Drohnen erobern die Unterwasserwelt

Tauchende Drohnen? Ja, die gibt es. Der fernöstliche Hersteller Chasing hat sein neuestes Modell «Dory» vom Stapel gelassen. Was die preisgünstige und vorwiegend für private Anwender entwickelte Unterwasser-Drohne kann, zeigt unser Test. Und klar: Wer einen echten Elefanten beim Schwimmen beobachten will, der sollte dies vermutlich besser im Zoo oder der freien Wildbahn machen. Spass macht die neueste Drohne von Chasing aber auf jeden Fall, auch ohne Dickhäuter vor der Linse.

Fliegende Kameradrohnen gibt es einige zu kaufen. Gemeinsam ist diesen Fluggeräten, dass man damit wirklich atemberaubende Videos oder Fotos aus der Vogelperspektive aufnehmen kann. Dank zahlreichen Sensoren, Assistenzsystemen und künstlicher Intelligenz auch gänzlich ohne spezielle Fähigkeiten im Umgang mit RC-Flugmodellen. Im industriellen Kontext ermöglichen diese Fluggeräte eine schier unglaubliche Zahl von Einsatzmöglichkeiten wie zum Beispiel Aufklärungs-, Wartungs-, Vermessungs- und sogar Rettungseinsätze – kostengünstig, effizient und schnell. Die Möglichkeiten sind vielfältig und haben ungeahntes Potenzial. Eine weitere Gemeinsamkeit der Drohnen ist ihr Element, nämlich die Luft.


Aber wussten Sie bereits, dass es auch Drohnen gibt, die ähnliches im Wasser leisten?


Chasing-Innovation – Hersteller von Tauchdrohnen


Der fernöstliche Hersteller Chasing erschliesst mit seinen innovativen Produkten seit April 2016 auch das Element Wasser. Gegründet wurde das Unternehmen in Shenzhen in China. Dies mit dem erklärten Ziel, ein führendes Unternehmen in der Herstellung von Unterwasserrobotern zu sein. Neben Forschung und Entwicklung gehören auch Produktion und Vertrieb zu den Kompetenzen des jungen Unternehmens, das in der Zwischenzeit bereits rund 100 Mitarbeiter beschäftigt.


Mit dem Gewinn des Red Dot Product Design Awards im Jahr 2019 ist die Firma in den Fokus technikbegeisterter Personen gerückt. Damals mit dem Produkt «Gladius Mini», das seither als Meilenstein in dieser Produktsparte gilt.


Im September 2019 kam die CHASING Dory auf den Markt. Eine vergleichsweise preiswerte Tauchdrohne, die vor allem private Verwender für die Unterwasserwelt begeistern will. Weil uns das Produkt so gut gefällt, stellen wir es hier gerne vor.


CHASING Dory – Verpackungsinhalt und Voraussetzung für den ersten Start


Elegant verpackt kommt die Dory daher. Aber bekanntlich sind es die inneren Werte, die zählen. Im Lieferumfang der CHASING Dory befindet sich das eigentliche Tauchgerät mit seinem fest verbauten Lithium-Polymer-Akku. Mit seiner Kapazität von 4800 mAh lassen sich Tauchgänge bis zu einer Stunde realisieren. Jede Menge Zeit also, um die Unterwasserwelt zu entdecken. Die maximale Tauchtiefe liegt bei 15 m. Das ist doch schon um einiges tiefer, als der «Normalo» in der Regel taucht.


Über das mitgelieferte Netzteil lässt sich die Drohne mit wenigen Handgriffen ohne weiteres Zubehör aufladen, bei 1,8 Ampere dauert dies maximal drei Stunden. Eine simple LED zeigt mit grüner Farbe an, wenn der Akku vollständig geladen wurde. Ebenfalls im Lieferumfang enthalten sind ein 25 Meter langes Kabel sowie eine WiFi-Boje.


Die Tauchdrohne wird via Kabel mit der schwimmfähigen Boje verbunden. Die Boje überträgt das Bild mittels WiFi-Signal zum Smartphone und die Steuerbefehle zurück zur Drohne. Simpel und entsprechend zuverlässig. Die Steuerung sowie die Anzeige der Videoübertragung erfolgt, wie bereits erwähnt, wahlweise über ein Smartphone oder ein Tablet (Hinweis für Sparfüchse: die aber natürlich nicht im Lieferumfang enthalten sind). Oder genauer: über eine App, die auf Smartphone bzw. Tablet heruntergeladen werden muss. Es gibt sowohl eine iOS-App für iPhones/iPads (ab iOS 9.0) als auch eine App für Android-Geräte (ab Android 5.0). Die Installation ist – wie bei Smartphone-Apps üblich – einfach und klappt wirklich sehr intuitiv.


Startklar ist die Drohne wirklich schnell: Tauchdrohne mittels Kabel mit der Schwimmboje koppeln, die Drohne über WLAN mit dem Handy verbinden, die Chasing-App starten, und die Entdeckungsreise kann beginnen.


