Cobi – Bauklötzchen aus Polen

Seit Jahrzehnten ist Konstruktionsspielzeug der Renner in Kinderzimmern weltweit. Wer nach Alternativen zu den beliebten Plastik-Knopfbausteinen aus Dänemark sucht, findet womöglich einigen Billigmist auf dem Markt. Steine, die nicht richtig zusammenpassen, Modelle, die schnell in tausend Teile zerbrechen, Instruktionen, die nicht verständlich sind ... Positiv überrascht war der Verfasser dieser Zeilen vom polnischen Hersteller Cobi.

Über die Jahre gab es viele «Generika» zu LEGO. Von Mattel etwa gibt es zur Videospielserie «Halo» mehr oder weniger Lego-kompatible Bauklötzchen-Sets, von Hasbro zu ihren «Transformers» oder zu «Star Trek», und von McFarlane Toys zu «The Walking Dead». Daneben lernte ich auch noch Modelle von Nanoblock und Brixies kennen, die mit Miniatursteinchen arbeiten.

Kürzlich habe ich in unserem Onlineshop die Sets von Cobi entdeckt. Vom deutschen YouTube-Star « Herr der Steine », der selber auch einen Shop für Konstruktionsspielzeug führt, kannte ich den Namen des Herstellers bereits. Beim Betrachten der Sets im Shop sind mir zwei Dinge aufgefallen:

  1. der relativ günstige Preis für relativ viele Klötzchen
  2. der Hersteller wagt sich auch an Modelle im Zusammenhang mit Kriegsgeschichte

Von Punkt Zwei mag man halten, was man will – Punkt Eins ist sicher willkommen. Denn wenn man auf Konstruktionsspielzeug steht, tut das nicht nur dem Fuss weh, sondern unter Umständen auch dem Portemonnaie. Höhö.

Doch was taugt nun Cobi? Zu Forschungszwecken habe ich mir die Apollo-11-Mondlandefähre von Cobi zugelegt. Dank des landesweiten Lockdowns hatte ich auch genug Zeit, um es zusammenzusetzen.

Review

Also frisch drauflos ...

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Der Bau ist aufgeteilt in zwei Etappen, für die man jeweils sechs Säckchen öffnen muss. Wer von Lego kommt, dürfte anfangs irritiert sein, dass nicht alle Beutel eine Nummer tragen. Die 36-seitige Anleitung ist ähnlich gut verständlich gemacht wie bei dem grossen Konkurrenten aus Dänemark. Anhand von Pfeilen wird Schritt für Schritt angezeigt, welcher Pin worauf zu liegen kommt. Ungewöhnlich ist, dass nur diejenigen Teile eingefärbt sind, die beim aktuellen Bauschritt hinzugefügt werden müssen. Das dient zwar der Benutzerführung, macht es aber eventuell schwieriger, Teile farblich auseinander zu halten. Toll: Die Anleitung enthält einen aufwändig gestalteten, wenn auch kurzen und nur in englischer Sprache verfügbaren, dreiseitigen Wissensteil am Anfang, und sowohl Material als auch Druck fühlen sich hochwertig an.

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Die Anleitung sensibilisiert darauf, dass unterschiedliche Teile in diesem Set sehr ähnlich aussehen – toll!

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Hier einer der beiden beigepackten Astronaut*innen. Unser Hosentaschen-Armstrong verfügt mehr oder weniger über dieselben Artikulationsmöglichkeiten wie Lego-Minifiguren. Das Visier des Helms ist beweglich, und der Kopf ist realistischer ausgeformt als bei den Legoweibchen und -männchen. Kopf, Torso und der Rucksack fürs Lebenserhaltungssystem sind mehrfarbig bedruckt.

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Zuerst wird der untere, dann der obere Teil der Landefähre zusammengebaut. Ein wenig mehr als eine Stunde nach Baubeginn ist das Modell fertig gebaut.

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Das Modell verfügt über bewegliche Sensoren, eine Leiter, eine Einstiegsluke und eine Düse auf der Unterseite. Zudem gibt es eine US-Flagge, die die Astronauten auf einem winzigen Stück Mondoberfläche, dargestellt durch eine simple schwarze Flügelplatte, platzieren können.

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Fazit

Zuerst mal eine kleine Offenlegung. Ich war schon immer LEGO-Fan. Mit der Lego-City-Snackbar und der gelben Ritterburg hatte es begonnen, setzte sich über die Jahre mit den Space- (ja, auch dem Monorail!) und den Piratenschiff-Sets fort. Später dann faszinierten mich die Technic-Modelle. Und im Erwachsenenalter setzte die Faszination erneut ein, als das dänische Unternehmen Lizenzen wie Star Wars, Marvel oder seit Neustem Nintendo ergattert hat. Deshalb kommt es auch heute noch gelegentlich vor, dass ich gerne ein solches Modell zusammensetze.

