafikkartenkauf lohnt sich eine Betrachtung der unterstützten Technologien dennoch.

Als Besitzerin oder Besitzer einer AMD-Radeon-Grafikkarte ist deine Monitorwahl am einfachsten. Such dir das Modell aus, das alle deine anderen Bedürfnisse (Grösse, maximale Refresh-Rate etc.) erfüllt. Meistens ist der Blick in die unterstützte Sync-Technologie danach nur Formsache, denn FreeSync oder Adaptive-Sync beherrschen die meisten fürs Gaming vorgesehenen Displays. Und du kommst damit vergleichsweise kostengünstig weg.

Steckt in deinem Gaming-Rechner eine Nvidia-GeForce-Grafikkarte, schau dich am besten zuerst bei jenen Monitoren um, die mindestens das G-Sync-Label besitzen. In unserem Shop findest du dazu bei den Monitoren den Filter «Gaming-Funktionen» (Bild 4).

Bild 4: Hier filterst du nach Adaptive- und sonstigen -Syncs

Die G-Sync-Bildschirme sind in der Regel teurer. Sollte keiner in dein Budget passen oder zählst du dich nur zu den Gelegenheits-Gamern, tuts auch ein Monitor mit FreeSync oder Adaptive-Sync.

Im umgekehrten Fall steht vielleicht schon ein G-Sync-Monitor auf deinem Schreibtisch. Da dürfte die Entscheidung beim Grafikkartenkauf eher zugunsten einer Nvidia GeForce ausfallen.

Kommen wir noch zum Fernseher, an dem Spielkonsolen wie die PlayStation 5 oder die Xbox Serie S und X via HDMI andocken. Greife für flüssiges Gaming-Vergnügen am besten zu einem Gerät mit 120 Hertz und – wichtig – mit VRR. Falls du bei den Spezifikationen des Geräts unsicher bist oder noch weitere Informationen benötigst, verwende die «Fragen & Antworten»-Funktion in unserem Shop, um einem Fehlkauf zu entgehen. Am besten fährst du natürlich, wenn das Gerät alle relevanten Standards zu bieten hat (Bild 5).

Bild 5: Dieses Gerät versteht jede fürs Gaming relevante Sync-Sprache


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Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit PCtipp entstanden.

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