Jetzt aber ab ins Wasser


Die ersten Tauchversuche mit der Dory haben wir in einem ruhigen Abschnitt der Aare unternommen. Das Ansprechverhalten beim Abtauchen ist zunächst etwas träge, sobald sich aber die ganze Drohne unter der Wasseroberfläche befindet, wird die Steuerung agiler und das kleine «U-Boot» lässt sich leicht steuern.


Gestört hat aber die vorhandene Restströmung, vor allem dann, wenn man eine Aufnahme starten oder einfach nur ein Foto schiessen wollte. Kaum nimmt man den Finger von der Steuerung, wird die Drohne weggetrieben. Das stört ein wenig beim Entdecken der Unterwasserwelt. Es ist zudem ein bisschen Übung erforderlich, um das Gerät mit den virtuellen Sticks zu bedienen. Man darf den linken Daumen keinen Moment vom Smartphone nehmen, weil sich die Stickposition sonst verschieben kann. Abhilfe schafft hier der optional erhältliche Gamestick für das Smartphone.

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Erster Test in einem ruhigen Abschnitt der Aare. Alles ist bereit für den ersten Tauchgang. Der Puls steigt etwas! Los geht's ...


Wer etwas mehr Geld investieren möchte, der wird mit dem Handsender wirklich glücklich werden. Echte Sticks ermöglichen ein feinfühligeres Steuererlebnis. Das war schon bei vielen anderen Drohnen der Fall.

Nicht wirklich empfehlenswert ist übrigens das Durchtauchen von Schlammansammlungen und das Tauchen in der Nähe von Schlingpflanzen. Beides kann die Steuermotoren blockieren, was einen zum Auftauchen zwingt. Passieren kann dabei nicht viel, es sei denn, die Drohne befindet sich zu diesem Zeitpunkt in einer starken Strömung. Sie könnte in einem solchen Fall abgetrieben werden.

Im Grunde kann für solche Fälle aber einfach vorgesorgt werden. Wir haben die Boje einfach zusätzlich per Seil gesichert. So kann das Tauchgerät jederzeit auch manuell eingeholt werden, und man muss selbst nicht zwingend schwimmen gehen, um die manövrierunfähige Drohne zurückzuholen. Je nach Aussentemperatur wäre das aber auch nicht besonders schlimm.

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Der optionale Handsender verbindet sich über Bluetooth mit dem Smartphone. In der App kann dieser markiert und somit verwendet werden. Einfacher geht es nicht.


Für den zweiten Tauchgang haben wir uns ein stehendes Gewässer ausgesucht und den optional erhältlichen Handsender auch in die Test-Ausrüstung aufgenommen. Dieser lässt sich ganz einfach über Bluetooth mit dem Smartphone koppeln. In der App braucht er nur noch aktiviert zur werden und ist dann einsatzbereit.

Wichtig: Das Gerät muss im Dialog angewählt werden. Die Steuerung wird damit tatsächlich sehr viel präziser, und das Tauchgerät lässt sich insgesamt einfacher pilotieren. So macht die Dory maximalen Spass. Im Rahmen unseres zweiten Tests im Neuenburgersee hat die Dory ihr volles Potenzial unter Beweis stellen können.


Chasing Dory: unser Fazit


Es gibt wirklich viel Spannendes und auch Unerwartetes im Wasser zu entdecken. Die Akkulaufzeit von einer Stunde wird zum kurzweiligen Exkurs in eine ungeahnt vielseitige Unterwasserwelt. Die vorhandenen LED-Scheinwerfer sorgen für mehr Licht auch in grosser Tiefe. Alles in allem ist die Dory ein spannendes Stück Technik für Hobbytaucher, die nicht mit Flossen und Sauerstofflasche unterwegs sein wollen oder können. Die Smartphone-App bietet spannende Zusatzfunktionen, um Videos und Bilder zu bearbeiten und beispielsweise über Social Media zu teilen. Auf diese Weise können Familie und Freunde jederzeit über Forschungsergebnisse und spannende Entdeckungen auf dem Laufenden gehalten werden. Ein echt cooles Gerät für kurzweilige Stunden am See.

Und wenn ihr schon zum See aufbrecht: Ganz klar Badehosen nicht vergessen! Dann bleibt's auch weiter cool, wenn die Drohne wieder an die Ladestation muss.

Apropos cool: Sicher nicht cool ist es, wenn man die Dory in Uferschutzzonen und Naturschutzgebieten betreibt. Das ist nämlich wie bei allen Drohnen nicht gestattet.

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Maurice Lüscher

Maurice Lüscher

Product Manager RC & Modellbau

Ich bin bei BRACK.CH als Product Manager im Bereich RC & Modellbau tätig. Neben der Zeit mit meiner Familie bin ich gerne rasant auf den Schweizer RC Rennstrecken unterwegs. Technik hat mich seit jeher fasziniert. Ich tüftle gerne an meinen Modellen um diese nach Möglichkeit noch schneller zu machen. Begonnen habe ich mit dem Hobby im Alter von 14 Jahren.

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