Der Zusammenbau der Apollo 11 von Cobi machte mir denn auch richtig Freude. Die Anleitung ist top, die Bauzeit von 75 Minuten, wenn man es wie ich gemütlich nimmt, leider im Nu vorbei. Die Nummerierung der Beutel in der Packung funktioniert etwas anders als bei Lego, aber bei diesem 370-teiligen Set ist das kaum eine Herausforderung. Cool für mich: kein einziger Sticker! Figuren und einige Teile sind bedruckt, es müssen keine Aufkleber angebracht werden. Da bin ich immer so schlecht drin. Fällt hier komplett weg. Hach! Auch die Verarbeitungsqualität der Bausteine stimmt. Die Teile passen wie beim dänischen Primus tiptopp. Weder braucht es viel Kraftaufwand, damit Teile aneinander halten, noch fallen sie leicht auseinander. Genau richtig einfach.

Preis und Leistung stimmen für mich. Das Set kostet bei uns 36.– Franken. Bei 370 Teilen macht das einen Preis von 10 Rappen pro Teil. Im Vergleich dazu, und diesen Vergleich muss sich Cobi freilich gefallen lassen, kostet die Apollo-11-Version von Lego 119.– Franken für 1087 Teile, macht 11 Rappen pro Lego-Teil. Wer das Lego-Modell kauft, erhält für 3,3 Mal so viel Geld 2,9 Mal so viele Teile. Mit den goldfarbenen Teilen wirkt das Lego-Modell wertiger, bei Cobi ist die untere Sektion einfach nur goldgelb.

Das führt uns zu folgender Frage: Wer soll das kaufen? Der Vermerk «STEM» und das Smithsonian-Logo lassen vermuten, dass mit dem Modell Lerninhalte vermittelt werden sollen. Auf der Anleitung empfiehlt der Hersteller das Modell Kindern ab einem Alter von sechs Jahren. Das würde also für eine eher junge Zielgruppe sprechen. Jedoch hält sich die Bespielbarkeit des Modells in Grenzen. Kinder können mit dem Modell Start und Landung nachspielen, die Platzierung der Fahne oder zum Beispiel die Reparatur der Sensoren. Auch wenn die kindliche Fantasie sicherlich noch mehr Storys zum Spielen erdenkt: Es gibt insgesamt nur wenig Bewegliches am Modell, das den Spielspass erhöhen würde. Die Sensoren lassen sich drehen, ebenso die Leiter und die Luke. Drinnen hat höchstens eine der beiden Figuren Platz. Also muss eine/r auf dem Mond bleiben ..? Von dem her sehe ich das Modell nach dem wirklich superspannenden Aufbau eher zum Ausstellen als zum Spielen. Das deckt sich auch mit der Beobachtung, dass das Modell zwar von der Bautechnik her durchaus ziemlich stabil ist, auf jeden Fall vergleichbar mit Lego-Modellen, aber bei ruppigem Umgang sich schnell einmal die obere von der unteren Sektion trennen könnte.

Auf jeden Fall kann ich, der vor allem Freude am Aufbauen hat, mir – in der jetzigen Zeit sowieso – gut vorstellen, mich an eins der grösseren Cobi-Schiffsmodelle ohne Spielfiguren zu wagen. Denn die Spielfiguren würde ich am liebsten (wie passend in diesem Fall!) auf den Mond schiessen ...

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Kommentare

Lego-Bauer
05.05.2020 16:00
Ich habe auch schon Modelle von Cobi gebaut und die Teile sind wirklich gut und qualitativ hochwertig. Oft verwendet Cobi leider zu viele Spezialteile: Das macht die Modelle zwar schöner, dafür ist man weniger flexibel wenn man daraus etwas eigenes bauen will, als wenn Modelle aus Standardteilen bestehen. Im Vergleich zu Lego würde ich sagen: Fast so gut, resp. unwesentlich schlechter. Die Spielfiguren sind zugegebenermassen hässlich, aber es ist ja alles mit LEGO kompatibel. Im Preisvergleich ist Cobi aber "eine Bombe". Kleine Anmerkung: Korrekt heissen die Teile "Klemmbausteine" oder "Bricks" in Englisch, aber "Bauklötzchen" sind es nicht.
BRACK.CH
05.05.2020 18:04
Bitte verzeihen Sie uns die begriffliche Ungenauigkeit. Herzlichen Dank für den Hinweis, das ist natürlich korrekt, das diese hier keine Bauklötze sind. Das mit den Spezialteilen ist eine Beobachtung, die ich teile, aber eigentlich bei allen LEGO-Alternativen. Am Augenscheinlichsten wohl bei der Dalek-Untertasse aus dem entsprechenden Dr.-Who-Set des Herstellers "Character Building". Da ist der tatsächliche Gehalt an Bricks gering. Die riesigen Spezialteile lassen sich eigentlich nur zum Bau von fliegenden Untertassen verwenden. Besten Dank für den Kommentar, weiterhin viel Spass beim Bauen und freundliche Grüsse vom BRACK.CH-Team